Wer Sonnenuntergangszeiten für Stuttgart googelt, ist doof.
Ein Nerd, den ich aus meinen Italienischkursen kenne, ist auch fast jeden Tag da. Er spricht auch Französisch, zu einem Mädchen einen Computer entfernt, wie sein Italienisch grammatisch und vokabularisch richtig, aber seltsam künstlich, trocken, wie ohne Seele. Er trägt schwarze Schuhe und schwarze Socken, hat dünne weiße Beine in schwarzen Shorts, ein gestreiftes Poloshirt, eine Brille und Haar wie blonde Stahlwolle. Seine Stimme ist eher hoch, und manchmal springt er auf und hilft.
Er hilft Mädchen, sich einzuloggen.
Er hilft Mädchen, sich auszuloggen.
Er hilft Mädchen, Dokumente zu drucken.
Er hilft Mädchen mit USB-Sticks und mit Laptops, mit Büchern aus der Bibliothek und mit schweren Tragetaschen.
Er hilft, Mädchen.
Und nach jeder Hilfe ist es, als dehnte er sich ein bißchen aus, für eine Weile nur.
Nimmt einen Schluck aus seiner Colaflasche, wie Siegeschampagner.
Wirft ein Blatt Papier in den Müll, wie Jordan.
Sieht sich um in seinem Revier, wie König Simba.
Er sieht sogar ein bißchen aus wie Simba.
Wie das Löwenjunge Simba.

Zu schnell.
Don't do this, boys.
Der Nerd dreht sich so schnell um, wie der studiVZ-Gründer Ehssan Dariani sich in diesem Fremdschämfilm in der Berliner U-Bahn umdreht, um zwei große Blondinen in sein
Der Nerd fragt, was Chloë braucht, und sie sagt, sie müßte nur was drucken, und er überläßt ihr mit einer in seinen Gedanken weltmännischen Geste seinen Account und tut so, als läse er ein Buch, während sie sich bedankt und ein paarmal klickt, noch vor Sekunden lag seine Hand auf derselben Maus!
Sie ist fertig und bedankt sich nochmal, und wahrscheinlich, damit sie weiß, welches Benutzerkürzel sie am Drucker auswählen muß, reißt er ein Stück Zettel ab und schreibt etwas darauf, vielleicht sein Kürzel, vielleicht seine Nummer, vielleicht eine Zeichnung ihrer Vulva, und gibt ihn ihr, und sie bedankt sich ein drittes Mal, und als sie an meinem Platz vorbei zum Drucker geht, spielt sich das wunderbarste Schauspiel in ihrem Gesicht ab, Verwunderung, Ekel, Dank, Erleichterung und Verstehen, auf mehrere Weisen Verstehen in einer Viertelsekunde.
Ich möchte Regisseur sein, und wie Sergio Leone nur Großaufnahmen von Gesichtern vor überwältigenden Naturpanoramen drehen. Vollkommene Kunst, vollkommenes Leben ...
Im Gesicht des Nerds stehen Ausdehnung und Zufriedenheit und nur ein bißchen Sehnsucht.
Das erste vergeht nach ein paar Minuten.
Das zweite später, am Nachmittag.
Nur das dritte wächst.
Tage und Tage.

12 Kommentare: