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01.08.2021

Klimakrise, Canto III

Per me si va ne la città dolente,
per me si va ne l'etterno dolore,
per me si va tra la perduta gente.

Giustizia mosse il mio alto fattore;
fecemi la divina podestate,
la somma sapïenza e 'l primo amore.

Dinanzi a me non fuor cose create
se non etterne, e io etterno duro.
Lasciate ogne speranza, voi ch'intrate.

Hier nun in aller mir möglichen Klarheit und Fundamentalität, warum die Klimakrise das vielleicht größte Problem ist, dem sich die Menschheit je gegenübergesehen hat, und warum es wenig Anlass zur Hoffnung gibt. Ein andermal mehr dazu, was daraus folgt.

Je mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre, desto mehr erwärmt sich die Erde. Dieser sogenannte Treibhauseffekt wurde bereits Ende des 19. Jahrhunderts von Svante Arrhenius entdeckt und gehört zu den gesichertesten wissenschaftlichen Theorien überhaupt. Seit dem Beginn der industriellen Revolution um 1750 haben wir Menschen über 1,5 Billionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen, genug, um die atmosphärische Kohlendioxidkonzentration von 280 Teilen pro Million auf heute 417 steigen zu lassen. Dies hat bereits zu einer Erderwärmung von über einem Grad Celsius verglichen mit der vorindustriellen Zeit geführt, und wenn weltweit mit den derzeitigen Maßnahmen fortgefahren wird, könnte es zu einer Erwärmung von insgesamt um die drei Grad kommen.

Das klingt nicht nach viel. Aber wir sehen schon heute eine Zunahme von Extremwetterereignissen, Zusammenbrüche von Ökosystemen, Dürren, Waldbrände, Hitzewellen, steigende Meeresspiegel und zahllose andere Phänomene, die womöglich unumkehrbar sind, sobald sie Kipppunkte überschritten haben wie z.B. ein zu starkes Abschmelzen des Polareises. Je wärmer es wird, desto häufiger und verheerender werden diese Ereignisse werden, mit katastrophalen Folgen für uns Menschen und den Rest der Biosphäre wie massive Ernteausfälle, Wasserknappheit, verbrannte Habitate, tödliche Temperaturen, überflutete Küstenregionen, folglich massive Migrationen, Konflikte um die verbleibenden Ressourcen, Kriege; in einem Wort ein ärmeres, kürzeres und viel gefährlicheres Leben für Milliarden, für Jahrzehnte.

Das ist nun alles überhaupt nichts Neues und sollte jedem, der oder die in den letzten Jahren mal Nachrichten gesehen, gehört oder gelesen, Dokumentationen oder fiktionale Werke konsumiert oder auch nur mal mit seinen Freund:innen über mehr als den besten Grill und Bayern München gesprochen hat, geläufig sein. Die Physik ist unabweislich. Dennoch leugnen anscheinend immer noch viele, wenn nicht die meisten, diese Realitäten wenn nicht explizit, so doch implizit, weil sie bisher weder ihr individuelles Handeln noch ihr Wahlverhalten oder ihr kollektives Agieren, von einzelnen rühmlichen Ausnahmen wie Fridays for Future abgesehen, signifikant geändert haben. Ganz so, als würde sich der Planet nicht oder erst in vielen Jahren erwärmen und es nicht zu den bereits heute zu beobachtenden verheerenden Folgen kommen. Oder so, als könnten wir die kommenden Katastrophen wie in einem Film im letzten Moment durch einen Deus ex machina in Form "technologischer Lösungen" o.ä. heroisch abwenden.

Aber die Physik ist unabweislich. Überschrittene Kipppunkte sind ipso facto unumkehrbar, z.B. absorbiert ein durch Abschmelzen eisfreies Polarmeer zuviel Hitze, um noch große Eismengen bilden zu können, die in einem sich selbst verstärkenden Prozess zu wieder mehr Eis führen würden. Ausgestoßenes CO2 braucht Jahrzehnte, um seine volle Erhitzungswirkung zu entfalten. Die gängigen Schätzungen, wie viele Treibhausgase wir in welchen (sehr kurzen) Zeiträumen einsparen bzw. mit heute nicht reif und sicher skalierbaren Technologien aus der Atmosphäre ziehen müssen, um mit einer Wahrscheinlichkeit von 50-66% (!) eine als "tolerabel" geltende Erwärmung von 1,5°C nicht zu überschreiten, beziehen u.a. Kipppunkte, Rückkopplungen, durch Umweltverschmutzung derzeit noch stattfindende Erdkühlung usw. nicht ein, weil dies hochdynamische und in vielem noch nicht ausreichend erforschte und quantifizierte Phänomene sind. Und sowieso müssten wir - ohne, wie geschrieben, eher fiktive Negativemissionstechnologien - ab jetzt die weltweiten Emissionen jährlich um 15% reduzieren, um bis 2040 Klimaneutralität erreicht zu haben - eine Geschwindigkeit, die gerade einmal für ein paar Jahre in Syrien erreicht wurde. Von 2011 bis 2014.

Die. Physik. Ist. Unabweislich.

Das Tor zur Hölle

Wir halten einen großen Revolver an unsere Schläfe und werden in jedem Fall abdrücken. In mindestens drei der Kammern sind Kugeln, wenn nicht in vier, fünf oder gar allen sechs. Zur Einstimmung haben wir uns schon einen dicken Feuerwerkskörper in den Fuß gejagt und einen zweiten angezündet, der auf unser Auge zielt. Jetzt können wir nur noch bestimmen, wie schnell wir abdrücken, und vielleicht schon Notoperationsbesteck bereitlegen, aber nicht mehr aufhören, am Abzug zu ziehen, und irgendwann, auch wenn er noch nicht ganz durchgezogen ist, kann es "Klick" machen. Und dennoch stehen wir jeden Morgen gemütlich auf, machen unseren Kaffee, gehen zur Arbeit, schauen später fern und machen dann noch Liebe mit unseren Partner:innen. Alles mit diesen wirklich riesigen Revolvern an unseren Schläfen. Und im September wählen wir Parteien, von denen selbst die vorgeblich ökologischste und die die Klimakrise am Besten verstehende inadäquate Maßnahmen vorschlägt, um die gerontokratischer- und inhärenterweise jegliche Veränderung fürchtende deutsche Wähler:innenschaft nicht zu verprellen bzw. sie die Existenz dieses Revolvers vergessen zu machen.

Wäre das nur in Deutschland so, könnte die Welt es noch verschmerzen.

Aber die Ziele des Pariser Abkommens sind nicht genug.

Die Länder halten diese Ziele in ihren nationalen Plänen nicht ein und versprechen bisher nur 1% Emissionssenkung bis 2030, wo 45% nötig wären (verglichen mit dem Niveau von 2010).

Und was wollen wir wetten, dass die Länder selbst die stark abgeschwächten Ziele in ihren Plänen nicht einhalten werden, wenn etwas scheinbar Wichtigeres dazwischenkommt?

Zum Beispiel ein vermeintlicher Antagonismus zwischen Klimaschutz und Wohlstand (in Wahrheit kann es ohne Klimaschutz keinen Wohlstand geben). Zum Beispiel neue Gelbwesten. Zum Beispiel übertrieben an Besitzständen klebende Wähler:innen (denen diese Besitzstände ohne Klimaschutz jedoch buchstäblich wegschwimmen, verbrennen oder austrocknen werden). Zum Beispiel, zum Beispiel, zum Beispiel. Der Beispiele finden sich viele für dieses Problem individuellen und kollektiven Handelns, das vielleicht größte Problem, dem sich die Menschheit je gegenübergesehen hat, und das darum auch die größte gemeinsame Anstrengung bräuchte, die die Menschheit je gesehen hat. Eine Anstrengung, die wenn nicht vor 30 Jahren, so doch jetzt sofort beginnen müsste, doch die nirgendwo zu sehen ist. Und die Uhr tickt immer lauter. Und wir ziehen und ziehen am Abzug des Revolvers und warten und hoffen, dass es nicht Klick macht.

Aber das wird es.

Queste parole di colore oscuro
vid' ïo scritte al sommo d'una porta;
per ch'io: "Maestro, il senso lor m'è duro."

Ed elli a me, come persona accorta:
"Qui si convien lasciare ogne sospetto;
ogne viltà convien che qui sia morta.

Noi siam venuti al loco ov' i' t'ho detto
che tu vedrai le genti dolorose
c'hanno perduto il ben de l'intelletto."

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