17.09.08

Fantasy-Filmfest 2008

Es ist mal wieder soweit. Hier also immer aktuell meine Eindrücke, damit auch andere Nerds Quarterbacks bewußt auswählen können, auch wenn die Festivalfilme diesmal nach Stuttgart nur noch in München gastieren werden, aber es gibt ja Joox DVDs.

Angefangen habe ich mit "The Midnight Meat Train", und ich hätte keinen besseren Start erwischen können. Mein seit dem amüsanten "Versus" sehr geschätzter, hiermit in den USA debütierender Ryuhei Kitamura beherrscht sein Handwerk von den spannenden Action- über die glaubwürdigen Charakter- bis zu den unglaublich blutigen Splatterszenen hervorragend, und Vinnie Jones als stummer Metzger Mahogany, und bei Gott, dieser Film kann, obwohl er fast nie ins gewollt Ekelhafte abrutscht, selbst hartgesottenen Karnivoren wahrlich sowohl Fleisch- als auch U-Bahn-Genuß gründlich verleiden, wie auch Bradley Cooper und Leslie Bibb als erstaunlich und erfrischend lebensnah geschriebenes und gespieltes Paar auf der ins Dunkle führenden Spur des Schlachters sorgen für rundum zufriedenstellende, hochintensive hundert Minuten. Prima!

Am zweiten Tage habe ich "Tau ming chong" ("The Warlords") gesehen, und genau so muß ein historisches Kriegsepos aussehen: 5000 Statisten rennen und reiten mit ihren Lanzen und Schwertern in bombastischer Formation brüllend aufeinander zu und hacken und schießen einander wunderbar choreographiert in Stücke, bis die dampfenden Leichen das Schlachtfeld in weißen Nebel tauchen. Bei den Darstellern ist mit einem überraschend guten Jet Li, einem gewohnt guten Andy Lau Tak Wa und einem ziemlich guten Takeshi Kaneshiro für jeden Geschmack etwas dabei, und der solide Plot um Sieg, Verrat und Liebe weiß hollywoodig zu gefallen, ohne schönfärberisch zu sein. Acht von zehn geköpften Generälen.

Am Sonntag sah ich "Kwong saan mei yan" ("An Empress and the Warriors"), und alles, was "Tau ming chong" richtig macht, macht dieser Film falsch: Buchstäblich blutarme und konfus inszenierte Schlachten zwischen fast gleich aussehenden Gegnern wechseln sich hektisch mit platten Intrigen und plumpem Helden- und Pazifistengeschwätz ab. Dazu kommen ein eher fehlbesetzter Donnie Yen Ji-Dan, ein uncharismatischer Leon Lai Ming als ungelenke Mischung aus Mentor und Lover und die katastrophal unbegabte hauptberufliche Kantopop-Sängerin Kelly Chen Wai Lun als Hauptdarstellerin, und fertig ist ein Werk, das so wenig berührt wie Chens stetig starrer Ausdruck. Schade.

Als nächstes war ich in "Evangelion shin gekijôban: Jo" ("Evangelion 1.0: You Are (Not) Alone"), der nicht nur als Fanservice, sondern auch als aufwendiges Kinoremake der bekannten Fernsehserie gut funktioniert, auch wenn der dichte Plot Neophyten verwirrt zurücklassen mag. Dafür ist Shinji Ikari hier endlich wenigstens ein Hoden gewachsen, und er verbringt im Angesicht der Zerstörung allen Lebens auf der Erde und Kolleginnen mit gewaltigen Brüsten oder hautengen Kampfanzügen nicht mehr drei Viertel seiner Zeit damit, nach seinem abwesenden Vater zu schreien. Loves it!

Am letzten Tage endlich war ich zuerst in "Ryû ga gotoku: gekijô-ban" ("Like a Dragon"), einem hochwertigen und sehr lustigen Takashi Miike um überdrehte Yakuza, ein kleines Mädchen auf der Suche nach seiner Mutter und Baseballschläger, nach einer offenbar treu umgesetzten Videospielvorlage, und dann im südkoreanischen Abschlußfilm "Chugyeogja" ("The Chaser"), dessen größter Aufreger nicht seine maue Serienkillerstory und die vergeßbaren Schauspieler sind, sondern die unglaubliche, vollkommen haarsträubende Inkompetenz der abgebildeten koreanischen Polizisten, bei der man sich beständig fragt, ob sie nur besteht, damit der Film nicht nach zwanzig Minuten zu Ende ist, oder ob man sich in jenem Land wirklich besser selbst gegen das Verbrechen wehrt, ob mit dem Hammer oder bloßen Fäusten. Kein großartiges Finale also, aber insgesamt ein schönes Fest. Bis zum nächsten Jahr!

Kommentare:

  1. The Fall kommt ab 5.2.9 in dt. Kinos. Wird wohl Pflicht :)
    http://www.moviereporter.net/filme/1923-the-fall

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  2. Naja, "The Cell" fand ich schon nicht so bombe ...

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