01.12.2020

Deutsche Polizeipanzer rollen wieder

Polizeipanzer Enok 6.2

Polizeipanzer wie dieser "Enok 6.2" der bayerischen Polizei stellen eine sehr besorgniserregende, freiheitsgefährdende Entwicklung dar und senden ein historisch ominöses Signal. Deutsche Fahrzeuge wie der Enok oder der "Survivor R" sind an amerikanische MRAPs (Mine Resistant Ambush Protection) angelehnt, die viele amerikanische Polizeibehörden vom Militär geschenkt bekommen haben, nachdem die meisten Kämpfe in Afghanistan und dem Irak beendet waren. MRAPs wiederum sind vom südafrikanischen "Casspir" inspiriert, der zuerst für die Bedingungen im südafrikanischen Grenzkrieg mit vielen Minen usw. entwickelt wurde, dann aber zum Symbol der Polizeigewalt des niedergehenden Apartheidstaates in den schwarzen Townships wurde.

Casspir

Foto: Borisgorelik, CC BY-SA 3.0

Die amerikanischen ehemals militärischen Polizei-MRAPs werden nun in einem zynischen Reim der Weltgeschichte beim "Krieg gegen Drogen", lukrativen Beschlagnahmungen und anderen fragwürdigen Aktionen vor allem gegen Minderheiten, Protestierende und andere "Gefahren" eingesetzt. Im Namen diffuser "Terrorabwehr" oder der Bewältigung angeblicher "Gefahrenlagen" kommt nun anscheinend auch die deutsche Polizei mehr und mehr auf die Idee, sich zu militarisieren und statt "Dienen und Schützen" "Dominieren und Einschüchtern" als Motto anzunehmen.

Ich habe so einen Casspir mal in echt gesehen, im Apartheidmuseum in Johannesburg. Ein furchterregendes Fahrzeug, das nichts mehr mit einer in die Gesellschaft eingebetteten, dienenden Polizei gemeinsam hat, sondern einen Polizeistaat vorwegnimmt.

Eine gefährliche Entwicklung.

26.10.2020

The GOP after Trump

Remember the convulsions of the 2012 Republican primary when kooky and absurd people like Michele Bachmann, Herman Cain or Newt Gingrich surged before Mitt Romney bagged it? In retrospect, that wasn't just primaries frivolity, but a strong wish by the GOP base to go insane.

GOP Primaries Leaders 2012

They reluctantly settled with staid and reliable Romney, but their hearts and bodies wanted to let their freak flags fly. Of course, Trump is a Voltron of Gingrich's adultery and creepiness, Cain's ignorance and Bachmann's fervour (if non-religious), so he naturally won in 2016. And now Republican voters have been, umm, "satisfied" every day for four years, they will most likely never return to a new Romney's dutiful attentions. Those are just not appealing anymore if you can also have authoritarian populism. Why get vanilla if you can have cocoa and razorblades?

So neither a 2012-like analysis of the GOP's electoral shortcomings nor anything else may stem that populist urge perhaps absent reforms to the primary system giving party elites more say. But Trumpists hate a Mitch McConnell only slightly less than a Nancy Pelosi - all swamp creatures! So this genie is out of the bottle, but the good news for the GOP is that authoritarian populism is not necessarily overtly racist, and younger men regardless of skin colour are already getting more sympathetic to the GOP message as it is. So a Tucker Carlson or someone similar could be very competitive in 2024 with a simple anti-establishment and anti-political correctness message of economic populism, protectionism, and barriers to immigration.

"The elites only give you pronouns and handouts. But I give you work and dignity!"

Watch out!

20.10.2020

Republicans, Democrats, and men

The Democrats should not take Joe Biden's lead for granted long-term.

This analysis shows how Trump has gained with younger people, men and college graduates compared to 2016, regardless of race. For example a young black man is not an automatic Democratic voter! Biden is leading Trump because he has gained more with older people (who vote more reliably), women, and non-college graduates. But as Hillary Clinton's performance showed, those groups are not automatic Democratic voters either. If you strip away Trump's tweeting, his grotesque appearance, corruption, incompetence, laziness, ignorance and evilness, the deliberate stoking of animus, the catastrophic bungling of the pandemic response etc., he has been a fairly "normal", populist Republican President. And particularly younger men like that, whatever their skin colour.

So if the Republicans can avoid a California GOP-like death spiral of increasingly open racism and QAnon kookery, their obvious route for 2024 and beyond is to field a competent, populist, outwardly less racist person. That person, say a Josh Hawley, would then decry the rapacious, neoliberal, identity-obsessed (Democratic) establishment which seemingly offers poor black or Hispanic people only, say, "pronouns and welfare", but not good jobs. He would make it seem attractive to shake things up. So if the Republican message in 2024 was "Stop bad trade deals, low-wage immigration, bad infrastructure" etc., what would a good Democratic response be to sway for example a 25-year-old Hispanic man in Florida? "What he said, but with open borders"? Obviously no.

This means that the Democrats need a strong platform after Biden!

07.09.2020

Die SPD und Russland

Die sogenannte AfD wird glaubwürdig von Russland bezahlt, und Teile der Linken würden es gerne. Aber wir müssen leider auch über das Verhältnis von Teilen meiner SPD zum heutigen Russland sprechen, da es meines Erachtens eine effektive und wertegeleitete Außenpolitik verhindert.

Viel Denken in der SPD gegenüber Russland scheint vom Tafelsilber der Neuen Ostpolitik Willy Brandts geprägt. Die verkürzte Vorstellung ist, dass Brandt mit Breschnew Tee aus dem Samowar trank, und dann fiel die Mauer. Daher das Mantra von "mehr Dialog". Doch das blendet zuviel aus! Die UdSSR war eine Diktatur, aber 1) ideologisch gebunden und 2) in der bipolaren Ordnung des Kalten Krieges interessiert, nicht atomar vernichtet zu werden. Das heißt 1) zu krasse und öffentliche Selbstbereicherung war verpönt, und die Sowjetunion wollte ein respektabler Block sein. Und 2) für die Sowjetunion langfristig ruinöser, gefährlich volatiler militärischer Aufrüstungsdruck vor allem der USA führte zu einer Neuorientierung in Richtung détente und Ostpolitik. Die Ideologie der Sowjetunion und der bipolare Kalte Krieg waren für das Gelingen der Ostpolitik also essentiell!

Michail Gorbatschow versuchte durch Glasnost und Perestroika die schon lange sinkenden Lebensstandards, nicht konkurrenzfähige Industrie, Korruption, Lethargie usw. der UdSSR zu verbessern, doch stattdessen zerbrach das Imperium. Der Ausverkauf und das Chaos der лихие 90-е ("wilden 90er") folgten. Wladimir Putin kam am 31. Dezember 1999 an die Macht, nachdem er infolge mysteriöser Bombenanschläge auf russische Wohnhäuser den zweiten Tschetschenienkrieg entfesselt hatte. Er stabilisierte Russland mit harter Hand und zwang die Oligarchen unter seine Knute (Chodorkowski im Käfig). 2000-2008 verbesserten gewisse Reformen die Bedingungen für Russ:innen etwas. Eine teilweise wohl ehrlich gemeinte Annäherung an den Westen scheiterte aus verschiedenen Gründen. Die Oligarchen entrichteten Tribut an Putin, der der ultimative Richter und Dreh- und Angelpunkt ist. Oligarchen, Mafiosi, Geheimdienstler usw. kreisten auch während des Medwedew-Intermezzos 2008-2012 um Putin. Schon die russische Intervention in Georgien 2008 und die häufigen Morde an Journalist:innen (Politkowskaja) und Überläufern (Litwinenko) zeigten eine neue Richtung. Seit 2012 agiert die russische Regierung, eigentlich ein fragiles kleptokratisches, tschekistisches Konglomerat, nach außen zunehmend aggressiver, um innen von massiver Korruption, politischer und gesellschaftlicher Unterdrückung, einer kaum wachsenden Wirtschaft usw. abzulenken. Annexion der Krim und Krieg in der Ostukraine. Brutalste Kriegsverbrechen für den Klienten Assad in Syrien. Einmischung in Wahlen u.a. in den USA, Hacken des Bundestages, massive Desinformationskampagnen (Russia Today), immer wieder Mord(versuche), z.B. die Skripals, nun Nawalny. Zerreißen aller internationalen Verträge und statt Kooperation bei Untersuchungen wie z.B. beim Abschuss von MH17 über der Ukraine dreiste Lügen. Kurz: Große Aggression im virtuellen und realen Raum, direkt und subversiv ("grüne Männchen"). Ziele: Macht und Ablenkung (siehe oben).

Ideologie und Angst vor Atomkrieg spielen für Putin anders als für die UdSSR keine Rolle mehr! Die russische Regierung hat heute keine Ideologie außer Selbstbereicherung, Macht und Wähler:innen demobilisierenden Zynismus à la "Alle lügen". Die globale militärische Konstellation ist multipolar, der Westen schwächer. Und darum muss auch eine Neuauflage der Ostpolitik scheitern! Es sei denn, massgebliche Akteure in der SPD erkennen endlich, dass Putins Russland kein Partner ist, sondern nicht verlässlich, aggressiv und gesetzlos agiert. Bei diesem Land ist nicht détente gefragt, sondern Containment! Das heißt konkret: Nord Stream 2 aufkündigen. Russische Desinformationskampagnen, Hacking usw. unterbinden. Glaubwürdig von weiteren militärischen Aggressionen abschrecken. Ein Magnitsky Act für die ganze EU. Die Rhetorik den Realitäten anpassen und nicht mehr von Brandt träumen!

07.05.2020

If the Trump years were a D&D-style RPG

- "Since John ragequit, no one has been taking care of the Venezuela situation. It's brewing and could lead to great instability. What do you do, Don?"
- "Send the military?"
- "Not enough gold, would make things worse."
- "Use diplomacy?"
- "After what you called their leader?"
- "Oh. Hmm ... didn't we meet these mercenaries in that bar during the Bowling Green game?"
- "T- they were joke NPCs. You know, to fail hilariously so you could ride in at the last moment to stop the massacre?"
- "I want to use them."
- "For- for a coup? In Venezuela? They have abysmal stats, no equipment ..."
- "I want to use them."
- *sigh* "Throw"
- "1! Oops"

- "I really don't like the way this group is going since Don threw his couple of 20s and became President. I've built my character for years, made connections, acted carefully, even learned Spanish for real. I mean I made a whole family tree with elaborate backstories. I referenced earlier characters we had and CIA secrets we discovered, and now all we talk about is porn stars, 'hamberders' and Lysol!"
- "Shut up Jeb"
- "Actually, I agree with Jeb. Do you know what I had t-"
- "SHUT UP HILLARY"

- "While we're waiting for the others, can I talk to you for a second about Roger? I know he's an old friend of yours since the Nixon release, but his style is really old-fashioned, he insults everyone constantly and is just totally reckless. Wikileaks? The Russian mob?? Don doesn't care, he relies on his enchanted dice, but we others want to continue our characters after the 'Trump' era and not get whacked. It wasn't easy to become Secretary of State as a Kansas bumpkin!"
- "Ok ok, he's going to prison Mike. Happy?"
- "Great, that'll be the end of him!"

- "Hey guys, heard you're doing a presidential campaign again. I want to take part!"
- "Joe? Oh ok, but Liz, Bernie and Kamala have been pretty involved already. Liz has 19 INT and Bernie 18 CHA. Pete has 20 DEX and moves like water."
- "No problem. Still using the 1976 rules?"
- "Umm no. What policies do you want to champion? Bernie even made real charts and all for his 'Medicare for All' policy."
- "A little bit of this, a little bit of that."
- "Oh ok. Any stats you want to focus on?"
- "No, I'll just reuse my old character sheet."
- "But the conversion factors will disadvantage you."
- "It's good. But can I put a line in my bio that I was a sidekick to Barack's character?"
- "Sure why not, always for more flavour, heh, what's the harm?"
...
- "I'm sorry guys, them's the rules. Double-count the primary results if you want, but the African-American factor just crushed for Joe in South Carolina, and everything snowballed from there."
- "You screwed me in Iowa!"
- "Calm down Pete."
- "I VISITED EVERY FUCKING BARN IN THAT SHITHOLE! Joe didn't even show up and if he did, he threw a 1 on his stump speech! HIS STUMP SPEECH!!"
- "Pete ..."
- "I WON IOWA!! When Barack did it, it was the golden ticket, but when I do it, suddenly there are 'technical difficulties'!"

16.03.2020

Some alternative history to take your mind off Covid-19

1995: White House Chief of Staff Leon Panetta is choosing summer interns. He decides on one Gary Generic Whiteman from Iowa.

1998: Ken Starr's Whitewater investigation into Bill Clinton fizzles out, having found nothing.

2000: Al Gore wins Florida and thus the US Presidency in a close, but clear call on the strength of the untainted Clinton legacy. He manages the dotcom downturn and takes the "Bin Ladin Determined to Strike in US" August 6, 2001 briefing seriously, preventing 9/11. Strong climate leadership.

2008: Mitt Romney becomes President amid the recession and governs in the center, continuing many of Al Gore's popular policies.

2011: Saddam Hussein crushes Arab Spring protests in Iraq. No ISIS means Bashar Assad keeps control of Syria more easily, ending the war in 2014.

2015: Much fewer Middle East refugees allow the EU to find a fair and humane solution for them. Right-wing parties keep searching for a cause.

2016: Don't need "Hope and Change" if most things are pretty ok. Hillary Clinton wins the Democratic primary against one Barack Obama. It's close, but Clinton also wins the Presidency against Jeb!, vowing to incrementally improve healthcare, student loans, rents and many other issues. She strengthens the CDC and US pandemic response.

2020: A novel disease is fully contained in China with US help. US citizens sometimes wish for more exciting politics, but 20 years of anodyne technocrats have improved millions of lives. Greenhouse gas emissions are on track for net zero in 2035, and Romneycare is the law of the land. Ted Cruz has his work cut out for him in November.

2025: Donald Trump dies of neurosyphilis in a New York hospice. A palliative care volunteer comforts him as he passes away. Monica Lewinsky lets go of his hand, at peace. She thinks about life and what could have happened if she had got that internship 30 years ago. Well, no matter.

19.01.2020

After Trump

I'd rather be a Russian than a Democrat

Let's say the best case comes true: IMPOTUS Trump is removed from office, he and his family go to prison, and the 2020 elections result in a landslide for a progressive Democratic President and Congress.

Then what?

FauxNews and the Republican propaganda machine aren't going away. GOP congresspeople only beholden to billionaires and absolute power aren't going away. And the Republican base (see above) isn't going away either and is only one, eventually inevitable, recession or climate-change-induced disaster away from becoming even more radical. They may eat crow and accept a moderate Nikki Haley as their nominee in 2024 (who could be very competitive), but as in 2012, they will in truth be itching for a Michele Bachmann or a Herman Cain. At the latest in 2028, they will gladly vote for at least a Benito Mussolini once he presents himself. The race will then be very close because of propaganda, gerrymandering and the electoral college, and as in 2016, the new Mussolini may only be less than .05% of votes away from the Presidency. And he will certainly not be as amateurish as Trump, whose greatest ambition was only ever to be rich, eat "hamberders" and fuck models (and Ivanka), but not to, for example, exterminate all Mexicans.

As bad as this is: we may still only be getting started.

16.01.2020

Putins Verfassungsreform

Das Ziel dieser Reform ist, die Macht der russischen Präsidentschaft aufzubrechen (damit Putins Nachfolger ihm nicht gefährlich werden kann) und sie in Putins zukünftiger Position neu zu konzentrieren beziehungsweise teils neu auszutarieren (für Patronage). Den Kreml verlässt man bekanntlich nur in Schande oder mit den Füßen voraus. Putin weiß das und möchte es verhindern, weil sein Reichtum (bis zu 200 Milliarden US-$) maßgeblich auf Raub und Betrug basiert und daher auch ihm weggenommen werden könnte, wenn er nicht mehr an der Macht wäre. Als Dreh- und Angelpunkt des herrschenden Systems von Oligarchen, Geheimdienstlern und/oder Mördern (Minister wie Medwedew und der Regierungsapparat sind mehr oder minder freiwillige Staffage bzw. nützliche Instrumente) und Boss der Bosse ist Putins Position zwar stabil, aber auch ziemlich fragil, weil er ständig geschickt Konflikte schlichten, Pfründe verteilen, Herausforderer unterdrücken und Günstlinge belohnen muss, damit nicht auch er eines Tages einen besonders aromatischen Litwinenko-Tee serviert bekommt. Nach 25 Jahren Kleptokratie, einer durch Korruption und Autoritarismus unterdrückten, wenig diversifizierten Wirtschaft und Gesellschaft sowie teuren Militärausgaben für außenpolitische Aggressionen sind jedoch wohl die meisten Ressourcen schon geplündert und besetzt. Eine Regierungsumbildung kann da zumindest einige mächtige Posten neu verteilen und gleichzeitig etwas öffentlichen Druck herausnehmen.

Ergo: Die aggressive russische Kleptokratie wird uns noch bis auf Weiteres erhalten bleiben. Die deutsche und europäische Politik sollte sich darauf einstellen!

14.01.2020

Married to a Nerd

Besprechung des nächsten Essensplans für unsere Familie.

Ich: Wir brauchen Gerichte, deren Zubereitungsaufwand degressiv skaliert!

Sie:

Klar doch

09.01.2020

Das Problem der SPD

Das Problem der SPD ist fundamental und nicht nur in angeblich schlechtem/r Personal/Kommunikation/Organisation/ ... begründet.

Globalisierung, Neoliberalismus, Pluralismus, Individualisierung, Erosion traditioneller Bindungen (Kirche, Familie, Gewerkschaft ...) usw. haben eine neue politische Achse jenseits (ökonomischer) Links-Rechts-Einordnung entstehen lassen: Offenheit-Geschlossenheit. Das ergibt vier Quadranten der politischen Einordnung:
  1. Links und Offen, "internationale Sozialisten"
  2. Links und Geschlossen, "nationale Sozialisten"
  3. Rechts und Offen, "internationale (Neo)Liberale"
  4. Rechts und Geschlossen, "nationale (Neo)Liberale".
Gruppe 1 sind zum Beispiel Studis; von hohen Mieten, prekären Jobs und Stress vom Kapitalismus Enttäuschte; Refugees Welcome; woke; würden Bernie Sanders wählen usw. Gruppe 2 sind "Abgehängte"; "Flüchtlinge kriegen alles und ich nichts"; leben ländlicher; "Das wird man doch noch sagen dürfen"; für Brexit usw. Gruppe 3: Unternehmensberater; gut gebildet, gute Jobs; "Wirtschaft ist Grundlage unseres Wohlstands"; beschäftigen (ausländische) Putzhilfe; Seiten im Pass voll, gegen Brexit usw. Und Gruppe 4 sind traditionelle Konservative; schaffen beim Daimler; eigenes Haus; Deutschlandflagge am Auto bei der WM usw. Die meisten in Gruppe 2 stimmten für die SPD, als es ihnen - meistens Arbeiter:innen - ökonomisch besser ging, dazu kamen viele Stimmen von Gruppe 1 und ein paar von 3, was große Mehrheiten ergab.

Heute stimmt 1 für Grün, 2 für die AfD, 3 für die Union und Grün und 4 für die Union und die AfD, also nur noch wenige für die SPD. Für 1 ist die SPD zu angestaubt (und nicht links genug), für 2 zu weltoffen und unglaubwürdig, für 3 nicht wirtschaftskompetent und zu angestaubt, und für 4 zu weltoffen und nicht wirtschaftskompetent genug. Diese "Realignment"-Analyse zeigt, dass die traditionellen Klientelen der SPD weggefallen sind, sich verändert haben und/oder die Partei nicht mehr als ihre glaubwürdige Vertretung ansehen. Das muss sich ändern, oder es ergeht der SPD so wie anderen europäischen Sozialdemokratien. Die Lösung kann aber weder im Klonen der AfD noch der Grünen bestehen. Die Leute wählen lieber das Original, und demokratischer und emanzipatorischer Internationalismus ist genauso in den Genen der SPD wie Gerechtigkeit und Solidarität. Besser eine glaubwürdig ökosoziale und weltoffene Alternative zu ausbeutendem und ungleichem Kapitalismus sein, die Gewinne nachhaltigerer Globalisierung mit wirtschaftlichem Sachverstand zum Vorteil aller umverteilen und als Schutzmacht der national und global Schwächeren auftreten. Wer, wenn nicht wir?

Ansonsten werden bei zunehmender Klimakrise und Ungleichheit die angeblichen Vertreter:innen von Gruppe 2 immer mehr Macht gewinnen. Vielleicht benennen sie dann ihre Partei um, um ihre Hauptziele deutlicher zu machen: Soziale Nationalisten der Deutschen Alternativen Partei.