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24.08.2013

The Lannisters send their regards

Nikolaj Coster-Waldau and I

Flying from Manchester to Stuttgart via Copenhagen: No big deal.
Only 35 minutes of layover time: A bit tricky.
Meeting Jaime Lannister in the passport queue: Priceless.

Sorry for the crappy potatocam picture though ...

08.10.2011

Boot steigt

Andi klettert aus der Luke zum Maschinenraum des Blogs. Sein Unterhemd ist mit Schweröl verschmiert, und er hält einen großen Schraubenschlüssel in der Hand. Aus der Luke hört man ein regelmäßiges Bummern.

O Hai, Ihr seid's, liebe Leser. Ich habe gerade meinen letzten Eintrag aus dem Jahr 2006 auf Vordermann gebracht, damit sind jetzt ziemlich genau zwei Drittel aller Posts verbessert und gelabelt. Mögt Ihr die Labels, oder sind sie Euch zu wenig detailliert? Ich habe auch den Eintrag vom April 2010 wiederentdeckt, über einige Computerspiele, die ich in letzter Zeit gespielt habe, doch keine Angst, ich habe seit dem Fünfjahresjubiläum meiner Soapbox nicht nur gedaddelt, wie die bald wiedergefunden werdenden Einträge zeigen werden.

Andi kratzt sich mit dem öligen Schraubenschlüssel am Kopf, wodurch eine Haarsträhne ein bisschen abstehen bleibt.

Aber Mann, diese ganzen alten Sachen wiederzulesen ist manchmal, wie ein altes Tagebuch zu öffnen. Ich war echt oft wütend, was? Naja, das ist hier Andis Soapbox und nicht "Andis Jadeparadies", wie ich in einem Schlüsseleintrag mal gewitzelt habe, obwohl letzteres nicht nur existiert, sondern vielleicht sogar reicher ist als die Soapbox, fruchtbarer, aber eben auch privater, verletzlicher; die Welt macht es mir zudem leider oft leicht, wütend zu werden, und ranten macht auch erstaunlich Spaß, probiert es mal selbst.

Aber Ihr wisst ja, sowas wie die bête noire hier ist die ewige Frage, was besser ist, für mich, für alle, für verschiedene Werte von besser, Wüten oder Erklären, Schreien oder Zuhören, Megaphon oder Hörrohr. Jenes Biest ist übrigens weitaus verschlagener und gemeiner als mein Schweinehund, den hat ein simples Orbitalbombardement zu einem kümmerlichen Schatten seiner selbst reduziert und er wiegt jetzt nur noch zehn Tonnen oder so. Bei der bête noire weiß ich manchmal nicht mal, wo ich sie suchen soll.

Andi holt eine seltsame, schon ganz vergilbte Liste aus seiner Hosentasche und streicht darauf "Das Wort 'Orbitalbombardement' in ein normales Gespräch einflechten" durch.

Aber gut, ich will Euch, heute, nicht schon wieder mit diesem Emozeug langweilen, sondern auf ein paar alte Einträge verweisen, die vielleicht des (Wieder-)Lesens wert sind. Aus dem Jahr 2005 zum Beispiel ein kleiner Rant über Wissenschaftshasser, die Wissenschaftsprodukte nutzen, Ulrike Meinhofs Brief "Eine Sklavenmutter beschwört ihr Kind", mein Plan für den Weltfrieden, eine und noch eine Bemerkung zur Hitlerei der deutschen Medien, wie ich mich auf einer Datingplattform als Leia Organa ausgab, wie ich fast bei einer Drückerkolonne angeheuert hätte, was ich von der BUNTEn halte, wie man Fußgängermengen simuliert, meine Prophezeiungen zur Zukunft der Arbeit, meine erste Erwähnung von Kapitän Ahab anlässlich eines Stadtbummels und meine Suche nach einer WG.

Im Jahr 2006 habe ich mich über NS-apologetische TV-Events wie "Dresden" und Mutterkreuzanwärterinnen wie Eva Herman, den Krieg zwischen Israel und der Hisbollah, dass ich oft für Simon Gosejohann gehalten werde, Designervaginen und natürlich über Veronica Ferres, die 10.000 Euro von mir wollte (auch hier und hier) aufgeregt. Ich bin durch Deutschland gereist, habe eine Kritik der Oper "Carmen" in Stuttgart geschrieben, den vorerst letzten Eintrag in der Serie meiner unglücklichen Nichtliebschaften verfasst (ich denke, eine, die letzte Folge kommt noch), gegen unsere Angst vor dem Terror gewettert und gegen den Pazifismus, deutsche Blogger und pseudo-nassforsche Startupgründer. Ich habe gepostet, dass Leben Sterben heißt, und, zum Abschluss des Jahres, wie man in einer Notfallpraxis einen schönen Abend erleben kann.

Andi geht wieder zur Maschinenraumluke zurück, setzt einen Fuß auf die Leiter abwärts und klettert hinunter. Bevor er ganz verschwunden ist, steckt er nochmal den Kopf aus der Luke und grinst.

Das sollte erstmal genug Lesefutter sein. Als nächstes aktualisiere ich die letzten fast 200 alten Einträge, finde die übrigen verstaubten aus den Jahren 2010 und 2011 wieder und bereite ein paar neue vor: langatmige Linksammlungen, schnippische Kritiken, politische Rants und skurrile Geschichten aus meinem Leben. Das Übliche also. Schön, dass Ihr trotzdem dabei seid!

Andi ruft "Huii" und rutscht die letzten Stufen der Leiter hinunter.

29.11.2008

Nerve Oscar Reif

Im in hundert Stimmen und tausend Farben immerwährend pulsierenden Dschungel meines Lebens hat sich mittlerweile auch die vierte Strafexpedition zum Erlegen meines Schweinehundes seit Tagen nicht mehr gemeldet, obwohl alle Munition jetzt abgereichertes Uran enthält, selbst die in den Abrams, und ich gestern den ganzen Tag die Kanonen der "Bismarck" vor der Küste gehört habe.

He, wenn das Monster Flügel hat wie Ancalagon the Black, Klauen wie Wolverine und die Kräfte von Magneto und Professor Xavier, darf ich mir wenigstens meine Lieblingsbewaffnung aller Epochen erträumen! Jedenfalls wird es hier deswegen bis auf Weiteres nur selten Neues geben, aber einen kurzen aktuellen Kommentar kann ich mir doch nicht verkneifen:

Hähä. Hähähä. Muhahaha. Hohohahahehehuhuhihihii.

Verwunderlich übrigens, aber dann doch auch wieder nicht, mit welch feinen Samthandschuhen die sonst so freudig mit beiden Händen in jeder Kloake wühlende "Bild" diese Trennung und Ferner CIA-Servo (I'm glad we have someone who can join us in our anagram game) anfasst, ganz im Gegensatz zu diesem mutigen und sehr freundlich verlinkenden Journalisten, der sich wohl bald auf eine böse anwaltliche Bescherung freuen darf. Mich hat es gefreut, dass She-Who-Must-Not-Be-Named nach Reich-Ranickis "Wut-Rede" bei der 10. Verleihung des Deutschen Fernsehpreises, zu der ich nichts hinzufügen werde, schließlich sage ich dasselbe, und mit bedeutend weniger Menschen-, insbesondere Fernsehschaffendenliebe schon seit über dreieinhalb Jahren, folgendes zu Protokoll gegeben hat:

Ich schätze ihn als sehr kritischen Zeitgenossen, der heute Abend aber Menschen verletzt hat, ohne es zu wollen.

Denn, Übersetzung: Er hat mich verletzt, mich, Veronica Viktualia Divi Filia Agamemnon Ferres, PhD.

Also, Transfer: Meine einstige Ferndiagnose, dass ICH MEINE, DASS Ferres wenig Selbstschutz hat? Goldrichtig, jetzt und immerdar.

Ergo, Ergebnis: Freudiges Lachen.

Und nun zurück in den Dschungel. Mit meiner alten Remington.

13.08.2008

Zeit genossen

Das Debattieren lässt mich nicht nur die Welt, sondern auch unser schönes Land sehen, bis hinein in prominente Redaktionsstuben, und so war ich vor fast einem Jahr mit den anderen Vorsitzenden der deutschen Debattierclubs beim Präsidententag der "Zeit" in Hamburg. Nach einem Tag unter uns mit vielem Organisatorischen und nützlichen Informationen und einem Abend auf dem Kiez inklusive herrlichem Versacken in einer südostasiatischen Karaokebar fing der nächste Morgen mit Streichhölzern zwischen den Lidern, viel Kaffee und einer Begrüßung durch den Geschäftsführer des "Zeit"-Verlages Rainer Esser an, der als raison d'être der Zeitung den Widerstreit der Meinungen benannte, was auch ihr Engagement fürs Debattieren begründet. Yay for us!

Nach einer Besprechung mit der Marketingbeauftragten für die "Zeit"-Debatten erschien auch schon der mittlerweile nicht mehr auf dieser Stelle beschäftigte "Zeit Online"-Chefredakteur Gero von Randow, berichtete erstaunlich offen von den Schwierigkeiten, das Wesentliche der "Zeit" ins Web zu übertragen und hochdekorierte Großredakteure an despektierliche Kommentare von Usern wie "moppelchen5" zu gewöhnen, und gestand seine Ratlosigkeit vor der Hundert-Millionen-Dollar-Frage, wie sich im Netz Geld verdienen lässt, ohne zu einer Klickfarm voller praller Euter und journalistischem Dung zu degenerieren.

Nachdem uns auch der Chefredakteur von "Zeit Campus" Manuel Hartung besucht und zum Mittagessen in einem exzellenten Restaurant mit einer Suppe zum Reinlegen begleitet hatte, wobei er die in meiner Gegenwart stark leichtfertige Bitte äußerte, die neueste Ausgabe seines Magazins doch einmal schriftlich zu kritisieren, was ihm nach eine Zeitlang später vollbrachter, zwanzigabsatziger Tat aber erstaunlich gut gefallen zu haben scheint, und zwei PR-Angestellte uns sehr hilfreiche Tipps zur Turnier- und Eventorganisation gegeben hatten, hieß es noch einmal schnell einen Espresso trinken, das Hemd zurechtzupfen und auf Giovanni di Lorenzo warten.

Der Chefredakteur der "Zeit" nahm sich über eine Stunde für uns und sprach frei und sympathisch von seinem Leben, seiner Zeitung und seinen drei Tipps für Erfolg im Beruf, nur der klugen Frage, ob er das Blatt mache, das die Menschen brauchten, oder das, welches sie wollten, wich er aus unbekanntem Grunde aus. Zusammen aber ein durchaus unvergesslicher Tag mit einem Block voll wertvoller Information und angenehmsten Gesprächen wie von gleich zu gleich, wie ich im Zug nach Hause dachte, bevor ich einschlief, dem VDCH im Geiste dankend und der "Zeit" noch mehr. Gerne und immer wieder!

09.08.2008

Das und Dies

Bei Betrachtung von Schillers Schädel meiner letzten Einträge komme ich mir zwar langsam vor wie einer, der den Schreibtisch seines Geistes aufräumt, um wenigstens für ein kleines Pergament und den Gänsekiel wieder Platz zu finden, und die dabei gefundenen Trouvaillen, ist das jetzt ein Pleonasmus?, etwas unredlich als neue Meister- oder wenigstens Gesellenwerke verkauft, um Geld bzw. Zeit bis zur nächsten wirklichen Inspiration zu schinden, aber weil vielleicht des einen bunter Stein des anderen Rubin ist, sei's drum, und seien darum hier erneut einige kleine, linkgespickte Anmerkungen zu diesem und jenem.

Ich möchte wirklich, dass Barack Obama die US-Präsidentschaftswahl gewinnt. Wirklich sehr. Weil diese Welt eine verantwortliche, demokratische Führung mit westlichen Werten bis auf Weiteres nötig hat, und weil die USA das einzige Land sind, das sie leisten kann. China? Yeah right. Russland? Don't make me laugh, zumal ich, als ich vor einigen Tagen den Kiel für diesen Eintrag gelegt habe, noch nicht wusste, daß die Neosowjets einen Krieg in Georgien provozieren würden, aber es passt, es passt, und der Zeitpunkt ist original putinsche Perfektion. Afrika? Ach ja, da ist ja noch ein Kontinent. Südamerika oder Indien? Na, vielleicht in 50 Jahren. Schließlich Europa? Erneut, der Scheich fickt den Harem, nicht der Eunuch.

Aber Mann, ich kriege langsam wirklich sehr Angst vor der republikanischen Angriffsmaschine. Sie hat aus dem vor Redlichkeit brettsteifen Kriegshelden John Kerry fast mühelos einen sich für Orden selbst Verletzungen zufügenden, französischen Wendehals gemacht und einen folternden Lebensversager zu Gottes zweitem Sohn emporgeschrie(b)en, und jetzt ist sie dabei, den wahrscheinlich inspirierendsten Politiker seiner Generation zu Britney Spears zu machen, und nicht zur sexy Britney der Jahrtausendwende, mit der alle schlafen wollten, sondern zum Glatzkopf mit dem tödlichen Regenschirm.

Und da kann ich mir noch so sehr wünschen, die Wähler mögen diese geschmacklosen Attacken aufgeklärt durchschauen und angemessen bestrafen, sie wirken, und in einem Medienklima, das Artikel, die buchstäblich schon als Satiren im "Onion" erschienen sind, ernst meint, werden sie durch tausendfaches und tausendfaches Wiederkäuen legitimiert und validiert, bis sie schließlich zur zerstörerischen Truthiness gerinnen. Mir bleibt daher nur, auf das Können und die Kreativität Obamas und seines Teams zu hoffen, aber ich weiß auch nicht, wie sie der Wahrheit entrinnen wollen, dass man nie mit einem Schwein ringen soll, weil man dann schmutzig wird und das Schwein es genießt. Hoffen wir!

Übrigens, in McCains Werbespot kommt auch eine gewisse Paris Whitney Hilton vor, und jetzt kommt etwas, was einige Leser vielleicht schockierender finden werden als einen Mann, der sich einen Tausendfüßler in den Penis steckt, es lohnt sich auch, das ganze Blog durchzulesen, für bestimmte Werte von "lohnen":

Paris Hilton ist gar nicht so schlimm.

Ich weiß, das Video da, Ihr wisst schon, macht nicht den Eindruck, als wüsste Hilton so genau, was Sex eigentlich ist, und ihre Ubiquität, ihr Prosecco, ihre Film"rollen", ihre Musik, selbst ihre vielgehassten Füße, jaja, jaja.

Doch wenn man sich das Video da, Ihr wisst schon, nochmal anschaut, und dabei erkennt, wen darin man eigentlich hassen sollte, "I love you and can I please take off your pants" indeed, oder wenn man sich, und ich weiß, perverse Perpetuierung öffentlicher Aberrationen, aber trotzdem mal, Hiltons Liebesbriefe an Nick Carter durchliest, oder auch, wenn man sich ihre Antwort auf McCains Werbespot ansieht und dabei erkennt, dass Paris eine Erziehung genossen hat, dass sie sich im Gegensatz zu Lindsay oder Britney in ganzen Sätzen artikulieren kann, und dass sie sogar, perish the thought, ein eher schüchternes Mädchen zu sein scheint, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man es mit einer durchaus liebenswerten Person zu tun hat. Sicher, bisweilen naiv, einschüchternd geschäftstüchtig, und singen kann sie auch nicht besonders gut, aber ist das Grund, sich lachend an ihren Tränen zu weiden? Gar ihren Tod herbeizufantasieren? Hoffen wir nicht!

Aber apropos Singen, einer der Gründe, warum ich am Ende jenes Eintrages "Na, vielleicht" geschrieben habe, ist, dass ich mich erinnerte, dass ich selbst vor vielen Jahren auf eher verschlungenem Wege zur Schönheit der Oper gekommen bin, auch wenn Inva Mula-Tchakos Technik im Gegensatz zu der Paul Potts' frei von Fehlern ist. Trotzdem ist ihr "Il dolce suono" in "The Fifth Element" zu hören nicht jedermanns Einstieg in die Welt der Klassik.

Sei's drum.

21.06.2008

Notizen aus einem beschäftigten Leben

Hier endlich wieder einige Anrisse aus meinen mal mehr, mal weniger bewegten Tagen und Nächten. Mit Fotos.

Emily Watson und ich

Ich habe in der Nähe des Kölner Doms zufällig Emily Watson getroffen. Zwar waren wir beide ein bisschen verlegen, was man keinesfalls auf dem Foto erkennen kann, aber sie ließ sich trotzdem umstandslos für selbiges ablichten. Ein wenig Sorgen für die Welt macht mir nur, dass außer mir keiner diese beste britische Schauspielerin ihres Alters erkannt zu haben scheint. Vielleicht hätte sie doch Amélie Poulain spielen sollen?

Ich habe ein schönes neues Hobby: Poker. Es macht Spaß, ist spannend und sozial und erlaubt mir, meine stochastische Leichtfüßigkeit, meine Geduld und meine Menschenkenntnis gewinnbringend zu entfalten. Wenn mir nicht meine größten Gegner Hitzköpfigkeit und Unterschätzung der Dummheit einiger f'ing Mitspieler, die tatsächlich Zehn-Sieben, Zehn-f'ing-Sieben bis zum f'ing Ende spielen und mich damit im f'ing River f'ing ersaufen lassen, im Wege stehen, reicht es bald auch zu mehr Ausschüttung als nur zum Kauf von "FIFA 08", damit meine alte Traumcomputerfußballmannschaft nicht länger mit Schmeichel und Zidane auflaufen muss. Obwohl Peter Bolesław Schmeichel niemals ein nasser Ball aus den Fingern gerutscht wäre.

Apropos, der deutsche Sieg gegen Portugal war sehr befriedigend, weit mehr als das unsägliche Gewurschtel bis ins Finale 2002 und auch mehr als das zwar schöne, aber eher erwartungsgemäße Sommermärchen. So soll's gegen die Türken weitergehen, und vielleicht reicht's dann ja auch gegen die Niederlande im Finale. Obwohl van Nistelrooy eine Gesamtbewertung von 84 in FIFA hat.

Meine Panini-Doubletten

Nicht ihn, sondern einen gewissen Xabi Alonso habe ich dreifach als Panini-Aufkleber, und Ribéry wie auch Makélélé und einige Rumänen doppelt. Ob ich dafür einen halben Lahm bekomme?

He, wenn schon Regression, dann richtig!

Progression dagegen, lazy man's Überleitung, hat unser kleiner Debattierclub in der Ausrichtung der Süddeutschen Meisterschaft im April gezeigt, die von hervorragendem Wetter, noch besseren Locations und den bestmöglichen Gästen begünstigt wurde, so dass kleinere und größere organisatorische Pannen kaum nach außen drangen. Der von Herzen kommende Dankapplaus für mein tolles Team und mich war fast so schön, wie in einer Stickertüte Michael Ballack zu finden.

Okay, er war schöner. Viel schöner. Wo ist Walter?

Unser Turnier

Ebenfalls erstaunlich erfolgreich war die diesjährige Aufführung meiner Theatergruppe, ein selbstentwickeltes Stück namens "ColumBUS 2008" um Migration und Tourismus, zu dem ich etwa ein Drittel des Textes, bei Interesse kann ich gern einige Auszüge einstellen, und ein kleines Cameo am Ende beigesteuert habe. Dennoch hat es den Zuschauern so gut gefallen, dass sie uns auch hier großzügig beklatscht haben, und nebenbei habe ich noch einige meiner letzten Studienhürden eher graziös übersprungen, so dass es der frohen Ereignisse in diesem Frühling angenehm viele waren, auch wenn aus ihnen die zwischenzeitliche Vernachlässigung dieser Seifenkiste folgte. But now I'm back, baby!

17.11.2007

Michel Friedman

Ich in Heidelberg

Auf der Baden-Württembergischen Debattiermeisterschaft 2007 im immer schönen Heidelberg gewesen. Dort mit den verlässlichen Teampartnern K. und F. ein bisschen glücklich ins Finale gekommen, aber nach zahllosen Turnieren, in denen wir zum Teil auf der zweiten Nachkommastelle den Einzug in die K.O.-Runden verpasst haben, ist das mehr als in Ordnung. Das Finale selbst haben wir leider, aber nicht unverständlicherweise verloren, und die auf der Website des Turniers erhältliche Audioaufnahme meines Beitrags, ich war vorletzter Redner der Debatte, macht auch deutlich, warum man am Abend vor wichtigen Wettkämpfen nicht bis drei Uhr morgens Mojitos trinken sollte, auch wenn Hemingway das jeden Tag getan hat. Aber was soll's, Finale rocken!

Als Ehrengast war Michel Friedman anwesend und hielt, während sich die Juroren berieten, eine tolle Rede darüber, warum Widerspruch Respekt ist, aber ich konnte mich wie immer, wenn ich ihn sehe, nicht des Eindrucks erwehren, dass um diesen Mann eine tiefe Traurigkeit ist, ein nie gestillter Schmerz. Vielleicht sind es nur seine immer halb geschlossenen Augen und die Linien seines Gesichts, vielleicht sind es die häufigen Skandale, denen er in diesem Land nicht entkommen konnte, vielleicht muss man so sein, wenn fast die gesamte Familie, bis hinunter zum Cousin fünften Grades, zu Asche und Rauch gemacht wurde.

Vielleicht will Friedman den Skandalen aber auch nicht entkommen.

Vielleicht will er dem Schmerz und dem Traurigen begegnen.

Wie anders ließe sich erklären, dass er sich tatsächlich, in der ansonsten auf fast obszöne Weise ihre vollkommene Belanglosigkeit zelebrierenden "Vanity Fair", zum Interview mit Horst Mahler getroffen hat, der ihn gleich zu Beginn, groß in Form, mit "Heil Hitler, Herr Friedman" begrüßt? So wichtig und so nötig die Demaskierung, die Entlarvung der unmenschlichen Fratze des Totalitären in allen ihren Formen ist, warum muss ausgerechnet Michel Friedman sie betreiben, gerade er die Maske herunterreißen, gerade er sich wieder und wieder in und durch das unsagbar Traurige, das unendlich Schmerzende bohren?

Vielleicht ist hier die Frage schon die Antwort.

Und vielleicht wirkt Friedman dann deshalb so traurig, weil das Traurige trotz seiner Mühen immer so traurig und so schmerzend bleibt.

Aber vielleicht wird es, durch ihn, auch ein kleines bisschen weniger traurig.

Hätten wir nur mehr Traurige wie Michel Friedman!

Michel Friedman in Heidelberg

02.11.2007

Brüste fürs Wochenende

Meine jahrelangen Gebete wurden endlich erhört. Ich laufe gleich zurück in die Kirche!

11.10.2007

Eva-TV

Ist das... ist das Ding schon an? Soll ich hier jetzt was r-reinschreiben? Aber ich hätte eigentlich viel lieber noch mein Abendessen- ich bin auch gar nicht- was soll das überhaupt sein, ein "Eva-Herman-Experte", es gibt doch auch keine Experten für den Zahlenraum bis zehn, weil jeder analphabetische Erstklässler- schon gut, schon gut, kein Grund, gleich ausfällig zu werden, ich mache ja schon, hier bitte:

Johannes B. Kerner

Dieser Kerner ist ein Vampir. Und nicht ein romantisch-melancholischer wie Gary Oldman, ein aristokratischer wie Christopher Lee oder ein wehmütig leidender wie Kinski, noch nicht mal ein unfreiwillig komischer wie Blacula, sondern ein Energievampir, der sich an der Lebenskraft seiner Opfer labt, wie Pennywise in "It", nur ein ganzes Stück gruseliger. Mögen sie Eva, Natascha oder Stephanie heißen, mögen sie arm sein oder reich, blöde oder schlau, weltberühmt oder völlig unbekannt, der Vampir wittert gnadenlos ihre Schwäche, führt sie eilig in seine Höhle und saugt sie dann vor aller Augen lüstern aus, sein Konto und seine Erektion in gleichem Maße und umso gewaltiger anschwellend, je mehr staunende Augen seinem obszönen Treiben zusehen. Eins kann man immerhin über die "grausame Zeit" sagen, diesen unendlich abartigen Fetischvoyeurismus hätte der Führer sofort-

Ach so, ich soll ja über Eva Herman reden, hatte schon ganz vergessen, dass meine Aufgabe heute ist, dieses dumme, dumme, dumme Dummchen zu maßregeln, von dem niemand hätte ahnen können, dass es ein komplett totalitäres Weltbild hat, und dessen verbale Speiballen gar unglaublich Überraschendes enthalten, "Hey! Soldiers for Hynkel" kann man schließlich auf so viele verschiedene Weisen interpretieren ...

Eva Herman bei Kerner

In conclusion, the Phooey remarks that for the rest of the world he has nothing but peace in his heart.

Apropos abartig, um einen von meiner einzig einzigartigen Schwester A. sehr zurecht geschätzten Professor im Fernsehen zu erleben, habe ich mir vor kurzem auch eine Maischberger-Sendung zum Thema Scientology angesehen, mit dem erwähnten, wohltuend vernünftigen Religionswissenschaftler Hubert Seiwert, zwei Aussteigern, einer Sektenkritikerin - und meinen absoluten Lieblingen auf der ganzen weiten Welt, Beckstein und Fliege.

Ich bin wirklich, wirklich froh, dass in meinem Haushalt kein Fernseher steht.

Weil ich bei Diskussionen, die ohne den geringsten Hauch einer Ahnung von Sachverstand, ohne die niederste Streitkultur einer tollwütigen Bande Makaken und ohne eine einzige Plancklänge Fortschritt, aber dafür mit googolplexscher Heuchelei - Günther Beckstein, Günther fucking "Lasst die Dreijährige in Kabul krepieren" BECKSTEIN beklagt sich, dass Hubbards Ufokult die Menschenwürde nicht achte - und widerwärtigster Eitelkeit, unangebrachtester Besserwisserei und ekligster "Thesen"scheißerei geführt werden - von der Pferdebremse, wem sonst -, schnell in einen unkontrollierbaren Vernichtungswahn falle, dem statt seiner verdienten Adressaten nur die arme Glotze zum Opfer geraten würde.

Aber dann müsste ich wenigstens nie mehr befürchten, die Pestfl-

Okay okay, zurück zu Eva. Doch was bleibt zu sagen? Nur dies:

Eva Herman passt ins deutsche Fernsehen.

16.09.2007

Winona Ryder

Winona Ryder

Vor kurzem dachte ich, dass ich lange nicht mehr an Winona Ryder gedacht habe. Weil ich sie schon lange nicht mehr in einem Film gesehen habe. Wegen Saks Fifth Avenue usw. Und dann dachte ich, schade. Echt schade.

Noni war nie die beste Schauspielerin ihrer Generation, da muss man erstmal an Kate Winslet vorbei und dann noch an Kate Winslet, aber wer sie in "Mermaids" erblickt hat oder im meist wunderbaren "Night on Earth", selbst in "The House of the Spirits" oder im etwas verkorksten "Girl, Interrupted", konnte nicht umhin, sie zu lieben, und dabei habe ich bis heute nicht "Edward Scissorhands" oder "Heathers" gesehen, kleines dunkles Geheimnis. Nicht die Beste, aber alles, alles andere als die Schlechteste, und die ideale Schauspielerin für Tim Burton, bevor er Helena Bonham Carter kennenlernte, die allerdings selbst an Kate Winslet vorbeizieht, wenn auch vielleicht nicht ganz an Kate Winslet. Und die Liebenswerteste und die Schönste, oh großer Gott, selbst Johnny f'ing Depp, der noch die freie Wahl hätte, wenn er nach Frauen mit Exkrementen schmeißen und brüllen würde wie ein Schimpanse, hatte "Winona Forever" auf seinem Oberarm stehen. Und hätte sie meinen flehentlichen Rat befolgt und sich zumindest einmal wenigstens ein bisschen nackig gemacht, wäre auch das mit Saks Fifth Avenue, ich wette, nur maximal halb so schlimm gewesen, ja Euer Ehren, ich war mit dem Flammenwerfer im Waisenhaus, weil ich die Kleinen schreien hören wollte, aber sehen Sie sich doch nur diese Dinger an etc.

Aber wer die Regeln nicht kennt, stolpert halt darüber.

Schade. Echt schade.

10.09.2007

Evas Fall

Adolf?!?

Nein, also das... das hätte niemand ahnen können, niemand. Eva eine Verharmloserin, eine Sympathisantin, eine Mutterkreuzlerin, sie, Evi, die doch nur einen einzigen, kleinen, süßen Sohn hat? Ein Naivchen, ein Dummchen, ein Hirnlöschen, sie, die die Wochenschau immer so entzückend sprach und selbst in böse Wörter für böse, böse, böse Untermenschen wie "dreckiger Rassenschänder" noch soviel Wärme legte, dass mein deutsches Herz wild pochend erblühte? Ihre Weltsicht gar geschlossen paranoid, die der erfolgreichen, weitgereisten und universalbegabten Buchautorin, Moderatorin und liebenden Familienseele? Verliebt in den Führer, sie, die doch immer nur sein Bild mit spitzen Lippen geküsst hat, wenn überhaupt? Nein, das ist nicht die Eva, die ich kenne und bewundere, ja liebe, ich-

Ach so, es geht um Eva Herman.

Na dann wundert mich nichts.

27.07.2007

Evas Exegese Eins

Wie versprochen.

Mein Kampf

Bücher sind lebend gespeicherter Geist. Sie wandeln und winden sich unter dem Auge des Lesers, und was als fester Vorsatz eines völligen Verrisses beginnt, wendet sich unversehens zu bloßer Abneigung, dann zu vorsichtiger Indifferenz und am Ende gar, in einem kurzen Moment der Schwäche, zu etwas wie widerwilligem Einverständnis. Wir wollen also sehen, was am Ende dieser Serie unter dem Striche stehen wird. Wohlan!

"Das Eva-Prinzip" ist ein mutiges, überzeugendes Buch, das das Leben jeder Frau ändern wird - und vielleicht auch das einiger Männer.

Schon der letzte Absatz des Klappentextes macht keinen Hehl aus Hermans Heilsversprechen. Scheinbare Utopien waren schließlich schon immer die Spezialität größenwahnsinniger Paranoiker aller Zeiten: "Mein Kampf" ist ein mutiges, überzeugendes Buch, das das Leben jedes Deutschen ändern wird! Stimmte ja auch.

"Unter Mitarbeit" ihrer Ghostwriterin Christine Eichel und einer mysteriösen "Elisabeth, Urkönigin der Weiblichkeit" gewidmet, wovon noch zu schreiben sein wird, hebt das hastigst auf Billigpapier gedruckte knallpinke Werk mit einem "Prolog" an, in dem nicht nur die im Folgenden unglaublich krampfig in jede nur unmögliche Stelle hineingezwängte Adam-und-Eva-Metapher eingeführt, sondern auch die scheinbare Idylle der Moderne brutal demaskiert wird: Im "Supermarkt der Wünsche" gibt es kein Glück zu kaufen. Doch, natürlich: "Wer solche Fragen laut stellt, bricht ein Tabu." Wie gut, dass es eine wie Eva gibt, die sich einmal traut, dem Jud' hinter den Feindmächten in sein böse funkelndes Auge zu blicken! Eine Brecherin eines scheinbaren Tabus, die uns aus der Wüste der Wirklichkeit in das Gelobte Land des Eva-Prinzips führt, zu unser aller Heil! Klar, dass eine so mutige Prophetin von den powers that be mitunter persönlich angegriffen wird:

Das war nicht immer angenehm.

Aber Eva, ist es denn wirklich gar nicht angenehm, sich als heroische Kämpferin einer gerechten Sache zu gerieren? Sag selbst:

Aber die Sache ist zu wichtig, um mich einschüchtern zu lassen. Zu wichtig, um einfach so weiterzumachen wie bisher. Denn es geht um unsere Zukunft, um die Zukunft unserer Kinder, um den Fortbestand unserer Gesellschaft. Werden wir aussterben, wird unser Land in wenigen hundert Jahren brachliegen?

Wird der Türke, der Türke mit seiner verlausten Kinderschar zwischen den Ruinen des Reichstages spielen, den Überresten unseres Landes, unseres deutschen Volkes? In wenigen Äonen schon gar, in the year 2525? Hilf Eva, hilf! Kämpfe für uns, schreie, was wir nicht einmal zu flüstern wagen!

Offenbar war ausgesprochen worden, was viele denken, aber nicht zu sagen wagten.

So ist es, Schwester, man wird doch wohl noch mal sagen dürfen! Aber was ist das, man wirft Dir hässlich Heuchelei vor?

Eine Frau also, die alle Vorteile der Frauenbewegung für sich genutzt hatte und sie nun öffentlich mit Füßen trat?

Mach sie fertig, Mädchen, posiere als Ulrike Meinhof, Du kleine, liebe Hochstaplerin, und lenke so ganz charmant von der Tatsache ab, dass Du die Frage überhaupt nicht beantwortest:

Nicht trotz meines Berufes schrieb ich diese Bestandsaufnahme, sondern genau deswegen. Gerade als Journalistin werde ich ständig mit den Missständen unserer Gesellschaft konfrontiert, mit Themen wie Vereinsamung und Vernachlässigung, mit Problemen wie zerrütteten Familien und überforderten Frauen. Die Bilanz unserer gesellschaftlichen Entwicklung ist ernüchternd und beängstigend [...] Und ich versuchte herauszufinden, woran das lag.

Ja, woran? Was ist Dein Schlüssel, der die Welt eröffnet, Deine epochale Entdeckung der wirklichen Verhältnisse, Dein ewiger Jude?

Einige typische Feministinnen

Schließlich erkannte ich, dass wir Frauen umso weniger Kompromisse eingehen können, je stärker wir uns dem Prinzip der Selbstverwirklichung zuwenden. Nicht jeder Mann ist in der Lage, nachsichtig und großzügig darauf zu reagieren; und so muss man sich eingestehen, dass neben anderen Faktoren die viel gepriesene Emanzipation durchaus ihren Teil zu einer höheren Trennungsrate beiträgt.

So ist es, nur so, Wasser ist flüssig, der Papst ist Katholik, mehr Selbstverwirklichung bedeutet weniger Kompromisse, und an allem sind die Emanzen schuld, diese keifenden Hexen mit Latzhosen und Haaren unter den Armen! Und die Männer? Die sind halt so, wie sie sind und Punkt, und fertig gefügt ist Evas kleine Welt.

Doch wie kam sie zu dieser eines Religionsstifters würdigen Erleuchtung? Was ist ihre Höhle Hira, ihr Gabriel, der zu ihr sprach?

Erst als ich schwanger wurde, begann sich mein Weltbild zu verändern. Immer klarer wurde mir vor Augen geführt, dass ich nicht der Mittelpunkt war, für den ich mich gehalten hatte. Mein Blickfeld erweiterte sich, Empfindungen wie Empathie und Einfühlungsvermögen gewannen zunehmend an Raum.

In diesem ergreifenden Versuch eines einfachen Gemüts, komplexe Prosa zu schaffen, sehen wir schon den Keim künftiger Größe. Bekanntlich war ja auch Schicklgruber zu Anfang nur ein kleiner Gefreiter, und wohin hat er es endlich gebracht? Er behielt eben immer unbarmherzig seinen großen Feind im Blick:

die meist unverheirateten Feministinnen

In diese verschlüsselte Formulierung, die uns in leichten Abwandlungen im Verlaufe des Buches noch öfter begegnen wird, müssen wir nicht viel Interpretationswillen investieren, um zu erkennen, daß unsere Eva von den "unverheirateten" Frauen auf seltsam besessene Weise fasziniert scheint, und im Zusammenklang mit der eingangs zitierten Widmung für die "Urkönigin der Weiblichkeit" fällt uns so der erste, noch zarte Schlüssel zu Evas Welt in die Hand, geformt wie ein großes "L". Ziehen wir ihn auf unseren Bund.

Fortsetzung folgt...

25.07.2007

Kluges, Schönes, Witziges

Warum wir so gerne Celebrity-Klatsch konsumieren. Übrigens: Britney ist wieder in ihrer manischen Phase und wischt Welpenscheiße mit Chanelkleidern auf, während Lindsay besoffen und zugekokst ihrer Assistentin mit dem Auto hinterherrast. Was macht eigentlich Paris?

Wenn aber Hässliche sterben, sieht keiner hin.

Warum sind die meistbesuchten deutschen Blogs oft so kreuzlangweilig und doch die meistbesuchten deutschen Blogs? Weil sie die meistbesuchten deutschen Blogs sind.

Apropos Blogs: eine großartige Bildinterpretation.

Die Logos terroristischer Organisationen. Ob sie dafür einen Praktikanten nehmen?

Und Social-Networking-Spacken schreiben verkorkste Nachrichten an junge Frauen.

Die Selbstzwangsprostitution des Online"journalismus". Mehr Klicks, Olga!

Neuer Sport: Fremdwörter erfinden.

Und schließlich: Women in Film. Wer ist für Euch die Schönste?

09.07.2007

Andi gegen die Fliege

Die Fliege

Hier geht es zum Verdruss meiner entomologischen und auch meiner cineastischen Leser weder um das nervige Insekt noch um den gruseligen Horrorfilm mit Jeff Goldblum, sondern um die dafür noch viel nervigere und gruseligere Fliege aus dem Fernsehen, die Fliege Jürgen.

Da war ich also im Mai auf einem Kolloquium zur "Religion und Integration in Europa" bei der Theodor-Heuss-Stiftung in Stuttgart, und nach der Begrüßung durch die Organisatoren mit klingenden Namen, Ludwig Theodor Heuss und Beatrice von Weizsäcker, sprachen zuerst die diesjährigen Theodor-Heuss-Preisträger Rita Süssmuth und der Reis-ul-ulema Mustafa Cerić, der Großmufti von Bosnien und Herzegowina, zum Publikum.

Es ist immer interessant, Prominente einmal "in Wirklichkeit" zu sehen. Außer dem kleinen, beruhigenden Schock, dass sie tatsächlich echte Menschen sind und keine Roboter oder Hologramme, ist es für mich ausgesprochen spannend, sie einmal aus der Nähe beobachten und vielleicht dahinterkommen zu können, was sie ticken lässt. In Rita Süssmuths Fall scheint es selbst (unter Helmut Kohl?) erfahrene Ausgrenzung zu sein, die sie für in anderen Zusammenhängen gleich Behandelte eintreten lässt, und der hochgebildete, bewundernswert klar denkende und sprechende Großmufti wird offenbar von einem gerüttelten Maß Sendungsbewusstseins und Eitelkeit getrieben:

I thank you for those kind words of welcome.
It is good that my wife is here with me today so she can for once hear who I am.

(Lachen)

Unübertroffen und unübertrefflich in Eitelkeit, Narzissmus und Vanitas aber ist der als nächstes das Podium enternde multimediale Tausendsassa Jürgen "Stuben" Fliege. Braungebrannt, mit öligem Lächeln und bekannt samtener Stimme setzt er zu seiner Rede an, die man über sich rauschen lassen kann wie einen sanften karibischen Wellengang am feinsten Strand im schönsten Urlaub seines Lebens.

Die Fliege aus der Nähe

Oder man kann hinhören.

Und sich die Ohren freipopeln. Und die Augen rotreiben. Und den Unterkiefer vom Boden aufsammeln und das flüchten wollende Hirn durch die Nase zurückdrängen, weil man nicht glauben kann, was dieser scheinbar harmlose Fernsehonkel da sagt.

Wir Deutschen schrecken vor Gefühlen zurück, wegen dieser braunen Nazis.

Darum trauen wir uns nicht, leidenschaftliche Gottesdienste zu feiern.

Darum gehen wir nicht mehr in die Kirche.

Darum zeugen wir zuwenige Kinder.

Weil, so Prof. Dr. Fruchtfliege, nur Gläubige Kinder zeugen.

Und darum werden wir "weggezeugt", von diesen turbantragenden Muselmanen.

Schon mehr als "50%" Braune in manchen Schulklassen!

Deutschland erwache!!

Mein Stift bricht in meiner zur Faust verkrampften Hand fast entzwei, und ich überlege noch, ob ich jetzt zuschlagen oder nur buhen soll, da geht es leider schon weiter, und ein informativer Professor Bade aus Osnabrück und der eben eingeflogene Cem Özdemir berichten aus ihren Erfahrungen, bevor es nach einer halben Fragestunde in die Pause geht.

Kuchenstreusel versprühend und Kaffeeduft verbreitend, lasse ich mich dort gegenüber der derlei Ausbrüche gewohnten, mich erstaunlicherweise aber immer noch zu mögen scheinenden Freundin S. aus, wie unglaublich es ist, dass eine solch widerwärtige Demagogin, eine solch niedere Geistesmade, eine derartig perfide Hetzerin und Aufwieglerin wie die Pferdebremse auf Jahre unbemerkt in der Glotze und zwischen Buchdeckeln ihr Unwesen treiben kann, nur weil niemand von einem evangelischen Pfarrer mit wohligem Timbre Böses erwartet. Wie kann es sein, dass keiner aufsteht und der Fernsehfigur sagt, dass ihre sogenannten Gedanken nicht nur höchst zweidimensional und schwarzweiß sind, sondern auch und besonders schädlich für die Gesundheit?

S. weiß auch keine Antwort, aber schlägt vor, dass ich das doch dem Fliegenmenschen selbst sagen soll, in jener der drei anschließenden Arbeitsgruppen, in der er sitzen wird. Aber aus Rücksicht auf mein bekannt schwaches Herz, und weil ich in der Gruppe auch wirklich arbeiten will und nicht nur nach einem unbedachten Moment vom SEK BW auf den Boden gedrückt werden, und weil ich nicht glaube, einem so in seinem eigenen Spiegelkabinett verirrten Wesen wie Musca domestica noch heraushelfen zu können, und auch, weil zwanzig tatsächliche Zuhörer weniger sind als sechs Milliarden mögliche Leser, gehe ich in die Gruppe mit den Professoren Süssmuth und Bade.

Dort kann die geschätzte ehemalige Bundestagspräsidentin zwar auch nicht die mir seit längerem eher rätselhafte Frage beantworten, warum Integration und Migration politisch nicht richtig vorankommen, wenn die Probleme doch weitestgehend bekannt und in einigen Fällen sogar bis auf die Detailursache hinab wissenschaftlich untersucht sind, meine Vermutung ist ja, dass es mal wieder an der hierzulande so beliebten Ideologie liegt, die immer meilenweit vor jeglichem Pragmatismus kommt, aber die Arbeit ist trotzdem interessant, unterhaltsam und produktiv, und Klaus Bade erzählt sogar aus dem Nähkästchen, wie Rita Süssmuth von den Schergen eines gewissen Otto-Katalog unehrenhaft aus der nach ihr benannten Zuwanderungskommission gemobbt wurde. Die große Politik ist auch nur ein kleiner Sandkasten, wie alles.

So verlasse ich nach dem Schlussplenum den Tagungsort doch noch zufrieden, und mir bleibt nur ein leichtes Unbehagen, nicht genug gegen den braungebrannten Brandstifter aus dem Nachmittagsprogramm, die Fliege Jürgen getan zu haben.

Sei dies hiermit erledigt.

Die Fliege am Ende

21.06.2007

Frau Ferres lässt richtigstellen

Wenn das Geld in der Abmahnkasse klingt, die Seel' aus dem Fegefeuer springt.

Man hat mir freundlich zugetragen, dass meine große Liebe etwas an dem schmeichelnden PR-Stück auszusetzen bzw. richtigzustellen hatte, das sich in der letzten Ausgabe der "DB mobil" fand, dass sich diese Richtigstellung in der neuesten Ausgabe des Zugblattes fände und dass man jetzt immer, wenn man Veronica Ferres sähe oder hörte, an mich denken und dann laut lachen müsse. Semper aliquid haeret - geht halt in beide Richtungen.

Verstohlen also in einen vergewissert noch einige Zeit stehenden Zug geschlichen, nervös nach links und rechts blickend ein Exemplar unter den fleckigen Trenchcoat geschoben und in der dunkelsten Ecke des Bahnhofes Seite 10 aufgeschlagen, der wir folgende Korrekturen entnehmen konnten:
  • Keinesfalls gibt es in Frau Ferres' Terminkalender einen Eintrag, der sie an ihren Feierabend erinnern soll, damit sie nicht vergisst, ihrer kleinen Tochter eine Gutenachtgeschichte vorzulesen. Vielmehr gibt es in Frau Ferres' kleiner Tochter einen Feierabend, der sie daran erinnern soll, ihrer Gutenachtgeschichte einen Terminkalender einzutragen.
  • Keinesfalls ist die von V.F. mitgegründete Filmproduktionsfirma dazu da, V.F. zu vermarkten. Vielmehr soll die Firma V.F.s identische, aber bis ins Mark böse Zwillingsschwester Feronika Verres vermarkten. Interessantes Faktum am Rande: Diese Verres ist tatsächlich eine Nachfahrin des berühmten und bis ins Mark korrupten römischen Politikers Gaius Verres.
  • Veronica F. macht auch gar nicht mehr so viel Werbung. Es ist auch nicht wahr, daß Oh-Zwei Ferres' Gesicht mit Industrielasern in den Mond graviert hat.
  • Und schließlich hat V. Ferres nicht etwa eine eigene Moral, sondern einen eigenen Leitfaden. Es handelt sich dabei um ein 10 cm dickes Hanftau, mit dem früher das 12.000 TEU-Containerschiff "Pearl of Kanchanaburi" im Hafen von Jakarta festgemacht war.
Mit einem seltsamen Geschmack im Mund bin ich nach Hause gegangen und habe nachgedacht. Darüber, wer das eigentlich ist, diese Frau Ferres. Wie die so tickt. Was die so in den Deutschen zum Ticken bringt und manchmal, hust, zum Austicken. Und warum eigentlich.

Erste Denkstation: dieses Interview mit einer ziemlich offenen Veronica darüber, wie Michael Douglas sie vernaschen wollte, wie Ingo Appelt sich über sie lustig gemacht hat und wie unglücklich sie in ihrer Jugend war. Und wie in einem Regenbogen spannt sich schon hier das ganze sichtbare Spektrum der Frau F. auf, von der "schönsten Frau Deutschlands" zur Zielscheibe der Nation, von der "deutschen Sharon Stone" zu Wilhelm Genazinos W- äh... M- hm... M- "Muse". Warum strahlt Frau Ferres von der Gamma- bis zur Radiowelle?

Weil ICH MEINE, DASS sie wenig Selbstschutz hat.

Für alle mitlesenden Partner und Associates: Der in Versalien gesetzte Teil verdeutlicht, dass es sich beim letzten Satz nicht etwa um eine abmahnfähige Tatsachenbehauptung handelt, sondern um meine persönliche Meinung, die nicht bedeutender oder tragkräftiger ist als meine andere Meinungsäußerung, dass ICH MEINE, DASS das deutsche Abmahnsystem das Schlechteste aus allen darin Beteiligten hervorholt und dass die, die es für sich ausnutzen, langsam und bei vollem Bewusstsein in der Hölle verbrennen werden, was ich ihnen ausdrücklich und aus ganzem Herzen wünsche.

Zurück zum Thema. Aus obiger Meinung folgt, ebenfalls meinend, dass, wer wenig Selbstschutz hat, durchlässig ist für Projektionen, Wünsche und Ängste aller Art, dadurch Gedanken und Taten katalysierend, endlich Menschen polarisierend. Spekulationen, wie und warum Veronica wurde, wie sie ist, sind müßig und möglicherweise teuer, auch wenn meine entsprechenden Vermutungen fast gerichtsfest sein müssten, wenn ich das Leben nur ein wenig kenne. Hier reicht es, festzustellen, dass die meiner Meinung nach niederen Mauern des F.schen Selbst auch das Niedere und das Innere aus ihren Betrachtern hervorholen, die eigenen Seelen in der blanken Offenheit der ihren widerspiegeln.

Hurtig über die Frage, was das für meinen Fall Ferres heißt, hinweg, zur Antwort darauf, was es für die Schauspielerin selbst bedeutet:

ICH DENKE, alles geht ihr nahe.

Darum die abrupte Ablehnung von Genazinos Stück. Darum die bis ins Bizarre detaillierten Richtigstellungen. Darum die, wie ich denke, obsessive Kontrolle des öffentlichen Images. Darum die, wie ich meine, rabiaten Rechtsmittel. Darum das, wie ich glaube, Jaulen und Beißen wie ein panisches, verwundetes Tier.

I've got a blister from touching everything I see The abyss opens up It steals everything from me

Wie gut sich wohl Courtney Love und Veronica Ferres verstehen würden?

Vielleicht lesen sie ja, durch einen glücklichen Zufall, diesen Tip: Offenheit ist gut. Tausendmal lieber ein Katalysator, der die Menschen so werden macht, wie sie sind, als ein Panzer, vor dem sie sich verhärten und die Bazooka schultern. Aber je offener das Fahrzeug, desto fester muss der Fahrer sein, wetterbeständig, mit Brille gegen Fliegen, Jackie-Kopftuch fürs Haar und Fuß sicher auf dem Gas. Das kann man lernen. Das sollte man sogar lernen.

Damit man weniger zubeißen muss.

Damit man weniger kontrollieren muss.

Damit man weniger richtig stellen mus, sondern richtig ist.

Meine ich.

Weiß ich.

01.04.2007

Westdeutschlandreise, Teil 1

Wieder mit dem Zug unterwegs. Ich bin kaum in den Intercity gestiegen, da lacht sie mich schon an. Ihre langen blonden Haare flattern im Gebläse der Klimaanlage. Ihre Augen leuchten tausendfach schöner als der Rhein, und weit verführerischer als die Ströme schmiegen sich ihre Kurven. Als wir langsam die Loreley passieren, muss sie kichern, und es klingt wie Glocken aus Kristall. Ich lege zärtlich meinen Arm um sie und küsse leidenschaftlich ihren Erdbeermund.

Bis ich in Köln umsteigen muss, bleiben unsere Lippen und unsere Herzen unzertrennlich, und nur die Bilder unserer kurzen, aber umso heftigeren Liebe können mich heute über ihren Verlust hinwegtrösten. Lasst mich eins mit Euch teilen.

Sie und ich

Wann immer ich in Bahnhöfen auf meine Anschlüsse warten muss, gehe ich in die örtlichen Zeitschriftenläden, um womöglich ein neues Magazin kennenzulernen, ein gutes Buch zu finden oder mich wenigstens über all die absurden Titel und Nischen zu amüsieren, die es gibt. In Aachen aber wandelt sich mein Amüsement zum vielleicht ersten Mal bewusst in Irritation, Befremdung, ja Abscheu. Nicht genug, dass der deutsche Journalismus sich, wie erst kürzlich an dieser Stelle referiert, heute schon auf seinen eigenen Titelblättern und -bildern intellektuell wie emotional komplett bankrott meldet, wenn er nicht gerade seinen Lesern einen Fuß ins Gesicht und eine Hand in die Tasche schiebt; nein, der deutsche Buchmarkt steht ihm darin in nichts nach.

Ich fange erst gar nicht von den Heidenreich-Bestsellern an, Titel wie "Rauchen ist gar nicht schädlich! Dr. Marlboro", "In Deutschland habt Ihr es doch gut, liebe Juden. Hadolf Itler" und ähnliche Schnullerliteratur für scheinbar Erwachsene machen sich schon von selbst lächerlich genug, aber dass es heutzutage hunderte Seiten starke Ratgeber für alles und jeden und auch das genaue Gegenteil gibt, erschreckt mich doch einigermaßen. Ist es wirklich schon so weit, dass der Rudi zehn Diagramme braucht, um zu lernen, wie man sich seinen Arsch auswischt, dass die Uschi sich von einer "Sexpertin" schreiben lassen muss, dass man Penisse nicht wie Grapefruits ausquetscht, und dass der Ulf-Jürgen nachlesen muss, dass Selbstbewusstsein im Job, in der Liebe und auch auf dem Wochenmarkt weiterhilft, wo der moderne Köln-Kalker natürlich am liebsten in riesigen Mengen Bärlauch und Pinienkerne kauft, was denn sonst? Müssen wir uns wirklich schon den Schwanz beim Pissen halten lassen? Und wenn es so ist, was hindert den bösen Terrormann dann eigentlich noch daran, uns endlich zu erobern, und zurecht, oh so zurecht? Unendliche Müdigkeit umfängt mich.

Fast erfrischend ist es inmitten all solcher nackten Heuchelei, perversen Geldgier und obszönen Menschenverachtung, vor dem Tittenregal zu stehen und sich zu informieren, warum Anja (23) aus Schwäbisch Gmünd vom "Po-Sex" auch dreimal am Tag nicht genug kriegen kann, warum jeder auf Waltrauds (55) unheimlich und wirklich gewaltig großen Hängebusen ejakulieren sollte und wie die "schwarze Perle" Keisha (19) aus Halle-Dautzsch es mir besser als jede andere besorgen wird, "bis der Kolben bricht". Bei den Titten maßt man sich wenigstens noch nicht an, besser als der Leser wissen zu wollen, wie die Welt funktioniert, und muss die "Hiroshima-Bombenärsche" auch nicht hinter 2.000 Zeilen Geseier vor ihm pseudoverstecken wie im "Spiegel", sondern holt ihn dort ab, wo er buchstäblich steht, und sorgt so für Befriedigung beim Käufer und Verkäufer gleichermaßen. Trotz sinkender Auflage der einschlägigen Zeitschriften scheint das Internet wie in so vielem auch hier dafür zu sorgen, dass ehrlicher, seine Kunden ernstnehmender Handel vorerst noch die Angriffe von allen Seiten überleben wird, und so steige ich in den Zug in die Niederlande, beruhigt, dass solange die allermeisten, die von Suchmaschinen auf mein Blog kommen, weiter Muschis und keine Katzen sehen wollen, es auch genug andere geben wird, die ihnen genau jene verkaufen werden und nicht diese:

Eine scharfe Muschi

Irgendwann passiert die Regionalbahn die Grenze, und ich weiß gar nicht wo, und ich bin immer noch nicht fertig, mich zu wundern, wie wenig sich die Europäer über diese weltgeschichtlich fast einmalige Anomalie wundern, ausgerechnet die Europäer, die noch jede Grenze, ob auf ihrem oder allen anderen Kontinenten, in tausendfachem Menschenblut gezeichnet haben, da bin ich schon mit einem der etwas abgeratzten niederländischen Züge durch den Sonnenuntergang nach Maastricht gefahren und werde von Freundin A. abgeholt, deren Lobpreis selbst den länglichen Rahmen dieses Eintrages bis in die Exosphäre sprengen würde. Darum folgt hier nur noch der Punkt.

23.02.2007

Andis Namen bei Starbucks 1

But what's this long face about, Mr. Starbuck; wilt thou not chase the white whale? art not game for Moby Dick?

Heute habe ich zum ersten Mal bei einer Bestellung im Starbucks einen falschen Vornamen angegeben. Ein seltsam befreiendes Gefühl und der Beginn einer weiteren kleinen Serie für diese Seiten.

Welchen Namen? Für den Anfang nur eine einfache kleine Ehrbezeugung für das Elter, von dem noch vor wenigen kurzen Monaten niemand, niemand auf der Welt gedacht hätte, dass es einmal das verantwortlichere von beiden sein könnte.

Wenn das andere aber zu einem mit Regenschirmen SUVs zerstörenden Skinhead geworden ist, kann das geschehen.

Und man sich daher "Kevin" nennen.

Full Vinyl Jacket

25.01.2007

Fall Ferres, finis

Da war doch noch was ...

Nachdem sich die Sache geklärt hatte, brauchte ich erstmal Abstand von der Causa, weswegen ich etwas sträflich lange nicht darüber geschrieben habe, aber eine aktuelle Anfrage könnte dazu führen, dass-

Halt Andi, halt! Die Sache hat sich geklärt?!

Ja. Ulrich Amelung hat mir geschrieben, auf Papier sogar, im Oktober schon. Auf Papier deshalb, weil er in meinem Blog, den er "in den vergangenen Wochen durchaus mit Vergnügen" gelesen habe, meine Klage vernommen habe, dass ich für all das angedrohte Geld noch nicht ein Stück Papier in Händen gehalten habe.

Surreal? Metareferenziell postironisch? Es kommt noch besser: Er habe meinem Blog auch entnommen, dass ich, anders als manche meiner "Kommentatoren", wenigstens ein gewisses Verständnis für Veronica Ferres' Rechte aufbringe, und da weder sie noch er meinen Studienabschluss gefährden wollten, beschränke er sich auf eine dreistellige Rechnung. Mind you, auf dieselbe Weise dreistellig, wie ein quadratischer Klotz sich in ein rundes Loch fügt, aber dreistellig. Ich habe mit Ach und etwas Krach gezahlt und eine Unterlassungsverpflichtungserklärung unterschrieben, und das war's.

Ich könnte jetzt bildschirmlang darüber philosophieren, was diese postmodernen Meta-Metareferenzialitäten und escherschen Verknotungen für unser aller Leben bedeuten, vielleicht sollte ich ja auch offener über meine Lieben schreiben, Freundin A. aus M. an der E. berichtet, dass dies zu erstaunlich guten Ergebnissen führe, aber diese Geistesübung überlasse ich dem geneigten Leser als Hausaufgabe. Für heute.

Meta-Verknotungen

Für heute bedanke ich mich lieber bei Udo Vetter vom law blog und Felix Schwenzel von wirres.net, die nicht nur einmal, sondern jeweils zweimal in ihren vielbesuchten Blogs über meinen Fall berichtet und mir damit viele hilfreiche Kommentatoren und Unterstützer beschert haben, bei allen weiteren Helfern, Verlinkern, Mutzusprechern, Freunden und Kritikern, Ihr rockt!, und auch bei dem, der gar nichts begriffen hat, sein Eintrag war schließlich der Auslöser für diesen meinen, in dem ich Tacitus zitieren konnte. Sweet.

Der Rest ist Schweigen und Denken. Und mit Alexander Endls Blog den Punkt setzen.

03.11.2006

Habermas ist so satt, mag kein Blatt

Es ist beileibe nicht so, dass es mir immer nur Spaß machen würde, Recht zu behalten. Ich würde wirklich, wirklich gerne morgens erwachen und sagen, "Oh, schon wieder kein Kriegstoter, kein Opfer von Rassenhass, keine ausgestorbene Tierart heute, womit ich nunmehr das dreißigste Jahr in Folge ununterbrochen falsch liege. Ach Mist! Was wollen wir frühstücken, Angelina?"

Aber dass Joachim Fest sich noch aus seinem eigenen Grab heraus nicht zu schade ist, meinen armen alten Helden Habermas wider besseres Wissen zu bezichtigen, ein vermeintlich kompromittierendes Dokument aus seiner Hitlerjungenzeit gegessen, ja, gegessen zu haben, nur weil dieser jenem und Ernst Nolte im Historikerstreit vor zwanzig Jahren übrigens mehr als zurecht widersprochen und damit Fests grenzenloses Ego auf offenbar für immer unverzeihliche Weise getroffen hat, das wundert mich nun allerspätestens seit Juli 2005 nicht mehr. Und dass das selbsternannte Intellektuellenmagazin der Republik, der "Cicero", das diese Intellektualität unter anderem durch den Abdruck von Eva Hermans Thesen eindrucksvoll widerlegt, auf fast noch perfidere Weise als Fest selbst diesem beipflichtet, das ist leider auch keine Überraschung mehr. Hat schon seinen Grund, die üblichen Verdächtigen zu verhaften.

Update [25.01.07]: Fests Sohn sagt, sein Vater sei in seinen letzten Lebensmonaten so krank gewesen, dass er nicht mehr am inkriminierten und inkriminierenden Manuskript arbeiten und es in dieser Sache korrigieren konnte, wenngleich er wohl noch einige Kindheitserinnerungen diktierte und ein Interview gab. Hm.