08.10.11

Boot steigt

Andi klettert aus der Luke zum Maschinenraum des Blogs. Sein Unterhemd ist mit Schweröl verschmiert, und er hält einen großen Schraubenschlüssel in der Hand. Aus der Luke hört man ein regelmäßiges Bummern.

O Hai, Ihr seid's, liebe Leser. Ich habe gerade meinen letzten Eintrag aus dem Jahr 2006 auf Vordermann gebracht, damit sind jetzt ziemlich genau zwei Drittel aller Posts verbessert und gelabelt. Mögt Ihr die Labels, oder sind sie Euch zu wenig detailliert? Ich habe auch den Eintrag vom April 2010 wiederentdeckt, über einige Computerspiele, die ich in letzter Zeit gespielt habe, doch keine Angst, ich habe seit dem Fünfjahresjubiläum meiner Soapbox nicht nur gedaddelt, wie die bald wiedergefunden werdenden Einträge zeigen werden.

Andi kratzt sich mit dem öligen Schraubenschlüssel am Kopf, wodurch eine Haarsträhne ein bißchen abstehen bleibt.

Aber Mann, diese ganzen alten Sachen wiederzulesen ist manchmal, wie ein altes Tagebuch zu öffnen. Ich war echt oft wütend, was? Naja, das ist hier Andis Soapbox und nicht "Andis Jadeparadies", wie ich in einem Schlüsseleintrag mal gewitzelt habe, obwohl letzteres nicht nur existiert, sondern vielleicht sogar reicher ist als die Soapbox, fruchtbarer, aber eben auch privater, verletzlicher; die Welt macht es mir zudem leider oft leicht, wütend zu werden, und ranten macht auch erstaunlich Spaß, probiert es mal selbst.

Aber Ihr wißt ja, sowas wie die bête noire hier ist die ewige Frage, was besser ist, für mich, für alle, für verschiedene Werte von besser, Wüten oder Erklären, Schreien oder Zuhören, Megaphon oder Hörrohr. Jenes Biest ist übrigens weitaus verschlagener und gemeiner als mein Schweinehund, den hat ein simples Orbitalbombardement zu einem kümmerlichen Schatten seiner selbst reduziert, und er wiegt jetzt nur noch zehn Tonnen oder so. Bei der bête noire weiß ich manchmal nicht mal, wo ich sie suchen soll.

Andi holt eine seltsame, schon ganz vergilbte Liste aus seiner Hosentasche und streicht darauf "Das Wort 'Orbitalbombardement' in ein normales Gespräch einflechten" durch.

Aber gut, ich will Euch, heute, nicht schon wieder mit diesem Emozeug langweilen, sondern auf ein paar alte Einträge verweisen, die vielleicht des (Wieder-)Lesens wert sind. Aus dem Jahr 2005 zum Beispiel ein kleiner Rant über Wissenschaftshasser, die Wissenschaftsprodukte nutzen, Ulrike Meinhofs Brief "Eine Sklavenmutter beschwört ihr Kind", mein Plan für den Weltfrieden, eine und noch eine Bemerkung zur Hitlerei der deutschen Medien, wie ich mich auf einer Datingplattform als Leia Organa ausgab, wie ich fast bei einer Drückerkolonne angeheuert hätte, was ich von der BUNTEn halte, wie man Fußgängermengen simuliert, meine Prophezeiungen zur Zukunft der Arbeit, meine erste Erwähnung von Kapitän Ahab anläßlich eines Stadtbummels und meine Suche nach einer WG.

Im Jahr 2006 habe ich mich über NS-apologetische TV-Events wie "Dresden" und Mutterkreuzanwärterinnen wie Eva Herman, den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah, dass ich oft für Simon Gosejohann gehalten werde, Designervaginen und natürlich über Veronica Ferres, die 10.000 Euro von mir wollte (auch hier und hier) aufgeregt. Ich bin durch Deutschland gereist, habe einen Videoblogeintrag gemacht, eine Kritik der Oper "Carmen" in Stuttgart geschrieben, den vorerst letzten Eintrag in der Serie meiner unglücklichen Nichtliebschaften verfaßt (ich denke, eine, die letzte Folge kommt noch), gegen unsere Angst vor dem Terror gewettert und gegen den Pazifismus, deutsche Blogger und pseudo-naßforsche Startupgründer. Ich habe gepostet, dass Leben Sterben heißt, und, zum Abschluß des Jahres, wie man in einer Notfallpraxis einen schönen Abend erleben kann.

Andi geht wieder zur Maschinenraumluke zurück, setzt einen Fuß auf die Leiter abwärts und klettert hinunter. Bevor er ganz verschwunden ist, steckt er nochmal den Kopf aus der Luke und grinst.

Das sollte erstmal genug Lesefutter sein. Als nächstes aktualisiere ich die letzten fast 200 alten Einträge, finde die übrigen verstaubten aus den Jahren 2010 und 2011 wieder und bereite ein paar neue vor: langatmige Linksammlungen, schnippische Kritiken, politische Rants und skurrile Geschichten aus meinem Leben. Das Übliche also. Schön, dass Ihr trotzdem dabei seid!

Andi ruft "Huii" und rutscht die letzten Stufen der Leiter hinunter.

01.10.11

Licht an

Das Licht geht an. Andi steht auf der Bühne des Blogs mit einem Eimer und einem Lappen in der Hand. Er sieht etwas verlegen aus.

Äh, ich bin's. Ich fange wieder mit dem Bloggen an. Tut mir leid für die lange Pause.

Andi legt eine Hand in seinen Nacken und lacht nervös, wobei seine Augen wie umgedrehte Us aussehen und Schweißperlen aus seinem Kopf spritzen.

Ich bin mit meinem Studium fertig und jetzt Wissenschaftler, schon fast zwei Jahre in einem dreijährigen Projekt. Ich räume meine alten Einträge auf - aktualisiere die Links, verlinke die Bilder wieder, schaue nach der Orthographie und so. Manchmal ändere ich auch im Rückblick vielleicht zu ...harsche Formulierungen, aber nur wenige und selten, ich lösche keinen Eintrag, und bei Interesse und genug detektivischem Spürsinn der Leser nehme ich gerne zu jeder vorgenommenen Änderung Stellung. Über die Hälfte aller Einträge habe ich schon bearbeitet, bis inklusive Oktober 2006. Schaut mal rechts, die Labels sind endlich online! Stöbert ruhig darin, bald sind sie komplett aufgefüllt.

Jetzt glitzern Andis Augen ein bißchen.

Mit der Zeit werdet Ihr auch merken, dass das inoffizielle Versprechen von Andis Soapbox, wenigstens jeden Monat einmal etwas zu posten, ununterbrochen gegolten hat, die Einträge der letzten Zeit waren wegen des ganzen Staubs nur schwer zu sehen. Seht her, hier ist, was ich diesen September über das alte Videospiel "X-Com" geschrieben habe, ein interessanter Eintrag, wie ich finde.

Die Leser sind noch ein bißchen skeptisch.

Wie sagt V: "You see, Evey, all the world's a stage. And everything else ...is Vaudeville." In diesem Sinne, bitte nehmt Platz und Popcorn, schaut Euch noch einmal im Saal um, und dann geht die Show gleich wieder los. Viel Spaß!