27.06.2025
Andis Kritiken #35: Speak No Evil (2024)
In den ersten zwei Dritteln denkt man, dass es sich hier um eine hervorragende, spitz satirische Studie über Gaslighting, Passivität und übertriebene Höflichkeit handelt und ist gespannt auf das dunkle Geheimnis hinter allem. Dann lüftet es sich, seine Auflösung erweist sich als allzu klischeehaft, und man ist verwirrt, wozu es den langen Vorlauf gab. Dann findet man heraus, dass dieser Film ein Remake eines dänischen Films ist, dessen stringentes Ende durch ein hollywoodkompatibleres ersetzt wurde. Und das ist dann schade, weil die gute Atmosphäre und die verstörend charismatische Leistung James McAvoys etwas Besseres und Konsistenteres verdient hätten.



von 5 Sternen
26.06.2025
Andis Kritiken #34: Akira (1988)
Die Cyberpunk-Vision eines unruhigen Neo-Tokyos mit gewalttätigen Protesten, kriminellen Jugendbanden, glitzernden Wolkenkratzern und mysteriösen Espern wird in "Akira" mit so viel Sicherheit und Selbstbewusstsein verwirklicht, dass dieses Meisterwerk Katsuhiro Otomos zurecht bis heute sehr stilprägend ist. Und auch unter der dystopischen Action-Schale mit toller Musik findet man eine berührende Geschichte über den Wunsch nach Anerkennung und dass, was zählt, letztlich Freundschaft und Mitgefühl sind. Schließlich ist "Akira" wohl eine der eindrücklichsten künstlerischen Verarbeitungen des kollektiven Traumas der auf Japan abgeworfenen Atombomben als ein durch Menschenverachtung hervorgerufenes Inferno, das durch Menschenliebe geheilt werden muss. Eine bleibende Botschaft.




von 5 Sternen
Andis Kritiken #33: Paprika (2006)
Sind Träume nur ein Nebenprodukt geistiger Aufräumarbeiten im Schlaf? Schlüssel zu unseren innersten Wünschen, Hoffnungen und Traumata? Gar ein Kern unserer Menschlichkeit, der von der technischen Welt unberührt bleiben soll? Diese Fragen stellt der leider viel zu früh verstorbene Satoshi Kon in "Paprika" auf spannend actionreiche, farbenfroh kreative und nicht nur für Christopher Nolan in "Inception" inspirierende Weise so gut, dass man danach mit wacheren Augen auf seine eigenen Träume blicken will.



von 5 Sternen
24.06.2025
Andis Kritiken #32: Valerian and the City of a Thousand Planets (2017)
Luc Besson ist bei Science Fiction ein französischer George Lucas, d.h. mit einer großartigen, wenngleich etwas leichtgewichtigeren Imagination gesegnet, unfähig, Schauspieler:innen gut zu führen und ebenso, nicht völlig leblose und hölzerne Dialoge zu schreiben. Z.B. in "The Fifth Element" wurden diese schlechten Eigenschaften noch durch charismatische Akteure und eine klassisch gute Story herausgerissen, aber z.B. in "Lucy" verwandelt sich Scarlett Johansson am Ende in einen bedeutungsschwangeren USB-Stick (sic), und hier ist der Film in der Mitte gut eine Stunde zu lang inklusive einer unerklärlich langen Burlesque-Szene mit Rihanna und wird durch Dane DeHaan, einen auf Temu bestellten James McAvoy, und Cara Delevingne, eine Nepo-Baby-Kopie eines Supermodels, mehr schlecht als recht, nämlich ohne Chemie oder glaubwürdiges Ausfüllen ihrer Rollen zusammengehalten, wobei sie noch einige der plumpsten Expositionsdialoge der Filmgeschichte aufsagen müssen, während sich Clive Owen einfach nur seinen Scheck abholt. Das ist insgesamt schade, weil hier im Kern eine gute Geschichte drinsteckt und die audiovisuellen Produktionswerte absolut überragend kreativ und wunderschön sind, so dass sie auch ohne Dialoge verstanden und genossen werden können. Das sind die besseren Momente von "Valerian".


von 5 Sternen
22.06.2025
Andis Kritiken #31: Deep Impact (1998)
"Deep Impact" interessiert sich eigentlich gar nicht so sehr für den Kometen, der die Erde zu zerstören droht, jedenfalls bedeutend weniger als der im gleichen Jahr herausgekommene, sattsam bekannte Actionfilm "Armageddon". Zuerst geht es um Téa Leonis Karriere bei einem jungen Fernsehsender, wie sie beharrlich einer großen Geschichte nachgeht, und um die schwierige Beziehung zu ihrem Vater Maximilian Schell. Dann kommt Morgan Freeman als US-Präsident herein und stiehlt den Fokus mit einer nach Art von "The West Wing" unrealistisch optimistischen, kompetenten und humanistischen Darstellung der Reaktion der Regierung auf den auslöschenden Himmelskörper. Danach geht es um Robert Duvall als Altastronauten und wie er sich nach und nach den Respekt seiner jungen Besatzung auf dem Weg zur Zerstörung des Kometen erwirbt. Und nachdem diese scheitert, geht es noch ein Weilchen um die junge Romanze zwischen Elijah Wood und Leelee Sobieski in sehr turbulenten Zeiten, bevor wir etwas Meteoritenaction sehen.
Und vielleicht ist das der Punkt - sehr menschliche Geschichten im Angesicht unfassbarer Vernichtung, um zu vergegenwärtigen, was wir verlieren würden, wenn es soweit käme. Diese verbundenen Geschichten sind vom tollen Ensemble meist gut gespielt und inszeniert, wenngleich teils langatmig und narrativ lückenhaft, und ich bin nicht ganz sicher, ob meine wohlwollende Bewertung nicht nur ein Artefakt des Kontrastes zu den gesunkenen Standards jüngerer Filme ist - "Alles ist ausgeleuchtet, ich höre die SchauspielerInnen, sie verhalten sich wie Menschen, und nicht alles ist CGI: fünf Sterne!" Dennoch ist "Deep Impact" letztlich eine sehenswerte, kontemplative Geschichte darüber, was unsere Spezies in unseren besten Momenten ausmacht, zu dessen Präsentation der tödliche Komet nur das wie zufällig gewählte Mittel ist. Das mag einen befriedigt zurücklassen oder nicht.



von 5 Sternen
Und vielleicht ist das der Punkt - sehr menschliche Geschichten im Angesicht unfassbarer Vernichtung, um zu vergegenwärtigen, was wir verlieren würden, wenn es soweit käme. Diese verbundenen Geschichten sind vom tollen Ensemble meist gut gespielt und inszeniert, wenngleich teils langatmig und narrativ lückenhaft, und ich bin nicht ganz sicher, ob meine wohlwollende Bewertung nicht nur ein Artefakt des Kontrastes zu den gesunkenen Standards jüngerer Filme ist - "Alles ist ausgeleuchtet, ich höre die SchauspielerInnen, sie verhalten sich wie Menschen, und nicht alles ist CGI: fünf Sterne!" Dennoch ist "Deep Impact" letztlich eine sehenswerte, kontemplative Geschichte darüber, was unsere Spezies in unseren besten Momenten ausmacht, zu dessen Präsentation der tödliche Komet nur das wie zufällig gewählte Mittel ist. Das mag einen befriedigt zurücklassen oder nicht.
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