



von 5 Sternen
09.04.2026
Andis Kritiken #60: Der Tod in Venedig (1911)
Im Gewande einer höchst eloquenten und subtilen, erst verleugneten und dann unbesonnen verfolgten, zunehmenden dionysischen Obsession eines lebenslang apollinischen Schriftstellers mit einem zufällig in Venedig getroffenen Knaben findet sich hier, in immer gleichsam vollkommener, zumindest nicht besser vorstellbarer Sprache und auf wenig mehr als hundert Seiten auch berauschender Tanz von Eros und Thanatos, tiefe Analyse reifen künstlerisch-kreativen Prozesses und schmerzlich klare Einsicht in die Sehnsüchte empfindsamer Seelen, die sich "um das Vortreffliche" mühen und unter anderem darum am Vollkommenen, wie dem Meer oder dem Nichts, ruhen wollen, überraschenderweise selbst eine feine Kritik touristischer Abzocke 125 Jahre vor unserer Zeit, beständige bereichernde Allusion an griechische Mythologie und Philosophie, und nicht zuletzt eine beinahe prophetische Allegorie über das sieche Untergehen einer alten Welt. Ein Meisterwerk.
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