27.06.05

The Daily Show rulezz

Warum gibt es hierzulande nicht annähernd so gute Satire?

Amerikas religiöse Rechte

Eine gute Zusammenfassung.

Hamilton Naki

Ein sehr schöner Nachruf auf einen sehr bemerkenswerten Menschen.

Update [01.06.07]: Naja, vielleicht war Hamilton Naki doch nicht sehr, sondern nur recht bemerkenswert.

21.06.05

Wann ist ein Mann ein Mann?

Letzter Nachtbus. In meinem 600.000-Seelen Hüllendorf gibt es nur drei. Hinter mir sitzt offenhörlich ein schlecht integrierter Jugendlicher südosteuropäischer Herkunft in dritter Generation:

(Zu einem Mann, der eine Pizzaschachtel in den Händen hält) "Ey, krieg ich ein Stück?"
"Äh, nein."
"Komm, ist die Pizza kalt oder was? Willst Du sie ganz allein essen? Hast Du soviel Hunger? Was machst Du? Bestimmt Student, oder? Was, Zivi? Sozialarbeit, Altersheim und so, oder? Bist Du da auch so sozial? Alter, nur ein Stück! Warum nicht? Ey, ein Stück, mehr will ich ja gar nicht, sei mal zivil ..."

Einige Haltestellen und circa fünftausend weitere in weinerlichem Singsang vorgetragene Bettelworte später steigt der Pizzamann aus, und ich kann den nächsten Satz des integrationstraumatisier(en)t(d)en Jungen mitsprechen:

"Ey, ich wollte eh nix von seiner Pizza!"

Während - wirklich - über die ständig die neuesten "Hits" plärrenden, turbohip knarzenden Buslautsprecher Grönemeyers "Männer" läuft, wendet sich seine Aufmerksamkeit alsogleich zwei Mädchen zu, die rechts von mir sitzen:

"He, psst! Nicht Du, die andere, die ist viel hübscher! Hey, sagt Ihr mir Eure Namen? Verratet Ihr mir Eure Namen? Wie, nein? Hey, Du bist echt voll süß, sollen wir uns mal treffen? Alter, was ist denn, redest Du nicht mit mir oder was? Bin ich nicht süß genug oder was? Ey, ich hab ..."

Gefühlte zehn Tage später steigt er aus, streckt den Mädchen erwartungsgemäß seine Zunge entgegen und macht ihnen - wirklich - eine lange Nase, aber was mich schockt, ist, dass der "Junge" legere Geschäftskleidung inklusive Krawatte trägt und mindestens 30 Jahre alt ist. Erwachsen.

Aber wahrscheinlich muß das so sein, die Kohlsuppe ist längst, längst nicht ausgelöffelt, und immer, wenn wir unter schlimmem Bauchgrimmen glauben, wir hätten's endlich geschafft, wird nachgeschenkt, bis es schwappt, nächstens mit freundlicher Empfehlung der ersten Köchin des Hauses, Suppe wieder und wieder. Pizza gibt es nicht.

Der freie Markt, der freie Markt, der hat immer recht

Der "Economist" ist klug und weiß daher, dass Frauen nicht die besten Jobs kriegen, weil sie nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen können, weil sie die Kinder hüten müssen. Leider ist er nicht auch weise und nimmt dies daher nicht zum Anlaß, darauf hinzuweisen, dass auch Männer Kinder hüten könnten, oder dass Jobs, bei denen man rund um die Uhr zur Verfügung stehen muß, menschenfeindlich sind, sondern macht am Ende Feministinnen lächerlich:

Feminists have long had two aims for the workplace. First, that women should be equally represented across the workforce and in all types of jobs. Second, that the sisterhood should be paid as much, or as little, as men doing the same job. They thought these aims were complementary: in fact, they may conflict.

Ein weiteres Beispiel des Prawda-Syndroms? Aber was soll ich sonst lesen? Ein Magazin von deutschen Journalisten? Puh-lease!

Superman is a dick

Stundenlanger Spaß.

Superman hasst Jimmy Olsen

(Via This Modern World.)

Der Archipel

Orcinus und Billmon (Link nicht mehr aktuell) informieren ausführlich darüber, was passiert, wenn ein US-Senator sagt, wie's ist.

13.06.05

Der Junge mit der Strähne

Der Junge mit der Strähne schaut mich an. Ich schaue ihn an, mich wundernd, warum er mich anschaut. Wir steigen in die selbe Stadtbahn, und ich lese, aber merke über meine Zeitung hinweg, dass er mich wieder anschaut. Ich schaue erneut verwundert zurück. Eine Station, bevor ich aussteige, fragt mich der Junge mit der Strähne, ob ich wüßte, wie er "da" hinkomme, und gibt mir einen kleinen Zettel: Würde Dich gerne kennenlernen, Du mich auch? - 017... - M. Ich, Breihirn, verstehe, dass ihm ein Liebchen den Brief zugespielt hat und er es nun besuchen will, aber nicht genau weiß, wo seine Straße liegt, die wahrscheinlich auf der Rückseite ...

Ich will Dich spüren, Dich fühlen, Dich berühren, immer und immer wieder.

...überfliegen meine nach stundenlangen Theaterproben allzu müden Augen, ohne es weiterzusenden, erkennen nur, dass die in schnörkliger Schrift geschwungenen Wörter keine Adresse enthalten, und ich drehe den Zettel wieder um, frage mich, warum der Junge mit der Strähne erwartet, dass ich Hausadressen zu Handynummern kenne, und gebe ihm mit keiner Ahnung seine Nachricht zurück. "Nicht?" und "Schade", und er ist weg, und ich erröte, keine Sekunde später, in Scham für meine Totenreflexe und meine Polarabfuhr, in Verblüffung, in Verstehen ...und in Freude. Auch in diesem grauen und arbeitsvollen Frühling schießt Cupido noch für mich, noch mit Schrot, jaja, aber soviel schöner als ohne. Danke, Junge mit der Strähne!

11.06.05

The great stitch-up

Der "Economist" zeigt die völlige Schwachsinnig- und Kundenfeindlichkeit neuer Textilquoten auf, und irgendjemand in Italien hat es dankenswerterweise auch für Nichtabonnenten sichtbar gemacht. Lesen!

09.06.05

The Editing Room

DARTH HAYDEN CHRISTENSEN
Where's Natalie Portman? Suddenly I am worried about her again.

IAN MCDIARMID
It seems that in your overacting, you killed her.

Köstlich.

06.06.05

Apropos Hackfleischsosse

Es reicht nicht, dass mir nach dem Mittagessen den ganzen Nachmittag schlecht war.
Es reicht nicht, dass ich wie ein Maniker im homizidal-psychotischen Stadium unter höllischem Gurgeln ins Bad unseres Gästehauszimmers gestürmt bin und dabei unseren armen, sich gerade die Hände waschenden Teamjuror völlig verängstigt habe.
Es reicht nicht, dass ich die gesamte winzige Naßzelle rot und gelb vollgeballert habe wie George Bush sein Verbindungshaus, und meine Knie dazu. Zum Glück hatte ich gerade keine Hose an. Nein, nicht fragen.
Es reicht nicht, dass ich den Pladder auf Händen und Knien und mit Klopapier und Lappen aufwischen mußte, halbnackt in der klaustrophobischen, gekachelten, stinkenden Zelle eingeschlossen wie ein Gulaghäftling in verschärfter Isolationsfolter.
Es reicht nicht, dass ich auf dem nachfolgenden Debattierball nichts vom herrlichen Essen kosten konnte, rein gar nichts. Okay, außer dem Nachtisch.

Nein, wen treffe ich, als ich nach dem Ball, zurück im Gästehaus, um halb drei Uhr morgens verstohlen aus unserem Zimmer schleiche, um Eimer, Mop und Lappen im Schutze der Nacht unbemerkt zur Rezeption zurückzubringen, damit sich in der notorisch klatschfreudigen Debattiergemeinde keine häßlichen Gerüchte verbreiten? Das süße Mädchen. Und es ist auch noch sehr helle und merkt sofort, was Sache ist, ich aber lüge reflexhaft, uns sei "was umgefallen", grinse falsch, versinke im Boden und schlafe mit schrecklichen Gewissensbissen ein.

Zur Beruhigung meiner gerechtigkeitsliebenden Leser sei aber erwähnt, dass ich ihm am nächsten Tag die Wahrheit gesagt und meine Lüge wie oben begründet habe, und es hat es, helle und verständig, natürlich begriffen, gelächelt und eine geraucht, und das war diese Geschichte, aber so ist das Leben. Typisch. It never rains, it vomits.

Okay, okay, fünf Euro in die Kalauerkasse ... Zehn.

Fragen, die keiner stellt

Warum wird der beste Parteiname der Welt - Partido Revolucionario Institucional (Institutionelle Revolutionäre Partei, PRI) - eigentlich im offiziellen Deutschen falsch als "Partei der Institutionalisierten Revolution" übersetzt? Zugegeben, die deutsche Version setzt dem Originalnamen kaum glaublich noch eins drauf, aber warum? Ist Mexikanervolk anwesend?

05.06.05

Post mortem

Die Ergebnisse der 5. Deutschen Debattiermeisterschaft sind da. Wir wurden in einer Vorrunde völlig unverständlich niedrig bewertet, was verhinderte, dass wir als Einzelredner und als Team über das Mittelfeld hinaussteigen konnten, aber ich bin's ansonsten sehr zufrieden - wir sind mit unserem Club auf einem guten Weg, und ich spüre auch, dass noch mehr Midichlorianer in meinen Zellen nur darauf warten, dass ich sie nutze. Nur Spaghetti Bolognese werde ich nie mehr essen!

Empfehlenswerte Kinofilme, die Dritte

Hier Teil 1 und Teil 2.

"Kingdom of Heaven" war trotz oder vielleicht gar - schluck - wegen Orli durchaus genießbar und mit dem schlichtweg genialen Ghassan Massoud als Saladin und der trotz fingerdicker Kajalbalken und viel zuvieler Kleidungsstücke weiter lieblichen Eva Green sogar ziemlich gut. Das Gleiche trifft für den spannenden und sanften "The Interpreter" mit der niedlichen Nic und Sean Penn und den feinen kleinen "Maria Full of Grace" zu und bedingt auch für den braven, aber gut gespielten "The Merchant of Venice" und für "Revenge of the Sith", von dem wenigstens ich mir aber mehr gewünscht hätte: mehr inneren Kampf in Anakin! Mehr Widerstand von den Jedi! Mehr Lebensmut in Padmé! Und vor allem: mehr Vader! Aber in Ordnung, einmal weinen ist auch genug.

Durchs wilde Blogistan

Billmon hat einige interessante Gedanken zu heruntergespülten Koranen (Link leider nicht mehr aktuell), das BILDblog denkt über Angela Merkels "auffällige Metamorphose" nach, Spreeblick läßt sich von Lord Vader die Gedanken lesen, und ich kenne einen sehr netten D&D-Comic.