Es ist ein weiterer der zahllosen Indikatoren der überragenden Qualität des "Economist", dass er all das, worüber ich mir hierbei Gedanken gemacht habe, und das ist nicht wenig, und ich kenne mich nicht schlecht aus, und ich bin nicht dumm und auch nicht bescheiden, in einem Artikel zusammenfasst und noch weitergeht. Hier trotzdem ein bisschen Senf von mir.
Fraglos würden die Bluthunde von rechts sich sowohl auf einen Kandidaten Obama als auch auf eine Kandidatin Clinton erbarmungslos stürzen, sie tun es ja schon heute, und würde morgen Jesus selbst für die Demokraten antreten, könnte er sich übermorgen darauf gefasst machen, als dreckiger hebräischer Hippie niedergemacht zu werden, und das wäre erst das Frühstücksradio. Die Höhlenmenschen mitentscheiden zu lassen, welcher Demokrat weniger angreifbar ist, führt also nirgendwohin, zumal mit Schmutzkampagnen niemand mehr Erfahrung hat als die Clintons und es sehr, sehr befriedigend wäre, Präsidentin Hillary Clinton all die unfassbaren Unmenschlichkeiten und abgründigen Verfassungswidrigkeiten, die Cheney und W. in ihren acht endlosen Jahren begangen haben, gegen sie selbst anwenden zu sehen. Habeas corpus? Nicht für Dich, Dick! Simuliertes Ertränken ist keine Folter? Dann befragen wir Dich damit, George! Der Präsident hat alle, alle Macht? Das trifft sich ja blendend!!
Als lebenslange Politiknerdette traue ich Clinton auch zu, eine effektive Präsidentin zu sein und national wie global zumindest einige von den Trümmern fortzuräumen, die der Schwachsinnige Sohn und seine Bande hinterlassen haben, für den Rest braucht es eine ganze Generation. Und eine Frau als Oberkommandierende der größten Militärmacht des Planeten wäre ein riesengroßer Schritt vorwärts für den Feminismus und damit die Menschheit und eine große Freude für mich.
Leider werde ich aber wohl weiter auf das schöne Bild von Bush in Abu Ghraib verzichten müssen, weil Hillary Clinton, besonders nach diesem Dienstag in Wisconsin und Hawaii, wenn kein Wunder mehr geschieht, kaum noch eine Chance hat, die demokratische Nominierung zu ergattern. Trotz ihrer Ungebundenheit werden die Superdelegierten den Teufel tun, sich gegen den Willen ihrer Parteibasis zu stellen, und mit jedem weiteren überlegenen Sieg Obamas werden sie es weniger wagen, Bills wütenden Nachrichten auf ihren Anrufbeantwortern zum Trotz. Wenn Obama dank seiner einzigartig kompetenten und motivierten Organisation am 4. März auch Ohio und Texas gewonnen haben wird, ist es vorbei.
Und dann ist es auch gut so. Ja, Barack Obama ist noch nicht lange Politiker. Ja, seine gewandten Worte sind eine freie Fläche, auf die die Menschen ihre Wünsche und Träume projizieren. Ja, Hoffnung allein reicht nicht aus, um das Land und die Welt zu verändern.
Aber Hoffnung ist der Anfang. Aber der Mann ist extrem clever und intelligent. Aber der Mann kann mit sich und seinen Worten die Menschen begeistern, und wie, Baby, und das ist eine Macht, die vielleicht selbst oder gerade heute größer ist als die intimste technokratische Kenntnis: Charisma. Charisma, um das ganze Volk hinter sich zu bringen, ohne an Angst appellieren zu müssen; Charisma, um mit seinen Bürgern im Rücken Kompromisse dort zu schaffen, wo andere gescheitert sind; und endlich Charisma, um Amerika in der Welt wieder dorthin zu führen, wo es hingehört - als leuchtendes, geliebtes Vorbild. Count me in!
22.02.2008
Nuke the whales
"Schlitzis schlachten Free Willy": Knut der Eisbär all over again, diesmal mit 42,3% mehr Heuchelei und einem großen Suppenlöffel Rassismus. Extra für die Massenvernichtungsmethode der Massenherstellung von Fleisch gezüchtete Hühnchen? Ihr so kurzes wie elendes Leben lang ununterbrochen schwanger gehaltene Kühe, um unsere grotesken Milchseen zu füllen? Seit Jahrzehnten zusammenbrechender Innereienkonsum, weil immer weniger Menschen daran erinnert werden möchten, dass Fleisch nicht auf Sträuchern und aus Gefriertruhen wächst? Was schwafelt der Herr Soapbox da, sieht er denn nicht, dass es hier um süße Wale geht?!?
Verwandter Artikel: Ein Literaturkritiker war für ein Jahr Koch und Metzger und erläutert auf großartige Weise, wie Supermärkte das Essen und uns kaputt machen. Ich bin sehr mitschuldig ...
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17.02.2008
Nahtoderfahrung
Okay, vielleicht ein bisschen übertrieben ...
Aber ich gehe nach der Uni gerne in den örtlichen Elektromarkt, um vielleicht eine schöne CD oder eine gute DVD zu kaufen oder auch nur, um ein wenig zwischen den vielen schönen Gadgets zu flanieren, wie ein trophy wife im Schuhladen.
Manchmal spiele ich auch für ein paar Minuten an einer der vielen dudelnden Konsolen, old habits die hard, und ich möchte mir zumindest die Illusion bewahren, zu verstehen, was die Jugend von heute bewegt, wir hatten damals ja nicht mal Gamepads, sondern mussten mit kleinen, hamsterbetriebenen Dynamos direkte Stromstöße an unser NES geben, um Mario zum Springen zu bewegen, vor allem in den späteren Levels hat die Frau in der Zoohandlung immer so argwöhnisch geschaut, wenn ich wieder einen Eimer Hamster-
In derlei Gedanken versunken, spielte ich also etwas "FIFA 08" auf der PS3, und Baby, eine solche Grafik hatten wir wirklich nicht, als ein etwa neun- bis zehnjähriger Knabe das zweite Gamepad auf- und mir, f'ing Ronaldinho, den Ball abnahm.
Es ist kein angenehmes Gefühl, in Unkenntnis der genauen Steuerung eines Spiels von einem Neunjährigen umdribbelt zu werden.
Es ist kein angenehmes Gefühl, selbst mit f'ing Ronaldinho keinen Pass und keinen Schuss gegen einen Neunjährigen durchzukriegen.
Es ist kein angenehmes Gefühl, einen Neunjährigen nur durch ein brutales Foul im innersten Strafraum von einem sicheren Tor abhalten zu können.
Man fühlt sich sehr alt. Sehr alt und sehr verschlagen, wie ein böses Krokodil.
Man hört die Zeit laut ticken. Man sieht einen langen Tunnel, an dessen Ende ...
Mein Torwart hält den Elfmeter.
Ich werfe alles nach vorne. Dings passt zu dem Typ. Henry tanzt um einen, zwei, drei Gegner und gibt endlich zu Ronaldinho. Schuss!
Außenpfosten! Abpfiff!! Ich werfe das schweißnasse Pad weg, reiße mir den Pulli vom Leib und renne jubelnd aus dem Laden. Nie hat sich ein Null zu Null besser angefühlt, nie lebendiger, nie jünger!
Aber ich gehe nach der Uni gerne in den örtlichen Elektromarkt, um vielleicht eine schöne CD oder eine gute DVD zu kaufen oder auch nur, um ein wenig zwischen den vielen schönen Gadgets zu flanieren, wie ein trophy wife im Schuhladen.
Manchmal spiele ich auch für ein paar Minuten an einer der vielen dudelnden Konsolen, old habits die hard, und ich möchte mir zumindest die Illusion bewahren, zu verstehen, was die Jugend von heute bewegt, wir hatten damals ja nicht mal Gamepads, sondern mussten mit kleinen, hamsterbetriebenen Dynamos direkte Stromstöße an unser NES geben, um Mario zum Springen zu bewegen, vor allem in den späteren Levels hat die Frau in der Zoohandlung immer so argwöhnisch geschaut, wenn ich wieder einen Eimer Hamster-
In derlei Gedanken versunken, spielte ich also etwas "FIFA 08" auf der PS3, und Baby, eine solche Grafik hatten wir wirklich nicht, als ein etwa neun- bis zehnjähriger Knabe das zweite Gamepad auf- und mir, f'ing Ronaldinho, den Ball abnahm.
Es ist kein angenehmes Gefühl, in Unkenntnis der genauen Steuerung eines Spiels von einem Neunjährigen umdribbelt zu werden.
Es ist kein angenehmes Gefühl, selbst mit f'ing Ronaldinho keinen Pass und keinen Schuss gegen einen Neunjährigen durchzukriegen.
Es ist kein angenehmes Gefühl, einen Neunjährigen nur durch ein brutales Foul im innersten Strafraum von einem sicheren Tor abhalten zu können.
Man fühlt sich sehr alt. Sehr alt und sehr verschlagen, wie ein böses Krokodil.
Man hört die Zeit laut ticken. Man sieht einen langen Tunnel, an dessen Ende ...
Mein Torwart hält den Elfmeter.
Ich werfe alles nach vorne. Dings passt zu dem Typ. Henry tanzt um einen, zwei, drei Gegner und gibt endlich zu Ronaldinho. Schuss!
Außenpfosten! Abpfiff!! Ich werfe das schweißnasse Pad weg, reiße mir den Pulli vom Leib und renne jubelnd aus dem Laden. Nie hat sich ein Null zu Null besser angefühlt, nie lebendiger, nie jünger!
14.02.2008
Drei Jahre Soapbox
Nach gut 500 Einträgen bin ich jetzt fast fertig damit, alle Themen angerissen zu haben, die mich bewegen. Ab ungefähr dem Sommer also endlich etwas Tiefgang hier!
17.01.2008
Siebzehn nützliche Links
PRINCE HUMPERDINCK
Tyrone, you know how much I love watching you work, but I've got my country's 500th anniversary to plan, my wedding to arrange, my wife to murder and Guilder to frame for it; I'm swamped.
COUNT RUGEN
Get some rest. If you haven't got your health, you haven't got anything.
In Darfur sterben immer noch tausende Menschen. Was macht eigentlich Britney?
Die Kreditkrise ist auch noch nicht vorbei. Lange auch nichts von Tara Reid gehört ...
Ich bin sehr für die Europäische Verfassung, unter welchem Namen auch immer. Aber ich fühle mich etwas unwohl dabei, dass sie im Schatten der Demokratie ratifiziert wird und dass das weder jemand bemerkt, noch dass es irgendjemanden kümmert. Außer dem "Economist" natürlich.
Was, Widerständler des "Dritten Reichs" wurden bis in die Neunziger angefeindet? Doch nicht in unserem Deutschland der tapferen Judenverstecker und Schwestern Sophie Scholls?
Ich möchte mit achtzig auch geistig so beweglich sein wie Juliette Gréco. Hell, ich möchte mit vierzig geistig so beweglich sein!
Auch Waylon Smithers von der FDP sagt meist recht kluge Sachen, so zum Beispiel hier über die ziemlich eklige "DDR"-Verharmlosung. Vielleicht kann ich ihn ja schon in fünf Jahren wieder ernstnehmen.
Wie kaputte Gesetze Menschen kaputt machen.
Wie eine kaputte Welt Menschen kaputt macht.
Wie das, was nicht Folter ist, Menschen kaputt macht. Unbedingt lesen!
Über die Bewohner des Prenzlauer Bergs. Juli Zeh würde gut dahin passen.
Unter 18 Sex gehabt? Ab in den Knast!
Stefan Niggemeier kämpft aufopferungsvoll gegen die Hütchenspieler der Call-In-Sender. Die deutsche Medienaufsicht schläft.
Wolfgang Schäubles Bettlektüre tut nicht einmal mehr anstandshalber nichtfaschistisch. Wenn mich doch nur irgendwas überraschen könnte ...
Zum Abschluss aber noch zwei schöne Sachen: Eine Ode an die Menschlichkeit im Rollstuhl und zehn tolle Suchtips für Google. Klasse!
28.12.2007
Dialog mit einem Weihnachtsgeschenk
Das Buch: Hey! Ich bin "Gott - Eine kleine Geschichte des Größten". Mein Autor Manfred Lütz ist Mediziner, Theologe, Philosoph und Psychologe und verspricht, alle wichtigen Argumente für und gegen die Existenz Gottes in einem historischen Überblick, mit klarer Sprache und sogar etwas Witz darzustellen. Interessiert?
Ich: Naja, eigentlich habe ich ja nicht so viel mit Gott am Hut, aber ich gebe zu, dass die theoretischen Fundamente meines Atheismus etwas Betonunterspritzung brauchen könnten. Ich schaue mal rein.
Das Buch: Musik und Kunst lassen uns das Erhabene spüren, ist es nicht so?
Ich: Das stimmt.
Das Buch: Psychologie ist wissenschaftlich bisher nicht besonders wasserdicht, und darum wäre es fahrlässig zu sagen, der Glaube an Gott sei nur eine psychische Störung, selbst wenn der Herr nicht existiert. Und umgekehrt wird eh ein Schuh daraus.
Ich: Da hast Du wohl recht, liebes Buch.
Das Buch: Ludwig Feuerbach meinte, Gott wäre die Projektion all unserer Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen, die uns angesichts des Nichts und des Leids beruhigt.
Ich: Hey witzig, das wusste ich bisher schändlicherweise noch nicht. Aber Feuerbachs Gedanken hatte ich zum ersten Mal mit dreizehn. Ich hätte halt doch zweihundert Jahre früher geboren werden sollen, wann sonst soll ich je "Heda, Stallbursch!!" rufen dürfen?
Das Buch: Äh ... ja. Aber unbenommen der möglichen Richtigkeit des Feuerbachschen Arguments könnte Gott doch trotzdem existieren.
Ich: Sicher.
Das Buch: Nun weiter. Pascal hat ja mal seine berühmte Wette aufgestellt. Sie "überzeugt auch heute noch zweifelnde Menschen".
Ich: Äh ... hat die Pascalsche Wette nicht klaffende logische Löcher, durch die man bequem die "Queen Mary 2" quer schieben könnte? Sie ist 345 Meter lang ...
Ich: ...
Das Buch: Atheismus ist oft aus Affekt gegen die vermeintlichen Exzesse der Kirche entstanden. Diese Atheisten sind ohnehin komische Kauze und haben oft keine Moral, wie der Marquis de Sade.
Ich: Könnte man de Sade nicht auch als etwas radikalen Freiheitskämpfer sehen? Und was hat es eigentlich mit der Frage der Existenz Gottes zu tun, was für Menschen die alten Atheisten waren? Gilt nicht mehr das Argument, das Du gegen Feuerbach verwendet hast?
Das Buch: Wie? Was? Hat da wer was gesagt? Wie dem auch sei, Nietzsche sagt, dass ohne Gott der Übermensch regieren und alle Schwächlinge zerquetschen wird, willst Du das? Im Übrigen sind durch die Quantenmechanik biblische Wunder durchaus möglich, ecco!
Ich: Ist das nicht sowohl ein geradezu groteskes Fehlverständnis der Quantentheorie als auch eine perfide Schwarzweißmalerei der Folgen von Nietzsches Argumenten? Tertium wirklich non datur?
Das Buch: Latein kann ich auch nicht. Jedenfalls haben Kinder eine eigene Sicht auf die Welt, die nicht schlechter sein muss als die der Erwachsenen, sie ist nur anders. Und "Kinder sind keine Atheisten", da! Sie riechen nämlich noch nach der Schöpferhand Gottes.
Ich: Mag ja sein, aber wofür war das jetzt nochmal genau ein Beweis? Ich glaube langsam eine ziemlich unerquickliche Tendenz in Dir wahrzunehmen, Buch.
Das Buch: Tendenzen? Ich? Nie!! Übrigens, die Azteken haben noch bis kurz vor dem Eintreffen der Spanier grausam Menschen abgeschlachtet, die Hindus haben eine "abstoßende" Unmenge von Göttern, und der Buddhismus befasst sich eigentlich nur mit der Existenz des Menschen und bietet ansonsten nur das Nirvana, das heißt soviel wie "Nichts", sind die nicht spinnert? Und ach so, Galilei war ein eitler Fatzke, und dieser Allah ist ein ziemlich ungemütlicher Kerl, findest Du nicht?
Ich: Ähh ... mutig?
Das Buch: Doch kommen wir nun zu den versprochenen Gottesbeweisen.
Ich: Na endlich, ich bin schon ganz kribbelig, und meine Faust fängt an zu zucken.
Das Buch: Thomas von Aquin hat im 13. Jahrhundert gesagt, dass jede Bewegung Folge einer anderen Bewegung ist. Am Anfang muss aber etwas Unbewegtes stehen, das bewegt. Dito für Wirkungen. Außerdem muss es etwas geben, das Etwas war, als alles Nichts war, da aus Nichts nichts entstehen kann, und etwas, das der höchste Superlativ ist, da es sonst keinen Vergleichsmaßstab gäbe, und etwas, das unbeseelte Körper auf ein Ziel hin wirken lässt, und dies alles nennen wir Gott. Ein heutiger französischer Philosoph meint, diese Beweise hielten bis heute "jeglicher" Kritik stand.
Ich: WTF? Jeder Fünftklässler frisch aus der Deutschstunde kann diese logischen und linguistischen Taschenspielertricks auf einem halben Blatt holzfreien Karopapiers widerlegen! Was ist das für ein Schrott?
Das Buch: Die Theodizee spielt übrigens keine Rolle, wg. Freiheit des Menschen usw.
Ich: WTF?!? Was hat es mit meiner Freiheit zu tun, wenn ich in einem Erdbeben zerquetscht werde?
Das Buch: Dein Leid ist eine Bewährung für das Paradies, mein Sohn.
Ich: Das ist doch keine Beantwortung der Frage, sondern das Unterschieben der unbewiesenen Behauptung der Existenz des Paradieses! Und selbst wenn es den Garten Eden gäbe, scheint hier ein ziemlich zynischer Gott durch, nur die Harten kommen in den Garten?
Das Buch: Schsch, noch hundert Seiten ganz neutrale katholische Bekehrungsliteratur. Kant meinte, dass innere menschliche Moral nur Sinn ergibt, wenn die Menschen frei sind, die Seele unsterblich ist und es schließlich auch Gott gibt, wozu sonst die ganze gutmenschliche Plackerei, statt einfach die Sau rauszulassen, wie Stalin, hähä?
Ich: Den alten Königsberger Junggesellen sehr in Ehren, aber auch er macht es sich zu einfach, den Sinn von Moral ohne die Existenz Gottes rundheraus zu verneinen, das könnte aber auch nur daran liegen, dass es bis zu seinem Tod weder Evolutionsbiologie noch Spieltheorie gab, die vielleicht zwei für das Thema wichtige und der Betrachtung eventuell würdige Felder wären, wenn es womöglich beliebt ...?
Das Buch: Spiel- was? Nie gehört! Ohne Gott keine Moral, Simplicio!!
Ich: ...
Das Buch: Jetzt geht's um Echnaton, Moses, Abraham und dass Gott sich seinem erwählten Volk als Person präsentiert hat, um ihm so seine gleichsam körperliche Liebe zu zeigen. "Deus Caritas Est" ist doch eine ziemlich "sexy" Enzyklika, oder nicht? Hehehe!
Ich: Können wir vielleicht kurz über die seltsame Art reden, wie Gott seinem "auserwählten Volk" Israel seine Liebe über die Jahrtausende hinweg gezeigt hat? Oder schlägt er die Juden nur, weil er sie liebt?
Das Buch: Juden? Mein Autor ist doch Katholik und in mindestens drei den Papst beratenden Gremien und Akademien, muss ich irgendwie vergessen haben, im hinteren Klappentext zu erwähnen, vielleicht ist das schlampige Lektorat schuld? Aber lies mal, Gott ist in Jesus Mensch geworden und für uns ganz echt und wirklich am Kreuz gestorben, yay!
Ich: Naja, zur heiligen Trinität hätte ich schon ein paar Fragen. Wenn Jesus und Gott einen Boxkampf ausfechten würden, und der Heilige Geist wäre der Schiri, wer würde gewinnen? Als ich das mal das einzige christliche Date meines Lebens gefragt habe, muss ich sie wohl beleidigt haben, nach dem zweiten Date in einem der besten Restaurants Stuttgarts war sie auf und davon, dabei war das Essen wirklich lecker! Schade ... Aber wie ist das jetzt mit der Menschlichkeit Jesu, wieviel Prozent sind-
Das Buch: Das Konzil von Chalcedon hat 451 festgestellt, dass in Jesus Christus menschliche und göttliche Natur "unvermischt und ungetrennt geeint" sind. Genial, oder?
Ich: Nennt nicht sogar Papst Ratze diese Erklärungsversuche "armseliges Gestammel", wie Du selbst schreibst?
Das Buch: Wo? Ich muss in der Zeile verrutscht sein ... So oder so, Gott ist Liebe, verstehste? Hier haste das große Glaubensbekenntnis von Nicäa, Amen, und alles andere "können Sie vergessen", das ist ein direktes Zitat! Konvertiere oder stirb!!
Ich: Was??
Das Buch: Hä? Max Horkheimer hat gesagt: "Warum soll ich gut sein, wenn es keinen Gott gibt?"
Ich: Mir würden auf Anhieb zwei Hände und ein Herz voll Gründe einfallen, wenn ich länger nachdenke, sicher auch noch m-
Das Buch: Das war eine rhetorische Frage, Ungläubiger, ohne Gott gibt es nur Mord, Orgien und einsame Singles, hast Du's immer noch nicht kapiert? Zum letzten Mal, öffne Dich gefälligst Gottes Liebe!! Vielleicht solltest Du mit dem "eindrucksvollen Film" "The Passion of the Christ" anfangen und Dich dann langsam hocharbeiten ...
Ich: Eigentlich stehe ich ja nicht so auf widerwärtige Folterpornos, und die komplett verlogene Mogelpackung dieses Buches, das unter einem fadenscheinigen Mantel des Vorwandes, Argumente für und gegen die Existenz Gottes zu prüfen, unverhohlen und unappetitlich erzkatholische Propaganda betreibt, macht mir auch so gar keine Lust, mal-
Das Buch: Papperlapapp! In Kunst und Musik zeigt sich doch das Erhabene, und dieses Buch ist ja nur "sehr subjektiv", außerdem habe ich ohnehin "zu viel Respekt vor Atheisten gezeigt", also alles cool, zwinker zwinker! Unterschreib zum Abschluss doch bitte noch hier, hier und... hier.
Ich:
Ich: Naja, eigentlich habe ich ja nicht so viel mit Gott am Hut, aber ich gebe zu, dass die theoretischen Fundamente meines Atheismus etwas Betonunterspritzung brauchen könnten. Ich schaue mal rein.
Das Buch: Musik und Kunst lassen uns das Erhabene spüren, ist es nicht so?
Ich: Das stimmt.
Das Buch: Psychologie ist wissenschaftlich bisher nicht besonders wasserdicht, und darum wäre es fahrlässig zu sagen, der Glaube an Gott sei nur eine psychische Störung, selbst wenn der Herr nicht existiert. Und umgekehrt wird eh ein Schuh daraus.
Ich: Da hast Du wohl recht, liebes Buch.
Das Buch: Ludwig Feuerbach meinte, Gott wäre die Projektion all unserer Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen, die uns angesichts des Nichts und des Leids beruhigt.
Ich: Hey witzig, das wusste ich bisher schändlicherweise noch nicht. Aber Feuerbachs Gedanken hatte ich zum ersten Mal mit dreizehn. Ich hätte halt doch zweihundert Jahre früher geboren werden sollen, wann sonst soll ich je "Heda, Stallbursch!!" rufen dürfen?
Das Buch: Äh ... ja. Aber unbenommen der möglichen Richtigkeit des Feuerbachschen Arguments könnte Gott doch trotzdem existieren.
Ich: Sicher.
Das Buch: Nun weiter. Pascal hat ja mal seine berühmte Wette aufgestellt. Sie "überzeugt auch heute noch zweifelnde Menschen".
Ich: Äh ... hat die Pascalsche Wette nicht klaffende logische Löcher, durch die man bequem die "Queen Mary 2" quer schieben könnte? Sie ist 345 Meter lang ...
Ich: ...
Das Buch: Atheismus ist oft aus Affekt gegen die vermeintlichen Exzesse der Kirche entstanden. Diese Atheisten sind ohnehin komische Kauze und haben oft keine Moral, wie der Marquis de Sade.
Ich: Könnte man de Sade nicht auch als etwas radikalen Freiheitskämpfer sehen? Und was hat es eigentlich mit der Frage der Existenz Gottes zu tun, was für Menschen die alten Atheisten waren? Gilt nicht mehr das Argument, das Du gegen Feuerbach verwendet hast?
Das Buch: Wie? Was? Hat da wer was gesagt? Wie dem auch sei, Nietzsche sagt, dass ohne Gott der Übermensch regieren und alle Schwächlinge zerquetschen wird, willst Du das? Im Übrigen sind durch die Quantenmechanik biblische Wunder durchaus möglich, ecco!
Ich: Ist das nicht sowohl ein geradezu groteskes Fehlverständnis der Quantentheorie als auch eine perfide Schwarzweißmalerei der Folgen von Nietzsches Argumenten? Tertium wirklich non datur?
Das Buch: Latein kann ich auch nicht. Jedenfalls haben Kinder eine eigene Sicht auf die Welt, die nicht schlechter sein muss als die der Erwachsenen, sie ist nur anders. Und "Kinder sind keine Atheisten", da! Sie riechen nämlich noch nach der Schöpferhand Gottes.
Ich: Mag ja sein, aber wofür war das jetzt nochmal genau ein Beweis? Ich glaube langsam eine ziemlich unerquickliche Tendenz in Dir wahrzunehmen, Buch.
Das Buch: Tendenzen? Ich? Nie!! Übrigens, die Azteken haben noch bis kurz vor dem Eintreffen der Spanier grausam Menschen abgeschlachtet, die Hindus haben eine "abstoßende" Unmenge von Göttern, und der Buddhismus befasst sich eigentlich nur mit der Existenz des Menschen und bietet ansonsten nur das Nirvana, das heißt soviel wie "Nichts", sind die nicht spinnert? Und ach so, Galilei war ein eitler Fatzke, und dieser Allah ist ein ziemlich ungemütlicher Kerl, findest Du nicht?
Ich: Ähh ... mutig?
Das Buch: Doch kommen wir nun zu den versprochenen Gottesbeweisen.
Ich: Na endlich, ich bin schon ganz kribbelig, und meine Faust fängt an zu zucken.
Das Buch: Thomas von Aquin hat im 13. Jahrhundert gesagt, dass jede Bewegung Folge einer anderen Bewegung ist. Am Anfang muss aber etwas Unbewegtes stehen, das bewegt. Dito für Wirkungen. Außerdem muss es etwas geben, das Etwas war, als alles Nichts war, da aus Nichts nichts entstehen kann, und etwas, das der höchste Superlativ ist, da es sonst keinen Vergleichsmaßstab gäbe, und etwas, das unbeseelte Körper auf ein Ziel hin wirken lässt, und dies alles nennen wir Gott. Ein heutiger französischer Philosoph meint, diese Beweise hielten bis heute "jeglicher" Kritik stand.
Ich: WTF? Jeder Fünftklässler frisch aus der Deutschstunde kann diese logischen und linguistischen Taschenspielertricks auf einem halben Blatt holzfreien Karopapiers widerlegen! Was ist das für ein Schrott?
Das Buch: Die Theodizee spielt übrigens keine Rolle, wg. Freiheit des Menschen usw.
Ich: WTF?!? Was hat es mit meiner Freiheit zu tun, wenn ich in einem Erdbeben zerquetscht werde?
Das Buch: Dein Leid ist eine Bewährung für das Paradies, mein Sohn.
Ich: Das ist doch keine Beantwortung der Frage, sondern das Unterschieben der unbewiesenen Behauptung der Existenz des Paradieses! Und selbst wenn es den Garten Eden gäbe, scheint hier ein ziemlich zynischer Gott durch, nur die Harten kommen in den Garten?
Das Buch: Schsch, noch hundert Seiten ganz neutrale katholische Bekehrungsliteratur. Kant meinte, dass innere menschliche Moral nur Sinn ergibt, wenn die Menschen frei sind, die Seele unsterblich ist und es schließlich auch Gott gibt, wozu sonst die ganze gutmenschliche Plackerei, statt einfach die Sau rauszulassen, wie Stalin, hähä?
Ich: Den alten Königsberger Junggesellen sehr in Ehren, aber auch er macht es sich zu einfach, den Sinn von Moral ohne die Existenz Gottes rundheraus zu verneinen, das könnte aber auch nur daran liegen, dass es bis zu seinem Tod weder Evolutionsbiologie noch Spieltheorie gab, die vielleicht zwei für das Thema wichtige und der Betrachtung eventuell würdige Felder wären, wenn es womöglich beliebt ...?
Das Buch: Spiel- was? Nie gehört! Ohne Gott keine Moral, Simplicio!!
Ich: ...
Das Buch: Jetzt geht's um Echnaton, Moses, Abraham und dass Gott sich seinem erwählten Volk als Person präsentiert hat, um ihm so seine gleichsam körperliche Liebe zu zeigen. "Deus Caritas Est" ist doch eine ziemlich "sexy" Enzyklika, oder nicht? Hehehe!
Ich: Können wir vielleicht kurz über die seltsame Art reden, wie Gott seinem "auserwählten Volk" Israel seine Liebe über die Jahrtausende hinweg gezeigt hat? Oder schlägt er die Juden nur, weil er sie liebt?
Das Buch: Juden? Mein Autor ist doch Katholik und in mindestens drei den Papst beratenden Gremien und Akademien, muss ich irgendwie vergessen haben, im hinteren Klappentext zu erwähnen, vielleicht ist das schlampige Lektorat schuld? Aber lies mal, Gott ist in Jesus Mensch geworden und für uns ganz echt und wirklich am Kreuz gestorben, yay!
Ich: Naja, zur heiligen Trinität hätte ich schon ein paar Fragen. Wenn Jesus und Gott einen Boxkampf ausfechten würden, und der Heilige Geist wäre der Schiri, wer würde gewinnen? Als ich das mal das einzige christliche Date meines Lebens gefragt habe, muss ich sie wohl beleidigt haben, nach dem zweiten Date in einem der besten Restaurants Stuttgarts war sie auf und davon, dabei war das Essen wirklich lecker! Schade ... Aber wie ist das jetzt mit der Menschlichkeit Jesu, wieviel Prozent sind-
Das Buch: Das Konzil von Chalcedon hat 451 festgestellt, dass in Jesus Christus menschliche und göttliche Natur "unvermischt und ungetrennt geeint" sind. Genial, oder?
Ich: Nennt nicht sogar Papst Ratze diese Erklärungsversuche "armseliges Gestammel", wie Du selbst schreibst?
Das Buch: Wo? Ich muss in der Zeile verrutscht sein ... So oder so, Gott ist Liebe, verstehste? Hier haste das große Glaubensbekenntnis von Nicäa, Amen, und alles andere "können Sie vergessen", das ist ein direktes Zitat! Konvertiere oder stirb!!
Ich: Was??
Das Buch: Hä? Max Horkheimer hat gesagt: "Warum soll ich gut sein, wenn es keinen Gott gibt?"
Ich: Mir würden auf Anhieb zwei Hände und ein Herz voll Gründe einfallen, wenn ich länger nachdenke, sicher auch noch m-
Das Buch: Das war eine rhetorische Frage, Ungläubiger, ohne Gott gibt es nur Mord, Orgien und einsame Singles, hast Du's immer noch nicht kapiert? Zum letzten Mal, öffne Dich gefälligst Gottes Liebe!! Vielleicht solltest Du mit dem "eindrucksvollen Film" "The Passion of the Christ" anfangen und Dich dann langsam hocharbeiten ...
Ich: Eigentlich stehe ich ja nicht so auf widerwärtige Folterpornos, und die komplett verlogene Mogelpackung dieses Buches, das unter einem fadenscheinigen Mantel des Vorwandes, Argumente für und gegen die Existenz Gottes zu prüfen, unverhohlen und unappetitlich erzkatholische Propaganda betreibt, macht mir auch so gar keine Lust, mal-
Das Buch: Papperlapapp! In Kunst und Musik zeigt sich doch das Erhabene, und dieses Buch ist ja nur "sehr subjektiv", außerdem habe ich ohnehin "zu viel Respekt vor Atheisten gezeigt", also alles cool, zwinker zwinker! Unterschreib zum Abschluss doch bitte noch hier, hier und... hier.
Ich:
24.12.2007
21.12.2007
Wild Wild Weekend
Tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben Flaschendrehen gespielt, letzten Freitag. Dabei aber entdeckt, dass das richtige Alter dafür entweder die Hälfte oder das Eineinhalbfache von meinem ist. 14, weil einem dann alles peinlich ist und jede Frage tabu und somit alles lustig, und 42, weil dann die Risse hinter den Bürgerfassaden interessant hervorkommen, schlägst Du Deine Frau noch, ist Dein Daimler schon abbezahlt und so weiter. So aber sind Körperteile, Sexbeichten und Seelenstrips nur marginal spannend, denn irgendwie und irgendwo hat man das alles schon mal gewusst und gekannt und gesehen, und so wird es so anstößig und normal wie trocken Brot.
Trotzdem ein erinnerungswürdiger Abend, und am nächsten Morgen tierisch früh und bestialisch müde aufgestanden, um zum diesjährigen Streitkultur-Cup nach Tübingen zu fahren. Daher, Debattieren ist auch Sport, nicht fit genug gewesen, um unser Team ins Finale zu bringen, aber immerhin gut genug geredet, um Teampartner T. dahin zu katapultieren geholfen oder wenigstens nicht heruntergerissen zu haben, yay for us!
Nach der sehr hübschen Turnierparty irgendwann morgens mit dem Zug nach Herrenberg gefahren und in die S-Bahn eingestiegen. Irgendwo vor Vaihingen ausgestiegen, um, äh, frische Luft zu schnappen, in die nächste Bahn rein, prompt eingeschlafen und von der Sonne an der Endstation Schorndorf geweckt worden. Leicht geärgert und ziemlich amüsiert in den Zug zurück eingestiegen, aber weil dieser so großzügig geheizt und ich immer noch so müde war, bin ich wieder eingenickt und diesmal am anderen Ende der Linie in Filderstadt aufgewacht. Dann bin ich nach Hause gefahren.
Verwundert es, dass ich bis Dienstag wie gerädert war?
Und dass ich nochmal hinwill?
Trotzdem ein erinnerungswürdiger Abend, und am nächsten Morgen tierisch früh und bestialisch müde aufgestanden, um zum diesjährigen Streitkultur-Cup nach Tübingen zu fahren. Daher, Debattieren ist auch Sport, nicht fit genug gewesen, um unser Team ins Finale zu bringen, aber immerhin gut genug geredet, um Teampartner T. dahin zu katapultieren geholfen oder wenigstens nicht heruntergerissen zu haben, yay for us!
Nach der sehr hübschen Turnierparty irgendwann morgens mit dem Zug nach Herrenberg gefahren und in die S-Bahn eingestiegen. Irgendwo vor Vaihingen ausgestiegen, um, äh, frische Luft zu schnappen, in die nächste Bahn rein, prompt eingeschlafen und von der Sonne an der Endstation Schorndorf geweckt worden. Leicht geärgert und ziemlich amüsiert in den Zug zurück eingestiegen, aber weil dieser so großzügig geheizt und ich immer noch so müde war, bin ich wieder eingenickt und diesmal am anderen Ende der Linie in Filderstadt aufgewacht. Dann bin ich nach Hause gefahren.
Verwundert es, dass ich bis Dienstag wie gerädert war?
Und dass ich nochmal hinwill?
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