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10.07.2009

Death to Spreeblick

Ich bin wirklich brav zurzeit. Ob es draußen 25 Grad hat oder 35, bräunende oder streichelnde Sonne, ob die norwegischen oder die schwedischen Synchronschwimmerinnen vor der Tür kostenlos Eis und Massagen verteilen, ich sitze im Computerpool der Universitätsbibliothek und schreibe meine Diplomarbeit über Blogs und Politik in den USA. Ich komme gut voran und liebe Amerika mit jedem Tag mehr.

Heute habe ich aus Neugier nach langer Zeit mal wieder geschaut, womit sich die größten Blogs in Deutschland beschäftigen.

Großer Fehler.

Dieser Eintrag im Top-5-Blog Spreeblick ist von so einer durchdringenden Perfidie, Pseudoabgeklärtheit, Ignoranz, Bräsigkeit, Konsenssucht, Wohlstandsselbstkasteiung und endlich reaktionären Unoriginalität, dass man den Autor Johnny Haeusler nicht zum ersten Mal gewaltsam schütteln und ihm mit voller Kraft aus nächster Entfernung dies ins verkniffene Irgendwas-mit-Mediengesicht brüllen möchte:

Hör auf, so gott-fucking-verdammt deutsch zu sein!!

Okay. Zwei Pillen und ein Schluck Wasser aus dem Hahn. Systolisch 173, wieder ganz normal also. Zurück an den Computer und alles nochmal ganz langsam von vorn.

Worum geht es?

Das Mitglied in mittleren Rängen der Piratenpartei Bodo Thiesen ist durch fragwürdige Äußerungen zum Holocaust aufgefallen, 2008 auf der Mailingliste der Partei und offenbar schon früher im Usenet, wie einige Blogger herausgefunden haben, und weswegen jetzt offenbar eine Kontroverse hochkocht.

Ahaha, das gute alte tote Usenet.

Mein grausamer, mein geliebter, mein bester Lehrmeister für Diskussionen im Netz.

Schauen wir uns also an, was Bodo Thiesen im Usenet geschrieben hat, aber weil wir nicht so viel Zeit haben, Diplomarbeit, remember, gehen wir nur ganz oberflächlich drüber, zum Beispiel durch Gruppen wie de.talk.tagesgeschehen oder de.soc.politik.misc, gedacht als Anlaufpunkte für gesittete Diskussionen über aktuelle oder fortlaufende Politik, tatsächlich Sammelbecken für Antisemiten, Paranoiker und Wortdiarrhötiker aller eitergrünen bis schwarzbraunen Schattierungen, aber that's the Internet for you. Also, nur ein paar Auszüge.

Bodo Thiesen im Thread "Simon Wiesenthal Center fordert Buchzensur", 28. Februar 2003:

> Ich kaufe Bush diese Rhetorik nicht ab.

Ich auch nicht. Es geht um Öl. Nicht mehr, und nicht weniger.

> Blair und die CDU/CSU stimmen
> ihm zu.

Klar, wer will sich schon die USA und die ##### zum Feind machen?

Gruß, Bodo
--
PS: ##### ist eine freiwillige Selbstzensur, um mich vor juristischen
Atakken von der ######### Seite zu schützen.

Fast alle Einträge von Bodo Thiesen im Thread "Wird Friedmann als Quotenjude geopfert?" aus dem Jahr 2003, zum Beispiel am 13. Juni, am 18. Juni und gleich ein-, zwei-, dreimal am 24. Juni.

Und schließlich Bodo Thiesen im Thread "Geschichte kann auch Strafe sein", 7. Juli 2003:

>> Geschichte kann auch Strafe sein.

>Strafe, die selbst verursacht wurde.

Es gibt Theorieen, die besagen, daß die deutschen Main-Stream-Medien von den
[WARNING in zensoring.c: SENTENCE ABORTED: §130StGB Compliance not assured]

[...]

>> Zeigt man denn anderswo auf andere Länder?
>> Zeigt man auf Russland, England, USA oder Japan?

>6 Mio. Menschen wurden umgebracht. Das dauert nun mal bis das vergessen ist.

Zu den 6 Mio. Menschen, kann ich nur sagen, daß ich da so meine
[WARNING in zensoring.c: SENTENCE ABORTED: §130StGB Compliance not assured]

>Unsere Vorfahren hätten sie ja nicht umbringen müssen.

Meine Vorfahren haben keinen umgebracht. Ich kann für Deine nicht sprechen.
Vor allem aber habe ICH keine umgebracht.

>Die verordnete Humanität ist auch in der Bevölkerung nicht so ganz
>angekommen.

Wenn "verordnete Humanität" mit "bitte zahlt mal hier und dann bitte noch
da, ach ja, dies hier hätten wird ja fast vergessen, und natürlich auch
noch ..." gleichzusetzen ist, dann kann ich da auch nichts positives drin
sehen.

>Unsere Straßen sind Luxuspisten während die Scheißhäuser unserer Schulen
>schon lange nicht mehr zu benutzen sind.

Ich habe da meine Beobachtungen gemacht. Wenn ich die hier nennen würde,
würde mich das zu einem Antisemiten oder wenigstens zu einem Nazi machen,
daher lasse ich das jetzt.

[...]

>Man muss sich nicht menschlich nennen sondern auch so handeln.

Klar, das geht aber nicht, indem man fortan auf 12 Jahren "deutscher"
Geschichte rumhackt, und dabei 1000 Jahre vergisst, in denen Deutschland
vom Ausland (vorzüglich F) gegängelt wurde.

Gruß, Bodo

Ich bin seit über zehn Jahren im Internet unterwegs, viele, viele Jahre davon auch im Usenet. Ich erkenne einen Judenhasser und Naziapologeten, wenn ich einen sehe. Ich rieche sie. Die Affinität zu vergifteten Foren. Das obsessive Zergliedern einzelner Wörter. Die Pseudowissenschaftlichkeit und die Pseudoselbstdistanzierungen. "Juden sind auch Menschen", oder anders gesagt, "I have black friends too". Die "clevere" Vermeidung von Justiziabilität. Und über allem der überwältigende Wunsch, fragen zu wollen, was um Himmels Willen Bodo Thiesens Problem ist, wieso er sich in so, so starker Weise mit den Juden und den Nazis befasst.

Ich weiß es. Ich fühle es in meinen Knochen. Aber ich kann es nicht beweisen. Bodo Thiesens Aussagen sind geschickt genug, seine Punkte gültig genug, um alles glaubwürdig genug abstreiten zu können, und darum schreibt er ja auch, wie er schreibt. Nein, ich bin kein Nazi, aber haben die Polen uns nicht zuerst den Krieg erklärt? Nein, ich bin kein Verschwörungsspinner, aber sind die Umstände von Möllemanns Tod nicht seltsam? Nein, ich hasse keine Juden, aber sollten sie nicht besser zusammenpacken und abhauen? Nein, nein, nein ... aber?

Es gibt für mich keinen Zweifel, dass Bodo Thiesen extreme rechte Ansichten zum Dritten Reich, zum Holocaust und zu Juden hegt. Ansichten, die ich für widerlich, anstößig und absurd falsch halte. Und ich verstehe die Piratenpartei, wenn sie sich überlegt, ob sie so einen Menschen weiter in ihren Reihen behalten will.

Aber, und das ist der Punkt dieses Eintrages, und warum ich es so hasse, dass eine so prominente Plattform, eine so großartige Möglichkeit zur Förderung des Wahren und des Guten wie Spreeblick Beschränkungen der Meinungsfreiheit das Wort redet, ich würde bis zum Blut dafür kämpfen, dass Bodo Thiesen seinen Scheiß, seinen Müll, seinen menschenhassenden Eiter von jedem Dach brüllen darf.

Weil die Freiheit der Rede die erste Voraussetzung einer freien Gesellschaft ist.

Dass jeder mit gleichem Recht sagen darf, was er will.

Dass nicht einige Redner oder Reden gleicher sind als andere.

Nur in dieser grundlegenden Gleichheit bestehen für mich Freiheit und Demokratie.

Wo ist die Grenze dieser Gleichheit, dieser Freiheit?

Erst ganz, ganz nah vor der Nase des anderen.

Alles andere erscheint mir undemokratisch, ungleich, unfrei.

Also: "Feuer!" im geschlossenen, übervollen Kino schreien? Verbieten. "Tötet diesen Bastard, den da hier!" - Verbieten. "Diese Hure hier klaut aus der Kasse!" - Vielleicht verbieten. "Schröder, der Bock, schläft mit Maischberger, der Schlampe!" - Nicht verbieten. "Es gab keinen Holocaust!" - Nicht verbieten. "Tod den Juden!!" - Nicht verbieten.

Im Zweifelsfall, gültig wie immer: Lasst. Euch. Eier. Wachsen.

Tut selbst was gegen abstoßende Rede, widerlegt sie zum Beispiel oder redet lauter.

Und hört endlich, endlich auf, nach der Amme Staat zu rufen.

Ihr gottverdammten Deutschen.

27.07.2008

Banned

Ich habe es tatsächlich geschafft; zum ersten Mal in meinem Leben habe ich auf einer Website Hausverbot erhalten.

Anna Kühnes Blog kennen die Leser dieser Holzkiste hier vielleicht noch aus einer Empfehlung im März letzten Jahres, obwohl ich mittlerweile gemerkt habe, dass jener schöne Artikel gar nicht von der Blogmistress selbst ist.

Was ich seither auch gemerkt habe, ist, dass Anna Kühne ein, zartfühlend formuliert, ambivalentes Verhältnis zur objektiven Realität hat. So glaubt sie zum Beispiel an 9/11-Verschwörungstheorien.

Und boy, ist das Kryptonit für mich. Boy.

Kryptonit

Ich bin Atheist, aber wenn ich eine Religion habe, dann die Wissenschaft. Weil die Wissenschaft das Leben besser macht. Weil Wissenschaft heißt, dass weniger Menschen in kalten Höhlen an unbehandelten Säbelzahntigerwunden sterben müssen, und mehr Menschen ihr erstes Lebensjahr überleben. Wissenschaft ist angewandtes Mitgefühl.

Man muss das nicht aktiv honorieren, nicht selbst Wissenschaftler werden oder sowas, man kann auch ruhig die Gefahren der Wissenschaft beschwören, stimmt ja sogar manchmal, denn passive Nutzung der unglaublichen Früchte der wissenschaftlichen Methode scheint mir Ehrbezeugung genug, qui tacet consentire videtur, und wer unser modernes Utopia auf Erden ablehnt, kann ja immer noch zurück in die Höhle ziehen und mit 35 sterben.

Aber bei Gott, man kann nicht die Prinzipien ablehnen, auf denen die Wissenschaft fußt, und das auch noch als Gipfel aller Gipfel der Heuchelei mit Mitteln, die nur existieren, weil es diese Prinzipien gibt, wie Videokameras und Computer. Ich möchte jeden mit voller Wucht ohrfeigen, der nur lebt, weil es diese Prinzipien gibt, und nicht mal den gottverdammten grundlegenden Anstand hat, sie wenigstens f'ing zu kennen, sie, die ihm jeden Tag, Sekunde für Sekunde reinsten weißen Zucker ins Rektum blasen. Ich möchte jeden mit härtesten Gammastrahlen beschießen, der glaubt, 250 Kilo schwer im Aragorn-Shirt in Mamas Keller sitzend, mit seinem Abschluß in Mythologie und englischer Literatur definitiv anhand körniger YouTube-Videos in 320x240 entscheiden zu können, dass WTC 7 gesprengt wurde, weil es, arrgh, arrrrrrrrrrgh, bekanntlich keine einfachere Methode gibt, die zahllosen minutiösen Dokumente und Protokolle der ultrageheimen jüdisch-freimaurerischen Terrorverschwörung verschwinden zu lassen, als das Gebäude, in dem sie gelagert wurden, am Nachmittag in die Luft zu jagen, Stunden, nachdem die beiden Türme nebenan eingestürzt sind, arrrgh. Das gibt noch nicht einmal menschlich Sinn, geschweige denn nach den wissenschaftlichen Prinzipien der Objektivität und Logik.

Diese Prinzipen sagen nichts Anderes, als dass A gleich A ist oder 2 + 2 = 4, "1984" ist eins der besten Bücher, das es gibt, und Orwell ein Genie. Wenn man sich einig ist, dass A = A ist, wenn es also Vergleichbarkeit gibt und Überprüfbarkeit und ein gemeinsames Fundament, auch wenn es immer löchrig sein wird, danke Gödel, Du Arsch, Du Genie, dann entsteht Wissenschaft, dann entsteht Freiheit.

Und umgekehrt heißt, sie abzulehnen, zu sagen, dass A gleich B ist oder gleich Zwetschgendatschi, Dank an meine Grundschulmathelehrerin für dieses Mem, oder dass 2 + 2 = 5 ist und Krieg Frieden, jede gemeinsame Grundlage aufzukündigen, jede Möglichkeit der Verständigung abzulehnen, also Aberglaube, Tyrannei, die Höhle. Wenn es keine objektive Realität gibt, auf die man sich einigen kann, Argumente also keine Macht haben, wer sagt, dass der große Skarabäus nicht die Sonnenkugel über den Himmel rollt, gibt es nichts mehr als das Recht des Stärkeren, nichts mehr als seinen Terror. Orwell war wirklich ein f'ing Genie.

Allein aus ihrer Selbsterhaltung heraus sollte man also meinen, dass Anna Kühnes Aufforderung, eine Gegenmeinung zur Darstellung des "Muslim-Marktes" über Samir Kuntar und seine Taten einzustellen (wir erinnern uns, Samir Kuntar, der verurteilte Kindermörder), ernst gemeint und ihr Wissensdurst echt ist, zumal der "Muslim-Markt", erneut zartfühlend formuliert, keine sehr neutrale Quelle ist.

No dice. Dieser mein Kommentar wurde schnellstmöglich gelöscht und ich verbannt.

Mein Kommentar bei Anna Kühne

Ich akzeptiere die Idee des digitalen Hausrechts, auch wenn in meinem Internetheim von mir aus jeder so wüten darf, wie er will, unter anderem deshalb, weil ich in über zehn Jahren online noch keinen größeren Gorilla getroffen habe als mich und von den fast gleich starken Affen mit am meisten gelernt habe, doch falls ich wie in meinen ebenfalls gelöschten Kommentaren zu Anna Kühnes 9/11-Aberglauben zu schnippisch oder bösartig war, soll sie mich ruhig löschen und bannen, es tut mir im Interesse größerer Überzeugungskraft manchmal auch ganz gut, die Gammastrahlenkanone gestopft zu kriegen.

Aber trotzdem ist Samir Kuntar ein verurteilter Mörder.

Hell, man sieht im Yediot-Aharonot-Report ja buchstäblich noch die Gehirnmasse der kleinen Einat Haran am Gewehr kleben. Und gleich wer sie in welchem Ton vorträgt, diese Wahrheit bleibt eine Wahrheit, und es ist wie schon bei den 9/11-Fantasien unglaubliches Kryptonit für mich, dass es Menschen gibt, denen diese Wahrheit nicht zugänglich zu sein scheint, die lieber an komplett gekaufte Richter und Pathologen, Hologrammflugzeuge und zur Aktenvernichtung gesprengte Hochhäuser glauben als daran, dass A = A ist.

Denn wenn das auch nur für eine spürbare Minderheit in diesen oder anderen Fällen der Fall ist, welche Hoffnung gibt es dann, sie jemals mit der Macht der Worte und dem zwanglosen Zwang des besseren Arguments zu überzeugen? Welchen demokratischen Instrumenten sind sie zugänglich? Welche andere Wahl gibt es dann, als sie mit dem Schwert zu zwingen? Wie soll man einem Geist, der sich nur dem Recht des Stärkeren beugt, anders begegnen als mit Gewalt? Muss man Krieg führen, um Frieden zu gewinnen?

Und sei es nur insoweit, einen kleinen Kommentar zu einem anklagenden Eintrag aufzublasen?

Vielleicht ist das das grundlegende Problem jeder Politik, jeder Gesellschaft. Und vielleicht muss die Antwort Ja lauten, mit Vorsicht und nie leicht, aber eindeutig Ja. Barack Obama:

I'm left then with Lincoln, who like no man before or since understood both the deliberative function of our democracy and the limits of such deliberation. We remember him for the firmness and depth of his convictions — his unyielding opposition to slavery and his determination that a house divided could not stand. But his presidency was guided by a practicality that would distress us today, a practicality that led him to test various bargains with the South in order to maintain the Union without war; to appoint and discard general after general, strategy after strategy, once war broke out; to stretch the Constitution to the breaking point in order to see the war through to a successful conclusion. I like to believe that for Lincoln, it was never a matter of abandoning conviction for the sake of expediency. Rather, it was a matter of maintaining within himself the balance between two contradictory ideas — that we must talk and reach for common understandings, precisely because all of us are imperfect and can never act with the certainty that God is on our side; and yet at times we must act nonetheless, as if we are certain, protected from error only by providence. That self-awareness, that humility, led Lincoln to advance his principles through the framework of our democracy, through speeches and debate, through the reasoned arguments that might appeal to the better angels of our nature. It was this same humility that allowed him, once the conversation between North and South broke down and war became inevitable, to resist the temptation to demonize the fathers and sons who did battle on the other side, or to diminish the horror of war, no matter how just it might be. The blood of slaves reminds us that our pragmatism can sometimes be moral cowardice. Lincoln, and those buried at Gettysburg, remind us that we should pursue our own absolute truths only if we acknowledge that there may be a terrible price to pay.

Wohlan denn.

25.07.2007

Kluges, Schönes, Witziges

Warum wir so gerne Celebrity-Klatsch konsumieren. Übrigens: Britney ist wieder in ihrer manischen Phase und wischt Welpenscheiße mit Chanelkleidern auf, während Lindsay besoffen und zugekokst ihrer Assistentin mit dem Auto hinterherrast. Was macht eigentlich Paris?

Wenn aber Hässliche sterben, sieht keiner hin.

Warum sind die meistbesuchten deutschen Blogs oft so kreuzlangweilig und doch die meistbesuchten deutschen Blogs? Weil sie die meistbesuchten deutschen Blogs sind.

Apropos Blogs: eine großartige Bildinterpretation.

Die Logos terroristischer Organisationen. Ob sie dafür einen Praktikanten nehmen?

Und Social-Networking-Spacken schreiben verkorkste Nachrichten an junge Frauen.

Die Selbstzwangsprostitution des Online"journalismus". Mehr Klicks, Olga!

Neuer Sport: Fremdwörter erfinden.

Und schließlich: Women in Film. Wer ist für Euch die Schönste?

20.07.2007

Diogenes und Alexander

Diogenes und Alexander

Diogenes der Hund saß in Korinth vor seiner Tonne und blickte in den strahlenden Tag. Da kam zu ihm Alexander, König von Makedonien, seit eben Oberbefehlshaber aller Truppen Griechenlands, bald Schah von Persien, Pharao von Ägypten, Herrscher fast der gesamten bekannten Welt, der mächtigste Mensch, der je gelebt hatte, und sprach zum Philosophen, was immer er sich wünsche, was immer, er, Alexander, werde es für ihn erfüllen.

"Geh mir nur", antwortete dieser, "ein wenig aus der Sonne."

Und Alexander, fast die gleiche Größe wie sein Gegenüber beweisend, rief, wahrlich, wäre er nicht Alexander, er wollte wohl Diogenes sein, Diogenes in der Tonne.

Ich habe, in diesem Zusammenhang, diesen enttäuschend schlechten Artikel vom sonst eigentlich recht verlässlichen Adam Soboczynski gelesen und mich des studiVZ-Aufruhrs erinnert und nochmal an Ariadne von Schirach gedacht und dass sie tatsächlich interessant zu finden scheint, was in Paris Hiltons Sexvideo passiert, das aber trotzdem ihre Karriere gestartet hat, und ich habe diesen meinen Eintrag wiedergelesen und diese tolle Story im Web gefunden, angelsächsische Journalisten merken einfach früher, wohin der Hase läuft, weil sie ihn im Gegensatz zu den geistes- und körperverfetteten deutschen Schanden ihrer Zunft noch selbst jagen können.

Und, im Bergwerk meines Blogs, im tiefsten Schacht des Internets, ruhend über meine Spitzhacke gebeugt, streichend durch meinen Bart in Gedanken, flackernd die Kerze auf meinem Helm, dachte ich, das sind doch Ausläufer einer Ader, einer einzigen Ader, glitzern immer die gleichen Quarze darin, tragen immer die gleichen Mengen Erz, führen alle ins Herz des Berges.

Graben wir uns, also, vor.

Richtig, in nie gekannter Weise exhibitionieren sich die Menschen im weltweiten Web, der letzte Beziehungsstatus, das jüngste Feierfoto, der scheinbar intimste Gedanke in Nullen und Einsen, für alle sichtbar. Richtig, auch offline öffnen die Männer und die Frauen willig ihre schmuddeligen Trenchcoats für Paybacks, Supernannies und nahtlose Bräune. Und natürlich auch richtig, der Antichrist möchte am liebsten alle bundesdeutschen Arschlöcher mehrmals am Tag bis auf den Grund durchwühlen, um darin den bösen braunen Terrormann zu finden, und ändert dafür die Gesetze, bis, ich würde wirklich nicht auf den folgenden Link klicken, wenn ich meine Arbeit, meinen Partner oder meine Katze behalten wollte, bis der Goatse-Mann der beste Musterbürger ist.

In den Händen Schäuble O'Briens, eines gründlichen Personalers, einer neidischen Nachbarin oder auch einer Frau, die ich liebe, was wird aus all dieser Information, all dieser Offenheit, all dieser Nacktheit?

Wie haben Sie den Bundesminister des Innern auf Lebenszeit gerade genannt?

Wie, Sie möchten für die EU arbeiten, die Sie mal für impotent gehalten haben?

Wie, Se hend zu meim Haus "Anne Franks Versteck" gsecht?

Wie, Du hattest mit fast 22 noch nie ein Mädchen geküsst?

Ja.

Ja und?

Ich sehe in die Höhle, die sich hinter diesem letzten Schlag meiner Spitzhacke weit aufgetan hat, und weiß nicht, was in der Dunkelheit wartet. Aber im Lichte meiner Kerze stehe ich erleuchtet, und ich weiß, dass es gut ist, wie ich bin.

Und aus der Schwärze kommt eine Brise, die nach Moos duftet, nach Stein und nach Meer. Nach Freiheit.

Denn wenn jeder mehr über jeden weiß, wird es egaler, wie jeder ist. Wenn wie nach einer Flut aus jedem Keller vermeintlicher Unrat und Tand nach oben schwemmt, wer mit Anstand wollte noch den ersten Stein werfen, aus den Fäden eines öffentlichen Lebens anderen einen Strick drehen? Und wie wollten sich selbst die mit Macht diesem Schwall entziehen?

Wenn jeder mehr über jeden weiß, gibt jeder sich weniger Illusionen hin. Und lernt vielleicht früher, hinter das Gloria der Fassade und die Verteufelung der Macken zu sehen, den Menschen zu sehen, der gut ist, wie er ist.

Wenn man wegen seiner öffentlichen Wehrhaftigkeit und Korrektheit nicht eingestellt wird, wird es gleißend klarer als zuvor, wer auf der Seite des Lebens steht und wer nicht, und gegen wen man das Schwert zischend aus der Scheide ziehen muss.

Wenn wir nicht in die angebliche Norm und die vorgebliche Form passen, müssen nicht wir uns der Form, sondern die Form sich uns angleichen, das Verlinkte ist so ziemlich der beste einzelne Comicstrip, den ich in meinem Leben je gelesen habe.

Wenn wir sind, wer wir sind, sind wir glücklicher.

Ich höre schon, wie die Stimmen sich erheben und mir, nochmal danke für die Verlinkung, Naivität vorwerfen, Idealismus, Blütenträume, die Tatsache, dass die ohne Anstand und die mit Macht immer Wege und Mittel finden werden, ihre Leichen möglichst tief und wasserfest zu verscharren, jedem anderen aber lautstark seine vermeintlichen Verfehlungen vorzuwerfen und ihn nicht einzustellen, ihm keine Wohnung zu geben, ihn nicht zu lieben. Und das stimmt, natürlich.

Aber die Frage, die einzige, ist:

Wer. Bestimmt. Mein. Leben?

Diogenes, und, mit gänzlich anderen Zielen, auch Alexander haben ihre Antwort gefunden, und es war die gleiche, rein und glasklar, wie Wahrheit ist.

Tun wir es ihnen nach.

Seien wir so frei!

25.01.2007

Fall Ferres, finis

Da war doch noch was ...

Nachdem sich die Sache geklärt hatte, brauchte ich erstmal Abstand von der Causa, weswegen ich etwas sträflich lange nicht darüber geschrieben habe, aber eine aktuelle Anfrage könnte dazu führen, dass-

Halt Andi, halt! Die Sache hat sich geklärt?!

Ja. Ulrich Amelung hat mir geschrieben, auf Papier sogar, im Oktober schon. Auf Papier deshalb, weil er in meinem Blog, den er "in den vergangenen Wochen durchaus mit Vergnügen" gelesen habe, meine Klage vernommen habe, dass ich für all das angedrohte Geld noch nicht ein Stück Papier in Händen gehalten habe.

Surreal? Metareferenziell postironisch? Es kommt noch besser: Er habe meinem Blog auch entnommen, dass ich, anders als manche meiner "Kommentatoren", wenigstens ein gewisses Verständnis für Veronica Ferres' Rechte aufbringe, und da weder sie noch er meinen Studienabschluss gefährden wollten, beschränke er sich auf eine dreistellige Rechnung. Mind you, auf dieselbe Weise dreistellig, wie ein quadratischer Klotz sich in ein rundes Loch fügt, aber dreistellig. Ich habe mit Ach und etwas Krach gezahlt und eine Unterlassungsverpflichtungserklärung unterschrieben, und das war's.

Ich könnte jetzt bildschirmlang darüber philosophieren, was diese postmodernen Meta-Metareferenzialitäten und escherschen Verknotungen für unser aller Leben bedeuten, vielleicht sollte ich ja auch offener über meine Lieben schreiben, Freundin A. aus M. an der E. berichtet, dass dies zu erstaunlich guten Ergebnissen führe, aber diese Geistesübung überlasse ich dem geneigten Leser als Hausaufgabe. Für heute.

Meta-Verknotungen

Für heute bedanke ich mich lieber bei Udo Vetter vom law blog und Felix Schwenzel von wirres.net, die nicht nur einmal, sondern jeweils zweimal in ihren vielbesuchten Blogs über meinen Fall berichtet und mir damit viele hilfreiche Kommentatoren und Unterstützer beschert haben, bei allen weiteren Helfern, Verlinkern, Mutzusprechern, Freunden und Kritikern, Ihr rockt!, und auch bei dem, der gar nichts begriffen hat, sein Eintrag war schließlich der Auslöser für diesen meinen, in dem ich Tacitus zitieren konnte. Sweet.

Der Rest ist Schweigen und Denken. Und mit Alexander Endls Blog den Punkt setzen.

07.01.2007

Blogger und Bond

Wir hatten es ja schon mal angeschnitten, und jetzt, bei der Suche nach einem Wandkalender für das neue Jahr, diesmal muss es James Bond sein, dieses Jahr muss es er sein, überkam es uns mit flutgleicher Wucht, nur halb passendes Zitat aus "American Psycho", einem absolut, absolut großartigen Buch:

I'm on the verge of tears by the time we arrive at Pastels since I'm positive we won't get seated but the table is good, and relief that is almost tidal in scope washes over me in an awesome wave.

Und die Frage war: Würde James Bond bloggen? Würde er stundenlang in Frontpage und Photoshop frickeln und klickeln, bis sein Layout und sein Design zu seiner Zufriedenheit wären? Würde er zu lustigen YouTube-Videos linken, begeistert an jedem Ameisenfurz (Link nicht mehr aktuell) herumschnüffeln, ein "Wort" wie "Web 2.0" überhaupt in den Mund nehmen, außer, um es sofort auszuspucken, sein süßes Köpfchen weinerlich über böse, böse Schmutzfinken wie Don Alphonso schütteln, die doch tatsächlich wagen, in ihren Blogs Schimpfworte zu benutzen, soll sich den Mund mit Kernseife auswaschen, der Störenfried, der; kurz, würde James Bond am Ende der Party, um fünf Uhr morgens, mit vor Angst bibbernder Stimme fragen, ob er "vielleicht" die "Handynummer" des schönen Mädchens haben könnte?

Und die Antwort ist, natürlich, nein.

James Bond hat keinen Account im studiVZ und keinen in XING und keinen in YouTube und erst recht keinen in MySpace. Es ist ihm scheißegal, welches HTML-Tag für welchen Bloggertyp am Besten zur Farbe seines iBooks passt. Er denkt ganz bestimmt nicht über das "Web 2.0" nach. Er heult selbst dann nicht, wenn er brutalst gefoltert wird, sondern hat im Gegenteil gerade dann den besten Spruch auf den Lippen, und umgekehrt auch, wenn man ihm das schönste Liebesgeständnis macht; kurz, er verlässt die Party um halb zwei, auf ihrem Höhepunkt, küsst das schönste Mädchen umwerfend auf den Mund und sagt ihm, dass es ihn anrufen soll, wenn es ihn je wiedersehen will, und er gibt ihm nicht seine Nummer und nicht seinen Namen, was soll er es ihm denn zu einfach machen?

Würde James Bond schreiben? Vielleicht, hat Hemingway ja auch gemacht, wenn er nicht gerade Löwen oder sich mit Mojitos abgeschossen hat, und vielleicht würde Hemingway heute auch auf einem Laptop schreiben, wenn auch wahrscheinlich nicht auf einem iBook, ist letztlich aber gleich, wo die Worte rein- und rauskommen, solange sie nur Kraft haben, Kraft und Leidenschaft und Wahrheit. Vielleicht hätte er auch ein Blog, wenn man darunter eine Website versteht, auf der man, vielleicht auch zeitlich geordnet, Texte veröffentlicht. Vielleicht. Aber ganz bestimmt würde auch er dann nicht in der "Blogosphäre" herumkommentieren, das Wort liest sich wie "herumstrichern", ganz bestimmt nicht. Weil das alles keinen Schwanz interessiert. Keinen Schwanz. Nur Mikropenes.

James Bond muss die Welt retten, vor wahnsinnigen und schwerreichen und genialen Bösewichten mit Privatarmeen, und ihre göttlich schönen Frauen flachlegen. Ernest Hemingway muss schießen, weil der Löwe brüllend auf ihn zurennt, und gleichzeitig einen Whisky kippen und seine Frau betrügen, da ist keine Zeit für irrelevanten Müll. Weil der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, mit der Wahrheit, mit dem Leben, draußen, im Regen.

Why did the chicken cross the road?
Hemingway: To die. In the rain.

Das, in seiner einen oder anderen Facette, ist, was uns immer wieder zum Knurren und zum Beißen bringt, das ist es. Man muss Hemingway nicht mögen, wahrscheinlich war er kein angenehmer Mensch. Man kann die James-Bond-Phantasien lächerlich und pubertär finden, wahrscheinlich sogar zurecht. Man sollte jeder larger-than-life-Figur mit larger-than-life-Skepsis begegnen, jeder absoluten Aussage mit absolutem Zweifel, und vor allem dieser Eintrag sollte davon nicht ausgenommen werden.

Aber trotzdem liest man Hemingway und nicht Florian Illies, das zerkochte Würstchen im versalzenen Eintopf der deutschen Gegenwartsnichtliteratur. Trotzdem sieht man sich die Abenteuer von James Bond an und nicht das ereignislose Unleben von Ehssan Dariani, des größenwahnsinnigsten Videospanners der deutschen Gründerunterwelt. Trotzdem will man nicht roboten, nicht dumpfen, nicht glimmen, sondern leuchten, strahlen, brennen.

Trotzdem lebt man lieber, als zu bloggen.

Also tut es endlich!

04.12.2006

Der Beta

Der Betawolf

Der Alphawolf ist der Kommandant des Rudels. Er geht voran, weil er es kann. Er zeigt den Kurs. Er zeugt die Welpen. Er ist fern, weise und mächtig und steht auf dem Hügel. Er ist der Good Cop, er bellt.

Der Beta ist sein Sekundant. Er hilft dem Alpha bei der Aufzucht. Er ist nah, wachsam und gerissen und steht zwischen den Wölfen, auf dem Boden. Er ist der Bad Cop, er beißt, beißt das Rudel auf Kurs.

Ich habe keine Ahnung, wer der Alpha des Internets ist, der Alpha der Menschheit. Nur, dass sein Kurs zum Guten führen muss, muss, sonst muss er weggebissen werden, auf der Stelle und koste es, was es wolle, und sei es das eigene Leben.

Aber ich liebe es, seinen Beta zu machen, Zähne gefletscht, Lefzen gekräuselt, grollend.

Wohlan denn.

Das studiVZ, eine Social-Networking-Site für deutschsprachige Studenten, ist seit Wochen in schlechten Schlagzeilen. Domaingrabbing, Finanzierungsfragen, Missmanagement, Performanceprobleme, Plagiarismus, Sicherheitslücken und dergleichen PR-Desaster mehr. Sieht man sich hier (Link nicht mehr aktuell) oder auch hier an, wie klebrig nassforsch, wie widerlich pseudoselbstbewusst und so auch in allem, von dem hinter dem Visier der Digitalkamera sorgfältig einstudierten, Interesse heuchelnden Anmachspruch, über die Wahl außergewöhnlich attraktiver, für ihn buchstäblich unerreichbarer Opfer, was wüsste er auch mit ihnen anzufangen, wären sie sein, bis zur allzu schnellen Pirouette, um die Mädchen noch besser aufs Bild und so in die heimische Onanierdatenbank zu bannen, wie also in allem zutiefst verräterisch verunsichert, orientierungslos und ängstlich das Aushängeschild des Verzeichnisses, der ausgerechnet im BWL- und VWL-Mekka St. Gallen studierende Ehssan Dariani agiert, muss das auch nicht mehr verwundern, mit den Nasskämmern war ja schon auf U 96 kein Krieg mehr zu führen.

Oh, habe ich jetzt auch einen bösen, bösen Naziwitz gemacht wie Dariani, der zu seinem Geburtstag im Stil einer Seite des "Völkischen Beobachters" einlud? Böser Beta, machst die Blogosphäre böse.

Ich spucke dieses Wort aus.

Ich spucke es aus, weil sein nach den Kreisen der Hölle stinkender Odem in mir unaufhaltsamen Brechreiz erregt. Nicht die Liebe zum, das Aufgehen im Hobby lässt das Wort ekel faulen, die Kürbiskompanie Köln-Kalk und die Modellbahnstandarte Rottach-Egern haben zweifelsfrei auch ihre eher engagierteren, ansonsten aber honorigen Mitglieder, aber der Kürbisvorsitzende stellt sich nicht auf den Marktplatz und verlangt, dass das Volk ihm fortan den Arsch auslutscht, der H0-König läßt sich nicht von einem Baron den Nachttopf hinterhertragen, und der Käfersammler behauptet nicht, einen Elefanten erwürgt zu haben.

In der Blogosphäre aber rubbelt man sich gegenseitig die Mikropenes rot, versichert einander und die Welt mit glühenden Wangen und verklebtem Gesicht der unbedingten, zumindest globalen, wenn nicht kosmischen, gar multiversischen Wichtigkeit, setzt, zum Antrieb seiner 2.0-Schwanzpumpe, noch einen Link (leider nicht mehr aktuell), lacht, in Mamas Keller, aus 300 Kilo schwer polterndem Leib, vor seiner "Maschine", als hätte man auch nur einen Tag mit seinen Händen gearbeitet, auch nur einen Tag, lacht, einen Wurstfinger im Hintern, um diesen Moment noch erregender zu machen, über einen weiteren Riesen, den man zu Fall gebracht habe, man, die allmächtige Blogosphäre, Kaiser und Gott, Blogger und Pharao.

Der Junge, der mit seiner Lupe Ameisen verschmort, lacht so.

In Wirklichkeit haben gerade mal sechs von zehn Haushalten in Deutschland Internet. In Wirklichkeit informiert sich fast jeder Fünfte aus der "Bild", dann kommt nichts, dann kommt nichts, dann kommt nichts, dann kommt nichts, dann kommt nichts, dann kommen irgendwann, irgendwann weit, weit weg, winzig wie Ameisen, die anderen Zeitungen, die jeden Zehnten erreichen. Zusammen. Fast muss man da froh sein, dass neben der außer Konkurrenz stehenden "Motorwelt", diversen Fernsehzeitschriftenbeilagen und dem Platzhirsch "Bild am Sonntag" wenigstens der Judenhasser- und Ficki-Ficki-"Stern", das Fachblatt für irrtümlich aufgezogene Nachgeburten "Focus" und der politische Bahnhofskioskporno "Spiegel" noch jeden Dritten ansprechen, aber natürlich auch nur fast. Und dann habe ich noch gar nicht von Aufmerksamkeitsspannen, der völligen Vergeblichkeit der zweiten und aller weiteren Google-Ergebnisseiten oder der geradezu fantastisch absurd narzisstischen Annahme angefangen, irgendjemand, irgend jemand würde Blogkommentare lesen, bis zum Punkt am Ende dieses Satzes haben ja schon wieder zehn Prozent der noch verbliebenen Leser weiter nach Britneys schlampig gewachster Vulva gesucht, ach Mädchen, warum auf diese Weise.

Das interessiert die Leute, das erreicht sie, Ficken, Rasen, Glotzen, das ist die Seele der Medien, für das Internet, das in den eigenen vier Wänden völlig unbeobachtet konsumierte, gänzlich unüberwacht eingesaugte Internet gilt das doppelt und x-fach, die zehn häufigsten Suchbegriffe, mit denen Besucher im November auf mein Blog fanden, "Anna Netrebko", bestimmt nicht wegen der Reinheit ihres hohen Cs, "Bumsen", "Frohe Weihnachten", einmal muss auch dafür Zeit sein, "Masturbation", dito, "Netrebko", "Veronica Ferres nackt", natürlich, "Anna-Netrebko", "Beine breit", "Veronika Ferres nackt", "Andreas Lazar nackt".

Der Junge, der mit seiner Lupe Ameisen verschmort, glaubt sich einen bösen Gott. Für einen Neunjährigen ist das mehr oder weniger normal. Für einen Fünfunddreißigjährigen, auch wenn beide ungefähr gleich oft Sex hatten, mit Onkel Paul oder der Xena aus Pappmaché zählt nicht, nicht. Für eine ganze Blogosphäre von Kaspar Hausers mit DSL 16.000 ist es nachgerade zutiefst besorgniserregend, so wie es den Beta im tierischsten Inneren besorgt, wenn seine Zähne vom vielen Beißen immer weher werden und seine Kiefer immer müder und er dennoch jeden Tag mehr knurren muss, mehr bellen, mehr beißen, jeden einzelnen Tag.

Doch es muss ja weitergehen, und so sind schließlich, nach den notgeilen Nasskämmern und den keckernden Hyänen, die Omegas dran, die zurechten Omegas, die dümmsten anzunehmenden User, also alle übrigen. Nur für Euch:

Das Internet vergisst nichts.

Das Internet ist wie der Marktplatz.

Auf dem Marktplatz läuft jeder herum.

Niemand, der noch ein letztes bisschen Verfügungsmacht über seinen Geist und sein Geschlecht besitzt, würde Fotos von seinem Busen im Bikini oder seinen Socken vorne in der Hose auf dem Marktplatz herumzeigen, weil dort jeder herumläuft. Weil. Dort. Jeder. Herumläuft. Der sympathische junge Student. Die missgünstige Oma. Die beste Freundin. Die klatschende Hausfrau. Der Manager, der an Mädchenschlüpfern riecht. Der entlassene Raubmörder. The Man.

Mind you, der Beta hat nichts gegen Bikinibilder, im Gegenteil, manchmal erlaubt der Alpha auch ihm, sich fortzupflanzen, und von ihm aus darf jeder soviel schönes kleines Nichts beinahe tragen, wie er will, und damit das einfacher möglich wird, wird er auch gerne weiter "Selbst schuld, wenn sie vergewaltigt wird"-Sagern mit der Axt eine bessere Belüftung des Schädels spendieren, aber solange es schwieriger ist, schmiert man sich nicht mit Babyrobbenblut ein, wenn man nach Haien tauchen geht, und geht nicht mit Zehn-Zentimeter-Heels und einem als Gürtel posierenden Rock in den Hochsicherheitstrakt von Alcatraz, und stellt auch nicht seine Brüste in ein Internetverzeichnis, in dem jeder alles sehen kann, weil dann jeder alles sehen kann. Die Würde ist nicht antastbar - aber wer sagt das den Haien?

Bezeichnend übrigens, dass die Genossen Darianis nach der Entdeckung des zuletzt verlinkten "Skandals" diesen nicht etwa schleunigst unterbunden, sondern untertänigst gebeten haben, daran teilhaben zu dürfen, und ebenso bezeichnend, dass die Genossen der Blogosphäre sofort mit der 50-Meter-Yacht zur Jagd auf die skandalösen Zwerghaie oder zwergskandalösen Haie geblasen haben, geht es hier doch, wenn nicht ums Rasen oder Glotzen, so doch ums Ficken, und das macht hier wie dort immer noch und für immer the world go round. Übrigens interessiert sich aus eben diesem Grunde keiner, aber auch wirklich keiner für die privaten Daten der oft so paranoid wie megalomanisch noch ihre kleinsten SMS mit 128 Bit verschlüsselnden Computerexperten unter den Bloggern, das nur als Ex-Informatiker zwischen zwei Bissen aus bluttriefendem Maul hervor.

Der müde Beta

Der Beta steht zwischen den Wölfen, seine Brust hebt und senkt sich schwer, aus müden, rotgeränderten Augen betrachtet er aufmerksam die Meute, schließlich hat er jetzt alle, alle gebissen, selbst an die 1337 roxxor Welpen hat er am Ende gedacht, die, obwohl doch angeblich schon Studenten, kaum geradeaus schreiben, geschweige denn denken können, glauben wirklich, jemand reißt ihnen den Büffel aus reiner Wolfsliebe, glauben wirklich, jemand macht ihnen eine Website aus reiner Philanthropie, glauben das wirklich, wenn man sie jetzt nicht sofort beißt, werden sie es einem einmal nicht einmal mehr danken können, und er hört schon das Jaulen:

Aber Betawolf-Blogger, haben die StudiVZ-Macher denn nicht viel falsch gemacht? Doch, alles, was man ihnen zur Last legt, und wahrscheinlich noch viel mehr, ist aber, am Ende, egal, Ameisen, Lupen und Jungen und, wie leider schon die Blogbrigade treffendst schrieb, hier bläst nicht der Weiße Wal, sondern eine Quappe, maximal, und ein Ishmael ist auch nicht an Bord, nur eine Handvoll zunehmend besessener Ahabs. Die Quappe aber bewahren eine Million Menschen in ihren Goldfischgläsern auf, die noch nie einen Ahab brüllen gehört, noch nie seine Harpune gespürt haben, wie auch, hat die kleinste Mücke doch einen längeren Rüssel.

Aber Beta, bist Du nicht auch ein Teil des Rudels, ein Teil der Bloggermeute? Kann sein, jeder braucht vielleicht seine Kürbiskompanie, und viele wollen groß und berühmt und strahlend rauskommen. Ich bilde mir aber ein, mir nicht einzubilden, es schon zu sein. Ich bilde mir ein, mir nicht einzubilden, den Boden unter meinen Pfoten nicht mehr zu spüren. Ich bilde mir ein, mir nicht einzubilden, wichtig zu sein. Noch nicht.

Aber Wolf, wetterst Du nicht immer selbst in drastischen Worten gegen die Ausforschung der Privatsphäre, warnst Du nicht immer selbst vor der "Wer nichts zu verbergen hat ..."-"Denke", sagst Du das nicht selbst? Durchaus, durchaus, Daten werden durchaus missbraucht, aber das Eine sind unfreiwillige Preisgaben, das Andere freiwillige, und das ist der ganze Unterschied, das entbindet natürlich nicht die Missbraucher von ihrer Schuld, ich sage ja auch, wer uns nicht einstellt, weil wir vor fünf Jahren unseren letzten Joint gebloggt und unsere Meinung zu laut verkündet haben, wer uns zu seinem Sklaven, seinem Haifischfutter machen will, soll alle Härte spüren, alle Härte, und wenn tausend kleine Fische sich verbünden, muss auch der größte Hai kuschen, aber wer sich mit Robbenblut einreibt, dem ist trotzdem nicht zu helfen, der ist trotzdem eine Gefahr für die Schule, eine Bedrohung für das Rudel und seinen Kurs, und der braucht Bisse vom Beta, und das waren sie, für jetzt.

Mögen es die letzten sein!

24.11.2006

04.10.2006

Veronica Ferres will 10.000 Euro von mir

Der Abmahntsunami rollt auf Deutschbloggersdorf zu. Und ganz vorne am Strand, im Wortsinne avantgardistisch, wie es meine Leser wünschen, stehe ich und sehe zu, wie sich das Meer zurückzieht, immer weiter, und Atem holt.

Veronica Ferres will 10.000 Euro von mir. Ja. Die Ferres. Und ihr Anwalt, Ulrich Amelung, selbst auch kein Unbekannter mehr, 1512 und ein paar Zerquetschte Abmahngebühren. Für zwei E-Mails und ein bisschen Gegoogle.

Doch holen wir ein bisschen weiter aus, noch nimmt auch die See ihren tiefen Zug. Veteranen meiner Webpräsenz werden sich erinnern, dass ich mal mit Moviebazaar begann, einer Seite mit Filmkritiken, allerlei Filmspecials und ein paar weiteren Extras. Unter "Meine Hasslinge" nun standen und stehen bis heute meine Hassschauspieler, obwohl ich die Liste genauso mal wieder aktualisieren sollte wie die meiner Lieblingsspieler unter "Meine Lieblinge".

Platz drei bis eins meiner Hasslinge war Veronica Ferres. Mit ausführlichen Aussagen über ihr Aussehen, ihre Karriere, ihre Stimme und ihr Talent garniert, die, die Veteranen erinnern sich, nicht freundlich waren, wohl auch beleidigend, darunter unter anderem ein Vergleich der Ferres mit William Shatner. Nackt.

Vor einigen Wochen hat Ulrich Amelung, der ständig Veronica Ferres in Sachen des Persönlichkeitsrechts vertritt, die Aussagen entdeckt und mir mit einer, böse Menschen würden denken, absichtlich unmöglichen Frist von acht Stunden eine Mail geschrieben, dass ich die Inhalte entfernen soll, oder sonst! Weil ich meine wirkliche Mailadresse aber nicht im Internet veröffentliche, ist seine Nachricht in meiner Spamgruft geendet, aus der ich sie erst eine Woche nach Ablauf der Frist exhumiert habe.

Meine Reaktion beim Öffnen kann man sich vorstellen.

Ich habe die Aussagen entfernt und nur noch die Fotos der Ferres belassen sowie einen Vergleich ihrer Stimme mit einem Musikinstrument und eine Aussage über die Größe ihres Talentes, im naiven Glauben, eine als "Meine Hasslinge" betitelte Seite sei ein hinreichend klarer Hinweis darauf, dass es sich dabei um meine nunmehr nicht mehr beleidigende Meinung handelt. Dann habe ich Amelung geantwortet, was ich vielleicht nicht hätte tun sollen, um wenigstens ein ordentliches Einschreiben abzuwarten, aber das "oder sonst!!1", die kurze Frist und der einschüchternd imposante Briefkopf hatten eindrücklich auf mich eingewirkt.

Eine Abmahnung habe ich so oder so erwartet, wer würde sich schon nicht bücken, wenn er im Bach hinter der Mühle einen Klumpen Gold fände, so groß wie der eigene Kopf? Nicht aber die Forderung einer "Geldentschädigung" von 10.000 Euro wegen der "Schwere der Persönlichkeitsrechtsverletzung" und meiner "Hartnäckigkeit". Nicht aber Abmahnkosten in Höhe von 756 Euro und noch einmal 756 für die Unterlassung. Kosten für den Anwalt, versteht sich. Bemessen am Streitwert, versteht sich. Festgelegt vom Anwalt, versteht sich. Böse Menschen würden denken ...

Ich habe Amelung geschrieben, dass ich keine 10.000 Euro habe, außer mit einem Minus davor, was wirklich wahr ist, das Geld war bei uns zuhause lange knapp. Ich habe der PR-Agentur der Ferres geschrieben, dass wir sicher eine alle zufriedenstellende Lösung finden können, ohne mich kurz vor meinem Studienende ruinieren zu müssen. Ich habe ihr angeboten, mich persönlich bei ihr zu entschuldigen. Ich würde auch ihrem Präventionsverein gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen Power-Child e.V. beitreten oder ihm die Abmahnkosten spenden ... Es gibt immer Möglichkeiten. Immer. Aber ich warte seit drei Wochen auf Antwort.

Ich warte und stehe am Strand. Und der Ozean hält den Atem an.

28.09.2006

Mehr Relevanz

Vor kurzem hatten wir uns ja gewünscht, mit dem "hochrelevanten" Fräulein Anna (Link leider nicht mehr aktuell) zu konkurrieren. Nun schreibt sie, ob als Reaktion, ob unabhängig davon zufällig, folgendes über "banales Zeug", wir zitieren ganz:

Gestern hat jemand zu mir gesagt, ich würde banales Zeug schreiben! Warum ich nicht mal über Politik schreiben würde!!! Das hat noch niemand gesagt und mich im ersten Moment getroffen.

Ich hab überlegt was an dem, was ich schreibe so banal ist. Aber ich konnte nichts finden. Ich schreibe so, weil das ich bin, weil das mein Leben ist.

Ich schreibe nicht um A, B, C oder sonstwas für ein Blogger zu werden, ich will auch kein Geld verdienen, nicht berühmt werden und ich kämpfe nicht darum in irgendeiner Rangliste ganz oben auf zu tauchen und jage auch keiner hohen Besucherquote hinterher.

Ich schreibe, weil ich Spaß daran habe. Weil ich Freunde und Familie, die nicht immer alles mitkriegen, auf diesem Weg an meinem Leben Anteil haben lassen kann. Ich schreibe das, was mich grad bewegt, beschäftigt, oder ärgert, Dinge über die ich mich freue, Dinge die ich andren zeigen möchte, Themen zu denen ich den ein oder andren Rat brauche.
Ich schreibe, weil es manchmal einfach gut tut sich was von der Seele zu schreiben.

Ich schreibe nicht über Politik, weil das nicht mein Ding ist und ich da gar keine Lust zu habe. Es ist mein Blogg, über mich. Und wenn mich ein politischens Thema bewegt, dann werden Sie es lesen.

Und wem das zu banal ist, der lese halt woanders.

Ihr Fräulein Anna

Und ich reue, im ersten Moment reue ich. Weil man keinen Bogen gegen Bambi spannt, auch keinen ohne Pfeil. Weil ich den zweiten und vierten Absatz selbst geschrieben haben könnte, nur besser und arroganter, natürlich. Und weil ich nicht behaupte, nie behauptet habe, durch meine zahl- und endlosen Tiraden mehr bewegen zu können als Anna, vielleicht ist auch das Gegenteil der Fall. Wer hört schon gerne, dass fast sein gesamtes Leben nur möglich, allein möglich ist, weil Millionen anderer Menschen für seine Sünden krepieren, wie wunde Tiere krepieren?

Aber ich kann doch nicht anders, als es herauszuschreiben.

Ich kann doch nicht anders, als zu hoffen, auf meine Weise etwas zu bewegen.

Ich schreibe so, weil das ich bin, weil das mein Leben ist. Weil das die Welt ist. Wollte ich, könnte auch ich rosabloggen, jeden einzelnen Tag, auch abgesehen davon, dass ich gesünder und wohlhabender lebe, als acht von zehn Menschen auf der Welt es je werden, mehr Chancen und Wege habe, als Milliarden es je werden, auch abgesehen davon und nur auf unsere kleine Käseglocke begrenzt. Könnte von Schwester A. schwärmen, der allerliebsten von allen. Vom Glück an der Uni erzählen. Über Freundin K. jubeln, die mein Herz und meinen Geist immer zu erweitern weiß, zuletzt hiermit. Den Erfolg im Job erwähnen, bin immer gut, wenn ich will. T. nennen, die Beste. Ich könnte jeden einzelnen Tag rosabloggen. Aber ich kann nicht.

Ich will nicht.

Man steigt nicht auf eine Soapbox, nimmt keine Flüstertüte in die Hand, um zu verkünden, was heute wieder für ein schöner Tag ist.

Man brüllt, bellt heraus, aus tiefstem Inneren, wie schlecht die Welt ist, wie elend die Menschen, wie schändlich ihr Treiben. Wie nahe, wie verdient, wie zurecht das Ende ist.

Und dann ...

Dann Rosasoapboxing. Würdet Ihr nur ... Wolltet Ihr nur ... Könntet Ihr nur ... Frieden auf Erden. Freiheit. Gerechtigkeit. Das Paradies. Ihr müsstet nur umkehren. Nur anhalten und umkehren. Nur das.

Aber niemand hält an, wenn man ihm Blüten vor die Füße streut.

Niemand kehrt um, wenn man ihm Zucker in den Arsch bläst.

Niemand nimmt an rosa Watte Anstoß.

Ich aber will es.

26.09.2006

Wunschkonzert

Als wäre es meinem wünschenden Haupte entsprossen wie Athena Zeusens, gibt es ein Blog, das den Deutschen die USA erklärt. Sehr gut.

Eine Erwähnung gewünscht hat sich Dany N. für sein post-postironisch benanntes STÄRKSTES Blog der Schweiz, das dafür aber gerne mehr Selbst- oder Nichtzitiertes bringen darf. Hier zumindest scheinen die Besucher wenig mehr zu lieben als meine Verbalstrips, oder genauer, ihre mehr oder weniger angenehme Fiktion, ich würde auch zuhause für einen Dollar im Tigertanga um die Stange tanzen. Das ist schon okay - Josephine Baker war einmal die Königin der Welt, und selbst die Nazis kuschten vor ihr.

Ich wünschte nur manchmal, manchem persönlichen Lieblingseintrag würde ebenfalls etwas von dieser Aufmerksamkeit geschenkt.

14.09.2006

Mehr Soapbox

Indem ein kleiner Vorrat an Einträgen angelegt wurde, der in zukünftigen Zeiten geringer Zeit behutsam tröpfelnd veröffentlicht und an freieren Tagen zusätzlich zu den regulären Eintragen wieder befüllt werden soll, statt wie bisher sporadischen Schwällen strenge Dürre folgen zu lassen. Warum bin ich eigentlich nicht früher darauf gekommen? Be that as it may, aber irgendwann muss ich ja mal anfangen, mit laufend aktualisierten und hochrelevanten Spitzenblogs wie diesem hier (Link nicht mehr aktuell) zu konkurrieren.

03.09.2006

Deutsche Blogs

Ich hatte einen langen Eintrag über deutsche Blogs vorbereitet. Über ihre unendliche Unwichtigkeit. Ihre komplette Belanglosigkeit. Ihre beständige Nabelfusselschau. Ihre vollständige Abwesenheit größerer Zusammenhänge und wichtiger Themen. Ihre damit zwillingsgleiche und alles andere als zufällige Ähnlichkeit zur neuen deutschen Pottliteratur eines Illies oder Stuckrad-Barre. Hatte mich gewaltig über die einmalig absurde und doch nur folgerichtige Entscheidung aufgeregt, den Grimme Online Award Spezial ausgerechnet dem allernichtssagendsten, allerbelanglosesten, allerlangweiligsten, allerunfreundlichsten Spreeblick von allen zu geben. Hatte mich mächtig in die Seile gehängt und mit Ali im brütenden Dschungel von Zaire verglichen und die Blogs mit Foreman, ich dachte, Du kannst zuschlagen, George.

Es war kein schlechter Eintrag.

Aber dann habe ich ihn gelöscht. Weil Langeweile auch tausendfach gedreht, gewendet und gespiegelt Langeweile bleibt. Und weil man mir ohnehin nur aus weiß verkrustetem Munde Neid, Missgunst und gekränkten Stolz vorwerfen würde, dass ich nicht bei der wilden gegenseitigen Masturbation mitmache. Und beim Gedanken daran hatte ich dann keine Lust mehr, weiter über die schlechten Blogs nachzudenken und zu schreiben.

Lieber füge ich nach und nach gute Webtagebücher, deutsche und andere, zu meinen Links hinzu. Ich muss nicht immer mit ihnen übereinstimmen: Hauptsache bleibt, sie haben etwas zu sagen.

Die Aussauger Die Ausgesaugten

20.08.2006

Stell Dir vor, es ist Tschernobyl ...

...und keinen interessiert's. Herr Quality bloggt bemerkenswert über diesen äußerst ärgerlich verharmlosenden "Zeit"-Artikel über den Forsmark-Störfall und hat hier und auch da weiteres wichtiges Wissen zum Thema. Wir können dem Sicherheitsinspektor aus Sektor 7G den Technikern, die sich über die Vorschriften hinweggesetzt und darum noch rechtzeitig die rettenden Knöpfe gedrückt haben, nur auf Knien danken. Für unser Leben.

Update [24.08.06]: Vielleicht ist der Fall doch weniger dramatisch oder auch noch dramatischer als gedacht. Warten wir den Abschlussbericht ab ...

14.11.2005

Gute Links

Immer wieder einen Besuch wert sind weiterhin die herrlich schrägen PBF-Comics und das immer noch sehr süße Weblog des sich für seine knapp zwei Jahre erstaunlich gut artikulierenden Josh Heuler. Auch Herr Qualitys Blog erfreut uns regelmäßig mit so sinnigen wie wahren Worten, zum Beispiel diesem Schrei der Sehnsucht.

05.05.2005

Spreeblick.com

...weist uns auf ein hellsichtiges Interview mit Jeremy Rifkin und den Inhalt von Jesus' iPod hin. Mehr davon!

P.S.: Dieses Blog ist sehr süß. Dank an Leser P. G.!

03.05.2005

Wir sind Papst

...ob wir wollen oder nicht.

24.04.2005

Davids Medienkritik

...ist in seiner beständigen HB-Männchen-artigen Aufregung über die antiamerikanischen (in Wahrheit antiintelligenten) deutschen Medien zwar meist mindestens lächerlich, aber die Doppelmoral der deutschen Öffentlichkeit gegenüber "bösen" Kriegen wie im Irak und "guten" wie in Tschetschenien prangert es ausnahmsweise völlig zurecht an.