06.02.2026

Meine Idee für eine neue Star-Trek-Serie

Siehe hier, warum eine neue, gute Star-Trek-Serie nötig ist.

26. Jahrhundert. Selbst die "Heiligen" (Sisko) im Paradies Erde langweilen sich, die Föderation ist ineffektiv. Das RUS-Imperium aus dem Beta-Quadranten hat die UFP infiltriert und schürt Spaltung. Der neue Föderationspräsident zweifelt den Wert von Andoria und Vulkan für die UFP an. Eine RUS-Invasion von Bolarus IX droht die Föderation im Streit zu zerstören. Nur Kapitän Edward Jellico (benannt nach seinem berühmten Vorfahren) und die Crew der USS Fukuyama halten die Vision noch aufrecht ...

"Kapitän Jellico! Wir treffen uns wieder. Willkommen. Sie mögen Pilsner, nicht wahr? Bitte."
"Möchten Sie mich nicht erschießen? Festnehmen? Wenigstens mit dem Bier vergiften?"
"Oh Kapitän. Seit vier Jahren zu je 20 Folgen kennen wir uns, und Sie verstehen RUS immer noch nicht, verstehen mich immer noch nicht. Fast bin ich verletzt. Solche kruden Methoden, auf die Sie anspielen, sind für unsere Kultur ...widerlich. Stattdessen werden Sie feststellen, dass das Föderationshauptquartier in diesem Moment dringend versucht, Sie zu kontaktieren."
"Wieso?"
"Eine unglückliche Liaison mit einer eindeutig minderjährigen Betazoidin. Ich fürchte, Ihre Magazine und Videofeeds auf der Erde sind bereits voll davon, und sie fordern Ihren Kopf. Tsk tsk, mon capitaine."
"Aber - es ist nicht wahr! Ich habe nie- es ist eine Lüge!"
"Kapitän. Wahrheit. Lüge. Ehre. Loyalität. Solche Beschwörungen werden Sie nicht vor der wahren Macht des Universums retten. Blinder. Wut."
RUS Imperator Pu'Tin
(Star Trek: Liberalism kehrt in Staffel 5 zurück)

To boldly go

Enterprise-D
Angesichts des augenscheinlichen Desasters von Starfleet Academy und von NuTrek generell wünschen sich viele langgediente Star-Trek-Fans sowas wie ein neues Schiff, eine neue Crew und eine neue Fünfjahresmission ins Unbekannte mit Geschichten über Erkundung, moralische Dilemmata und Hoffnung für die Zukunft.

Das ist sehr verständlich. Aber das Konzept "Neues Schiff mit neuer Besatzung reist ins Unbekannte" war mit "Enterprise" schon sehr ausgelutscht und hat nicht mehr viele Zuschauer:innen angelockt. Und dann kam NuTrek.

Erst die Filme, die zwar relativ erfolgreich waren, aber mit richtigem Star Trek - also der Erkundung der conditio humana mit dem Mittel von Science-Fiction-Serien - jenseits der Oberfläche nichts zu tun hatten. Zum einen, weil J.J. Abrams und Alex Kurtzman Trek nicht verstehen, vielleicht sogar nicht mögen, und zum anderen, weil es einfach objektiv schwer ist, diesen Kern von Trek auf die große Leinwand zu übertragen, wo eine Abfolge von Meetings in der Aussichtslounge und am Ende eine große Rede von Picard nicht so gut wirken wie in der Glotze. Nur Star Trek II, IV, VI und VIII haben es geschafft, neben passablem Trek auch gute Filme zu sein, weil sie jeweils eine Meditation über das Altern und Rache, eine lustige Komödie, eine Allegorie für das Ende des Kalten Krieges und Vergebung bzw. gute Borg-Action waren. Die anderen Filme waren entweder nur passable Streifen, aber schlechtes Trek (III, NuTrek 2009), passables Trek, aber schlechte Filme (I, IX, Beyond), oder weder gute Filme noch gutes Trek (V, VII, X, Into Darkness).

Nach den Filmen haben sich Kurtzman und seine Spießgesellen an neue Trek-Serien auf Streamingplattformen gewagt. Und was soll man sagen? Discovery ist ein Witz von polierten Oberflächen, völlig unprofessionellen Charakteren, Trek-Hirnwürmern wie Sektion 31 und totaler Richtungslosigkeit. Picard ist eine Leichenschändung dieses großartigen Charakters zu Lebzeiten. Niemand mag Starfleet Academy. Lower Decks und Strange New Worlds habe ich nicht gesehen und ich höre ganz Gutes, aber an eine komödiantische Zeichentrickserie lege ich andere Maßstäbe als an Realverfilmungen an, und "gut" bzw. "das beste NuTrek" bei SNW ist noch lange nicht "hervorragend" wie bei TNG und DS9.

Gibt es unter diesen Umständen heute Raum für ein neues, gutes Trek? Vielleicht, wenn Kurtzman gefeuert wird und die IP in die Hände von Leuten kommt, die sie verstehen und respektieren und, wohl am Wichtigsten, für das heutige Fernsehen und die heutige Welt anzupassen wissen. Ich glaube, dass Star Trek immer noch viel über die Menschheit und die Welt zu sagen hat. Dass es immer noch alte und auch viele neue moralische und ethische Probleme gibt, die durch Science Fiction gut erhellt werden können. Umso besser, wenn es dabei auch Weltraumschlachten und Romanzen mit grünhäutigen Außerirdischen gibt. Das sollte mit der Serialisierung und den hohen Budgets heutiger Fernsehserien gut kompatibel sein, warum nicht? Z.B. "Andor" war auch das wohl beste Star Wars seit der Originaltrilogie, hat das Franchise ganz frisch aufgefasst, und war doch unverkennbar Star Wars. So lautet das Motto gestern wie heute: To boldly go where no one has gone before!

15.12.2025

Friedensbrot

Tirade anlässlich einer deutschen Initiative von 2024, ein "Friedensbrot" zu backen, das dann in Landshut lebende Ukrainer:innen und Russ:innen gemeinsam verzehren sollten, "um ein Friedenszeichen zu setzen".

Deutschland hat nach 1945 "Nie wieder" absichtlich als "Nie wieder Krieg" statt richtiger als "Nie wieder Faschismus" missverstanden, um sich zum einen von seiner Schuld am Holocaust exkulpieren und zum anderen wieder der liebsten deutschen Tätigkeit frönen zu können, Moralisiererei. Dieses seit Bismarck ungebrochene "Am deutschen Wesen mag die Welt genesen" ist der geheime Hauptantrieb, manchmal in sinistrer, manchmal in weniger sinistrer Form, der deutschen Außenpolitik und des deutschen gesellschaftlichen außenpolitischen Denkens, besonders seit 1989.

"Wenn diese Ausländer doch nur sehen könnten, dass man einfach nur mehr miteinander reden, ganz fest an Frieden glauben und dafür klatschen muss, dann wird es bald Weltfrieden geben!"

Ich nenne das die deutsche Glöckchen-Theorie zum ewigen Frieden. Klatscht, dass Glöckchen lebe!
Glöckchen
In einem Märchen mag dies ja noch ganz charmant sein, aber aus dem Kopf Millionen ansonsten nominell mündiger Erwachsener? Selbst die Lage unseres Landes an der Front des Kalten Krieges zwischen 1945 und 1989 hat hier nicht zu einer nachhaltigen geistigen Reifung geführt, d.h. einer Anerkenntnis der Realitäten einer gefährlichen Welt mit diversen Akteuren, deren Interessen unseren teils diametral entgegenstehen, wogegen wir uns militärisch, diplomatisch, strategisch, politisch und mental rüsten müssen, denn si vis pacem, para bellum. Warum nicht?

Wahrscheinlich waren es der militärische und vor allem atomare Schutz durch die Amerikaner:innen und das (immerhin manchmal kompetente) Regeln der Ost-West-Beziehungen durch unsere Eliten, die diese geistigen Muskeln in der deutschen Bevölkerung haben verkümmern lassen. Dazu kam die fiese deutsche Bräsig- und Biederkeit, es sich im Bewusstsein seiner moralischen Überlegenheit (siehe oben) in seinem Wohlstand gemütlich machen zu wollen und dabei auch nicht zu hinterfragen, wie dieser Wohlstand erkauft wird. Mit dem Fall der Mauer fiel dann auch der letzte große äußere Anreiz, sich ernsthaft mit außenpolitischen Fragen zu beschäftigen, und diese korrosive Haltung fand zur Apotheose unter Angela Merkel, die sich "um alles kümmerte", indem sie schmutzige Wirtschaftsdeals mit brutalen Diktaturen schloss bzw. vertiefte.

Solange billiges Gas aus Russland kam, billiges Zeug aus China und billige Sicherheit aus Amerika, war der Deutsche in seiner Ignoranz zufrieden und konnte auf diese drei Länder und 191 weitere hinabschauen.

Allein, die Geschichte endet nie, und mit am wenigsten für Deutschland. Spätestens am 24. Februar 2022 brach Russland nicht nur in die Ukraine ein, sondern auch in die konstitutiven Lebenslügen ganzer Generationen von Deutschen. Da wagten es diese Osteuropäer:innen doch glatt, nicht der so vernünftigen deutschen Ansicht zu folgen, dass Frieden am Besten durch Ostermärsche und gemeinsames Brotbacken erreicht wird, sondern wollten ihr Territorium mit Waffengewalt verteidigen, ganz so, als gäbe es etwas, für das es sich zu leben lohne jenseits des Eigenheims, des Mercedes, Mallorcas und eines steigenden BIPs.

So wie es heißt, dass die Deutschen den Juden Auschwitz nie verzeihen werden, so werden auch viele Deutsche den Ukrainer:innen diesen Krieg nie verzeihen, der sie, die Deutschen, zu Versehrten ihrer Heuchelei, politischen Infantilität, Feigheit, Gier und Bräsigkeit gemacht hat. Dieser psychologische Groll mag auch jenseits der typisch deutschen katastrophisierenden Ängste über russische nukleare Eskalation (die man leicht entkräften könnte, wenn man sich in den letzten Jahrzehnten eben mal ein wenig mit Außenpolitik befasst hätte) für unser hamletsches Zögern bei Waffenlieferungen verantwortlich sein. Wenn das Haus des Nachbarn brennt, das Feuer auf unseres überzuspringen droht und wir viele Feuerlöscher haben, so werden wir ihm doch nur widerwillig einen aushändigen, wenn er uns einmal bloßgestellt hat.

Es bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass trotz all dieser geistigen Verheerungen die außenpolitische Betreuung Deutschlands durch die Westalliierten das beste war, was unserem kindischen Land passieren konnte. Wir sind nicht reif für die reale Welt. We can't handle the truth!

09.12.2025

Wie Russland Rekruten für die Ukraine gewinnt

Gut erklärt hier.

Deutsche Russlandversteher:innen verstehen das nicht, weil für sie die durchschnittliche russische Frau Anna Karenina ist und der durchschnittliche Mann Michail Gorbatschow, aber:
  • Das russische Leben selbst in den Metropolen Moskau und St. Petersburg ist relativ hart, arm und brutal; für die Peripherie gilt das vielfach stärker. Z.B. in der Oblast Omsk ist das BIP pro Kopf halb so hoch wie in ganz Russland und nur ein Viertel des Moskauers. Die für die Rekrutierung in die Armee gebotenen Summen sind also absolut transformativ und verlockend gerade für Ärmere.
  • Die Wahrheit über die Bedingungen an der Front und die sehr kurze Lebenserwartung neuer Soldaten wird von den russischen Medien natürlich verschwiegen, aber die meisten Russ:innen sind auch willens, für die imperiale Ausdehnung ihres Landes zu kämpfen und zu leiden, siehe entsprechende Umfragen.
  • Unter der Regierung zu leiden, keine Rechtsstaatlichkeit zu haben, gar gnadenlos vom Kreml verheizt zu werden sind historische Konstanten in Russland, mit denen sich die Bevölkerung über die Jahrhunderte psychologisch gut arrangiert hat und die sie lange durchhalten kann! Motto: "Ja der Zar knechtet uns, Что поделать? Aber wir sind groß und stark und man fürchtet uns. Und mit diesem einen Trick werde ich reich und kann dann selber knechten!"
  • Auf politisch-ökonomische Ebene gehoben bedeutet das, dass die Armee ihre Rekrutierungsziele vorwiegend mit älteren, ärmeren, oft geringqualifizierten Männern aus den Provinzen erfüllen kann, die schon zuvor öffentlich marginalisiert waren (also nicht laut protestieren werden), während eventuell entstehender Arbeitskräftemangel durch Ausländer wie z.B. Inder gedeckt wird, was Putin eben erst mit Premierminister Modi arrangiert hat. Ewig kann das natürlich nicht so weitergehen, weil es irgendwann selbst von diesen Leuten nicht mehr genug gibt, aber es könnte leider lange genug weitergehen, bis der Ukraine und dem Westen die Puste ausgehen und ehe die russische Wirtschaft einknickt.
Wie bei quasi allen anderen Analysen dieses Konflikts, egal von welchem Winkel her, gilt also auch hier: Wir müssen die Ukraine ausreichend bewaffnen, befähigen und unterstützen, den Invasor ganz hinauszuwerfen, und danach das Putinregime auf unbestimmte Zeit hart containen.

05.12.2025

So ist die Ukraine-Lage

Tja.

Die Ukraine-Lage ist folgende:
  • Trump sind die Ukraine und Europa ganz egal, er will nur Profit daraus ziehen oder zumindest einen Friedenspreis erhalten;
  • Verschiedene Gruppen in der US-Regierung führen Kämpfe um die Gunst des dementen Königs, um ihre Sicht der Dinge durchzusetzen;
  • Das Putinregime sieht keinen Grund, von seinen maximalistischen, ideologisch-imperial begründeten Zielen der Zerstörung der Ukraine und mittelbar der Idee des ganzen Westens abzuweichen, solange es sich militärisch erfolgreich glaubt und außenpolitisch kaum Opposition begegnet;
  • Die EU wird so lange am Spielfeldrand stehen, solange sie nicht einig aufrüstet, russische Assets beschlagnahmt, das Unterlaufen der Sanktionen u.a. durch die Schattenflotte beendet, hybriden Angriffen besser begegnet und generell mal realisiert, dass die Lage sehr ernst ist;
  • Die Ukraine ermüdet militärisch zunehmend angesichts der menschenverachtend verlustreichen, aber dadurch letztlich effektiven russischen Kriegführung, und schlingert politisch aufgrund diverser hausgemachter und internationaler Probleme.
Zusammengenommen bedeutet das leider, dass falls die EU als letzter verbliebener freiheitlicher und starker Akteur sich nicht schnell zusammenreisst und entschlossen agiert, ein ungerechter Siegfrieden für die Ukraine droht, dem dann fast sicher noch in diesem Jahrzehnt ein weiterer russischer Angriff folgen wird. Auf die Ukraine, auf das Baltikum, und/oder auf Polen. Mit erfrischten und weiter aufgebauten sowie durch zwangsrekrutierte Ukrainer:innen gestärkten Truppen, die im Drohnenkrieg sehr erfahren sind. Gegen eine zerstrittene NATO ohne solche Drohnenerfahrung und ohne die USA. Dann werden die jetzt noch akademischen und theoretischen Diskussionen über Wehrpflicht und Aufrüstung plötzlich konkret, und das Geschrei wird groß sein, dass doch niemand hätte wissen können, dass ...

Nein.

Man hat wissen können.

Man hat wissen müssen.

Man hat tun müssen!

24.11.2025

Russophrenie?

In diesem Post des Analysten Marc Saxer ist einiges leider richtig, aber die Grundannahme einer irrationalen westlichen "Russophrenie" ist falsch, weswegen die gesamte Analyse zumindest bedenklich wackelt. Es ist kein Fehlschluss, sich vor einem Angriff Russlands auf Polen oder das Baltikum in ein paar Jahren zu fürchten, auch wenn es in der Ukraine nur sehr schwer vorangekommen ist. Denn die Grundmotivationen des Putinregimes, seine vermeintliche osteuropäische Einflusssphäre zu attackieren, würden auch nach einem Waffenstillstand in der Ukraine bestehen bleiben und sich noch erheblich verstärken, weil ja die "militärische Spezialoperation" letztlich belohnt worden wäre:
  1. demokratische Modelle in der Nachbarschaft, an denen sich die russische Bevölkerung ein Beispiel nehmen könnte, zu korrodieren,
  2. gesellschaftlich sehr breit unterstützten mythoimperial-ideologischen großrussischen Träumen nachzujagen
  3. den Westen an sich als schwach und dekadent zu entlarven und so das eigene Modell besser dastehen zu lassen und
  4. den Oligarchen neue Jagdgründe zu bieten, nachdem die russischen nach 25 Jahren Putin mehr als erschöpft sind.
Neu hinzu käme ein gewichtiger Grund 5.: mit vielen zwangsrekrutierten Ukrainer:innen, den Erfahrungen des totalen Drohnenkrieges, den geographisch-militärischen Schwierigkeiten einer Verteidigung des Baltikums und der erwartbaren politischen Zerstrittenheit und Unentschlossenheit der NATO nach einer erneuten russischen Invasion, zumal womöglich ohne den MVP USA, müssen die militärischen und politischen Erfolgschancen eines Überfalls z.B. auf Estland für den Kreml sehr attraktiv erscheinen.

Außerdem 6.: die russischen Institutionen lügen diktaturlogisch notorisch über ihre eigene Stärke und die Schwäche ihrer Gegner.

Zusammengenommen würde ein unfairer Siegfrieden in der Ukraine bedeuten, dass die Gefahr eines weiteren Krieges mit Russland im Baltikum oder in Polen wohl noch in diesem Jahrzehnt stark steigen würde. Darum darf es niemals zu einem solchen kommen.

05.08.2025

Andis Kritiken #40: Irréversible (2002)

Kann Rache je die Vernichtung einer Person umkehren? Ja überhaupt ihr Ziel erreichen? Oder ist Glück ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr möglich? Diese elementaren Fragen und andere beantwortet "Irréversible" triumphal. Sowohl die umgekehrt chronologische Struktur des Films als auch sein unerbittliches Hinschauen und die großartige Leistung Monica Belluccis, die von Vincent Cassel und Albert Dupontel realistisch und nuanciert sekundiert wird, wirken zusammen, diese im Grunde einfache Geschichte unauslöschlich erinnerungswürdig zu gestalten. Umso erstaunlicher, wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein Großteil des Filmes improvisiert ist und dass die schlingernde Kamera und die stroboskopischen Effekte auch sehr albern wirken könnten. Doch so - Le temps détruit tout.

****½ von 5 Sternen

31.07.2025

Andis Kritiken #39: The Hunt for Red October (1990)

Auf Weisen war der Kalte Krieg beruhigender als die heutige Welt. Der Fall klarer, das Universum geordneter, selbst der Kapitalismus menschlicher, um den sowjetischen Vorwürfen gegen ihn weniger Nahrung zu geben. Ja die ständige Gefahr nuklearer Vernichtung, aber zum einen wäre es dann in einem Augenblick vorbei gewesen, statt z.B. fünfundzwanzig Jahre in der Agonie des "Krieges gegen den Terror" zu leben, und zum anderen konnte man, doch, auf die Verantwortung beider Seiten vertrauen. Welcher Kontrast zu Terrorismus, Genozid, Autokratie, Ferntötungen und Gesellschaftsauflösung heute, dem Treiben auf einer unruhigen, nebligen See.

Wie meinen? Das ist eine verzerrte, verkürzte, propagandistische Sicht, die die Realität des Kalten Krieges verkennt? Seinen Wahn, seine Stellvertreterkriege, die Hochrüstung, die Momente, in denen es fast losgegangen wäre?

Das kann nicht sein, denn mein größter Lehrmeister - das Kino - sagt, dass es nicht so war. Hier haben wir patriotische, ehrenhafte, vom großen Sean Connery magnetisch charismatisch geführte Russen auf einer gefährlichen Reise, die ihnen ihr ganzes Können, all ihren Mut und Listenreichtum abverlangt, und auf der anderen Seite beherzte und clevere Amerikaner unter Beratung eines tollen jungen Alec Baldwins, der Draufgängertum und Bluffen gekonnt-verzweifelt kombiniert. Gemeinsam versuchen sie das U-Boot Roter Oktober und die russischen Überläufer vor den Falken auf beiden Seiten zu schützen. Mit wunderbar kernigen praktischen Effekten, sehr gut in Szene gesetzt, auch in den Nebenrollen super gespielt und besonders unter Wasser hochspannend. Trotz eines teils nur gemächlichen Tempos schlicht ein Klassiker der U-Boot- und Politthrillergenres, mit klasse Zitaten, und klassisch auch in seiner Sicht einer einfacheren, beruhigenderen Welt vor dem Ende der Geschichte und dem Anfang unserer heutigen Probleme.

**** von 5 Sternen