Andis Soapbox

28.04.05

Toulouse, Französische SSR (TASS)

Genossen! Landsleute, Männer und Frauen! Der große Tag des Sieges über den imperialistischen Erzfeind ist gekommen.

Heute um 14:22 Uhr endete der vierstündige Jungfernflug der neuen Tupolew Tu-380, des größten Arbeiter-und-Bauernflugzeuges, das je gebaut wurde, erfolgreich. Hunderttausende Komsomolzen und Stachanow-Arbeiter jubelten diesem erneuten Beweis der Überlegenheit des europäischen Sozialismus zu, als er sich, getragen von den unsichtbaren Händen unserer Arbeiter und Arbeiterinnen, kräftig in die Luft erhob, wie ein Adler flog und schließlich in Würde zu unserer sowjetischen Erde zurückkehrte. Die Freie Presse berichtete ausführlich und neutral über dieses historische Ereignis, das dem Feind einen vernichtenden Schlag versetzt hat. Schon melden unsere tapferen Grenzsoldaten am Pazifik, daß Tausende amerikanische Genossen und Genossinnen, die die Vergeblichkeit ihres Kampfes eingesehen haben, aus dem eisernen Griff des kapitalistischen und imperialistischen Unterdrückers Boeing geflohen sind und nun Schutz in unserer glorreichen Union suchen. Der Zusammenbruch des Feindes ist nur noch eine Sache von Wochen oder Tagen.

Genossen! Der Große Vaterländische Luftkrieg ist mit unserem völligen Sieg beendet worden. Ich gratuliere Euch zum Sieg, meine lieben Landsleute, Männer und Frauen!
Es leben unsere heldenhaften Ingenieure und Piloten, die die Unabhängigkeit unseres Flugzeugbaus verteidigt und den Sieg über den Feind errungen haben!
Es lebe unser großes Volk, das Siegervolk!

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Von Andi um 00:29 geschrieben | 4 Kommentare


24.04.05

Warum finde ich nie den Richtigen?

Ich will es feinfühlig ausdrücken, Baby: Weil Du Dir völlig ohne Not vom Backlash, der Reaktion und Axel Springer ins Gesicht wichsen läßt.

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Von Andi um 22:17 geschrieben | 0 Kommentare


Benedikt und Bild

Mit ihrem Fingerthermometer immer tief im dunklen Rektum der Nation hat die "Bild" die befremdliche Welle nationalistischer Begeisterung nach der Wahl des neuen Papstes erwartet früh erfühlt und so brillant wie widerlich getitelt, daß wir wieder wer sind. Und weil auch die britische Gossenpresse so ihre kleinen Eigenheiten hat, haben Ratzingers selbstberufene Rottweiler darum seit Tagen blubbernden Schaum um die Lefzen. Vorläufiger absurder Höhepunkt: Ich war Hitlerjunge und das ist gut so! Aus zuverlässiger Quelle können wir aber vermelden, daß das noch längst nicht alles ist: Hier ist die Titelseite der Montagsausgabe vorab.

Bild, Montag 25. April 2005

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Von Andi um 02:32 geschrieben | 0 Kommentare


07.04.05

Franz Josef Wagner

Franz Josef Wagner (links) und Adolf Hitler

Gestern hatten wir's von ihm, da ist es nur folgerichtig, daß wir heute von seiner treuen Schäferhündin Blondi schreiben wollen, uns wiedergeboren als "Journalist" "Franz Josef Wagner". Und wie Blondi ihrem geliebten Herrchen, so apportiert Wagner uns unverdrossen und mit wedelndem Schwanz immer wieder Neues aus des Führers Schrebergärtchen, von unappetitlich toten Mäusen über undefinierbaren, ekligen Schleim bis zu unverantwortlich liegengelassenen geladenen Pistolen von der letzten SS-Darkroomsause, läßt es krachend auf den Boden des Berghofs fallen und macht seinem braunblonden GröFaZ Männchen in hechelnder Erwartung einer leckeren Belohnung. Wagner oh Wagner, räudiger Bastard, gib auf, gib auf! Suche nicht länger nach dem Grabe Deines Herrn, streune nicht weiter läufig durch die Gassen! Leg Dich hin, sei still, still, still und harre der Spritze, die Dich erlösen wird, zu Deinem - und unser aller Besten.

Herzlichst

Dein A. C. Lazar

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Von Andi um 17:34 geschrieben | 2 Kommentare


06.04.05

"Ohne ihn"

...titelt die "Zeit" heute. Naja, sind ja nur noch zwei Wochen bis zu seinem Geburtstag und gut ein Monat bis zum Ende seines großen Krieges, und er kann nicht immer nur auf dem Titel des "Spiegels" sein, nicht wahr, und bald kommt auch diese Miniserie "Speer und er" ins Fernsehen, und dank der rastlosen Bemühungen des Nazi-TVs und ihres Lieblingsgeschichtsarchitekten "Prof." "Dr." Guido Knopp ist er eh schon fast sowas wie ein zusätzliches Familienmitglied, das schweigsam bzw. brüllend und tobend, aber immer treu bis ins Mark mit am Mittagstisch sitzt... aber dennoch finde ich diese schleichende Übernahme nationalsozialistischer Rhetorik in den deutschen Geschichtsdiskurs ein wenig, um nicht zu sagen ziemlich beunr-

Wie? Was? Auf dem "Zeit"-Titel geht's um den Papst? Naja, vor lauter Hitlerei kann man schon mal den Überblick verlieren, aber der Punkt ist doch-

Jetzt laßt mich doch mal ausreden, verdammt, als ob Ihr noch nie einen kleinen Feh-

Okay. Lest das hier, Seiten 480 - 482:

Anfang September 1973 erschien [Joachim] Fests Hitler-Buch. Aus diesem Anlaß veranstaltete der Verleger der Monographie, Wolf Jobst Siedler, in seiner Villa in Berlin-Dahlem einen großen Empfang. Auch wir, [Reich-Ranickis Ehefrau] Tosia und ich, wurden eingeladen, was gewiß auf Fests Vorschlag zurückging. Wir waren in bester Laune, als wir, kaum in der Diele der geräumigen und vornehmen Wohnung angelangt, durch die offene Tür in eines der Zimmer blickten und dort etwas sahen, was uns beinahe den Atem verschlug: Einige Personen unterhielten sich sehr angeregt mit einem im Mittelpunkt stehenden, ansehnlichen und korrekt in einen dunklen Anzug gekleideten Herrn, wohl Ende Sechzig. Der Hausherr bemühte sich um ihn äußerst höflich, wenn nicht ehrerbietig. Allem Anschein nach war nicht Fest an diesem Abend der Ehrengast, sondern der durchaus sympathisch anmutende, gesetzte Herr.

Tosia wurde blaß. Auch ich fühlte mich plötzlich nicht ganz wohl. Es war klar: Wir hatten jetzt nur zwei Möglichkeiten - wir konnten trotz des Ehrengastes bleiben, oder wir mußten die herrschaftliche Villa sofort verlassen, was natürlich einem Eklat gleichkommen würde. Ich überlegte mir die Sache blitzschnell, doch bevor ich etwas unternehmen konnte, war sie schon entschieden: Siedler kam auf uns zu und geleitete uns, höflich und zugleich energisch, zu dem Ehrengast, der uns jetzt zwei oder drei Schritte entgegenkam. Er begrüßte uns wie alte Freunde, ja, so war es, er begrüßte uns geradezu herzlich.

Dieser dezente Herr war ein Verbrecher, einer der schrecklichsten Kriegsverbrecher in der Geschichte Deutschlands. Er hatte den Tod unzähliger Menschen verschuldet. Noch unlängst hatte er zu den engsten Mitarbeitern und Vertrauten Adolf Hitlers gehört. Er war vom Internationalen Militärtribunal in Nürnberg zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Rede ist von Albert Speer.

Worüber man sich unterhielt, weiß ich nicht mehr. Aber was immer ich äußerte, Speer nickte mir zustimmend und freundlich zu, als wolle er sagen: Der jüdische Mitbürger hat recht, der jüdische Mitbürger sei willkommen. Auf einem Tischchen lag, wenn ich mich nicht ganz irre, auf einer Samtdecke das Buch, das hier und jetzt gefeiert wurde: ein Band von 1200 Seiten.

Auf dem schwarzen Umschlag war mit großen weißen Buchstaben der lapidare Titel gedruckt: Hitler. Was diese Ausstattung des Buches suggerieren sollte, worauf hier mit Entschiedenheit Anspruch erhoben wurde, konnte man nicht verkennen: Pathos war es und Monumentalität. Speer sah es offensichtlich mit Genugtuung. Verschmitzt lächelnd blickte er auf das feierlich aufgebahrte Buch und sagte bedächtig und mit Nachdruck: "Er wäre zufrieden gewesen, ihm hätte es gefallen."

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Von Andi um 22:53 geschrieben | 0 Kommentare


23.03.05

Technology Quarterly

Diese Sonderbeilage des "Economist" enthält auch diesmal wieder einige interessante Artikel, zum Beispiel über Expertensysteme, die Anwälte ersetzen könnten (ein weiterer Hinweis auf die Zukunft der Arbeit, über die auch Ray Kurzweil bestimmt Bescheid weiß).

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Von Andi um 23:21 geschrieben | 0 Kommentare


03.03.05

Kleine Presseschau

Hier ein paar Artikel, die mir letztens in meiner Lieblingswochenzeitung aufgefallen sind:

Kluge Anmerkungen über Muslime im Westen.
"Ehren"morde in Berlin.
Ein wundervolles Porträt von Birol Ünel.

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Von Andi um 21:56 geschrieben | 0 Kommentare


01.03.05

Wohin die Reise geht

...mit Figuren wie "Jeff Gannon", weiß der unnachahmliche Billmon (Link leider kaputt) und liefert damit erneut einen guten Grund, ihn in meine permanenten Links aufgenommen zu haben, abgesehen von irgend so einer Filmsite, dem nötigsten deutschen Watchblog, dem führenden liberalen Blog der USA, dem besten politischen Comic Amerikas und Wesley Crushers Homepage. Die beste politische Satiresendung und die täglich neuesten Karikaturen in den USA sind auch sehr erwähnens- und besuchenswert.

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Von Andi um 16:18 geschrieben | 0 Kommentare


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