13.06.05

Der Junge mit der Strähne

Der Junge mit der Strähne schaut mich an. Ich schaue ihn an, mich wundernd, warum er mich anschaut. Wir steigen in die selbe Stadtbahn, und ich lese, aber merke über meine Zeitung hinweg, dass er mich wieder anschaut. Ich schaue erneut verwundert zurück. Eine Station, bevor ich aussteige, fragt mich der Junge mit der Strähne, ob ich wüßte, wie er "da" hinkomme, und gibt mir einen kleinen Zettel: Würde Dich gerne kennenlernen, Du mich auch? - 017... - M. Ich, Breihirn, verstehe, dass ihm ein Liebchen den Brief zugespielt hat und er es nun besuchen will, aber nicht genau weiß, wo seine Straße liegt, die wahrscheinlich auf der Rückseite ...

Ich will Dich spüren, Dich fühlen, Dich berühren, immer und immer wieder.

...überfliegen meine nach stundenlangen Theaterproben allzu müden Augen, ohne es weiterzusenden, erkennen nur, dass die in schnörkliger Schrift geschwungenen Wörter keine Adresse enthalten, und ich drehe den Zettel wieder um, frage mich, warum der Junge mit der Strähne erwartet, dass ich Hausadressen zu Handynummern kenne, und gebe ihm mit keiner Ahnung seine Nachricht zurück. "Nicht?" und "Schade", und er ist weg, und ich erröte, keine Sekunde später, in Scham für meine Totenreflexe und meine Polarabfuhr, in Verblüffung, in Verstehen ...und in Freude. Auch in diesem grauen und arbeitsvollen Frühling schießt Cupido noch für mich, noch mit Schrot, jaja, aber soviel schöner als ohne. Danke, Junge mit der Strähne!

Kommentare:

  1. 017... - also, die Nummer kannte ich auch noch nicht.

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  2. Köstlich, musste mir gerade eine Träne verdrücken.

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