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30.06.2021

Was ich bloggen will

Hier und da habe ich mich in der Vergangenheit rhetorisch, aber auch wirklich gefragt, was ich noch bloggen soll, nachdem ich nach einigen Jahren intensiven Schreibens das Gefühl gehabt hatte, alles gesagt zu haben, was ich sagen wollte und konnte. Doch nach zehn Jahren Abwesenheit, mannigfaltigen Welt- und Eigenläuften in der Zwischenzeit und bei Betrachtung so einiger unvollendeter Baustellen dieses Blogs (immerhin "Those were the days" habe ich mittlerweile zum Ende geführt) ist die Liste der Themen, über die ich meinen und belegen möchte, wieder stark angestiegen. Hier ist sie in alphabetischer Reihenfolge, und ich freue mich über jegliche Kommentare, Ergänzungen und Kritik. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Update [08.09.22]: Noch mehr neue Themen hinzugefügt.
Update [11.07.21]: Einige neue Themen hinzugefügt.
  • Abtreibung und die rückständige Unterleibspolitik generell in Deutschland
  • Antiamerikanismus
  • Antisemitismus in Deutschland
  • Atheismus/Säkularismus/Laizismus und deren mangelhafte Umsetzung in Deutschland bzw. Decken des christlichen Klerus, selbst wenn er furchtbarste Verbrechen begeht
  • Das deutsche Bildungssystem und seine Selektion
  • Die bröckelnde Brandmauer von Mitte-Rechts gegen ganz rechts bzw. die gefährliche ideologische Entleerung des Konservatismus bzw. aufkeimender Faschismus
  • Bundestagswahl 2021
  • Dark Enlightenment/Blackpill
  • Deutschland und die Deutschen
  • Die "DDR" als Unrechtsstaat und die besorgniserregende Weigerung vieler Politiker:innen, sie so zu nennen
  • Politische Desillusionierung in der Covid-Pandemie
  • Der in jeder Hinsicht spektakulär gescheiterte "Krieg gegen Drogen"
  • Drohnen
  • Wie es ist, ein Elter zu sein
  • Embourgeoisement
  • Immer flachere Emotionen in Filmen
  • Die gescheiterte Entnazifizierung in Deutschland
  • Die scheiternde europäische Außenpolitik, z.B. in Syrien, Libyen und Afghanistan
  • Fake News/Truthiness/Propaganda
  • Feminismus/Emanzipation für Frauen, Männer und alle anderen
  • Freiheit als einziger Grundwert
  • Die Grünen/Ökoablässe/Performative Nachhaltigkeit
  • Hass und Meinungsfreiheit im Netz
  • Katarina Witt/Opportunismus und Leben im Falschen
  • Klimakrise
  • "The Last of Us"
  • Law-and-Order-Politik bzw. übertriebene Terrorangst
  • Leben ohne Angst vor dem unvermeidlichen Tod
  • Mein Leben seit 2011
  • Libertarismus
  • Sogenannter Linksextremismus
  • Der Niedergang der Medien in der Aufmerksamkeitsökonomie
  • Angela Merkels katastrophale Kanzlerschaft
  • Globale Moral (Ubuntu)
  • Das majestätische "nahtlose Hemd" der katholischen Lebensethik, das viele Katholik:innen heute nicht mehr verstehen
  • Nahostkonflikt
  • Deutscher Nationalpazifismus
  • Die Organisation der Ehemaligen Staats-Sicherheits-Angehörigen (GEZ)
  • Paternalismus
  • Polyamorie
  • Populismus: When they go low, they win
  • Post-Kapitalismus? Capitalist Realism sensu Mark Fisher, nur noch Konsum und Arbeit als Ersatzideologien
  • Post-Privacy?
  • Eine neue, prometheische Linke
  • Prostitution und andere sexualisierte Gewalt
  • Putinismus/Das wunderliche Verhältnis vieler Deutschen zu Russland
  • "Rationalismus"/Szientismus als Irrweg einer vermeintlich logischen Weltanschauung
  • Politisches Realignment
  • Das nicht zukunftsfähige deutsche Rentensystem
  • Terrorismus/Osama bin Laden hat gewonnen
  • Transhumanismus und anderer technischer Fortschritt
  • Ungleichheit
  • "Exiting the Vampire Castle"/Woke-ismus
  • Verrechtlichung von Klimazielen
  • Verfehlte Wohnungspolitik
  • Zukunft der Arbeit Reprise
  • ...

20.04.2012

Betreuungsgeld

Im Prinzip finde ich ein Betreuungsgeld gut. Denn wenn Eltern durch die zusätzlichen finanziellen Wahlmöglichkeiten selbst entscheiden können, ob sie ihre Kinder in staatlichen oder privaten Tagesstätten oder zuhause erziehen wollen, besteht weniger Gefahr, dass die nachwachsenden Generationen zu passiven Staatskonformisten erzogen werden.*

Aber die tatsächliche Umsetzung mit einem lächerlich geringen Taschengeld, um Klagen wegen der aus politischer Unfähigkeit verfehlten Erfüllung des Rechtsanspruchs auf einen Tagesstättenplatz abzuwenden, das Fortbestehen Frauen benachteiligender familiärer Betreuungsarrangements und das bedauerliche Erziehungsversagen vieler Eltern machen es mir leider unmöglich, praktisch für das Betreuungsgeld zu sein. Es frustriert mich sehr, wenn meine schönen Ideale an der hässlichen Realität scheitern!

* Jede staatliche Erziehung ist schon notwendig (um Massen effizient beschulen zu können), aber auch gewollt (um "gesellschaftliche Werte" zu verbreiten und Gefahren für die etablierten Machtstrukturen abzuwenden) konformistisch normierend. Ich halte das prinzipiell für schlecht, weil der Staat sich aus der Werteformung heraushalten sollte, anstatt seine zu mächtigen, paternalistischen Tentakel immer tiefer in alle Bereiche der Lebensgestaltung hineinzuwühlen. Er soll sich auf seine Hauptaufgabe der Innen- und Außenverteidigung konzentrieren und so Raum für Freiheit schaffen, anstatt ständig mehr Aufgaben zu übernehmen, Wahlfreiheiten zu beschneiden und die Leute nach seinem Bild zu formen. Darum bin ich grundsätzlich auch gegen Schulpflicht. Aber das kollidiert direkt mit meinem anderen Ideal der Chancengerechtigkeit, unter das sich auch mein Feminismus weitgehend subsumieren lässt. Ohne flächendeckende und bezahlbare, also staatliche Kindertagesstätten müssen die Frauen zuhause sitzenbleiben, und viele Kinder bleiben von früh auf weit zurück. Das ist nicht, was ich mir unter einer menschlichen Gesellschaft vorstelle. Trotzdem frage ich mich, wie stark sich der Staat hier einmischen sollte. Denn wo soll die Normierung noch enden?

06.03.2012

Geeks and Patriarchy

A superb interview.

The narrative goes something like this: Geeks are smarter than everyone else, and ladies like hot, not smart, so geek men have almost no contact with women until they become adults. They're socially stunted and bitter about their lifelong rejection by women, so they lash out at women to make themselves feel better. [...]

The problem with this narrative and how it functions in conversations about geek misogyny is that the hypermasculine standard that leads to geek men feeling disenfranchised while growing up is the result of a patriarchal culture. By becoming misogynists, geek men actually reinforce the sexist standards that lead to them getting beat up or made fun of as kids. Patriarchy is still to blame.

06.07.2011

Elevatorgate

Rebecca Watson was on a panel at an atheist conference in Dublin where she spoke about sexism, misogyny and objectification in the atheist and skeptic movement, how it makes her uncomfortable, and also about the threats of rape she gets. She continued talking about this to some people at a hotel bar until 4 am when she said "I'm exhausted, going to bed". A man followed her into the elevator and propositioned her for coffee in his room. So he knew that she doesn't like sexualisation, that it makes her uncomfortable, that she is tired and wants to sleep in her bed, and that she probably doesn't feel too swell alone with a stranger in a hotel elevator in a foreign country, yet still overrode her express wishes in at least four, likely even five direct instances, thus showing that he doesn't care about her preferences. If that doesn't creep you out, what does?

This is why Watson said, very briefly in a long vlog, that guys shouldn't do that. She didn't say that the man was a rapist or that all men are monsters, just that this situation made her "incredibly uncomfortable". The offended raging in internet comments in response to this innocuous statement is completely disproportional and very revealing. I am especially disappointed in Richard Dawkins' responses, a man I admire for his great intellect and brilliant writing. I genuinely thought he would be as liberated in the rest of his thinking as he is in his thinking about religion. Alas, the privilege of a 70-year-old Oxford-educated English ivory tower toff seems to be hard to unlearn ...

28.04.2009

vidi, lexi, critixi

What you lookin' at?

Manchmal denke ich, meine häufigen Kritikeinträge schaden mir und meinem Blog, weil ich, statt originales Material zu produzieren und meine Kreativität und Gedankenschärfe zu schulen, nur den Output von anderen wiederkäue, und weil meine Leser denken müssen, dass ich außer zweiter bis fünfter Hand nichts zu bieten habe, und dann können sie auch weiter die Amazon-Rezensionen von sexytrixi69 lesen.

Aber dann denke ich, gute Filme und Bücher müssen gelobt werden und schlechte verdammt, um das Wahre und das Schöne in der Welt zu fördern, und wie sollen die Leute angesichts der schieren Masse an Werken sonst, so sie denn in einer berechenbaren Beziehung zu meinem Geschmack und meinen Argumenten stehen, wissen, was sie unterstützen und was sie liegenlassen sollen? Umso mehr, wenn die Menschen mich gerade wegen meiner Kritiken lesen. Außerdem kann Kritik auch Zweck an sich sein und über die Referenz hinaus neue, eigene Gedanken entwickeln, die Wichtiges über die Welt und das Leben sagen. Und schließlich macht Kritik mir immer noch jede Menge Freude.

Soviel als Kurzfassung meiner Theorie der Kritik. Und nun zur Praxis.

"Quantum of Solace": Bond küsst das Girl nur auf den Mund? Leider Öko- und Emo-Schrott.

"Warten auf Angelina": Alles, und ich meine alles, was an deutschen Filmen schlecht ist, ist in diesem Panoptikum des Grauens zu bestaunen. Kostüme, die die Heilsarmee weggeworfen hat. Schauspieler, die die Luft nicht wert sind, die sie veratmen. Eine Kamera, die von einem blinden, betrunkenen Orang-Utan bedient wird. Ein Skript, in dem die Hauptfiguren buchstäblich auf ihren weißen Ärschen sitzen und darauf warten, dass der furchtbar, furchtbar unwitzige Plot zu ihnen kommt. Und der Höhepunkt mit "Angelina" ist lahmer als das Jahrestreffen der Kriegsversehrten der Ostfront e.V. Auf jeden Fall meiden!

"Inkheart": Nicht viel zu sagen, außer dass diese Fantasyverfilmung zwar komplett durchschnittlich ist, aber weil sie aus Hollywood kommt, trotzdem tausendmal unterhaltsamer als "Warten auf Angelina". Made in America, Baby!

"Burn after Reading": Leute, die nicht wissen, was Liebe ist, jagen ihr hinterher. Unglück folgt. Nicht sehr toll.

"Twilight": EEEEEEKKKKK!! EDWAAAARD!!!! ICH WILL EINE ABTREIBUNG VON DIR!!!!!1 Aber der Film ist tatsächlich gar nicht schlecht. Kristen Stewart und Cedric Diggory spielen zart und natürlich, und die Reinterpretation des Vampirismus ist originell genug, um ein Gefühl guter Unterhaltung zu hinterlassen, auch wenn Edward Cullen später zum Muster eines abusive boyfriend mutieren soll. Aber er ist doch so süß ...

"Sieben Tage Sonntag": Die wahre Geschichte zweier Jugendlicher, die in der menschenleeren Ödnis einer fernen dystopischen Zukunft Leipzig ohne Motiv brutalstmöglich Rentner schlachten. Es mag wie eine mutige Idee des Regisseurs scheinen, sich jedem Erklärungsversuch zu verweigern, weil es eh keine Antwort gäbe yaddayaddayadda, aber im Ergebnis wirkt es nur wie feiges Schwanzeinklemmen und Betrug am Zuschauer. Wenn ich die Fakten ohne Interpretation haben will, lese ich den dpa-Ticker, in einem Film möchte ich eine Aussage sehen (und Brüste).

"Yes Man": Wie bei Adam Sandler gehe ich auch bei Jim Carrey in fast jeden neuen Film und vergesse dabei immer, dass die tatsächlichen Geschichten nie so gut sind wie ihre originellen Prämissen. So ist auch diese Story über einen Mann, der nur noch Ja sagt, eigentlich eine biedere Schmonzette. Und neben der Starpower selbst eines alternden Jim Carrey braucht es mehr Ausstrahlung als die der zwar niedlichen, aber auch ziemlich blassen Zooey Deschanel.

"He's just not that into you": Okay, dieser Film hat ein paar gute Ansätze. Obwohl es der gewohnt hölzerne und charismalose Ben Affleck ist, ist seine stockende Erklärung, warum er Jennifer Aniston nicht heiraten möchte, weil er sie nämlich auch ohne Ring und Siegel liebt, für Hollywoodverhältnisse fast schon revolutionär zu nennen. Sexy kid Scarlett Johansson macht mit dem aufstrebenden Bradley Cooper einen ziemlich guten Job. Und wer Drew Barrymore nicht liebt, hat kein Herz, wer härter als Harald Juhnke saufen, mehr Drogen als River Phoenix nehmen und danach immer noch so gut aussehen und das Leben lieben kann, kann nur ein großes Vorbild sein.

Bist Du auch so strunzedoof wie ich?

Aber dieser von ihr produzierte Film ist schrecklich frauenfeindlich.

Jennifer Aniston ist so verfangen im Traum, einmal eine Braut zu sein, und von den Sticheleien ihrer sogenannten Freundinnen so betroffen, dass sie Schluss macht mit Affleck, der sie wirklich liebt, so sehr, dass er am Ende sogar seine Überzeugungen opfert und ihr einen Antrag macht, um sie glücklich zu machen. Jennifer Connelly ist eine erstickende Mikromanagerin, die selbst die mehrfache absolute Arschlochhaftigkeit ihres Ehemanns verzeihlich erscheinen lässt. Scarlett Johansson ist eine labile Männerfresserin. Und die Hauptdarstellerin Ginnifer Goodwin ist so unsicher und hyperaktiv, dass man ihr gleichzeitig Valium und Kokain geben will.

Kann es in diesen Filmen keine coolen Frauen geben? Frauen mit Eiern? Die darauf scheißen, was ihre Freundinnen sticheln? Die Arschlöcher in den Wind schießen und in den Sack treten? Die autochthones Selbstbewusstsein haben und eigene Ideen, wie sie flirten und daten wollen, und es nicht von Daddy gesagt bekommen müssen? Kurz, Lizzy Bennets und nicht Blanche DuBois'? You know, nicht nur, weil es weit mehr Freude macht, Ersteren zuzusehen als Letzteren, sondern auch wegen Vorbilder geben, Leben in die Hand nehmen usw. Und wegen der Sexiness.

"Watchmen": Eine fast perfekte Verfilmung, und dafür ist tatsächlich der blaue Penis von Dr. Manhattan ein Indiz. Leider deswegen ein Flop. Also wegen der Perfektion.

"The Reader": Sex, Nazis und Kate Winslet - klingt wie ein Film für mich! Leider spielt meine immer noch liebste Schauspielerin die tumbe und plumpe ehemalige Auschwitz-Aufseherin Hanna Schmitz so gut, und die Liebesszenen mit dem begabten David Kross sind so naturalistisch, dass gar keine rechte Sexiness aufkommen mag. Vielleicht hat die L-förmige Bettdecke doch was für sich ...

Auch die Story von Bernhard Schlinks Bestseller hinterlässt keinen besonders guten Eindruck: Diese deutsche Auseinandersetzung mit dem Holocaust fühlt sich durchweg glatt an, glitschig und verlogen, ja geradezu falsch. Deutsche lesen deutsche Bücher, Deutsche halten deutsche Vorlesungen, und es hilft nicht, dass Bruno Ganz den Professor spielt, Deutsche sprechen deutsches Recht, und endlich liest ein Deutscher vor, wie der Holocaust zu verstehen ist, nämlich dass er nicht zu verstehen ist.

Klingt wie Exkulpation für mich.

Zwar raffinierte, mehrbödige und mehrfach selbstreflektierte Exkulpation, wie sie einem deutschen Juristen ansteht, aber letztlich doch keine andere Exkulpation als die des freiwillig glatzköpfigen abgebrochenen Grundschülers in Nordbrandenburg. Und warum soll man sich das dann ansehen, selbst wenn Ralph Fiennes und auch Lena Olin in einem leider viel zu kurzen Auftritt einen guten Job machen?

"Monsters vs. Aliens": Witzig, rasant, menschlich, vergesslich.

"C'era una volta il West": Ich hatte den echt bis Ostern noch nie gesehen! Und was habe ich verpasst!! Best. Movie. Ever? Ich will auch so ein Gesicht wie Charles Bronson, oder doch lieber wie Claudia Cardinale.

You lookin' at me, aren't you?

"Schuld und Sühne": Ah, ich möchte mein Leben lang nur russische Klassiker lesen, und dafür braucht man vielleicht auch das ganze Leben. Herzzerreißend, atemberaubend, reich und wahr, wahr, wahr.

"Dreams from My Father": Ein interessanter, manchmal fast lyrischer Einblick in das frühe Leben und die Gedanken des 44. US-Präsidenten Barack Hussein Obama, yaaaay!, der sich jedoch in der Mitte etwas zieht.

"The Film Club": Ein Vater lässt seinen Sohn die ungeliebte Schule abbrechen und bis fünf Uhr nachmittags schlafen, wenn er dafür jede Woche mit ihm drei Filme schaut, nach einer wahren Geschichte - klingt wie ein Buch für mich! Leider ist der Papa zwar ein guter und lehrreicher Filmkenner, aber auch ein eigenartig aufgeblasener, haarsträubend schlechter Lebensratgeber, und sein Sohn ist ein eifersüchtiger, mimosenhafter Taugenichts, dem man irgendwann nur noch die Crackpfeife aus der Hand schlagen und ihn ins Arbeitslager deportieren will, und das mir, dem Crackjunkie von Cannstatt! Sowas, sowas ...

Why yes Sir, I am!

26.07.2008

Ausgewählte Ärgernisse

Wann immer ich in einem Zug oder in einem Flugzeug auf eine zurückgelassene Zeitung oder Zeitschrift treffe, muss ich sie aufheben und von vorne bis hinten lesen, ob es die "Glamour" ist oder die "Bäckerblume", ich kann nicht anders, wenn man mich zu Tode foltern will, muss man nur Monitore mit ständig wechselnden Texten um mich herum aufbauen. Doch das ist okay, immerhin sterbe ich dann gut informiert.

Aber fuck, ist die "Welt" reaktionär. Fuck.

Nacktfotos von Models, Pamela und Mapplethorpe sind pornographisch. Die glücklich verheiratete Entenmutter Schiffer leidet nicht unter "Emanzipationspanik". Doch Frauen entwickeln nach Gesprächen mit ihren Freundinnen gerne lächerliche Moralpaniken.

Ach so, das war übrigens alles in einer Ausgabe. Aber aus welchem Jahr?

Apropos 1958, der "Comedian" Mario Barth hat vor kurzem 70.000 Zuschauer ins Berliner Olympiastadion gezogen.

Fuuuuuuck. Ich meine, fuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuck.

Als der Führer dort aufgetreten ist, hatte er wenigstens Niveau. Und Pointen. Und hat was Neues gesagt. Sicher, die Neuigkeiten hatten viel mit tyrannischer Weltherrschaft zu tun, und die Pointen handelten meistens von Juden und Bolschewiken oder auch mal von jüdischen Bolschewiken oder bolschewistischen Juden, und das Niveau war das aktuelle der Reichswehrtechnik, aber ist das nicht trotzdem besser, auf böse Weise sinnvoller, erfüllender, anregender, als einem Berliner Hanswurst beim Recital der ältesten Klosprüche und dümmsten Vorurteile zuzujubeln? Huhuhahaha, Schwarze und Weiße sind so verschieden! Brahahaha, wir werden uns nie verstehen! Hehehe, die fressen immer Wassermelonen!!

Disclaimer für meine Kanzlerkandidatur: Der vorhergehende Absatz stellt keine Befürwortung des "Dritten Reiches" dar. Aber eine bestimmt justiziable Verunglimpfung Mario Barths. Was ist schon ein richtiger Kanzlerkandidat ohne ein cooles Outlaw-Image?

Der hier, das ist ein Komödiant, der den Namen verdient. Nur ein Mann und ein Mikro, aber unendlich witzig, unendlich erfüllend, unendlich anregend, Weißclown und August in einem, den ganzen Widersinn und alle Unmenschlichkeit der conditio humana in nur zwei, drei Sätzen sezierend. Warum ist George Carlin gestorben, und Barth lebt??

Schließlich: Dieser Werbespot macht die Runde, und ich habe damit die Gelegenheit, wieder aktuell zu sagen, was mich am Phänomen Paul Potts stört.

Er kann nicht besonders gut singen.

Sicher, für die Amateuroper von Bath reicht es, und das soll keine Herabwürdigung sein, dieser Autor trifft beim Singstar noch nicht mal auf "Einfach" die Töne, aber Potts ist eben kein besonders guter Opernsänger, so wie die Stuttgarter Kickers auch keine erstklassige Fußballmannschaft sind, seufz. Dass das Publikum im Studio und vor der Glotze in gänsehäutige Verzückung gerät, ist daher nur zu einem Teil ihm anzurechnen, zum größeren Teil aber Puccini und Adami/Simoni, deren Töne und Worte den modernen, klassikentwöhnten Zuhörern, die etwas erstaunlicherweise selbst eine der ausgeleiertesten, unter anderem ausgiebig von einem gewissen Luciano Pavarotti bearbeiteten Arien wie "Nessun dorma" nicht zu kennen scheinen, offenbar wie Himmelsbrote schmecken.

Aber so klingt Puccini halt. Und er ist jetzt auch schon fast 84 Jahre tot, Zigarren Kette zu rauchen macht zwar eine dicke Hose, aber ein kurzes Leben. Und seine Opern und Arien wurden und werden nicht gerade selten gespielt, um es vorsichtig zu formulieren, hell, selbst das deformierte Bastardkind von Gilbert und Sullivan, also das Musical, spielt in "Miss Saigon" nur "Madama Butterfly" und in "Rent" "La bohème" nach (und das schlecht), Andrew Lloyd Webbers großzügige "Inspiration" des "Phantom of the Opera" durch "La fanciulla del West", überhaupt seines gesamten Gesamtwerks durch den Maestro nicht zu vergessen. Es ist auch nicht so, als ob das alles Geheimwissen wäre und als ob man Opern nur auf Grammophonwalzen kaufen könnte.

Was also beklatschen die Pottsfans anderes als ihre eigene Ignoranz?

Was verkauft die Telekom anderes als eine leidliche Kopie eines Monet an ein Publikum, das noch nie ein Gemälde gesehen hat, während woanders zehn Picassos verhungern?

Und muss man solche Travestien der Kulturgeschichte in der vagen Hoffnung gutheißen, dass sich ein oder zwei Kabelfernsehzuschauer einmal in ein echtes Opernhaus verirren? Sind die Mittel, solange der hehre Zweck der Kulturförderung verfolgt wird, also egal?

Na, vielleicht.

26.10.2007

Wissenswertes zum Wochenende

Deprimierendes

Genies haben noch weniger Sex als Idioten. Die Geschichte meines Lebens?

Naja, hier und in diesem großartigen Interview kann ich ja lernen, wie man sich selbst einen bläst.

Nur Spaß! Beim letzten Versuch hätte ich mir beinahe ein Auge ausgestochen.

Vielleicht sollte ich mir stattdessen beibringen, so wunderschön wie ein Tigerschnegel zu lieben:

Oder sollte ich mich doch besser zuerst selbst hacken?

So oder so, was Tony Blair als Premierminister gelernt hat, kann man nur doppelt und dreifach unterschreiben. Aber warum, warum, warum hat er sich dann als Bushs Vasall verdingt?

Die Welt ist eben einfach schlecht. Zum Beispiel in Usbekistan, über dessen Leid sich aber natürlich niemand aufregt. Vielleicht sollten ein paar Juden oder Amerikaner oder am Besten jüdische Amerikaner einige hungernde Usbeken verprügeln, fürs Fernsehen und so.

Und kompliziert ist sie auch, diese Welt. Zum Beispiel im Yasukuni-Schrein.

Und ungerecht, zum Beispiel für Hausmänner, sehr guter Artikel.

Trotzdem ein schönes Wochenende!

27.07.2007

Evas Exegese Eins

Wie versprochen.

Mein Kampf

Bücher sind lebend gespeicherter Geist. Sie wandeln und winden sich unter dem Auge des Lesers, und was als fester Vorsatz eines völligen Verrisses beginnt, wendet sich unversehens zu bloßer Abneigung, dann zu vorsichtiger Indifferenz und am Ende gar, in einem kurzen Moment der Schwäche, zu etwas wie widerwilligem Einverständnis. Wir wollen also sehen, was am Ende dieser Serie unter dem Striche stehen wird. Wohlan!

"Das Eva-Prinzip" ist ein mutiges, überzeugendes Buch, das das Leben jeder Frau ändern wird - und vielleicht auch das einiger Männer.

Schon der letzte Absatz des Klappentextes macht keinen Hehl aus Hermans Heilsversprechen. Scheinbare Utopien waren schließlich schon immer die Spezialität größenwahnsinniger Paranoiker aller Zeiten: "Mein Kampf" ist ein mutiges, überzeugendes Buch, das das Leben jedes Deutschen ändern wird! Stimmte ja auch.

"Unter Mitarbeit" ihrer Ghostwriterin Christine Eichel und einer mysteriösen "Elisabeth, Urkönigin der Weiblichkeit" gewidmet, wovon noch zu schreiben sein wird, hebt das hastigst auf Billigpapier gedruckte knallpinke Werk mit einem "Prolog" an, in dem nicht nur die im Folgenden unglaublich krampfig in jede nur unmögliche Stelle hineingezwängte Adam-und-Eva-Metapher eingeführt, sondern auch die scheinbare Idylle der Moderne brutal demaskiert wird: Im "Supermarkt der Wünsche" gibt es kein Glück zu kaufen. Doch, natürlich: "Wer solche Fragen laut stellt, bricht ein Tabu." Wie gut, dass es eine wie Eva gibt, die sich einmal traut, dem Jud' hinter den Feindmächten in sein böse funkelndes Auge zu blicken! Eine Brecherin eines scheinbaren Tabus, die uns aus der Wüste der Wirklichkeit in das Gelobte Land des Eva-Prinzips führt, zu unser aller Heil! Klar, dass eine so mutige Prophetin von den powers that be mitunter persönlich angegriffen wird:

Das war nicht immer angenehm.

Aber Eva, ist es denn wirklich gar nicht angenehm, sich als heroische Kämpferin einer gerechten Sache zu gerieren? Sag selbst:

Aber die Sache ist zu wichtig, um mich einschüchtern zu lassen. Zu wichtig, um einfach so weiterzumachen wie bisher. Denn es geht um unsere Zukunft, um die Zukunft unserer Kinder, um den Fortbestand unserer Gesellschaft. Werden wir aussterben, wird unser Land in wenigen hundert Jahren brachliegen?

Wird der Türke, der Türke mit seiner verlausten Kinderschar zwischen den Ruinen des Reichstages spielen, den Überresten unseres Landes, unseres deutschen Volkes? In wenigen Äonen schon gar, in the year 2525? Hilf Eva, hilf! Kämpfe für uns, schreie, was wir nicht einmal zu flüstern wagen!

Offenbar war ausgesprochen worden, was viele denken, aber nicht zu sagen wagten.

So ist es, Schwester, man wird doch wohl noch mal sagen dürfen! Aber was ist das, man wirft Dir hässlich Heuchelei vor?

Eine Frau also, die alle Vorteile der Frauenbewegung für sich genutzt hatte und sie nun öffentlich mit Füßen trat?

Mach sie fertig, Mädchen, posiere als Ulrike Meinhof, Du kleine, liebe Hochstaplerin, und lenke so ganz charmant von der Tatsache ab, dass Du die Frage überhaupt nicht beantwortest:

Nicht trotz meines Berufes schrieb ich diese Bestandsaufnahme, sondern genau deswegen. Gerade als Journalistin werde ich ständig mit den Missständen unserer Gesellschaft konfrontiert, mit Themen wie Vereinsamung und Vernachlässigung, mit Problemen wie zerrütteten Familien und überforderten Frauen. Die Bilanz unserer gesellschaftlichen Entwicklung ist ernüchternd und beängstigend [...] Und ich versuchte herauszufinden, woran das lag.

Ja, woran? Was ist Dein Schlüssel, der die Welt eröffnet, Deine epochale Entdeckung der wirklichen Verhältnisse, Dein ewiger Jude?

Einige typische Feministinnen

Schließlich erkannte ich, dass wir Frauen umso weniger Kompromisse eingehen können, je stärker wir uns dem Prinzip der Selbstverwirklichung zuwenden. Nicht jeder Mann ist in der Lage, nachsichtig und großzügig darauf zu reagieren; und so muss man sich eingestehen, dass neben anderen Faktoren die viel gepriesene Emanzipation durchaus ihren Teil zu einer höheren Trennungsrate beiträgt.

So ist es, nur so, Wasser ist flüssig, der Papst ist Katholik, mehr Selbstverwirklichung bedeutet weniger Kompromisse, und an allem sind die Emanzen schuld, diese keifenden Hexen mit Latzhosen und Haaren unter den Armen! Und die Männer? Die sind halt so, wie sie sind und Punkt, und fertig gefügt ist Evas kleine Welt.

Doch wie kam sie zu dieser eines Religionsstifters würdigen Erleuchtung? Was ist ihre Höhle Hira, ihr Gabriel, der zu ihr sprach?

Erst als ich schwanger wurde, begann sich mein Weltbild zu verändern. Immer klarer wurde mir vor Augen geführt, dass ich nicht der Mittelpunkt war, für den ich mich gehalten hatte. Mein Blickfeld erweiterte sich, Empfindungen wie Empathie und Einfühlungsvermögen gewannen zunehmend an Raum.

In diesem ergreifenden Versuch eines einfachen Gemüts, komplexe Prosa zu schaffen, sehen wir schon den Keim künftiger Größe. Bekanntlich war ja auch Schicklgruber zu Anfang nur ein kleiner Gefreiter, und wohin hat er es endlich gebracht? Er behielt eben immer unbarmherzig seinen großen Feind im Blick:

die meist unverheirateten Feministinnen

In diese verschlüsselte Formulierung, die uns in leichten Abwandlungen im Verlaufe des Buches noch öfter begegnen wird, müssen wir nicht viel Interpretationswillen investieren, um zu erkennen, daß unsere Eva von den "unverheirateten" Frauen auf seltsam besessene Weise fasziniert scheint, und im Zusammenklang mit der eingangs zitierten Widmung für die "Urkönigin der Weiblichkeit" fällt uns so der erste, noch zarte Schlüssel zu Evas Welt in die Hand, geformt wie ein großes "L". Ziehen wir ihn auf unseren Bund.

Fortsetzung folgt...

23.01.2007

L'artiste

In den letzten Tagen sehr viel Spaß mit dem googelnden Kennenlernen der seduction community gehabt, tapferen Seelen, die einander in Newsgroups, Foren und Websites lehren, wie man es schaffen kann, möglichst schnell möglichst viele möglichst schöne Frauen aufzureißen.

Klar, die Andrea Schwarzer in mir schreit Instrumentalisierung und Technokratisierung, brüllt Manipulation und Lüge, beklagt Objektifizierung und die Verschärfung von Machtspielen und Ungleichgewichten in menschlichen Beziehungen statt deren Verringerung oder Äquilibration, mein Utopia.

Aber alle Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift, und den eigentlichen Punkt, den die Aufreißkünstler machen, setze ich auch und immer wieder und so lange, bis wenigstens ich ihn begreife, zuletzt hier:

Rumheulen ist nicht sexy. Rumjammern ist nicht sexy. Zuneigung zu erkaufen ist nicht sexy. Vor ihrem Fenster im Sumpf der eigenen Tränen zu suhlen ist nicht sexy. Kurz, ein Würstchen, ein Welpe, eine kriechende weiße Made zu sein ist nicht sexy.

Zu wissen, was man will, und dies furchtlos zu sagen und zu tun, ist sexy. Sich als wertvoll und begehrenswert zu begreifen ist sexy. Sich zu verbessern ist sexy. Zu lachen und neugierig zu sein ist sexy. Kurz, ein sich selbst liebender Mensch zu sein ist sexy.

Wölfe werden Wappentiere. Maden nicht.

In diesem Sinne, an dieser Stelle, in Bälde mehr von meinem Wolfswerden.

06.12.2006

Exegesis

Als ich mich gestern nach getaner Arbeit mit vor Schweiß dampfendem Fell und vor Schaum kochendem Maul wieder hinter den Alpha eingereiht habe und weiter durch den Schnee geschnürt bin, überlegte ich, wie sich solche notwendigen Straforgien in Zukunft verhindern ließen. Weniges erschien mir dabei effektiver und effizienter als das Exerzitium der Exemplarik, das lehrbuchbeispielhafte Zeigen dessen, wie man es nicht macht, damit man es nicht macht. Freilich, die Gefahr besteht, dass sich die Novizen dann genau das falsche Vorgehen merken, aber dann war einfach nur das Exemplum nicht abschreckend genug. Wessen Ordensbruder man mit der Zange die Zunge herausgebrannt hat, wird nie mehr den Herrn in den sieben Himmeln lästern.

In diesem Sinne.

In diesem Sinne wollen wir uns noch einmal mit den Nasskämmern beschäftigen, den Nassforschen und ihren Anmachsprüchen und Videofilmen und Wichsdatenbanken. Sehen wir uns zu Anfang das Beweisstück A noch einmal an, in voller hundertsekündiger Länge und unkommentiert.

So. Und jetzt spulen wir zurück und fangen wieder von vorne an.

Das erste, was uns auffällt, ist der Titel des Werkes:

chick auf mitte party // WC

Mitte Party. Wo die Geilen und Schönen feiern, und ich bin mittendrin dabei. Filme auf dem WC, bin ein verruchterer Hund als Hunter S. Thompson, und mehr Drogen als er vertrage ich sowieso. Filme ein "Chick", Yee-Haw Baby!

Männer, die sich selbst stark hassen, nennen Frauen Fotzen und Huren. Männer, die sich selbst viel hassen und Frauen fürchten, nennen sie Göttinnen und Prinzessinnen. Männer, die sich selbst normal hassen und Frauen manchmal auch, nennen sie Weiber und Hühner. Männer, die Frauen lieben, nennen sie Frauen oder, wenn sie jünger sind, Mädchen, es gibt wenige schönere Wörter in der deutschen Sprache. Männer aber, die Frauen "Chicks" nennen, laut dem im studiVZ angegebenen Geburtstag noch fast genau einen Monat nach ihrem 26. Geburtstag, solche Männer sind nicht weniger als eine Gefahr für die gesamte Menschheit. In ihrem alles verzehrenden, durch Angst wie durch Napalm befeuerten Selbsthass. In ihrer totalitären Menschenverachtung. In ihrer fanatischen Prostitution für den Luden des Zeitgeists. Es fröstelt mich, zuinnerst.

Aber gut, vielleicht ist das der Interpretation ein klein bisschen viel. Weiter also.

Exegesis 1

Das zweite, was uns auch beim anderen Video (Link nicht mehr aktuell), um das es heute nicht gehen soll, eins ist genug, noch in der ersten Sekunde auffällt, ist, dass die von Dariani gefilmte Frau nach jedem gängigen Maßstab außergewöhnlich attraktiv aussieht. Groß und schlank, mit, wie wir später noch sehen werden, makellosen, langen und perfekt geformten Beinen, einem leicht zum Rechteckigen neigenden, aber dadurch sehr klaren ovalen Gesicht mit rosig betonten Wangenknochen, einer charaktervollen Stupsnase, halbvoll melancholischen Lippen, wie gemalten blauen Augen und auch um vier Uhr morgens noch reizvollem blondem Haar. Sie kleidet sich so elegant wie schnörkellos, wozu brauchte sie auch Schmuck, und, ihre Blicke verraten es uns, sie hat unseren smarten Startupgründer spätestens in Sekunde 15 völlig durchschaut, bis auf seine nackte, winselnde Seele, sieht sie sich doch jeden Tag, jeden einzelnen Tag mit Legionen von so unbeholfenen wie schleimigen und groben Verehrern konfrontiert, hätte sie den Krieg der Willen nicht gewonnen, wäre sie längst untergegangen, Sieg oder Tod.

Exegesis 2

Wer fährt auf solche Frauen ab? Auf Frauen, um die früher wenn nicht zehn Jahre, so doch wenigstens einige Sonnenwenden Krieg geführt worden wäre, Frauen wie Standbilder, Frauen für Standbilder, Frauen, die in ihrer vollkommenen Schönheit fast schon wieder langweilig und auch ein wenig furchterregend wirken, trübt sie doch äußerlich nicht der geringste menschliche Makel?

Offensichtlich Menschen, die selbst in Dimensionen und Epochen schweben, in denen aus Frauen Standbilder werden und aus Standbildern Frauen, mit anderen Worten, Personen, die die Welt, wie sie ist, fürchten, weil sie sie nicht kennen, weil sie sich in ihre eigene Welt flüchten, weil sie die Welt, wie sie ist, fürchten. Ja, it takes one to know one.

Instinktiv spürt Dariani, dass das Mädchen voll durch seine Kamera hindurch in den inneren Abgrund schaut, den er mit ihr doch geflissentlich zu verbergen sucht, und er reißt sie hastig hinunter, um ihr nacktes Bein zu bannen, um wieder selbst zum Beobachter zu werden, um wieder selbst die Kontrolle zu gewinnen. Für einen geschätzt 1,35 m großen, quäkig und gehetzt artikulierenden Hobbit mitten unter den Großen Leuten muss es unheimlich wichtig sein, die Kontrolle zu gewinnen, umso mehr, wenn es gilt, auf die Lichtung zu treten und Lúthien anzurufen, die tanzende Lúthien Tinúviel, halb Elbe, halb Engel, Schönste der Kinder Ilúvatars.

Mindestens dreimal, zunehmend verunsichert und ärgerlich fragt Dariani sie so, wie sie "die Party hier" findet. Doch sie sagt ihm unberührt und scharf wie ein Rapier, er solle schon machen, er solle "abschießen", im irrtümlichen Glauben, er wolle sie nur fotografieren, doch sie trifft trotzdem das genau richtige Wort für sein Tun, das rasiermessergenau richtige, natürlich.

Exegesis 3

Ehssan aber, längst völlig von ihrer Präsenz benebelt, bemerkt nicht, wie über sie ihm ist, wie absolut über, sagt sogar "Ja bitte!!1", richtig, mit zwei Ausrufezeichen und einer Eins, nachdem der zitternde Finger von der Shift-Taste geglitscht ist, als sie ihn raffiniert fragt, ob sie jetzt "was" zeigen soll und ihr zum Niederknien schönes Bein ins Magazin lädt, mit einem Streicheln und einem winzigen, teuflischen Klaps sogar. In einer Woche hätte diese Frau den kurz vor dem Abschluss stehenden Musterstudenten Dariani in einen sabbernden, psychisch, physisch und finanziell bis ans Lebensende bankrotten Penner verwandelt, wenn sie gewollt hätte, und zurecht, aber da in ihren Augen noch nicht die Verbitterung überläuft, weiß doch auch sie wohl, ihrer Jugend geschuldet, noch nicht alles von der Welt und von den Männern, erzählt sie stattdessen von den Verletzungen, die sie erfahren, von den Feiglingen, die sich ihr Begehren nicht eingestehen können, von den Würstchen und Schmierenschauspielern, die sich heute junge Männer schimpfen.

Nicht jedoch, ohne vorher Ehssan Dariani mindestens drei mammutbaumdicke Zaunpfähle hinzuwerfen, die dieser, wie alle vorherigen, natürlich übersieht, weil er viel zu beschäftigt ist, die Kontrolle nicht schon wieder zu verlieren, diesmal also, ihr seinen Namen nicht zu nennen, ach wie gut, dass niemand weiß und so weiter. Selbst als sie ihm ihr anderes Bein zeigt, um ihn endlich loszuwerden, und seine verbale ejaculatio praecox "rein, r-rein medizinisch" souverän wie eine Königin ignoriert, hört er die Salve nicht, und so bleibt ihr endlich, zum schändlichen Schluss seines Werkes nur, ganz unköniginnenhaft zu ernstaugusten.

Exegesis 4

Ein Gentleman ist jemand, der dafür sorgt, dass sich die Menschen in seiner Umgebung wohl fühlen. Dass sich die Menschen in seiner Umgebung nicht zu vergessen brauchen, weil der Gentleman sich ihrer erinnert. Ehssan Dariani, meine Wölfe und Wölfinnen, ist kein Gentleman. Was aber er ist, ist nicht so wichtig. Nur, dass Ihr nie so werdet wie er.

Weiter durch den Schnee.

18.10.2006

Dove Evolution

Es mutete mir schon immer etwas seltsam an, dass eine Firma, noch dazu ein Kosmetikhersteller und eine Unilever-Tochter, sich gegen das herrschende Schönheitsideal wenden sollte, schließlich verdient sich mit in und mit sich zufriedenen Menschen kein Geld, womit auch, aber sehenswert ist Doves neuer Werbefilm trotzdem.

16.09.2006

Bride of Eva Herman

Sie ist wieder da. Oder immer noch. Oder auch zum ersten Mal. Ewig wie der Antichrist. Verhasst wie der Antichrist. Zu bekämpfen wie der Antichrist. Wer wäre sie, die biblische Ordnung zu verleugnen?

12.08.2006

Zwei Haussklaven

Heute endlich auch den versehentlich veröffentlichten Briefroman im Postfach gehabt, über den halb Deutschland böse lacht: Schadenfreude ist ein unübersetzbares Wort. Dennoch ein wenig Textkritik.

Von: Gerloff Anica
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 09:43
An: Schöffel Christina
Betreff:

Morgen schnitte!;o)

ServiceCenter Nürnberg
Gerloff, Anica

Mit einem kleinen Morgengruß lässt sich das große Drama unauffällig an, offenbart aber schon im ersten, ohne Leerstelle direkt hinter das Ausrufezeichen gesetzten Smiley so verwegene Verachtung für die hergebrachten Regeln der deutschen Sprache wie leidenschaftliches Brennen für kreatives Newspeak, Oxymoron hin oder her. Doppelplusgut d00d!!1

Von: Schöffel Christina
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 09:44
An: Gerloff Anica
Betreff: AW:

Na Baby, alles klar?
Bin nur irgendwie müde und hab Ohrenschmerzen.
Martin war gestern abend ne dreiviertel Stunde da. Hatte mich extra rasiert und dann wollte er mich net. Hatten schon bestimmt 2 Wochen keinen Sex. Na ja. Kann man nichts machen.

Wie war dein Abend so??

Nur eine Minute später kommt Christina, die tragisch von schlimmsten, pochenden Ohrenschmerzen (Tumor?) gepeinigte zweite Heldin, umstandlos zur rasierten Sache, und wir ersparen uns diesmal noch eine Erörterung der drängenden Frage, weshalb erwachsene Männer eigentlich von kleinmädchenglatten Labien angetörnt werden sollen, aber warum nur klappt es nicht mit Martin, obwohl sie doch 45 Minuten lang alles getan hat, was sie tun konnte, was wollen diese Kerle eigentlich noch???ß

Doch kaum eine Viertelstunde später weiß ihre Freundin Anica schon erstaunlich knackigen und pragmatischen Rat, obwohl sie viel Aua in ihrem runden Köpflein und auch ganz, ganz schlimme "Kustenanfälle" hat:

Von: Gerloff Anica
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 09:59
An: Schöffel Christina
Betreff: AW:

Ja süße, ich hab kopf aua, zahnschmerzen und halsweh mit starken kustenanfällen und jetzt frag nochmal! Ne, müde bin ich net, bin schon fit!Hab ja au erst um 9 angefangen!

Doch, was sagen!

Prima! Aber leider, si tacuisses ...

Kann doch net angehn. Ihr seit erst 1 1/2 Jahre zam, wie soll denn das nach 10 Jahren werden?Aller 4 Monate mal? Der soll sich auch mal en bisschen zam reißen!

Richtig, weil nichts eine schlaffe Beziehung und einen selbigen Penis wieder aufrichtet wie wütende Appelle, sich endlich mal "zam" zu reißen. Doch vielleicht ist das ja so in Kreisen, in denen einfachere Kausalitäten zu wirken scheinen als in jenen, die Wörter wie "Kausalitäten" benutzen ...

Der wird's sichs wohl jeden tag machen, dass ers net von dir willl oder was?Wenn ich mich rasiert habe und dani fässt nur dahin und merkt das, wird er sofort rattenscharf und will sex. Da muss ich garnichts weiter tun! Wir haben auch unsere bedürfnisse als frau und wolllen befriedigt werden und aller 2 wochen is echt aweng arg!

Hab mich lieb!

Ach Mädchen, warum muss Dein Braun das Surrogat Deiner Begierde sein, kannst Du sie nicht, wie Du oben doch noch so richtig erkannt hast, selbst nennen? Fällt Dir doch sonst nicht schwer, frei zu sprechen ...

Schön, hatte sex ;o)
Haben Pizza gegessen. Haben noch CSI geschaut und wassermelone gefuttert und uns vorher nackert gemacht! [...]

Ich frage mich oft, wie man angesichts einer solchen Realität noch Satire schreiben können soll. Doch solche Details rauschen an Christinas heftig pochenden Ohren einfach vorbei:

Von: Schöffel Christina
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 10:02
An: Gerloff Anica
Betreff: AW:

Ja fands auch schade. Aber er war anscheinend sehr müde. Hatte den ganzen nachmittag gelernt und war davor in derFH. War auch recht enttäuscht. Er sagt es liegt am Stress und da vergeht ihm eben jede Lust. Muss ich wohl zu hinnehmen. Hab im Moment halt auch keine Lust von mir aus was zu machen um ihn heiß zu machen, weil ich keinen Bock auf ne Abfuhr habe. .. .. Bei Sebastian war das anders. Der is da acuh immer glei rattig geworden. Schon wenn er mich gesehen hat.Was solls. [...]

Ja, Hingabe ist das Los des Weibes! Gott bewahre eine "Abfuhr", dann schon lieber stumm weiterlächeln und allen Frust, allen Ärger runterschlucken, bis er ein kleiner, heißer Ball unter den Füßen ist. Richtig, Anica?

Von: Gerloff Anica
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 10:32
An: Schöffel Christina
Betreff: AW:

Ja, das glaub ich, aber ich wäre auch sehr enttäuscht gewesen, wenn ich seit 2 wochen keinen sex gehabt hätte, dann mich rasiert und chick gemacht hätte und mich mein freund scho wieder hätte abblitzen lassen. Irgendwann muss er doch auch mal wieder lust haben!Aber das stimmt, ich würde dann auch net mehr den anfang machen, weil ich angst hätte wieder ne abfuhr zu bekommen. Ich würde dann garnichts mehr machen und einfach warten bis er mal wieder lust hat und von alleine kommt!

Genau, wofür hat man denn den Braun angeworfen und sich "chick" gemacht, und selbst in Anführungszeichen sträubt sich in mir alles, dieses Wort so zu schreiben, wenn man sich dann nicht mal in seine Kemenate zurückziehen und auf Prince Charming warten kann? Klappt doch sonst auch immer!!!!1

Ja bei dani is das auch so und das find ich auch richtig so, dass er scharf werden sollte, wen er mich nackert sieht oder mich anfässt!Is ja auch richtiog so! [...]

Ganz richtiog, und wer sind wir schwachen Weiber, die göttliche und natürliche Ordnung zu stören? Wer sind wir, uns über die vom Herrn so weise und gut gemachte Welt zu beklagen? Es muss an uns liegen, dass wir so unzufrieden sind, nur an uns!

Von: Schöffel Christina
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 10:44
An: Gerloff Anica
Betreff: AW:

Ich finds auch dumm im Moment. Fühl mich ziemlich unattraktiv und unbegehrt. Warte halt jetzt ab bis er weniger Stress hat und hoff einfach dass es besser wird. Hab halt auch keinen Bock immer nur zu warten bis er ma kommt, weißte? Komm mir da echt auch blöd vor. Komm mir so langsam allgemein echt blöd vor und bin echt traurig. Fands aber schön dass er trotz dem ganzen Stress gestern nochmal vorbeigekommen ist.Hätte er ja auch net machen brauchen. [...]

Auf dieses traurige Bekenntnis hin zeigt Anica schwesterliches Mitgefühl und wiederholt ihren Ratschlag, einfach darüber zu reden, sprich mit ihm ...

Von: Gerloff Anica
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 14:56
An: Schöffel Christina
Betreff: AW:

Ja maus, so würde ich mich an deiner stelle auch fühlen, wenn mein freund mich net mehr anfassenb würde und kein sex mehr haben wollen würde!Tust mir scho echt leid maus!Gehört halt einfach dazu!

Ja, das stimmt schon, aber ich würde mich auch blöd fühlen. Hast ihm das mal gesagt, wie du dich fühlst, wenn er immer net will!??

...aber es sind wenn auch nur Glasperlen, so doch vor die Säue, und der Leser rauft sich die wenigen verbliebenen Haare in Raserei angesichts soviel beidseitig zur Schau gestellter Kommunikationsunfähigkeit:

Von: Schöffel Christina
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 15:03
An: Gerloff Anica
Betreff: AW:

Ja hab gemein dass ich mich echt unattraktiv fühle und gefragt obs an mir liegt. Und er sagte durch den Stress kann er net entspannen und es tut ihm leid

Statt ihrer verstockten Freundin nun aber gehörig den verdrehten Kopf sauberzuwaschen, legt Anica ihr eine, wenn auch recht niedrige, Meßlatte für Sex auf!

Von: Gerloff Anica
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 15:17
An: Schöffel Christina
Betreff: AW:

Naja, aber auf die dauer geht des auch net gut!Find ich gut, dass du soviel verständnis hast, hätte ich sicher net ganz so viel, aber irgendwann muss er doch auch mal wieder und du willst doch auch öfters oder net??Mir würdes zumindest so gehen, also wenigstens 1 oder 2 mal die woche braucht man doch schon oder?

Gefangen in ihrer selbstgewählten Sprachlosigkeit, kann Christina nur zustimmen und hilflos aus den Lefzen sabbern wie ein Häftling auf Wasser und Brot, vor dessen Zellentür die herrlichsten gebratenen Wildschweine, Hummer und Fasane vorbeiparadiert werden. Doch der Schlüssel steckt, Frau, er steckt!

Von: Schöffel Christina
Gesendet: Donnerstag, 22. Juni 2006 15:26
An: Gerloff Anica
Betreff: AW:

Ich könnt im Moment jeden Tag, bin irgendwie rattig wie die Sau. Ja einma die Woche haben wir auch, aber ich mag halt auch ma spontan irgendwie und ich trau mich aber net ihn zu verführen weil mir ne abfuhr zu sehr weh tut.

Aja was soll ich n machen,wenn ich nur sage was mich stört macht das alles sicher uach net besser

Nun, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, und folgerichtig sendet Anica die nächste Mail nicht nur an Christina, sondern auch an das gesamte Büro des Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz Arbeitsamtes Nürnberg, nicht aber, ohne ihrer Freundin noch einmal abschließend in allem, allem beizupflichten, ihren eigenen Rat damit himmelweit in den Wind schießend:

Von: Gerloff Anica
Gesendet: Freitag, 23. Juni 2006 12:01
An: _BA-Nürnberg-SC-Vermittlung-4
Betreff: AW:

Mir geht's manchmal auch so!Gestern hatten wir zwar keinen sex, da hatte ich keine lust, nur vorgestern und heute is Freitag und da habne wir mit sicherheit, denn ich war heut früh scho rattich auf meine maus ;o) Also 3 mal die woche werden wir wieder haben, also heute und mit sicherheit am WE nochmal!

Das glaub ich maus, das würde mir auch so gehen!

Ne, da haste recht, das is bei daniel auch vergebens, auch wenns bei uns um andere sachen geht, als um liebe und sex, wenn wir problemchen haben. Da geht's eher um unordnung machen bei mir heim und kosten und sowas!

Ja, ne, warum auch sagen, was einen stört, nicht wahr, macht unser schönes kleines Heim doch so unharmonisch, und er hört ja eh nicht, jaja, lass ihn ab und zu drüberrumpeln, dann hat er seine Ruh und Du deine, lass ihn Dich ab und zu besoffen verprügeln, er entschuldigt sich doch immer so lieb, denk an die Kinder, Du kannst ihn nicht verlassen, lass ihn Dich doch würgen, würgen, bis Du keine Luft mehr bekommst, sei stumm und schlucke hinter Deinem Lächeln die ausgeschlagenen Zähne hinunter!

Die Sklaven hassen jene, die frei sein wollen. Die Peitsche für sie, die Peitsche!

06.06.2006

Eva Herman

Die "Tagesschau"-Sprecherin und "Cicero" haben eine glänzende Satire veröffentlicht, in der eine Haussklavin die Wonnen der göttlichen und natürlichen Ordnung bejubelt, während sie vom Master ausgepeitscht und geschwängert wird. Ich habe Tränen gelacht über subtil offensichtlich gemachte Fehlschlüsse wie diesen ...

Bei beinahe der Hälfte aller Kinder in Deutschland werden anlässlich der vorschulischen Untersuchungen wegen fehlender Bemutterung deutliche Defizite wie motorische oder sprachliche Störungen, kognitive Entwicklungsbarrieren und verhaltensauffälliges Benehmen festgestellt.

...hochironische Rekurse auf jahrhundertelang fälschlich gehegte "wissenschaftliche" Vorstellungen wie diese ...

Der Mann steht in der Schöpfung als der aktive, kraftvolle, starke und beschützende Part, die Frau dagegen als der empfindsamere, mitfühlende, reinere und mütterliche Teil. In den zurückliegenden Jahrtausenden richtete die Menschheit ihre Lebensform nach dieser Aufteilung aus, die Rollen waren klar definiert.

...und das mutige Stilmittel präfaschistisch-sozialdarwinistischer Blut-und-Boden-Rhetorik, das auch den etwas begriffsstutzigeren Leser den Witz begreifen und mitlachen lässt:

Es ist eine simple, naturwissenschaftliche Feststellung: Wenn Frauen sich zunehmend zu maskulinen Wesen entwickeln, werden wir keine Nachkommen mehr haben. Wenn wir gegen die Natur arbeiten, müssen wir uns nicht wundern, wenn die Natur sich gegen uns wendet.

Bravo Eva, Deine Gedanken sind Tauben, und Deine Hirnhälften sind wie zwei Kitzlein, wie die Zwillinge einer Gazelle, die in den Lilien weiden, alles an Dir ist schön, meine Freundin! Sieh her, ich habe sogar einen Orden für Dich gebastelt:

Ein Mutterkreuz für Eva Herman

07.10.2005

Kurzer Nachtgedanke

Designervaginen sind selbstbeigebrachte geistige und körperliche pharaonische Beschneidungen. Oh, und kryptopädophil und faschistisch-rassistisch sind sie auch. Warum, dazu demnächst mehr.

04.10.2005

Körper und Geist

Wie Physis Psyche formt, kann man in diesem extrem erhellenden Artikel lesen, in dem die Autorin ihre Penetration ihres Freundes mit einem Strap-on schildert. Hey, das kann man nicht feinfühliger ausdrücken!

23.07.2005

Meine BUNTE Welt

Wenn Mutti sie schon mitbringt, kann ich doch auch mal reinschauen ...

Unterhaltungswert kann man dem Blatt ja nicht absprechen, wenn man nur sein Hirn ausschaltet und sich einfach von den vielen Stars und den vielen großen, farbigen Bildern berieseln lässt: Ob Tara Reid als Kind wohl pummelig war? Thomas Helmers "Edel-Loafers von Dolce & Gabbana" (sind die beiden eigentlich noch zusammen?) sehen ausnehmend beschissen aus - genauso wie seine Braut, höhö. Und an Tom und Katie glaube ich immer noch nicht. Dafür sieht Albert II., flankiert von seiner guten und seiner missratenen Schwester, richtig freundlich und sympathisch aus, auch wenn ich trotzdem nicht verstehe, wer mit diesem Mann, an dem alles vom Kopf über den Bauch bis vermutlich zum Albert III. eiförmig ist, auch nur ein illegitimes Kind zeugen möchte. Naja, Nina Hoss finden ja auch einige wahrscheinlich blinde Kretins hässlich. Schade übrigens, dass ich nicht zu den Salzburger Festspielen kann, Hoss und die weiterhin sehr großartige, überaus charmant russische Anna Netrebko ...

200 Schulkindern, die gratis ins Konzert durften, verriet die Netrebko ein Geheimnis: "Von nichts kommt nichts, ich probe bis zu sechs Stunden am Tag."

...hätte ich gerne gesehen und gehört, aber Kartenpreise bis zu 360 Einheitswährung und gut ein Jahr Bestellfrist waren für diesmal doch noch etwas zuviel. Solange tröstet mich eben Kumpel Google.

Wieder Anna Netrebko

Oh Anna, wann erhörst Du mich endlich? Wie oft soll ich noch Deinen Namen in meine Haut schneiden? Ich- ich- wo war ich? Ah ja ...

Alles ganz happy und very, very beautiful also, doch wehe, wenn man sein Hirn wieder einschaltet und auch die BUNTEn Artikel liest: Frauenglück durch 166 Euro teure Sonnenbrillen. Und 465 Euro teure Plateauschuhe. Und gute, "ungefährliche" Männer, Ärzte zum Beispiel, wie sie die "vielseitige" Christiane Paul liebt, keinesfalls aber Rocker, wie sie die "Elfe" Kate Moss mag. Und vor allem durch Eva Kohlrusch und, bereits im zweiten Absatz, ihre Textbausteine:

Was verführt Männer, wenn sie Macht besitzen, sich reichhaltig sexuell zu bedienen?

Tja, was nur, Eva, Liebste? Was verführt sie dazu? Was bestärkt sie darin? Vielleicht Artikel über Angela Merkel in Prizren, die damit beginnen, was sie anhat? Oder Artikel, die Modestrecken sind, die Werbung sind, die Artikel sind, für einen "award" des Magazins? Oder Interviews, unendlich schleimig wie eh und je, von, mit und für Paul "Spüren Sie ihn gelegentlich?" Sahner? Oder doch winzig kleine, aber groß verräterische Bemerkungen wie die, dass Frauen wie die "exotische" Michelle Yeoh Männer wie den "Teamchef" Jean Todt "ablenken" würden und unser Schumi deswegen nicht mehr siegen könne? Wie ging das noch gleich ...? Ah, hier:

GENERAL JACK D. RIPPER
Mandrake, do you realize that in addition to fluoridating water, why,
there are studies underway to fluoridate salt, flour, fruit juices,
soup, sugar, milk... ice cream. Ice cream, Mandrake, children's ice
cream. [...] A foreign substance is introduced into our precious
bodily fluids without the knowledge of the individual. Certainly
without any choice. That's the way your hard-core Commie works.

GROUP CAPT. LIONEL MANDRAKE
Uh, Jack, Jack, listen, tell me, tell me, Jack. When did you
first... become... well, develop this theory?

GENERAL JACK D. RIPPER
Well, I, uh... I... I... first became aware of it, Mandrake,
during the physical act of love.

GROUP CAPT. LIONEL MANDRAKE
Hmm.

GENERAL JACK D. RIPPER
Yes, a uh, a profound sense of fatigue... a feeling of emptiness
followed. Luckily I... I was able to interpret these feelings
correctly. Loss of essence.

GROUP CAPT. LIONEL MANDRAKE
Hmm.

GENERAL JACK D. RIPPER
I can assure you it has not recurred, Mandrake. Women uh... women
sense my power and they seek the life essence. I, uh... I do not
avoid women, Mandrake.

GROUP CAPT. LIONEL MANDRAKE
No.

GENERAL JACK D. RIPPER
But I... I do deny them my essence.

Mehr über die männerfressenden Frauen hier. Nur für Dich, Eva.

11.07.2005

Carole Pateman

Am Donnerstag mit einer sehr netten Kommilitonin ein kleines Referat zum noch nicht mal zwanzig Jahre alten "The Sexual Contract" gehalten, in dem die Autorin in fürchterlich undurchsichtiger Prosa eine erstaunlich bemerkenswerte Einsicht hat: Mit der Überwindung der "natürlichen" patriarchalischen Gesellschaftsordnung durch die klassischen Vertragstheoretiker sei gleichzeitig die "natürliche" patriarchalische Geschlechterordnung fortgeschrieben worden, indem diese als privat und damit nichtpolitisch deklariert wurde. Diese Ordnung sei daher aber Teil der Vertragstheorien und somit das Private politisch, womit wir wieder bei der wildschönen Uschi Obermaier und ihrem pudelhirnigen Rainer wären und sogar über sie hinaus, denn "politisch" heißt bei Pateman nicht Kiffen, Lallen und Pudding, sondern amerikanische Verfassung, Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, mithin Grundgesetz, also Ernsthaftigkeit. Mehr, wenn ich mehr weiß.

Soll ich Dir meinen Verfassungszusatz zeigen?

Ich prophezeie: Die Gleichberechtigung wird erst erreicht sein, wenn Männer von schönen Frauen auf Fotos nicht mehr so elend wachhundhaft besitzerstolzierend stieren und ich nicht mehr jeden Blogeintrag als Alibi nutze, um nach Nackedeis zu googlen. Vielleicht 20006?

21.06.2005

Der freie Markt, der freie Markt, der hat immer recht

Der "Economist" ist klug und weiß daher, dass Frauen nicht die besten Jobs kriegen, weil sie nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen können, weil sie die Kinder hüten müssen. Leider ist er nicht auch weise und nimmt dies daher nicht zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass auch Männer Kinder hüten könnten, oder dass Jobs, bei denen man rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss, menschenfeindlich sind, sondern macht am Ende Feministinnen lächerlich:

Feminists have long had two aims for the workplace. First, that women should be equally represented across the workforce and in all types of jobs. Second, that the sisterhood should be paid as much, or as little, as men doing the same job. They thought these aims were complementary: in fact, they may conflict.

Ein weiteres Beispiel des Prawda-Syndroms? Aber was soll ich sonst lesen? Ein Magazin von deutschen Journalisten? Puh-lease!

18.04.2005

Frauen und Technik

Dieser Artikel ist ein guter Einstieg in eine Hausarbeit zur so reizend wechselvollen wie frustrierend kontinuierlichen Geschichte der Frauen an der Universität, die irgendjemand verfaßt hat. Ladet sie schon runter.