04.09.06

Designervaginen

Wir hatten ja bereits vor einiger Zeit angedroht und vor kurzem auch bekräftigt, uns näher mit diesem Thema beschäftigen zu wollen. Und näher heißt bei uns wirklich immer näher. Yeah, Baby!

Für den Anfang also eine Information, die sich bei jedem halbwegs qualifizierten Dr. Sommer erfragen, in allen besseren Anatomiebüchern, Lexika, Wikipedias etc. finden lassen und auch der aufgeklärten Bevölkerung bekannt sein sollte, auch wenn es zutiefst erschreckend ist, wieviele ansonsten ganz normal gebildete Männer und selbst Frauen bei Themen wie diesem buchstäblich im Dunklen herumzustochern scheinen:

Jede Vulva ist so individuell wie ihre Besitzerin.

Schock! Tumult!! Katastrophe!!! Was wir in den Pornos sehen, die immer peinlich rasierten, glatt glitzernden, perfekt symmetrischen Dinger mit vollen großen Schamlippen, die sind also gar nicht repräsentativ? Männer gibt es also auch ohne Schnauzer und Tattoos aus der Hafenkneipe?? "Geiler Arsch! Ficken?" ist also gar kein erfolgreicher Anmachspruch???

Insbesondere interessieren uns hier die kleinen Schamlippen, die bei vielen, manche sagen, bei der Hälfte der Frauen unter den großen hervorschauen, in individueller Weise eben. Das immer so furchtlos originelle wie faktisch akkurate rotten.com und das heroisch aufklärerische the-clitoris.com wissen mehr zum Thema, auch mit Bildern. Was man aus ihnen für einen eindeutigen Eindruck mitnimmt, steht oben.

Warum sollte also jemand, irgendjemand, auf die wahrhaft königlich bescheuerte Idee kommen, sich seine inneren Schamlippen nach einem scheinbaren Ideal zurechtschneiden zu lassen, allein in der saubereren, rasierklingenloseren technischen Ausführung von einer pharaonischen Beschneidung unterschieden? Oder sich seine nach einer Geburt oder mit dem Alter eventuell geweitete Vagina wieder enger nähen zu lassen, um angeblich wieder mehr Spaß am Sex zu haben, wo die Party doch in der Klitoris abgeht? Oder sich gar sein Jungfernhäutchen restaurieren zu lassen, aus welchem absurden Grunde auch immer?

Wäre die von anderen "Schönheits"operationen schon allzu bekannte Antwort doch nur nicht so deprimierend. Bei Vulven kommt heftig erschwerend hinzu, dass die meisten in freier Wildbahn eher wenige betrachten können und sich daher besonders an den geschönten und retuschierten Bildern der Pornos und Playboys orientieren. Die so folgenden Auswüchse dokumentieren eine Reportage auf salon.com und eine klasse Zusammenfassung auf rotten.com.

Es bleibt wieder wie so oft, dass massive kulturelle Probleme, hier ein epidemischer Mangel an Selbstbewußtsein, irreale, kryptopädophile und offen rassistische Schönheitsfantasien ewig glatter Vulvenjugend, männliche Unfähigkeiten, Frauen zu befriedigen, und tentakelstarke Ausläufer patriarchaler Unterdrückungsstrukturen technisch beseitigt werden sollen und damit natürlich nicht, im Gegenteil. Möge dieser Eintrag etwas für den richtigen Weg tun!

Zum Abschluß eine kleine Galerie.

Kommentare:

  1. aha, und die Tatsache, dass Penisverlängerungen schon (im vergleich) seit ewigkeiten akzeptiert und fast schon romantisiert werden, ist dir jetzt irgendwie entfallen, oder?

    von wegen patriarchale Unterdrückungsstrukturen.

    AntwortenLöschen
  2. Dieselben Unterdrückungsstrukturen, die weibliche Schönheitsoperationen befeuern, befeuern auch männliche. Und wer akzeptiert und romantisiert denn Penisverlängerungen?

    AntwortenLöschen
  3. wer wohl? unser guter alter freund, der deutsche film.
    sowas wie "Das beste Stück" z.b.

    AntwortenLöschen
  4. Der deutsche Film ist zu mancherlei Verbrechen fähig, doch macht er alleine die Penisverlängerung noch längst (sic) nicht hoffähig.

    AntwortenLöschen