28.02.05

Nachwehen

Nur 13 Richtige! Wuähhh!

27.02.05

Andi geht zu Oscar 2005

Solange diese andere Site noch in Reparatur ist, lagere ich meine Prognose hierher aus. Mal sehen, ob ich meinen letztjährigen Rekord von 17 Richtigen in 24 Kategorien schlagen kann. Wenn der gute Marty endlich dran ist, in mehreren Kategorien "dark horses" gewinnen, weil sich zwei Topfavoriten gegenseitig die Stimmen wegnehmen, und die Academy ihren Geschmack in den letzten zwölf Monaten nicht radikal zum Guten gewendet hat, könnte es vielleicht klappen ...

Bester Film: "The Aviator"
Beste Regie: Martin Scorsese für "The Aviator"
Bestes Originaldrehbuch: Charlie Kaufman u.a. für "Eternal Sunshine"
Bestes adaptiertes Drehbuch: Alexander Payne und Jim Taylor für "Sideways"
Bester Schauspieler in einer Hauptrolle: Jamie Foxx in "Ray"
Beste Schauspielerin in einer Hauptrolle: Imelda Staunton in "Vera Drake"
Bester Schauspieler in einer Nebenrolle: Clive Owen in "Closer"
Beste Schauspielerin in einer Nebenrolle: Cate Blanchett in "The Aviator"
Beste Kamera: Robert Richardson für "The Aviator"
Beste Ausstattung: Dante Ferretti und Francesca Lo Schiavo für "The Aviator"
Beste Kostüme: Alexandra Byrne für "Finding Neverland"
Bestes Makeup: Jo Allen und Manolo García für "Mar adentro"
Beste Tonmischung: Greg Orloff u.a. für "Ray"
Bester Tonschnitt: Michael Silvers und Randy Thom für "The Incredibles"
Beste visuelle Effekte: John Nelson u.a. für "I, Robot"
Bester Schnitt: Thelma Schoonmaker für "The Aviator"
Beste Filmmusik (Score): Jan A. P. Kaczmarek für "Finding Neverland"
Beste Filmmusik (Lied): Andrew Lloyd Webber und Charles Hart für "Learn To Be Lonely" aus "The Phantom of the Opera"
Bester fremdsprachiger Film: "Mar adentro"
Bester Kurzfilm: "7:35 de la mañana"
Bester Animationsfilm: "The Incredibles"
Bester Animationskurzfilm: "Ryan"
Bester Dokumentarfilm: "Twist of Faith"
Bester Dokumentarkurzfilm: "Autism is a World".

Eine Sklavenmutter beschwört ihr Kind

Fast genau eineinhalb Jahre nach Ulrike Marie Meinhofs Berliner Fenstersprung, also Mitte November 1971, hatte ihre Pflegemutter Renate Riemeck sie in einem offenen Brief in "konkret" beschworen, den antiautoritären Aufstand nicht mit dem Anfang einer Revolution zu verwechseln und sie völlig korrekt darauf hingewiesen, dass die Bundesrepublik Deutschland "kein Pflaster für eine Stadtguerilla lateinamerikanischen Typs [ist]. Hierzulande sind höchstens die Voraussetzungen für ein Schinderhannes-Drama gegeben."

Dies war Meinhofs Antwort, "Eine Sklavenmutter beschwört ihr Kind". Und ja, ich weiß, wer Ulrike Meinhof ist. Und dennoch ruft sie zum wahren Handeln in der Situation auf, in der sie sich falsch wahnte. Zitiert aus diesem Buch, Seite 209 f.:

Ulrike, du bist anders als dein Steckbrief, ein Sklavenkind - selbst Sklavin.
Wie also solltest du fähig sein, auf deine Unterdrücker zu schießen?
Laß dich nicht verführen von jenen, die keine Sklaven mehr sein wollen.
Du kannst sie nicht schützen.

Ich will, daß du Sklavin bleibst - wie ich. Ich und du - wir haben gesehen, wie die Herren den Aufstand der Sklaven zerschlugen, noch ehe er begann.
Viele Sklaven sind umgekommen, wir aber überlebten. Sie, die sich heute über die Herren erbittern, wissen ja nicht, welch herrliches Gefühl es ist, noch einmal davongekommen zu sein. Genieße es - denn nichts sonst bleibt uns zu genießen.
Die Revolution ist groß - wir sind zu klein für sie.

Sklavenseelen sind Flugsand, auf den ein Sieg nicht zu gründen ist.
Als du aufwachtest und die Freiheit verlangtest, da hat sie dir niemand gebracht. Warum hast du nicht resigniert - wie andere?

Sieh mich! Ich habe Widerstand geleistet, wenn mich die Herren schlugen - ich schrie.
Doch du erzürnst die Herrschaft, daß sie wieder schlagen möchte. Wer aber wird noch schreien wollen, wenn wir selbst dafür noch mißhandelt werden?
Du bist ein braves Kind. Du bist gar nicht über den Zaun der Herrschaft geklettert, das waren doch die anderen. Sie haben die Hunde aber auf dich losgelassen.
O Kind, du hast etwas Besseres verdient. Was du alles hättest werden können.
Sicher hättest du es zur Aufseherin gebracht.

Siehst du nicht, wie stark die Herrschaft ist? Alle Sklaven gehorchen ihr. Selbst jene, die sich empört hatten und siegten, werden der Herrschaft ihren Sieg zu Füßen legen, damit sie weiter Sklaven sein dürfen.

Die Sklaven hassen jene, die frei sein wollen. Sie sollen dir auch nicht helfen, damit du endlich begreifst, daß deine Rebellion sinnlos ist.
Dein Mut ist herzlos, denn wie können wir vor ihm noch unsere Feigheit verborgen halten? Wenn du auch lieber tot bist als für immer eine Sklavin, so hast du doch nicht das Recht, uns zu beunruhigen.

Ich weiß: du willst, daß wir alle frei werden; aber werden wir uns wohler fühlen?
Den geprügelten Feldsklaven auf den Plantagen in Asien, Afrika und Südamerika, die ihre Aufseher erschlugen, mag Gott vergeben.
Wir Haussklaven haben nicht das Recht, die Herren, die jene Aufseher mit den Ochsenziemern ausschicken, zu verjagen.
Ihr Haus in Ordnung zu halten, ist unsere Pflicht.

Kind, versündige dich nicht. Tu Buße, mag die Strafe der Herrschaft auch fürchterlich sein. Es ist Gottes Wille.
Sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über dich hat.
Ulrike, gib auf!
Verflucht der Gott, der Sklaven zu seiner Zerstreuung schuf.

Marc Aurels weise Worte

Zitiert nach diesem Buch, Seite 76:

Wenn du über die Handlungen eines anderen richtest, frage unbedingt zuerst: welches waren seine Beweggründe und wie hättest du an seiner Stelle gehandelt.

Im Kino geweint.

Und diesmal wirklich, weil die beste deutsche Schauspielerin unter 30 als Sophie Scholl in ihren letzten Tagen auf unglaublich ergreifende und innerst berührende Weise dem Moloch bis zum Ende ungebeugt Widerstand leistet, von der klugen Entlarvung seiner so fürchterlichen wie lächerlichen Weltfeindlichkeit (bisweilen freilich trotz Alexander Helds kongenialer Darstellung des Gestapo-Mohrs in leicht preßhölzernen Dialogen) bis zum kühlen Tod unter der hilflos stählernen Klinge seines Schafotts. Großes Kino eines großen Menschen. Der uns heute wieder Kraft und Mut geben mag.

26.02.05

Drunkblogging

Oh, welchen Unterschied das Innere im Äußeren macht! Ah, welchen Unterschied! Mehr hierzu und zu allem anderen in der nahen Zukunft, zur heiteren Erfreuung und hoffentlichen Erkenntnis. Stay tuned!

25.02.05

Empfehlenswerte Kinofilme

Wie wunderbar, bloggen heißt immer auch tagesaktuell sein! Hier also die zur Zeit empfehlenswerten Filme:

"Sophie Scholl" - Julia Jentsch nicht verpassen!
"The Aviator" - ...Cate Blanchett sowieso nicht, und auch Wilhelm liefert hier feine Arbeit.
"Der Wald vor lauter Bäumen" - das persönliche und professionelle Scheitern einer frischgebackenen Pädagogin, besonders für Lehramtsstudenten interessant *hust*.
"The Incredibles" - der beste James Bond seit "Goldfinger"!
"Kontroll" - wer schon immer mehr über das "Leben" von Fahrkartenkontrolleuren erfahren wollte, ist in diesem tollen ungarischen Film richtig, und jeder andere auch.

Meine Sharia Teil 2

Teil 1 ist hier.

Einige Verdammte

  1. Wer den Turm von Pisa "hält", wuchtet zukünftig einen Felsblock einen matschigen Berg hinauf. Und immer, wenn eben der Gipfel erreicht scheint, rollt der Stein wieder herunter ...
  2. Jeder Finger, der einen Nicht-Touchscreen-Bildschirm berührt, um "etwas" zu "zeigen", wird abgehackt.
  3. Jede Zunge, die "Kanak Sprak" als "Comedy" benutzt, wird abgehackt.
  4. Jeder, der sich selbst "Comedian" nennt oder diese "mag", wird ...ach, Ihr wißt schon.

23.02.05

Willkommen 2

Noch einmal für alle Neuen: Willkommen zu meinem Blog! Endlich kann ich meinen langgehegten Traum erfüllen, nun auch online ungefragt alles zum Besten geben zu können, was noch nie einer wissen wollte. Ah, die Wunder der digitalen Welt!

Hier sollen tiefe und flache Gedanken, lustige und ernste Links und verschiedenste Rants und Beschimpfungen aus meiner Feder bzw. Tastatur ihren Platz finden, wir wollen und werden sehen, was die Zukunft bringt. Schaut solange doch auf meiner anderen Site nach oder hinterlasst einen Kommentar, wenn's beliebt, das Interface beißt nicht.

22.02.05

Marienkomplex

Die Jungfrau Maria

Eines Tages möchte ich mir diesen Begriff eigener Erfindung patentieren lassen und verkünde ihn daher schon heute stolz, wo ich nur kann, und somit auch hier. Was aber ist der Marienkomplex? Ausgerechnet der alte Schluckspecht Martin Walser scheint's im Anriß erfaßt zu haben:

Der Ödipuskomplex wäre viel realistischer, wenn man ihn Marienkomplex genannt hätte. Die Männer, die diese Kultur gegründet haben, stellen sich lieber eine jungfräuliche Geburt und Zeugung vor, als eine wirkliche Frau, die man nicht besitzen kann. Es ist doch wahnsinnig, was die Maria bei uns für eine Rolle spielt. Sie ist uns lieber, denn sie hat keinen anderen. Die habe ich ganz für mich.

Der Marienkomplex gliedert sich wesentlich in drei aufeinander aufbauende Teile:
  • Nur Huren und Heilige oder Märchenprinzen und Proletenschweine erkennen statt wahrer Menschen, beispielsweise bedingt von Verwirrung durch Medien- und Gesellschaftsnormen, Unerfahrenheit und allgemeiner Wirklichkeitsferne.
  • Anbetung der Heiligen oder des Märchenprinzen; extrem menschenfeindlich, nicht obwohl, sondern weil das Objekt der Anbetung auf ein so hohes Podest und in einen solchen Ikonenstatus erhoben wird, dass ihm damit völlig die Möglichkeit verweigert wird, selbst zu sagen, wie es behandelt werden möchte und selbst zu wissen, was es will, und sei es, sich ganz und gar unheilig zu verhalten.
  • Machtgefälle der Anbetung; eine Ikone ist keine ohne einen Verehrer und umgekehrt, und wo Ikonen sind, sind auch Ikonoklasten nie fern.
Kurz, der Marienkomplex ist die vollasphaltierte Bundesautobahn in die Beziehungshölle irrealer Erwartungen, ungleichwertiger Partnerrollen und wechselseitigen Machtmißbrauchs. Nur ein Randthema? I don't quite think so (Hervorhebungen meine):

12. Januar 2005
Das Fehlen eines geeigneten Partners, die Zufriedenheit mit einem Leben ohne Kinder, höhere Lebenshaltungskosten und die Sorge um den Arbeitsplatz sind die wichtigsten Motive, warum sich immer mehr Frauen und Männer in Deutschland gegen die Gründung einer Familie entscheiden. Fehlende Betreuungsmöglichkeiten spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle bei der Entscheidung, ohne Kinder zu leben.

Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Umfrage und Fragebogenaktion unter 40 000 Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 49 Jahren, mit der die Zeitschriften "Eltern" und "Eltern for family" das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt hatten. [...]

44 Prozent der befragten Kinderlosen verzichten demnach auf Nachwuchs, weil ihnen der geeignete Lebenspartner fehlt. [...]

Auch eine ebenfalls von der Zeitschrift "Eltern" in Auftrag gegebene weitere Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Nach den Ergebnissen dieser "FamilienAnalyse 2005", für die etwa 2800 Personen mit Kindern bis unter 14 Jahren befragt wurden, liegen die Ursachen für die anhaltende Kinderlosigkeit in Deutschland vor allem im familienfeindlichem Klima und dem Fehlen eines Partners begründet.

Doch wo sollen sie nur herkommen, all die unberührten Marien und strahlenden Prince Charmings? Woher nur?

21.02.05

Caveat emptor

Kann sein, dass diese Site demnächst ein paar Tage lang nicht erreichbar ist. Ich ziehe zu einem anderen Provider um, weil die 2 MB, die ich hier im Moment zur Verfügung habe, auf Dauer doch sehr mickrig sind. Mein neuer bzw. alter Moviebazaar-Provider bietet mir fürs selbe Geld fünfzigmal mehr.

John Constantine, asshole

Bitte nicht reingehen.

Abgesehen von einer an die dunkelsten Stunden seiner Karriere gemahnenden "Leistung" Keanu Reeves' (siehe Abb.), einer nichtssagenden Rachel Weisz und einer Tilda Swinton, die beständig so schaut, als könne sie gar nicht glauben, wofür sie sich hier eigentlich hergegeben hat, ist "Constantine" auch noch lähmend langweilig, gänzlich ohne Dramaturgie und selbst in seinen Spezialeffekten schrecklich zahm. Was hätte man aus der Vorlage nur alles machen können, aber dazu hätte es ja eines Schauspielers mit wenigstens zwei Gesichtsausdrücken bedurft!

Keanu Reeves in Constantine

20.02.05

Wie man Liebe erhält

Sehr lesenswert.

Playmobil SS-Standarte

Fast war ich ja versucht, meine nichtswürdigen Bildprogrammkünste an einer entsprechenden Fotomontage zu erproben, aber Angst vor einer Abmahnung ließ mich letztlich zurückschrecken; dennoch kennt jeder, der schon mal einen deutschen Film über das "Dritte Reich" wie diese furchtbare, furchtbare, furchtbare Schmonzette oder diese ganz nette generische Internatsfabel gesehen hat, dieses beliebte Spielset:
  • 1 Obersturmbannführer im kompletten Dienstanzug, blond, stechender Blick
  • 1 Dicker, Dreitagebart, gehässiges Grinsen
  • 3 Sturmmänner mit Sprachchip, sagen vier verschiedene Sätze ("Heil Hitler!", "Los, los!", "Rein da, ihr Drecksjuden!" und "WAHAHAHAHAAAA!")
  • 1 VW 82 Kübelwagen mit umfangreichem Zubehör: Pistolen, Hakenkreuzfahnen, Deutscher Schäferhund, Porträt des "Führers" etc.
Geht's denn nicht auch ein wenig weniger plastiksch?

Im Kino gewesen. Geweint.

Ha, schön wär's gewesen, aber Yimou Zhangs "Shi mian mai fu" ("House of Flying Daggers") ist bis auf seine wunderschönen Bilder und ausgefeilten Arrangements leider so originell, warm und einnehmend wie ein 20-Fuß-ISO-Container:

Szene aus Shi mian mai fu

Takeshi Kaneshiro, Andy Lau Tak Wah und die immer liebliche und durch ihre unglaublich autoritäre Stimme ihren starken Willen äußerst erotisch enthüllende Ziyi Zhang lieben, hassen und verfolgen sich gut zwei Stunden lang durch unterschiedlichste chinesische und ukrainische Landschaften, bis keiner mehr kann, inklusive dem geschafften Zuschauer. Wer "Ying xiong" ("Hero") oder "Wo hu cang long" ("Crouching Tiger, Hidden Dragon") schon kennt, versäumt nichts.

Auch Willis "Richard III." im Stuttgarter Schauspielhaus hätten wir uns gerne eine ganze Ecke packender gewünscht. Und warum sehen Waldorfschülerinnen eigentlich immer genauso aus, wie man sie sich so vorstellt und näseln? Ist das dort auch ein Fach?

18.02.05

Those were the days

Ich war mit 16 in eine Parallelklässlerin verknallt und nahm all meinen Mut zusammen, um zum ersten Mal in meinem Leben ein Mädchen anzurufen und um ein Date zu fragen. So einer war ich.

Ich: "Hallo, bla bla bla, treffen wir uns mal?"
Sie: "Ja, im Moment habe ich wenig Zeit, hähä, bla bla bla, bis dann."

Ein paar Tage später:

Ich: "Guten Tag, kann ich X sprechen?"
Mutter: "Nein, die ist gerade in Y."

Ein paar Tage später:

Ich: "Guten Tag, kann ich X sprechen?"
Mutter: "Nein, die ist gerade mit ihrem Freund in W."

Gut, "ihr Freund" konnte ja auch ein Jugendfreund oder ein männlicher Bekannter sein, eine flüchtige Bekanntschaft, geradezu ein Unbekannter, also ...

Ich: "Guten Tag, kann ich X sprechen?"
Mutter: "Nein, die ist gerade mit ihrem Freund in Z. Mit IHREM FREUND. FREUND."

16.02.05

Abtreibung

Der definitive Artikel, wieder von Reinhard Merkel.

Luftsicherheitsgesetz

Der großartige Reinhard Merkel hat dagegen bereits vor einem halben Jahr den definitiven Artikel geschrieben, dennoch hat der Bundespräsident das Gesetz letztlich unterzeichnet. Hoffentlich kommt die Klage dagegen durch, ansonsten ist ab sofort die Tötung unschuldiger Menschen durch die Regierung gesetzlich abgesegnet. Denk ich an Deutschland in der Nacht ...

Ein kleiner Rant ...

...den ich vor über einem Jahr in ein Forum eingetragen habe, aber er ist immer aktuell.

Hinter meinen Unmutsäußerungen steckt meist nicht mehr als der naive Wunsch, mehr Leute möchten mehr Dinge realistischer, logischer, objektiver und wissenschaftlicher sehen. Denn es gibt keine absoluten, göttlichen Wahrheiten, keine endgültigen Sicherheiten außer der Existenz der eigenen Gedanken, es gibt nur die Wissenschaft, die Logik und Objektivität benutzt, um möglichst immer bessere Theorien über das Funktionieren des Universums zu erstellen. Manche dieser Theorien beschreiben Teile des Universums sogar so gut, dass man ihnen folgend so nützliche Geräte wie diesen Computer, an dem ich sitze, oder diese Lampe, die mich erleuchtet, bauen kann.

So kann ich nicht verstehen, wie man als radikaler Islamist, der die Theorien der Wissenschaft ablehnt, da sie keine absoluten göttlichen Wahrheiten sind, trotzdem die Produkte dieser Theorien nutzen kann. Oder wie man selbstverständlich mittelbar durch Objektivität und Logik entstandene Dinge benutzen kann, sich selbst aber weigert, Prinzipien der Objektivität und Logik im Denken anzuwenden. Die Erde bewegt sich doch, auch wenn alle Kardinäle sagen, dass dem nicht so ist. Die Evolutionstheorie ist eine bessere Beschreibung der Entwicklung der Welt als die Schöpfungsgeschichte, auch wenn halb Nordamerika der anderen Meinung ist.

Noch viel mehr als in den Naturwissenschaften sollte man sich aber in den Geisteswissenschaften des wissenschaftlichen Prinzips bewußt sein! Ich kann gerne glauben, dass es keine Gravitation gibt - wenn mir fünfhundertmal ein Stein auf den Fuß gefallen ist, weil es sie wahrscheinlich doch gibt, sieht das schon anders aus. Physische Realität schafft Objektivität - eine Gewehrkugel wird mich töten, auch wenn ich nichts von Mechanik und Ballistik halte. Wieviel sicherer ist es da doch, historische Quellen nur einseitig zu lesen, diese oder jene logische Folgerung stillschweigend fallenzulassen oder sich einzureden, man wäre schon umfassend informiert! Noch kein Jude ist aus dem Massengrab auferstanden, um einen Holocaustleugner zu töten.

Geschichte wird von Subjekten mit Intentionen geschrieben. Dessen muß man sich ebenso immer bewußt werden wie seiner eigenen Subjektivität und seiner eigenen Intentionen. Man muß mehrere Quellen zu Rate ziehen und sich immer fragen, wie, wann und unter welchen Umständen sie entstanden sind, Affekte und Emotionen bei sich und anderen als solche erkennen und entweder zu validieren versuchen oder, falls sie sich als unhaltbar herausstellen, umstandslos fallenlassen. Auch wenn ich Juden noch so sehr hasse, kann ich nicht wissenschaftlich behaupten, dass sie an allem Übel der Welt schuld sind. Wenn ich nicht genug Informationen habe, kann ich nicht wissenschaftlich behaupten, eine informierte Meinung formulieren zu können.

Es ist möglich, sich von der Ratio leiten zu lassen. Der Computer, an dem Ihr dies lest, beweist es. Der Tisch, auf den Ihr klopft, und der Stuhl, auf dem Ihr sitzt, beweisen es, und alles, wohin Ihr eure Augen wendet. Nicht Emotionen und Affekte haben uns aus der Höhle geführt, sondern Vernunft und Neugier, Logik und Objektivität. Es gibt keine Wahrheiten außer der eigenen Existenz, es gibt nur Theorien. Aber was für welche! Gebt ihnen den Platz, der ihnen gebührt! Ehrt die Logik! Preist die Objektivität! Wider trügerische absolute Sicherheiten und falsche Götzen!!

Amen.

Sickblogging

Mistwetter!

Zum Zeitvertreib für ebenfalls Erkrankte:
ZOMBO!!!!1
Kenya. ???
Informationen zum Stanford-Experiment, der wahren Grundlage von "Das Experiment".
Eine Motorradfahrt durch Tschernobyl.
Saddam's an OutKast.
Sexy Losers.

A Boy and his Blog

Nach ausgiebigem Pfriemeln am HTML in den letzten Tagen bin ich nun zufrieden mit dem Aussehen meiner Site. Ihr auch?

15.02.05

Uniblogging 3

Die Zukunft der Arbeit? Lesen und Verstehen.
Die Zukunft der Männer? Lesen und Verstehen. Okay, es ist alt, aber trotzdem gut.

Uniblogging 2

Kos hat was Nettes über den Zustand des öffentlichen Diskurses in den USA. Und Neues zu "Jeff Gannon". Wish it were 1998!

Uniblogging

Just because I can.

Gleich geht's in die nächste Vorlesung, solange für alle, die sie noch nicht kennen, diese reine Wahrheit:

Sex mit Männern: So geht's!

Sie wollen endlich herausfinden, ob es mit ihm auch im Bett so nett ist wie im Gespräch? Aber niemand hat Ihnen je gesagt, was Männer wirklich wollen?

Dem läßt sich abhelfen. Studieren Sie aufmerksam die folgende Gebrauchsanweisung und lernen Sie die Grundregeln guten Geschlechtsverkehrs. Denn nur bei sachgerechter Bedienung werden Sie an Ihrem Neuen lange Freude haben.

Die Grundlagen
- Seine Wünsche: Wenn Männer Sex haben wollen, wollen sie nicht Nähe, nicht Kuscheln und auch nicht Innigkeit. Sondern: Sex.
- Seine Gefühle: Beim Sex möchte er sich sicher und entspannt fühlen. Das Telefon soll nicht läuten, der Krieg nicht ausbrechen und das Gespräch über die gemeinsame Zukunft weiter verschoben werden. Das bedeutet nicht, daß er Sie nicht liebt. Doch für Liebe bleibt immer noch genügend Zeit. Für Sex nicht unbedingt.
- Sein Körper: Gewiß bereitet es ihm Vergnügen, wenn Sie ihm liebevoll den Hintern tätscheln, verspielt in seinem Brusthaar kraulen und zärtlich sein Schlüsselbein erkunden. Aber man kann es auch übertreiben.

1. Anbahnung
Männer sind durchaus dankbar, gibt man ihnen zu verstehen, daß man sich mehr vorstellen könnte als gemeinsame Restaurantbesuche. Sie müssen es nicht aussprechen, aber Sie sollten es signalisieren: Lockere Gespräche, einladendes Lächeln, unkeusche Blicke, Sie wissen doch, wie das geht.

Häufige Fehler:
- Die Schlampen-Panik ("Wenn ich ihm sage, daß ich mit ihm schlafen will, respektiert er mich nicht mehr") Oh doch!
- Die Hinhaltetaktik ("Wenn ich ihn noch ein Vierteljahr zappeln lasse, verzehrt er sich umso mehr nach mir") Oh nein!
- Die Kalte-Schulter-Strategie ("So weit kommt's noch, daß ich ihm Zeichen gebe. Er soll ruhig um mich kämpfen!") Wieso eigentlich?

2. Ausziehen
Sie brauchen sich keine besondere Mühe mit der Inszenierung zu geben, nüchterne Sachlichkeit reicht. Ihr Outfit sollte der Absicht entsprechen. Winterliche Wollschlüpfer, verwaschene Slips oder Still-BHs sind underdressed, kompliziert verhakte Korsetts, Latex oder Slips ouverts overdressed. Die bewährte Fick-mich-Unterwäsche, die Sie auch sonst immer bei den Dates tragen, nach denen es passieren soll, genügt. Slipeinlagen oder fröhlich baumelnde Ausziehfädchen sollten seinen Blicken verborgen bleiben; auch bei Männern kann sich erotische Spannung jäh verabschieden. Wenn er schließlich nackt ist, sollten Sie seinen Körper zunächst eher beiläufig in Augenschein nehmen. Nicht jeder Penis verträgt glockenhelles Gelächter.

Häufige Fehler:
- Wampe einziehen, Licht dimmen, Titten verstecken, Cellu tarnen: Er will poppen, nicht seine Freizeit mit einer Schisserin vergeuden.
- Striptease-Vorführungen: Lassen Sie sich doch für RTL2 casten.
- Enttäuschung zeigen: Soll er denn Ihre Speckrollen doch noch kommentieren?

3. Kommunizieren beim Sex
Reden, lachen, stöhnen sind in Ordnung; labern, gackern und das Haus zusammenbrüllen lassen zuverlässig seine Erektion schrumpfen. Und was immer Sie vermutet haben: Männer gucken Pornos nicht, weil ihnen die Dialoge gefallen, sondern weil die Handlung sie interessiert. Ihre Performance im Bett sollte partnerschaftlich sein. Sex ist etwas für zwei Menschen, nicht für einen Mann und ein Brett. Also wäre es nett, gäben Sie dem Herrn, der in Ihnen steckt, das Gefühl, daß Sie anwesend sind.

Häufige Fehler:
- Grundstellung einnehmen, Augen schließen: Warum haben Sie überhaupt angefangen?
- Sich auf ihn stürzen: Nie etwas von Timing gehört?
- "Tiefer! Fick mich! Du machst mich so geil!" ...geht's noch?
- "Kannst Du mich bitte ganz doll festhalten, ich liebe Dich so, ich habe Dich immer geliebt, liebst Du mich auch?" ...geht's noch?

4. Vorspiel
Ein wenig Rummachen zum näheren Kennenlernen finden auch Männer schön. Knutschen, Ihre Brüste über seine Brust glitschen lassen, dreckige Dinge in sein Ohr hauchen: sehr willkommen. Sie sollten davon ausgehen, daß er keine süße Muschikatze ist und es lieber hat, mit forderndem Nachdruck berührt zu werden als mit ängstlicher Zärtlichkeit. Und es nervt außerordentlich, wenn Sie bei Ihren Expeditionen alles unterhalb der Gürtellinie weitflächig umstreicheln.

Häufige Fehler:
- Mit Ihren tollen langen blonden Haaren, mit Ihren hinreißend geschwungenen Wimpern, mit Ihren sensiblen Fingerkuppen sanft seinen ganzen Körper erforschen ("Faß endlich meinen Schwanz an!").
- Ihre französisch manikürten Fingernägel herzhaft in seinen Rücken krallen, weil Sie doch eine so leidenschaftliche Liebhaberin sind ("Wie komme ich bloß von dieser Irren weg?").

5. Genitalien
Falls Sie vor Penissen Angst oder Abscheu empfinden, sollten Sie Sex mit Männern meiden, hat ja keiner was von. Ein Schwanz will mit Vergnügen, Absicht und Interesse, nicht nebenbei berührt werden. Einige Faustregeln: Gequetschte Hoden sind aua, stakkatohaftes Gerubbel sorgt für Verstimmung, Variationen machen auf angenehme Weise wahnsinnig. Falls Sie ihn gern betteln hören, genügt es, ihn ein Dutzend mal bis grausam knapp vor die Ejakulation zu stimulieren.

Häufige Fehler:
- Nicht oder zu sanft anfassen.
- Mit Herablassung anfassen.
- Gelangweilt anfassen.
- Über die Eichel schrabbeln, an den Hodensäcken ziehen, wie eine Besengte rumreiben.
- Die kantigen Modeschmuckringe vorher nicht abnehmen.

6. Soll ich? ("Blasen")
Formen Sie mit den Lippen eine kleine Manschette, nehmen Sie beherzt seinen Penis in den Mund und machen Sie, was logisch erscheint. Sie können Ihre Aktivitäten mit den Händen unterstützen, mit den Zähnen sollten Sie sich zurückhalten. Ob Sie schlucken oder spucken, ist Ihre Sache. Andererseits ist Sperma nicht ekliger als Lipgloss, Karamellsirup oder Sprühsahne.

Häufige Fehler:
- Das-mach-ich-nur-Dir-zuliebe-Gesichtsausdruck.
- Warum-hast-Du-mich-nicht-gewarnt-Gesichtsausdruck.
- Würgegeräusche.

7. Liebe machen ("Ficken")
Wie Sie Ihre Genitalien miteinander verstöpseln, ist egal, Hauptsache, daß. Bei Stellungen, bei denen Sie Tempo und Intensität bestimmen (Cowgirl, Reverse Cowgirl usw.), haben Sie möglicherweise mehr Spaß bei jenen Herren, die sich nicht zurückhalten können.

Häufige Fehler:
- Teilnahmslosigkeit.
- Kopf herumwerfen. Zappeln. Laut schreien. Leise wimmern. Manisch glotzen.
- "Noch eine Minute, nur noch eine Minute ..."
- "Kann es sein, daß ich den Herd nicht abgeschaltet habe?"

8. Perverser Schweinkram
Männer sind ein entdeckerisches Geschlecht und probieren gern alles Mögliche aus: Fesseln, gefesselt werden, Ihre beste Freundin dazubitten, Sie in Overknee-Stiefeln nageln. Einiges davon ist nett, manches höchst albern (aber das weiß man oft erst hinterher). Wobei Sie mitmachen, müssen Sie selbst entscheiden, Sie sollten sich nicht unter Druck setzen lassen. Andererseits gibt es auf dieser Welt den einen oder anderen Trick, der großartige, hochgradig verwirrende Orgasmen bewirkt.

Häufige Fehler:
- "Echt nicht!"
- "So weit kommt's noch!"
- "Was denkst Du von mir?!"
- "Hat das diese Tussi mit Dir immer gemacht?"

9. Orgasmus
Wenn Sie lange genug seine von Gott vorgesehenen Körperteile stimulieren, wird er kommen. Für Männer ist das kein Problem, also müssen wir darüber nicht reden. Falls es anderswo als in Ihrer Vagina, Ihrem Mund oder anderen interessanten Körperöffnungen geschieht, haben Sie ein Problem mit seinem Schmodder. Schwarze Satinbettwäsche ist keine so tolle Idee.

Häufige Fehler:
- "Na endlich!"
- "Konntest Du nicht warten?"
- "Toll war das aber nicht ..."

10. Hinterher
Wie immer es für Sie war: Jetzt ist nicht die Zeit für Kuschelorgien oder Ihre private Agenda 2010. Vermutlich wird er eine der folgenden Aktivitäten vorziehen: Eine Zigarette rauchen, zum Kühlschrank marschieren, auf die Toilette gehen. Gönnen Sie ihm ein paar Minuten Regeneration und verschieben Sie den emotionalen Kram auf später. Oder fangen Sie wieder von vorn an. Falls er einschläft, liegt es meist daran, daß er sich entspannt fühlt und keine verheißungsvolle Alternative geboten bekommt. Dem ließe sich abhelfen.

Häufige Fehler:
- Findest-Du-nicht?-Sätze.
- Was-ich-immer-schon-mal-sagen-wollte-Sätze.
- Hast-Du-Dir-nie-darüber-Gedanken-gemacht?-Sätze.

Willkommen

Ein herzliches Hallo einem jeden, der über Moviebazaar hierhergefunden hat. Blogger macht's möglich, dass ich mit Leichtigkeit aktualisieren kann, und so sollen nach Neuem dürstende Moviebazaarbesucher endlich, endlich wieder sitt werden! Halleluja!

14.02.05

"Jeff Gannon"

Hahahaa, mein Senf zum politischen Weltgeschehen! Zittert in Angst!

Hier das Allernötigste: Ein Callboy, der einen zweitägigen Journalismuskurs für 50 US-Dollar belegt hat und ansonsten keinerlei journalistische Erfahrung aufweist, wird im Frühjahr 2003, vier Tage, nachdem der konservative Pseudonachrichtendienst Talon News, für den er arbeitet, erstmals online gegangen ist, als "regelmäßiger Autor" von Talon News für das Pressekorps des Weißen Hauses akkreditiert. Die nächsten zwei Jahre bringt dieser James Dale Guckert alias "Jeff Gannon" vor allem damit zu, dem Pressesprecher des Weißen Hauses mit harmlosen Fragen den Bauch zu streicheln.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber wie kommt ein Nicht-Reporter mit Nicht-Referenzen und einem Nicht-Namen so nah an den amerikanischen Präsidenten heran? Und vor allem: warum? Mehr bei Salon und der "New York Times".

Meine Sharia Teil 1

Wenn ich mal die Macht habe ...
  1. Wer Klingeltöne runterlädt, darf sein "Handy" behalten. Sonst aber nichts. Und damit für den Rest seines Lebens Gräben im Permafrost der nordsibirischen Tundra ausheben. Weiterschaufeln, Sweety!
  2. Wer aus modischen Gründen Camouflagekleidung trägt, wird als Frontsoldat in das gerade schlimmste afrikanische Kriegsgebiet eingezogen. Wer Camouflagekleidung trägt, die nicht ursprünglich wirkliche Camouflagekleidung gewesen sein könnte (Röcke, Turnschuhe etc.), räumt dort Minen. Ohne Hilfsmittel.
  3. Wer die Tastentöne seines Mobiltelefons nicht ausschaltet und es z. B. in der Straßenbahn bedient, wird für den Rest seines Lebens von einem Zwerg verfolgt, der ihm Tag und Nacht und alle drei Sekunden wie ein Fink ins Ohr zwitschert. Mit 100 dB(A).
  4. Wer "Das Goldene Blatt" liest, wird als vierte Frau an den ärmsten, kinderreichsten und psychisch instabilsten afghanischen Bergbauern verkauft, der sich nur finden läßt. Dito für "Frau mit Herz", "die aktuelle" etc.
  5. Wer als Architekt ein zu enges Parkhaus gebaut hat, muß einen mit Nitroglyzerin beladenen 40-Tonner ins unterste bzw. oberste Geschoß seines Bauwerks stellen.