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09.12.2025

Wie Russland Rekruten für die Ukraine gewinnt

Gut erklärt hier.

Deutsche Russlandversteher:innen verstehen das nicht, weil für sie die durchschnittliche russische Frau Anna Karenina ist und der durchschnittliche Mann Michail Gorbatschow, aber:
  • Das russische Leben selbst in den Metropolen Moskau und St. Petersburg ist relativ hart, arm und brutal; für die Peripherie gilt das vielfach stärker. Z.B. in der Oblast Omsk ist das BIP pro Kopf halb so hoch wie in ganz Russland und nur ein Viertel des Moskauers. Die für die Rekrutierung in die Armee gebotenen Summen sind also absolut transformativ und verlockend gerade für Ärmere.
  • Die Wahrheit über die Bedingungen an der Front und die sehr kurze Lebenserwartung neuer Soldaten wird von den russischen Medien natürlich verschwiegen, aber die meisten Russ:innen sind auch willens, für die imperiale Ausdehnung ihres Landes zu kämpfen und zu leiden, siehe entsprechende Umfragen.
  • Unter der Regierung zu leiden, keine Rechtsstaatlichkeit zu haben, gar gnadenlos vom Kreml verheizt zu werden sind historische Konstanten in Russland, mit denen sich die Bevölkerung über die Jahrhunderte psychologisch gut arrangiert hat und die sie lange durchhalten kann! Motto: "Ja der Zar knechtet uns, Что поделать? Aber wir sind groß und stark und man fürchtet uns. Und mit diesem einen Trick werde ich reich und kann dann selber knechten!"
  • Auf politisch-ökonomische Ebene gehoben bedeutet das, dass die Armee ihre Rekrutierungsziele vorwiegend mit älteren, ärmeren, oft geringqualifizierten Männern aus den Provinzen erfüllen kann, die schon zuvor öffentlich marginalisiert waren (also nicht laut protestieren werden), während eventuell entstehender Arbeitskräftemangel durch Ausländer wie z.B. Inder gedeckt wird, was Putin eben erst mit Premierminister Modi arrangiert hat. Ewig kann das natürlich nicht so weitergehen, weil es irgendwann selbst von diesen Leuten nicht mehr genug gibt, aber es könnte leider lange genug weitergehen, bis der Ukraine und dem Westen die Puste ausgehen und ehe die russische Wirtschaft einknickt.
Wie bei quasi allen anderen Analysen dieses Konflikts, egal von welchem Winkel her, gilt also auch hier: Wir müssen die Ukraine ausreichend bewaffnen, befähigen und unterstützen, den Invasor ganz hinauszuwerfen, und danach das Putinregime auf unbestimmte Zeit hart containen.

01.08.2021

Klimakrise, Canto III

Per me si va ne la città dolente,
per me si va ne l'etterno dolore,
per me si va tra la perduta gente.

Giustizia mosse il mio alto fattore;
fecemi la divina podestate,
la somma sapïenza e 'l primo amore.

Dinanzi a me non fuor cose create
se non etterne, e io etterno duro.
Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate.

Hier nun in aller mir möglichen Klarheit und Fundamentalität, warum die Klimakrise das vielleicht größte Problem ist, dem sich die Menschheit je gegenübergesehen hat, und warum es wenig Anlass zur Hoffnung gibt. Ein andermal mehr dazu, was daraus folgt.

Je mehr Kohlendioxid es in der Atmosphäre gibt, desto mehr erwärmt sich die Erde. Dieser sogenannte Treibhauseffekt wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Svante Arrhenius entdeckt und gehört zu den gesichertesten wissenschaftlichen Theorien überhaupt. Seit dem Beginn der industriellen Revolution um 1750 haben wir Menschen über 1,5 Billionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen, genug, um die atmosphärische Kohlendioxidkonzentration von 280 Teilen pro Million auf heute 417 steigen zu lassen. Dies hat bereits zu einer Erderwärmung von über einem Grad Celsius verglichen mit der vorindustriellen Zeit geführt, und wenn weltweit mit den derzeitigen Maßnahmen fortgefahren wird, könnte es zu einer Erwärmung von insgesamt um die drei Grad kommen.

Das klingt nicht nach viel. Aber wir sehen schon heute eine Zunahme von Extremwetterereignissen, Zusammenbrüche von Ökosystemen, Dürren, Waldbrände, Hitzewellen, steigende Meeresspiegel und zahllose andere Phänomene, die womöglich unumkehrbar sind, sobald sie Kipppunkte überschritten haben wie z.B. ein zu starkes Abschmelzen des Polareises. Je wärmer es wird, desto häufiger und verheerender werden diese Ereignisse werden, mit katastrophalen Folgen für uns Menschen und den Rest der Biosphäre wie massive Ernteausfälle, Wasserknappheit, verbrannte Habitate, tödliche Temperaturen, überflutete Küstenregionen, folglich massive Migrationen, Konflikte um die verbleibenden Ressourcen, Kriege; in einem Wort ein ärmeres, kürzeres und viel gefährlicheres Leben für Milliarden, für Jahrzehnte.

Das ist nun alles überhaupt nichts Neues und sollte jedem, der oder die in den letzten Jahren mal Nachrichten gesehen, gehört oder gelesen, Dokumentationen oder fiktionale Werke konsumiert oder auch nur mal mit seinen Freund:innen über mehr als den besten Grill und Bayern München gesprochen hat, geläufig sein. Die Physik ist unabweislich. Dennoch leugnen anscheinend immer noch viele, wenn nicht die meisten, diese Realitäten wenn nicht explizit, so doch implizit, weil sie bisher weder ihr individuelles Handeln noch ihr Wahlverhalten oder ihr kollektives Agieren, von einzelnen rühmlichen Ausnahmen wie Fridays for Future abgesehen, signifikant geändert haben. Ganz so, als würde sich der Planet nicht oder erst in vielen Jahren erwärmen und es nicht zu den bereits heute zu beobachtenden verheerenden Folgen kommen. Oder so, als könnten wir die kommenden Katastrophen wie in einem Film im letzten Moment durch einen Deus ex machina in Form "technologischer Lösungen" o.ä. heroisch abwenden.

Aber die Physik ist unabweislich. Überschrittene Kipppunkte sind ipso facto unumkehrbar, z.B. absorbiert ein durch Abschmelzen eisfreies Polarmeer zuviel Hitze, um noch große Eismengen bilden zu können, die in einem sich selbst verstärkenden Prozess zu wieder mehr Eis führen würden. Ausgestoßenes CO2 braucht Jahrzehnte, um seine volle Erhitzungswirkung zu entfalten. Die gängigen Schätzungen, wie viele Treibhausgase wir in welchen (sehr kurzen) Zeiträumen einsparen bzw. mit heute nicht reif und sicher skalierbaren Technologien aus der Atmosphäre ziehen müssen, um mit einer Wahrscheinlichkeit von 50-66% (!) eine als "tolerabel" geltende Erwärmung von 1,5°C nicht zu überschreiten, beziehen u.a. Kipppunkte, Rückkopplungen, durch Umweltverschmutzung derzeit noch stattfindende Erdkühlung usw. nicht ein, weil dies hochdynamische und in vielem noch nicht ausreichend erforschte und quantifizierte Phänomene sind. Und sowieso müssten wir - ohne, wie geschrieben, eher fiktive Negativemissionstechnologien - ab jetzt die weltweiten Emissionen jährlich um 15% reduzieren, um bis 2040 Klimaneutralität erreicht zu haben - eine Geschwindigkeit, die gerade einmal für ein paar Jahre in Syrien erreicht wurde. Von 2011 bis 2014.

Die. Physik. Ist. Unabweislich.

Das Tor zur Hölle

Wir halten einen großen Revolver an unsere Schläfe und werden in jedem Fall abdrücken. In mindestens drei der Kammern sind Kugeln, wenn nicht in vier, fünf oder gar allen sechs. Zur Einstimmung haben wir uns schon einen dicken Feuerwerkskörper in den Fuß gejagt und einen zweiten angezündet, der auf unser Auge zielt. Jetzt können wir nur noch bestimmen, wie schnell wir abdrücken, und vielleicht schon Notoperationsbesteck bereitlegen, aber nicht mehr aufhören, am Abzug zu ziehen, und irgendwann, auch wenn er noch nicht ganz durchgezogen ist, kann es "Klick" machen. Und dennoch stehen wir jeden Morgen gemütlich auf, machen unseren Kaffee, gehen zur Arbeit, schauen später fern und machen dann noch Liebe mit unseren Partner:innen. Alles mit diesen wirklich riesigen Revolvern an unseren Schläfen. Und im September wählen wir Parteien, von denen selbst die vorgeblich ökologischste und die die Klimakrise am Besten verstehende inadäquate Maßnahmen vorschlägt, um die gerontokratischer- und inhärenterweise jegliche Veränderung fürchtende deutsche Wähler:innenschaft nicht zu verprellen bzw. sie die Existenz dieses Revolvers vergessen zu machen.

Wäre das nur in Deutschland so, könnte die Welt es noch verschmerzen.

Aber die Ziele des Pariser Abkommens sind nicht genug.

Die Länder halten diese Ziele in ihren nationalen Plänen nicht ein und versprechen bisher nur 1% Emissionssenkung bis 2030, wo 45% nötig wären (verglichen mit dem Niveau von 2010).

Und was wollen wir wetten, dass die Länder selbst die stark abgeschwächten Ziele in ihren Plänen nicht einhalten werden, wenn etwas scheinbar Wichtigeres dazwischenkommt?

Zum Beispiel ein vermeintlicher Antagonismus zwischen Klimaschutz und Wohlstand (in Wahrheit kann es ohne Klimaschutz keinen Wohlstand geben). Zum Beispiel neue Gelbwesten. Zum Beispiel übertrieben an Besitzständen klebende Wähler:innen (denen diese Besitzstände ohne Klimaschutz jedoch buchstäblich wegschwimmen, verbrennen oder austrocknen werden). Zum Beispiel, zum Beispiel, zum Beispiel. Der Beispiele finden sich viele für dieses Problem individuellen und kollektiven Handelns, das vielleicht größte Problem, dem sich die Menschheit je gegenübergesehen hat, und das darum auch die größte gemeinsame Anstrengung bräuchte, die die Menschheit je gesehen hat. Eine Anstrengung, die wenn nicht vor 30 Jahren, so doch jetzt sofort beginnen müsste, doch die nirgendwo zu sehen ist. Und die Uhr tickt immer lauter. Und wir ziehen und ziehen am Abzug des Revolvers und warten und hoffen, dass es nicht Klick macht.

Aber das wird es.

Queste parole di colore oscuro
vid' ïo scritte al sommo d'una porta;
per ch'io: "Maestro, il senso lor m'è duro."

Ed elli a me, come persona accorta:
"Qui si convien lasciare ogne sospetto;
ogne viltà convien che qui sia morta.

Noi siam venuti al loco ov' i' t'ho detto
che tu vedrai le genti dolorose
c'hanno perduto il ben de l'intelletto."

30.06.2021

Was ich bloggen will

Hier und da habe ich mich in der Vergangenheit rhetorisch, aber auch wirklich gefragt, was ich noch bloggen soll, nachdem ich nach einigen Jahren intensiven Schreibens das Gefühl gehabt hatte, alles gesagt zu haben, was ich sagen wollte und konnte. Doch nach zehn Jahren Abwesenheit, mannigfaltigen Welt- und Eigenläuften in der Zwischenzeit und bei Betrachtung so einiger unvollendeter Baustellen dieses Blogs (immerhin "Those were the days" habe ich mittlerweile zum Ende geführt) ist die Liste der Themen, über die ich meinen und belegen möchte, wieder stark angestiegen. Hier ist sie in alphabetischer Reihenfolge, und ich freue mich über jegliche Kommentare, Ergänzungen und Kritik. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Update [08.09.22]: Noch mehr neue Themen hinzugefügt.
Update [11.07.21]: Einige neue Themen hinzugefügt.
  • Abtreibung und die rückständige Unterleibspolitik generell in Deutschland
  • Antiamerikanismus
  • Antisemitismus in Deutschland
  • Atheismus/Säkularismus/Laizismus und deren mangelhafte Umsetzung in Deutschland bzw. Decken des christlichen Klerus, selbst wenn er furchtbarste Verbrechen begeht
  • Das deutsche Bildungssystem und seine Selektion
  • Die bröckelnde Brandmauer von Mitte-Rechts gegen ganz rechts bzw. die gefährliche ideologische Entleerung des Konservatismus bzw. aufkeimender Faschismus
  • Bundestagswahl 2021
  • Dark Enlightenment/Blackpill
  • Deutschland und die Deutschen
  • Die "DDR" als Unrechtsstaat und die besorgniserregende Weigerung vieler Politiker:innen, sie so zu nennen
  • Politische Desillusionierung in der Covid-Pandemie
  • Der in jeder Hinsicht spektakulär gescheiterte "Krieg gegen Drogen"
  • Drohnen
  • Wie es ist, ein Elter zu sein
  • Embourgeoisement
  • Immer flachere Emotionen in Filmen
  • Die gescheiterte Entnazifizierung in Deutschland
  • Die scheiternde europäische Außenpolitik, z.B. in Syrien, Libyen und Afghanistan
  • Fake News/Truthiness/Propaganda
  • Feminismus/Emanzipation für Frauen, Männer und alle anderen
  • Freiheit als einziger Grundwert
  • Die Grünen/Ökoablässe/Performative Nachhaltigkeit
  • Hass und Meinungsfreiheit im Netz
  • Katarina Witt/Opportunismus und Leben im Falschen
  • Klimakrise
  • "The Last of Us"
  • Law-and-Order-Politik bzw. übertriebene Terrorangst
  • Leben ohne Angst vor dem unvermeidlichen Tod
  • Mein Leben seit 2011
  • Libertarismus
  • Sogenannter Linksextremismus
  • Der Niedergang der Medien in der Aufmerksamkeitsökonomie
  • Angela Merkels katastrophale Kanzlerschaft
  • Globale Moral (Ubuntu)
  • Das majestätische "nahtlose Hemd" der katholischen Lebensethik, das viele Katholik:innen heute nicht mehr verstehen
  • Nahostkonflikt
  • Deutscher Nationalpazifismus
  • Die Organisation der Ehemaligen Staats-Sicherheits-Angehörigen (GEZ)
  • Paternalismus
  • Polyamorie
  • Populismus: When they go low, they win
  • Post-Kapitalismus? Capitalist Realism sensu Mark Fisher, nur noch Konsum und Arbeit als Ersatzideologien
  • Post-Privacy?
  • Eine neue, prometheische Linke
  • Prostitution und andere sexualisierte Gewalt
  • Putinismus/Das wunderliche Verhältnis vieler Deutschen zu Russland
  • "Rationalismus"/Szientismus als Irrweg einer vermeintlich logischen Weltanschauung
  • Politisches Realignment
  • Das nicht zukunftsfähige deutsche Rentensystem
  • Terrorismus/Osama bin Laden hat gewonnen
  • Transhumanismus und anderer technischer Fortschritt
  • Ungleichheit
  • "Exiting the Vampire Castle"/Woke-ismus
  • Verrechtlichung von Klimazielen
  • Verfehlte Wohnungspolitik
  • Zukunft der Arbeit Reprise
  • ...

29.06.2021

Nachträgliches 1

Wie angekündigt, habe ich nun damit begonnen, meine besten Texte von anderen Plattformen hierher zu übertragen und zu den Zeitpunkten zu veröffentlichen, an denen ich sie ursprünglich verfasst hatte. Den Anfang habe ich mit Twitter gemacht. Ich habe dort unter anderem (teils auf Englisch) geschrieben über ...

Politisches Realignment an den Beispielen der britischen Wahlen 2019 und der SPD.

Die besorgniserregende Zukunft der amerikanischen Demokratie nach Trump in einem, zwei und drei Posts.

Das seltsame, unrealistische Verhältnis der SPD zu Russland.

Gedanken zur kommenden Bundestagswahl und zu offenbar immer schlechteren Politiker:innenentscheidungen.

Warum die Militarisierung der deutschen Polizei ominös und unbedingt abzulehnen ist.

Und schließlich, wie anders die Welt hätte sein können, wenn eine gewisse Monica L. nicht als Praktikantin für das Weiße Haus ausgewählt worden wäre.

22.04.2021

Warum entscheiden Politiker:innen immer schlechter?

Irgendwas scheint ganz grundsätzlich nicht (mehr) bei Entscheidungen von Politiker:innen zu stimmen, nicht nur in der Coronakrise.

Und wir müssen etwas tun, sonst wird es nur noch schlimmer.

Ich bin wohl naiv. Aber wenn ich davon ausgehe, dass Politiker:innen nicht nur gewählt werden wollen, um wiedergewählt zu werden, sondern um politisch zu gestalten, gehe ich davon aus, dass sie für Entscheidungen 1) Informationen beschaffen und 2) diese interpretieren müssen.

1) Wie beschafft man Informationen? Zum Beispiel indem man
  • Liest: Bücher, Paper, Zeitungen, Veröffentlichungen parlamentarischer wissenschaftlicher Dienste, das Internet usw.
  • Sieht: Nachrichten, Dokus, Wissenschaftssendungen usw.
  • Zuhört: Gespräche mit Expert:innen, Mitarbeitenden, Bürger:innen ...
Zum Beispiel könnte man erwarten, dass der Bundesminister für Gesundheit zu Entscheidungen über die Eindämmung der Pandemie u.a. Virolog:innen, Aerosolforscher:innen und Mediziner:innen befragt, aber auch z.B. Ökonom:innen über wirtschaftliche Auswirkungen, neue Papers liest usw. Barack Obama hat berühmterweise jeden (!) Abend einen dicken Ordner zum Lesen erhalten und dazu einen Stapel weiterer Ordner mit Hintergrundinfos und auch gelesen. Vom Präsidenten eines der wichtigsten Länder der Welt würde man nicht weniger erwarten.

Und in Deutschland? Da berichtet die Virologin Melanie Brinkmann, dass sich bei MinisterpräsidentInnenkonferenzen einige Teilnehmende nicht mal die Mühe gemacht hätten, ihr für drei Minuten (!) zuzuhören. Ein großer gesellschaftlicher Aufschrei blieb jedoch aus.

2) Fast noch wichtiger als Informationen zu beschaffen ist es aber, diese zu interpretieren. Zum Beispiel:
  • Die Seriosität der Informationen an sich beurteilen
  • Die Seriosität und die Interessen der Quellen beurteilen
  • Die Informationen gewichten, kurz- und langfristig
  • Modellierungen und Szenarien hinterfragen usw.
Eine grundlegende natur-, geistes- und sozialwissenschaftliche, aber auch u.a. kulturelle Allgemeinbildung ist dabei hilfreich, Informationen einzuordnen. Zum Beispiel:
  • Was sind die Eigenschaften von Exponentialfunktionen?
  • Wie werden Medikamente hergestellt und zugelassen?
  • Wie ist es, zu ersticken?
  • Motiviert es Menschen mehr, durch den Nebel zu stochern oder ein klares, wenn auch schweres Ziel vor Augen zu haben?
  • Wie ergeht es Gesellschaften, die ihren Politiker:innen nicht mehr vertrauen?
  • Was sind die wichtigsten Ziele des Grundgesetzes?
  • Usw.
Das muss nicht nur Buchwissen sein: Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock hat nach eigener Aussage u.a. deshalb viel Impfstoff für das Vereinigte Königreich bestellt, gegen die Empfehlung seiner Berater:innen (!), weil er zufällig gerade den Film "Contagion" gesehen hatte.

Was wären die Alternativen dazu, vor Entscheidungen 1) Informationen zu beschaffen und 2) diese zu interpretieren?
  • Ganz uninformiert zu entscheiden (Modell Trump)
  • Auf Grundlage der letzten erhaltenen oder zufällig gemerkter Informationen zu entscheiden (wieder Trump)
  • Korrupt zu entscheiden (Modell Scheuer)
  • Mal so und mal so zu entscheiden, weil man Informationen nicht interpretieren kann, z.B. keine Exponentialfunktionen versteht (Modell Laschet).
Es sollte klar sein, dass das keine guten Modelle sind, zumal in so stürmischen Zeiten.

Doch in der deutschen Politik scheint etwas grundsätzlich nicht mehr zu stimmen, denn diese vier schlechten Modelle nehmen überhand, und sinnvolle Entscheidungen wie z.B. "NoCovid" oder viel härtere Klimaschutzmaßnahmen werden nicht getroffen oder auf die lange Bank geschoben. Meine These ist nun, dass das nicht nur an Lobbygeld, Angst vor Abwahl, vermeintlich harte Entscheidungen abstrafenden Wähler:innen usw. liegt, sondern auch an schlechten Informationsbeschaffungs- und Interpretationsprozessen von Politiker:innen.

Warum ist das so? Einige Erklärungsansätze:
  • Zu viele oder zu wenige, zu homogene Berater:innen
  • Zu wenig Zeit, sich gründlich zu informieren
  • Schlechte Kenntnisse in Quellenkritik
  • Mangelnde vor allem natur- und sozialwissenschaftliche Bildung, bei Jurist:innen z.B. Iudex non calculat.
Lösungsansätze könnten so zum Beispiel sein:
  • Breiter aufgestellte Beratung
  • Lesezeit statt z.B. Besuchen beim lokalen Schützenfest
  • "Wie informiere ich mich"-Seminare für Abgeordnete
  • Mehr Repräsentant:innen mit anderen als juristischen/akademischen Hintergründen.
Und was denkt ihr?

18.12.2013

Abmahnungen in Deutschland

Mal unabhängig vom konkreten Fall, in dem vor allem die Herkunft der abgemahnten IP-Adressen (über eine Phishingseite namens retdube?), die von interessierter Seite propagierte und von auch im Jahr 2013 noch in der Lochkartenära steckenden Gerichten abgesegnete Auffassung, dass Streams wegen ihrer Speicherung in Caches unerlaubte Vervielfältigungen seien (dann wären es alle Internetvideos), und die anscheinend bewusste Hintergehung selbigen rückständigen Gerichts durch IT-Technobabble als besonders problematisch hervorstechen, also mal unabhängig von diesen Fragen, die alleine schon Bücher füllen könnten und in dieser mal speichelleckenden, mal devot Stichworte gebenden Farce eines Interviews höchstens in byzantinischer Verklausulierung angesprochen werden ...

... sind Abmahnungen an sich ein nützliches Rechtsinstrument, um teure und mühsame Verfahren zu vermeiden. Zum Problem werden sie dadurch, dass die selbst bei Lappalien hohen Streitwerte das Honorar der Abmahnanwält:innen bestimmen, das in jedem Fall von dem oder der Abgemahnten bezahlt werden muss, und die Streitwerte von den Anwält:innen selbst bestimmt werden. In Verknüpfung mit der Existenz des Internets bedeutet das, dass findige Kanzleien einfach die Praktikantin oder den Praktikanten z.B. "Veronica Ferres Trompete" (willkürlich gewähltes Beispiel) googeln lassen und alle gefundenen Seiten wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte mit einem Brief aus Textbausteinen abmahnen, für sagen wir 10.000 Euro Streitwert, also 1500 Euro Honorar. Aufwand = Praktikant:innengehalt (400 Euro/Monat für 60 Stunden/Woche), Ertrag = €€€. Wetten, dass die Große Koalition nichts daran ändern wird?

28.03.2013

Die Kettensägentheorie der sozialen Interaktion

Bei Lidl gibt es wieder preiswerte elektrische Kettensägen, und ich denke wieder an meine "Kettensägentheorie der sozialen Interaktion", die bisher leider von jedem Journal abgelehnt wurde. Üble Wissenschaftsmafia! Dabei ist die Theorie so einfach wie brillant: "Jedes soziale Problem (bis auf eines) kann durch eine Kettensäge gelöst werden."

- "Wie, ich kriege keine Gehaltserhöhung?" BRRRRRRRRR
- "Was, Du willst mich verlassen?" RRR-RRR-RRR
- "Oh, ich habe mich ausgesperrt!" TSCHAK-TSCHAK-WRRRRRR.

Das eine nicht lösbare Problem ist übrigens "Was, wir haben keinen Strom?" - TSCHAK-TSCHAK-TSCHAK - "Oh, stimmt". Dafür arbeite ich an einer Erweiterung der Theorie, Arbeitstitel: "Die Machetenextension der Kettensägentheorie der sozialen Interaktion".

19.02.2012

How companies learn your secrets

A very interesting read, and a good reminder that big data is one of the next great frontiers of innovation and productivity. I should keep improving my SPSS skills then. But I'd have more of a problem with government knowing everything about me than companies. At least firms only want to sell me stuff, not regulate my life.

31.01.2010

Links, Links, Links

Dieser Eintrag war auf jeden Fall schon mindestens Ende Januar, wenn nicht noch viel früher fertig und wurde keinesfalls verschlagen rückdatiert, nur um in jedem Monat der letzten fünf Jahre wenigstens einen Eintrag zu haben, nein mein Herr, ahaha! Haha.

Zur Einstimmung etwas Musik - "Storm" von Tim Minchin:

Danach: "Crazy in Love", wundervoll gecovert von Antony und den Johnsons:

Nun Wissen: Wie schlecht und gefährlich die von Abermillionen amerikanischen Christen gelesenen "Left Behind"-Bücher sind. Wie man seine kreationistische Oma überzeugt. Wieso Gott keine Amputierten heilt (Protip: Weil es ihn nicht gibt). Wie schwul Tiere sind. Wie man ein Laufrad baut. Wie man die Pharmaindustrie verteidigt. Wieso wir doch nicht so egoistisch sind. Wieso der Krieg gegen die Drogen gescheitert ist. Wieso Obamas erstes Jahr erfolgreich war. Wie das Leben eines jungen amerikanischen Soldaten aussieht (sehr berührend). Wie Günter Wallraff Rassismus in Deutschland suchte und fand. Wie verkommen, pharaonisch und zurecht zum Untergang verdammt Dubai ist, Johann Hari ist der beste Journalist ever! Schließlich: Der Ludwig lacht, dem Leser gefriert das Lachen.

Erinnern wir uns noch an diesen Eintrag? Über ein altes, sehr zentrales Thema dieses Blogs, dass Rektaluntersuchungen unsere Freiheit zerstören nämlich, Zentimeter für Zentimeter? Habe ich schon erwähnt, dass jemand im Herbst einen saudischen Prinzen mit einer Bombe in die Luft sprengen wollte, die er in seinem Arsch geschmuggelt hat? Zusammen mit dem weihnachtlichen Unterhosenbomber kann es auf solche Bedrohungen nur eine sinnvolle Antwort geben: Eier. Wir müssen uns Eier wachsen lassen, endlich ein paar gute Ovarien, und aufhören zu glauben, es gäbe absolute Sicherheit.

Wer Eier hat, riesige: Die aktive walisische Rugbylegende Gareth Thomas, die sich als schwul geoutet hat. Wann werden es ihm unsere feigen Waschlappen von deutschen Fußballern nachmachen? Aber gut, wer eine so unglaublich reife und menschliche Frau wie Jemma Thomas gewinnen konnte, scheint ein weit stärkerer Charakter zu sein als der durchschnittliche Ehemann einer deutschen Spielerfrau. Go Gareth go!

Zum Schluss noch ein Lehrvideo: ... and then Buffy staked Edward. The End.

31.03.2009

Moar Links

Is Jon Stewart the Most Trusted Man in America? Na warum nicht, er ist ja auch der letzte Journalist in Amerika. Und ein mensch. Dass seine reine Existenz in diesem Land nicht möglich wäre, geschweige denn, dass man ihn je ins Fernsehen lassen würde, brauche ich nicht zu erwähnen. Amerika, du hast es besser!

Warum Leute (US)-Republikaner wählen. Kann man wohl nichts machen. Oder doch?

Imagine proposing to build Vegas in a place where sex and drugs and rock and roll are an anathema. Ich hasse Dubai auch.

The Secret Diary of Cameron Baum, a Terminator. Sehr genießbare "Sarah Connor Chronicles"-Fanfiction. Die Serie selbst ist letzthin auch ganz groß, hoffentlich gibt man ihr eine verdiente dritte Staffel.

Für ein Experiment lässt sich Familie Mantel ihre fünf Fernseher wegnehmen. Danach Warten auf den Tod.

Jürgen Habermas ist auch mit fast 80 noch geistig frisch und perzeptiv wie ein aufstrebender Jungwissenschaftler. Ich möchte sein Gehirn haben. Braaaiiiinns!

Yay for science!

Und zuletzt: Wie man mit Kreationisten umgeht. Never gets old.

12.08.2008

Rechte Links

Heh, ich sammele das Zeug!

Trotzdem beginne ich mit einem Nichtlink, weil ich der 9/11-"Truth"-Bewegung nicht einen Klick mehr bescheren will. Es ist unendlich, unendlich deprimierend, Website über Website zu lesen, auf der nominell erwachsene, universitätsgebildete Menschen allen Ernstes behaupten, die US-Regierung habe die Telefonanrufe von Flug 93 per Sprachcomputer gefälscht und dann die unschuldigen Passagiere in einem Hangar vergast. Erneut, ich bin nicht religiös, aber ich kann in gewissen Weisen verstehen, wenn Menschen an etwas jenseits des Erklärbaren glauben. Nicht aber, wenn sie an etwas glauben, was anders erklärt ist, so wasserdicht, wie es bei einem Kriminalfall nur möglich ist. Ich entwickele dann Phantasien, von denen ein de Sade noch lernen könnte. Ich möchte würgen, stechen und schlachten, bis ich, mit Hirn und Blut besudelt, über den dampfenden Leichen stehe und brülle, kapiert Ihr's jetzt?, bis mir das SEK zurecht fünfmal in den Kopf schießt. Kurz, es ist nicht schön.

Wie beruhigend darum, wie tröstend, wie lehrreich, wie James Meigs und David Dunbar, die Herausgeber des Magazins "Popular Mechanics" und des fraglos famosen Buchs "Debunking 9/11 Myths" in dieser Fernsehdiskussion mit den Rattenkönigen der "Truth"-Bewegung und "Köpfen" hinter der "Dokumentation" "Loose Change", Dylan Avery und Jason Bermas, umgehen. Immer ruhig, immer sachlich und immer sympathisch lassen die beiden im besten Sinne Erwachsenen die "Truther" als die bis in die Körpersprache hinein paranoiden Fanatiker dastehen, die sie sind, weit über den Zeitpunkt hinaus, an dem ich über den Tisch gesprungen wäre und die respektlosen Früchtchen im Namen Newtons schreiend erwürgt hätte. Sehr instruktiv.

Jetzt was Lustiges: Titten! Aber was steht denn da Unkomisches am Ende?

Na egal, hier sind Internet-Porno-Statistiken. Dazu die zehn häufigsten Suchbegriffe, mit denen die Leute im Juli auf mein Blog gekommen sind: "Loteria Primitiva", "Veronika Ferres nackt", "Ariadne von Schirach", "Klitoris", "Andreas Lazar", "Ferres nackt", "Lotteria Primitiva", "Andis Soapbox", "Strukki" und "Veronica Ferres nackt". "Krummer Schwanz" hat es diesmal leider nicht ganz in die Top Ten geschafft, aber ich bin zuversichtlich, dass es in Zukunft genug "Onlineshopper" und "Zeit-Online-Leser" geben wird, um unseren Kleinen zumindest einmal über diese Schwelle zu heben.

Nun etwas Wissen: über die Zukunft kommerzieller Raumfahrt. Und unbemannte Flugzeuge. Wie die Société Générale betrogen wurde. Warum wir schon in der "Gattaca"-Gesellschaft leben. Oder doch nicht? Warum es in Afghanistan sehr schlecht aussieht. Warum die Jugend zu konformistisch ist. Und warum es der Welt trotz allem gut geht.

Dazwischen: Wow, hat Maxim Biller recht! Über Brecht, über die "Friedens"bewegung, über Moral und vor allem über deutsche Bücher und Filme, kaum ein Satz, den ich nicht dick unterstreichen, nicht lang zitieren möchte. Alles, was ich über Juli Zeh gesagt habe und noch mehr, großartig von einem wenigstens hierin Geistesverwandten ausgedrückt. Klasse!

Dann aber einiges an Moral: Wir sollten nicht von den Früchten des giftigen Baums naschen. Aber auf die ehemalige US-Generaloberstabsärztin Joycelyn Elders hören. Nach humanitären Katastrophen nicht Engagement heucheln, sondern lieber jetzt Georgien helfen. Hierzulande Vorwahlen einführen. Öfter knutschen. Häusliche Gewalt beenden, ich liebe, bewundere und verehre Patrick Stewart. Und endlich den Unterschied von Freiheit und Sicherheit verstehen, was für ein großartiger Artikel.

Kurz vor dem Ende zwei Videos zum Mitlachen: World Map Master Lilly weiß, wo alle Länder hängen, Orson Welles aber nicht so genau, wo er selbst ist, ich könnte Stunden über sein "Mwaaahhhahhhh" lachen!

Schließlich noch was zum Auslachen: "Gleitender Sorgfaltsmaßstab" ist mein orwellsches Wort des Jahres. Wäh wäh, meine Kommentierer sind so schlimm? Als einer, der im guten alten toten Usenet online-großgeworden ist, sage ich: Lasst Euch Eier wachsen und schlagt Eure Trolle tot, Ihr gottverdammten, latteschlürfenden, volvofahrenden Vollkornhippies! Aber was rege ich mich auf, die Deutschen können ja ohnehin nicht richtig bloggen. Doch die bösen Briten machen Genexperimente! Und das ist auch gut so. Nicht gut: Die bööööösen Mobber im WWW. Ist es vom heutigen deutschen "Journalismus" zuviel verlangt, darauf hinzuweisen, dass auch die "Zeit"-Mutter Holtzbrinck mit SchülerVZ eine dieser höllenhaften "Schwatzbuden" unterhält? Ach so, das würde die ganze Prämisse der Hetzschrift unterminieren? Hmm ...

Zuletzt aber: nur gute Nachrichten. Ein schönes Ende!

28.07.2008

Kurzkritiken der Kulturproduktion

"Moby-Dick", als Livehörspiel im Stuttgarter Staatstheater gesehen, ist eine große Abenteuergeschichte mit rauhen Seebären, Stürmen und Harpunen, und Thomas Eisen und Bernd Gnann geben sich mit weißen Melonen, rasselnden Ketten und hämmernden Holzbeinen kreativ und gekonnt Mühe, sie vor Augen und Ohren erstehen zu lassen. Doch "Moby-Dick" ist auch so viel mehr, von dem an diesem Abend aber fast nichts zu hören ist.

"Der Kick" dagegen, den wir auch mal gespielt haben, erzählt eine im Grunde kleine Geschichte eines Mordes in der brandenburgischen Provinz. Aber was der ausnehmend begabte Regisseur Andres Veiel und seine Schauspieler Susanne-Marie Wrage und Markus Lerch, die auch in der hier verlinkten abgefilmten Fassung des Stücks zu sehen sind, mit nichts als schwarzen Alltagsklamotten, einem Bauwagen und einer Holzbank daraus auffächern, ist erschütternd und großartig. Unbedingt ansehen!

"The Last Hero" ist eine wunderschöne Geschichte, in der alles stimmt, von den liebenswerten (Carrot) oder wenigstens beeindruckenden (Vetinari) Figuren über den fantasievollen Plot bis zu den herrlichen Illustrationen, an denen man sich kaum sattsehen kann. Aber warum wirkt dann "Making Money" vom selben Terry Pratchett so müde und die Geschichte so lustlos, und warum scheinen die Charaktere nur noch so zu heißen wie ihre geliebten Inkarnationen in früheren "Discworld"-Büchern, aber nun von nicht besonders begabten oder sympathischen Hochstaplern gespielt zu werden, selbst mein ewig bewunderter Havelock Vetinari? Ich traue mich kaum, es zu fragen, aber kann es sein, dass Pratchetts beginnender Alzheimer sich schon auf sein Schreiben auszuwirken beginnt? Hoffentlich bald gute Besserung!

"Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" von Walter Benjamin schließlich ist trotz seines Klassikerstatus ein in vieler Hinsicht typisch ärgerliches geisteswissenschaftliches Paper: Weder Abstract noch Zusammenfassung, weder klare Punkte noch präzise Begriffe erleichtern die Lektüre. Fast dreißig Seiten blubbert Benjamin, doch seine eigentliche Aussage lässt sich in einer tautologischen Zeile zusammenfassen: Die Einzigartigkeit von Kunstwerken geht verloren, wenn sie nicht mehr einzigartig sind. Das hätte ich auch schreiben können!

Soviel für diesmal.

27.07.2008

Banned

Ich habe es tatsächlich geschafft; zum ersten Mal in meinem Leben habe ich auf einer Website Hausverbot erhalten.

Anna Kühnes Blog kennen die Leser dieser Holzkiste hier vielleicht noch aus einer Empfehlung im März letzten Jahres, obwohl ich mittlerweile gemerkt habe, dass jener schöne Artikel gar nicht von der Blogmistress selbst ist.

Was ich seither auch gemerkt habe, ist, dass Anna Kühne ein, zartfühlend formuliert, ambivalentes Verhältnis zur objektiven Realität hat. So glaubt sie zum Beispiel an 9/11-Verschwörungstheorien.

Und boy, ist das Kryptonit für mich. Boy.

Kryptonit

Ich bin Atheist, aber wenn ich eine Religion habe, dann die Wissenschaft. Weil die Wissenschaft das Leben besser macht. Weil Wissenschaft heißt, dass weniger Menschen in kalten Höhlen an unbehandelten Säbelzahntigerwunden sterben müssen, und mehr Menschen ihr erstes Lebensjahr überleben. Wissenschaft ist angewandtes Mitgefühl.

Man muss das nicht aktiv honorieren, nicht selbst Wissenschaftler werden oder sowas, man kann auch ruhig die Gefahren der Wissenschaft beschwören, stimmt ja sogar manchmal, denn passive Nutzung der unglaublichen Früchte der wissenschaftlichen Methode scheint mir Ehrbezeugung genug, qui tacet consentire videtur, und wer unser modernes Utopia auf Erden ablehnt, kann ja immer noch zurück in die Höhle ziehen und mit 35 sterben.

Aber bei Gott, man kann nicht die Prinzipien ablehnen, auf denen die Wissenschaft fußt, und das auch noch als Gipfel aller Gipfel der Heuchelei mit Mitteln, die nur existieren, weil es diese Prinzipien gibt, wie Videokameras und Computer. Ich möchte jeden mit voller Wucht ohrfeigen, der nur lebt, weil es diese Prinzipien gibt, und nicht mal den gottverdammten grundlegenden Anstand hat, sie wenigstens f'ing zu kennen, sie, die ihm jeden Tag, Sekunde für Sekunde reinsten weißen Zucker ins Rektum blasen. Ich möchte jeden mit härtesten Gammastrahlen beschießen, der glaubt, 250 Kilo schwer im Aragorn-Shirt in Mamas Keller sitzend, mit seinem Abschluß in Mythologie und englischer Literatur definitiv anhand körniger YouTube-Videos in 320x240 entscheiden zu können, dass WTC 7 gesprengt wurde, weil es, arrgh, arrrrrrrrrrgh, bekanntlich keine einfachere Methode gibt, die zahllosen minutiösen Dokumente und Protokolle der ultrageheimen jüdisch-freimaurerischen Terrorverschwörung verschwinden zu lassen, als das Gebäude, in dem sie gelagert wurden, am Nachmittag in die Luft zu jagen, Stunden, nachdem die beiden Türme nebenan eingestürzt sind, arrrgh. Das gibt noch nicht einmal menschlich Sinn, geschweige denn nach den wissenschaftlichen Prinzipien der Objektivität und Logik.

Diese Prinzipen sagen nichts Anderes, als dass A gleich A ist oder 2 + 2 = 4, "1984" ist eins der besten Bücher, das es gibt, und Orwell ein Genie. Wenn man sich einig ist, dass A = A ist, wenn es also Vergleichbarkeit gibt und Überprüfbarkeit und ein gemeinsames Fundament, auch wenn es immer löchrig sein wird, danke Gödel, Du Arsch, Du Genie, dann entsteht Wissenschaft, dann entsteht Freiheit.

Und umgekehrt heißt, sie abzulehnen, zu sagen, dass A gleich B ist oder gleich Zwetschgendatschi, Dank an meine Grundschulmathelehrerin für dieses Mem, oder dass 2 + 2 = 5 ist und Krieg Frieden, jede gemeinsame Grundlage aufzukündigen, jede Möglichkeit der Verständigung abzulehnen, also Aberglaube, Tyrannei, die Höhle. Wenn es keine objektive Realität gibt, auf die man sich einigen kann, Argumente also keine Macht haben, wer sagt, dass der große Skarabäus nicht die Sonnenkugel über den Himmel rollt, gibt es nichts mehr als das Recht des Stärkeren, nichts mehr als seinen Terror. Orwell war wirklich ein f'ing Genie.

Allein aus ihrer Selbsterhaltung heraus sollte man also meinen, dass Anna Kühnes Aufforderung, eine Gegenmeinung zur Darstellung des "Muslim-Marktes" über Samir Kuntar und seine Taten einzustellen (wir erinnern uns, Samir Kuntar, der verurteilte Kindermörder), ernst gemeint und ihr Wissensdurst echt ist, zumal der "Muslim-Markt", erneut zartfühlend formuliert, keine sehr neutrale Quelle ist.

No dice. Dieser mein Kommentar wurde schnellstmöglich gelöscht und ich verbannt.

Mein Kommentar bei Anna Kühne

Ich akzeptiere die Idee des digitalen Hausrechts, auch wenn in meinem Internetheim von mir aus jeder so wüten darf, wie er will, unter anderem deshalb, weil ich in über zehn Jahren online noch keinen größeren Gorilla getroffen habe als mich und von den fast gleich starken Affen mit am meisten gelernt habe, doch falls ich wie in meinen ebenfalls gelöschten Kommentaren zu Anna Kühnes 9/11-Aberglauben zu schnippisch oder bösartig war, soll sie mich ruhig löschen und bannen, es tut mir im Interesse größerer Überzeugungskraft manchmal auch ganz gut, die Gammastrahlenkanone gestopft zu kriegen.

Aber trotzdem ist Samir Kuntar ein verurteilter Mörder.

Hell, man sieht im Yediot-Aharonot-Report ja buchstäblich noch die Gehirnmasse der kleinen Einat Haran am Gewehr kleben. Und gleich wer sie in welchem Ton vorträgt, diese Wahrheit bleibt eine Wahrheit, und es ist wie schon bei den 9/11-Fantasien unglaubliches Kryptonit für mich, dass es Menschen gibt, denen diese Wahrheit nicht zugänglich zu sein scheint, die lieber an komplett gekaufte Richter und Pathologen, Hologrammflugzeuge und zur Aktenvernichtung gesprengte Hochhäuser glauben als daran, dass A = A ist.

Denn wenn das auch nur für eine spürbare Minderheit in diesen oder anderen Fällen der Fall ist, welche Hoffnung gibt es dann, sie jemals mit der Macht der Worte und dem zwanglosen Zwang des besseren Arguments zu überzeugen? Welchen demokratischen Instrumenten sind sie zugänglich? Welche andere Wahl gibt es dann, als sie mit dem Schwert zu zwingen? Wie soll man einem Geist, der sich nur dem Recht des Stärkeren beugt, anders begegnen als mit Gewalt? Muss man Krieg führen, um Frieden zu gewinnen?

Und sei es nur insoweit, einen kleinen Kommentar zu einem anklagenden Eintrag aufzublasen?

Vielleicht ist das das grundlegende Problem jeder Politik, jeder Gesellschaft. Und vielleicht muss die Antwort Ja lauten, mit Vorsicht und nie leicht, aber eindeutig Ja. Barack Obama:

I'm left then with Lincoln, who like no man before or since understood both the deliberative function of our democracy and the limits of such deliberation. We remember him for the firmness and depth of his convictions — his unyielding opposition to slavery and his determination that a house divided could not stand. But his presidency was guided by a practicality that would distress us today, a practicality that led him to test various bargains with the South in order to maintain the Union without war; to appoint and discard general after general, strategy after strategy, once war broke out; to stretch the Constitution to the breaking point in order to see the war through to a successful conclusion. I like to believe that for Lincoln, it was never a matter of abandoning conviction for the sake of expediency. Rather, it was a matter of maintaining within himself the balance between two contradictory ideas — that we must talk and reach for common understandings, precisely because all of us are imperfect and can never act with the certainty that God is on our side; and yet at times we must act nonetheless, as if we are certain, protected from error only by providence. That self-awareness, that humility, led Lincoln to advance his principles through the framework of our democracy, through speeches and debate, through the reasoned arguments that might appeal to the better angels of our nature. It was this same humility that allowed him, once the conversation between North and South broke down and war became inevitable, to resist the temptation to demonize the fathers and sons who did battle on the other side, or to diminish the horror of war, no matter how just it might be. The blood of slaves reminds us that our pragmatism can sometimes be moral cowardice. Lincoln, and those buried at Gettysburg, remind us that we should pursue our own absolute truths only if we acknowledge that there may be a terrible price to pay.

Wohlan denn.

02.07.2008

Videoabend 8: Telekolleg

So viele tolle Filmchen und so wenig Zeit ...

I'm gonna fuck your mom.

Ein Karikaturist erzählt faszinierend von seiner Arbeit.

Marions Köder. Kein Kommentar, oder ich komme in den Knast.

Randy Pauschs letzte Vorlesung in Kurzform.

Was aus dem Wahlkampf, dem amerikanischen: Hillarys 3 a.m.-Mädchen wählt Obama, Obama selbst spielt und spricht sympathisch über Basketball und ziemlich beeindruckend über Rassismus und Reverend Wright. Batman kommentiert die Wahl, Reverend Moon wirkt verrückt hinter den Kulissen, "Big Joooooohn" wird besungen, der Weg in den Krieg im Detail gezeigt, und die CBS-Reporterin Lara Logan berichtet unglaublich bewegend, unglaublich tough und unglaublich sexy, was denn?, aus Afghanistan und dem Irak.

Gegen Ende ein wenig Musik. Kermit der Frosch singt "Hurt":

Schließlich, ähm, sind diese beiden Artikel über weibliche Ejakulation f'ing faszinierend, und dieses Lehrvideo über, hemm, Tacoessen ist nicht nur fantastisch instruktiv, sondern auch extrem, heh, sättigend. Frohes Pauken!

MEPHISTOPHELES
Grau, teurer Freund, ist alle Theorie,
Und grün des Lebens goldner Baum.

01.03.2008

I <3 debating

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich debattieren liebe? Nur warum?

Ich war in Hamburg, und wir sind abends mit zwei Kisten Bier in einer Barkasse durch die wunderschöne Speicherstadt gefahren und an Post-Panamax-Containerschiffen vorbei, und Baby, ich weiß, dass ein Container zwanzig mal acht mal neuneinhalb Fuß misst und große Schiffe über 300 Meter lang und 40 Meter breit sind, um mehr als 9000 Container tragen zu können, aber so ein Ding von unten zu sehen, so ein Monster, und dabei zu erkennen, dass es doch nur ein winziges Körperchen des globalen Blutkreislaufs ist, macht gleichermaßen staunend wie demütig und ist so inspirierend wie herausfordernd. Die Welt ist groß!

Ich war in Mainz, und auf diesem hervorragend organisierten Turnier gab es nicht nur ein tolles Finale im rheinland-pfälzischen Landtag und eine ausgedehnte, sehr fröhliche Weinprobe mit der amtierenden rheinhessischen Weinkönigin, wobei ich durch die schnellste Beantwortung der Quizfrage, welches Weinanbaugebiet in Deutschland denn das größte sei (Tip: nicht die Toskana), ein informatives Buch über das "Weinland Rheinhessen" gewinnen konnte, sondern auch eine schöne Kostümparty, für die ich endlich wieder meine Galauniform aus dem Großen Vaterländischen Krieg entmotten durfte. Der Osten, meine Liebe ...

Towarisch Lazar im Dienst

Schließlich war ich wie schon letztes Jahr auf dem englischsprachigen Turnier in Bremen, nach dem Jurieren in Hamburg und Mainz diesmal wieder als Redner, und von der herzlichen internationalen Atmosphäre und der herausfordernden Konkurrenz so befeuert, dass ich mit Teampartner T. und etwas Glück tatsächlich bis ins Finale in der beeindruckend schönen Oberen Halle des Bremer Rathauses gekommen bin, wo wir gegen einen ehemaligen Weltmeister und seine nicht minder kompetente Mitrednerin zwar keine große Chance hatten, aber dafür extrem viel Spaß. Yay for debating!!

Ich in Bremen

Wundert es da noch, dass Köln mein 25. Turnier sein wird?

26.10.2007

Wissenswertes zum Wochenende

Deprimierendes

Genies haben noch weniger Sex als Idioten. Die Geschichte meines Lebens?

Naja, hier und in diesem großartigen Interview kann ich ja lernen, wie man sich selbst einen bläst.

Nur Spaß! Beim letzten Versuch hätte ich mir beinahe ein Auge ausgestochen.

Vielleicht sollte ich mir stattdessen beibringen, so wunderschön wie ein Tigerschnegel zu lieben:

Oder sollte ich mich doch besser zuerst selbst hacken?

So oder so, was Tony Blair als Premierminister gelernt hat, kann man nur doppelt und dreifach unterschreiben. Aber warum, warum, warum hat er sich dann als Bushs Vasall verdingt?

Die Welt ist eben einfach schlecht. Zum Beispiel in Usbekistan, über dessen Leid sich aber natürlich niemand aufregt. Vielleicht sollten ein paar Juden oder Amerikaner oder am Besten jüdische Amerikaner einige hungernde Usbeken verprügeln, fürs Fernsehen und so.

Und kompliziert ist sie auch, diese Welt. Zum Beispiel im Yasukuni-Schrein.

Und ungerecht, zum Beispiel für Hausmänner, sehr guter Artikel.

Trotzdem ein schönes Wochenende!

16.09.2007

Lotería Primitiva

Lotería Primitiva

Ein Brief aus Spanien, in fehlerlosen Druckbuchstaben adressiert an "LAZAR ANDREAS C." Vielleicht eine Nachricht von der besten aller Schwestern A., die sich zur Zeit dortig aufhält? Aber warum dann nicht einfach eine Karte?

Ich öffne den Brief und erfahre, dass ich im "internationalen Programm" der "Lotería Primitiva" 815.510 Euro "(ACHT HUNGRED UND FÜNFZEHN TAUSEND FÜNFHUNDERT UND 10 EURO)" gewonnen habe. Endlich! Schluss mit Überziehungszinsen und Studiengebührenleid!! Der Schläger auf dem Campus hat zum letzten Mal mein Milchgeld abgezockt, jetzt können meine Bodyguards sich Bodyguards kaufen, die sich zwergwüchsige Filipinos kaufen, die ihn mit goldenen Knüppeln verprügeln und mit Diamanten steinigen!!! Mwaha-bwahahahahaa!!!!

Dann aber meldet sich dieses manchmal sehr nervige, unabschaltbare Ding in meinem Hinterkopf und empfiehlt mir, doch noch mal genauer hinzusehen. Wieso sind die Stempel fotokopiert? Kann sich die spanische Lotterie keine bessere Übersetzung als diese absolut lausige leisten? Wieso soll ich bis zur Penisgröße, für drei Ziffern ist leider kein Platz, alles angeben, um die Zahlung zu erhalten? Und warum gewinne ich eigentlich in einer Lotterie, an der ich nicht teilgenommen habe?

Papa Google gefragt und mit dem ersten Treffer Gewissheit erlangt.

Ich zweifle nicht, dass die Leser dieses Blogs, von deren ölglitzernden Götterkörpern ich jede Nacht seufzend träume und aus deren vollkommenen Nasen literweise Blut schießt, weil ihre gewaltigen Gehirne gegen ihre Schädel drücken, gegen solchen Betrug gefeit sind, aber vielleicht hilft dies weniger gestählten Seelen.

Und bringt mehr Klicks.

01.07.2007

Guter Journalismus

Ich bin ja kein Journalist. Und ich finde es weitgehend gefährlich, Sachen und Taten nach laienhaften Maßstäben zu beurteilen, weil man dann schnell mit dem "gesunden" Volksempfinden und "Die sollen doch einfach..." statt mit Vernunft und Verständnis zur Hand ist. Zumindest ein wenig Huhn sollte man sein, wenn man ein Ei beurteilen will.

Dennoch kann man, dies vorausgesetzt, auch als Amateur sagen, ob es einem schmeckt oder nicht, und auch warum. Und wenn in der deutschen Medienbatterie epidemisch sklavische Agenturhörigkeit, Recherchetiefen selbst unter günstigsten Bedingungen von null, hündisches Kuschen vor den Mächtigen, den Herausforderungen und den Wahrheiten, demagogische Hetze, abstoßende Hinterhofprostitution für die allerdreckigsten Werbekunden, aufgeblasenes Nichtssagen in 5000 Zeilen und die sorgsame Vermeidung jeder noch so klitzeklein fundierten eigenen Meinung vorherrschen, riecht der Karton bei mir nach Schwefel.

Und zwar brechreizerregend.

Warum muss ich erst aus dem "Economist" erfahren, dass Hartmut Mehdorn vielleicht doch nicht der Totengräber der Deutschen Bahn ist? Oder dass es nicht nur an der jüdischen Gier der bösen Manager liegt, dass Profite und Löhne sich entkoppelt haben? Oder dass diese gemeinen polnischen Klempner doch nicht die Vorboten der Apokalypse, sondern ein Vorteil für unsere Wirtschaft sind? Oder dass der "Krieg gegen Drogen" zutiefst verlogen ist? Oder dass in Sierra Leone Dinge passiert sind, die Günther Beckstein sofort indizieren würde, wenn er wie ein Mensch Mitleid empfinden könnte? Oder dass diese Dinge bis heute im Sudan passieren? Oder dass es überhaupt einen Ort namens Swasiland gibt? Oder klare, beißende Meinungen zur Unsinnigkeit des Verbots der Holocaustleugnung oder über Putins Liebling, den tschetschenischen Räuberfürsten Ramsan Kadyrow hören, hier ist noch eine? Usw. etc. pp., und dann habe ich noch gar nichts zu den vielen, vielen, vielen, wirklich sehr vielen weniger politischen und hauptsächlich informativen, manchmal auch herrlich skurrilen, liebenswert menschlichen oder sehr berührenden Artikeln gesagt, die fast alle deutschen Redaktionen äußerst alt aussehen lassen.

Wenn guter Journalismus heißt, die wesentlichen Fakten herauszufinden - wie wäre ein gutes Urteil ohne Kenntnis der Fakten möglich, auch wenn sie nicht alles sind und längst nicht allein die Welt erklären, wie mir jetzt T. ins Ohr brüllen würde, meine immer weise, nie diplomatische Allerliebste - und die aus ihnen je nach Weltanschauung erwachsenden Konsequenzen fundiert, meinungsstark und knapp auch gegen Werbekunden und andere Widerstände zu vertreten - was heißt freies, mutiges und überzeugendes Denken sonst -, und guter Journalismus für eine gute Demokratie überlebensnotwendig ist - wie soll man informierte Entscheidungen treffen, wenn man nicht informiert ist -, was heißt es dann für unser Land, wenn ein britisches Wochenmagazin unsere gesamte Presse, von Funk und Fernsehen ganz zu schweigen, derart leichthin vorführen kann?

Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Aber bis dahin bleibe ich, weil mir Deutschland am Herzen liegt, beim "Economist".

21.06.2007

Neue interessante Links

Man möchte selbst in die Hölle fahren, nur um Kreaturen wie Donald Rumsfeld einen Feuerlöscher in den schlaffen Hintern zu schieben und Blondi zwei Zentimeter vor seiner Nase knurren und fletschen zu lassen.

Die geplante amerikanische Raketenabwehr kann die russischen ICBMs gar nicht treffen. Aber das weiß eigentlich außer Kurt Beck eh jeder, der seinen letzten Rest funktionierenden technischen Verstandes noch nicht in Wladimir Putins Arschloch verloren hat.

Eine ganz brauchbare Zusammenfassung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftsungleichgewichte. Trauen wir uns zu sagen, dass man das als Leser des "Economist" und selbst als Besucher dieses Blogs seit fast zwei Jahren im Wesentlichen weiß? Ja.

Die "demographische Katastrophe" ist keine. Das weiß außer Eva Herman nun wirklich jeder.

Weil in diesem Land immer Ideologie vor Pragmatismus kommt, kommt keine vernünftige Regelung zum Umgang mit Patientenverfügungen voran. Man wünscht den "Lebensschützern", fünf Monate lang unter schrecklichsten Schmerzen zu verscheiden.

Zum Abschluss noch etwas Faszinierendes: Unser Gehirn arbeitet bayessch.

30.03.2007

Coole Sachen

Erste zarte Blüten des Widerstandes gegen den epidemisch grassierenden Glauben, man müsse mit 21 gefälligst seinen Master cum laude abgeschlossen haben und dabei zwei Jahre im Ausland und vier im Beruf gewesen sein, wobei man weder mit einem Partyfoto noch einer nicht absoluten Opfer- und Versklavungswillen beweisenden studiVZ-Gruppe jemals im Internet zu erwischen sein dürfe, regen sich endlich auch medial. Wir werden es uns natürlich nicht nehmen lassen, uns demnächst zum veritablen Amorphophallus dieser Résistance zu wandeln.

Helmut Schmidt liest offenbar mein Blog und warnt vor einem neuen atomaren Rüstungswettlauf. Wenigstens wird das Thema dann endlich wieder hip sein.

Gero von Randow schreibt ziemlich treffend über die Lebensbejahung des Atheismus, und Josef Joffe erinnert zum Fünfzigsten mehr als zurecht daran, warum Europa so toll ist. Zu den letzten Ausgaben meines ausgelaufenen Abonnements immerhin noch einmal ein paar erfreuliche "Zeit"-Zwischenwürfe.

Habt Ihr's gewusst? Die Welt ändert sich.

Noah Kalina fotografiert sich selbst seit sieben Jahren jeden Tag.

Und Matt Harding tanzt sich um die Welt.

Coole Sachen!