26.02.07

DEFCON

Now I am become Death, the destroyer of worlds.

Es ist seit einigen Jahren irgendwie nicht mehr so hip, darauf hinzuweisen oder es überhaupt zu erwähnen, aber in den atomaren Arsenalen der Welt lagern noch über 25.000 Sprengköpfe.

Typische amerikanische Sprengköpfe, von denen acht in eine Interkontinentalrakete passen, haben eine Sprengkraft von gut 450 Kilotonnen TNT-Äquivalent.

Das ist mindestens dreißigmal stärker als die Hiroshima-Bombe "Little Boy".

Die Explosion von "Little Boy" zerstörte im Umkreis von einer Meile alles und tötete sofort fast 100.000 Menschen, und in den nächsten vier Monaten starben noch einmal gut 50.000 an Strahlungs- und Verletzungsfolgen, insgesamt etwa die Hälfte der Bevölkerung Hiroshimas. In den folgenden Jahrzehnten sind noch Hunderte, vielleicht Tausende an Spätfolgen verstorben.

Habe ich schon erwähnt, dass die stärksten existierenden Sprengköpfe eine Kraft von mehreren Megatonnen TNT haben?

Und jetzt stellen wir uns Ödipus Bush und Ninja-Putin als Herren über diese Macht vor.

Erstaunlicherweise wird der Ernst der Lage am deutlichsten in einem Spiel, DEFCON.

Angriff auf die Sowjetunion

Als kontinentale Supermacht plaziert man auf einer sehr coolen, nachtblauen abstrakten Weltkarte Radars, Luftwaffenstützpunkte, Flugzeugträger, Schlachtschiffe, U-Boote und schließlich Raketensilos. Man sieht dem Countdown des Verteidigungszustandes zu, versucht, die See- und Luftherrschaft zu erlangen und das Gebiet der Feinde auszukundschaften, während der großartige Soundtrack immer mehr das beklemmende Gefühl verstärkt, tief unter der Erde, hinter Metern und Tonnen von Stahl und Beton, im leisen Rauschen der Lüftung das Schicksal der Welt zu entscheiden, allein.

Schließlich wird DEFCON 1 ausgerufen, die Sprengköpfe werden scharfgemacht, und irgendwann trifft die Bombe einer B-2 über Sibirien, die Rakete eines Akula vor der amerikanischen Ostküste, ein ballistischer Flugkörper über Frankreich eine Stadt.

Nuklearer Holocaust

Leningrad getroffen, 4 Millionen Tote.

London getroffen, 7.5 Millionen Tote.

New York getroffen, 12 Millionen Tote.

Man sitzt in seinem Atombunker und sieht auf seinen Schirm, sieht die weißen Pilze wachsen und die Zahlen. Man hört Sirenen die Abschüsse ausrufen, sieht die Raketen ihre wunderschönen Parabeln über den halben Erdball beschreiben und öffnet in logischer, unvermeidlicher, vorprogrammierter Antwort seine eigenen Silos und alle Rohre seiner Unterseeboote.

Das Ende

Am Ende gewinnt, wer am wenigsten verliert.

Man schaltet den Schirm aus und starrt in die Schwärze und glaubt, noch das gedämpfte Husten, oder ist es Schluchzen, aus der Tonspur zu hören. Man hat die Hälfte seiner Bevölkerung verloren und kann für Jahre und Jahrzehnte nicht zurück ans Licht, und doch hat man seine Feinde besiegt. Paris ist Schlacke, doch Moskau gibt es nicht mehr. Man hat alles gewonnen und doch mehr verloren, als man sich je vorstellen konnte. Man sitzt in seinem Bunker und ist allein, allein mit der Schuld.

Ein großartiges, ernstes, zutiefst berührendes Spiel.

Kommentare: