09.03.05

Those were the days 4

Die vorherigen Teile dieser Serie befinden sich hier, hier und da.

Zur Auflockerung zwischendurch eine Geschichte, bei der ich mich nicht ganz so dumm wie sonst angestellt habe, die aber natürlich dennoch schiefgegangen ist.

Ich war von elf bis vierzehn in eine Mitschülerin verliebt, aber leider und selbstverständlich ohne jede Traute, auch mal was zu unternehmen, damit sie es auch merkt. Weil sowas in einer Schulklasse aber nie länger als fünf Minuten ein Geheimnis bleibt und ein besonders liebeseifriger Klassenkamerad seinem Schwarm angeblich 15 Kugeln Eis spendiert hatte, fragte sie mich eines Tages per klassischem Ja-Nein-Vielleicht-Zettel, ob ich mit ihr Eis essen gehen würde. Als ich aber ganz männlich "Ja" ankreuzte, verließ sie der von ihren kichernden Freundinnen induzierte Mut, und sie stellte die Bedingung, dass ihre beste Freundin mitkommen solle. Ich willigte in der naiven Hoffnung auf ein trotzdem zartes Rendezvous ein, und so standen schließlich die zwei Mädchen in einer Ecke der Eisdiele und schlotzten ihr von mir bezahltes Eis, während ich in der anderen Ecke stand und keiner sich traute, den anderen anzusprechen. So war das, und so eine war sie und so einer war ich, und nach der achten Klasse wechselte sie die Schule, und wie es immer ist, erst wenn man jemanden nicht mehr um sich hat, vermißt man ihn, und so schrieb ich ihr endlich einen Brief im ironischen Stil einer Kontaktanzeige. Sie aber antwortete nie, und Monate später wurde ich zum Gespött der Klasse, als einer, der sich oft mit ihren Freundinnen traf, die natürlich längst über den Brief Bescheid wußten, aber taktvoll geschwiegen hatten, posaunte, was ich "voll Peinliches" getan hatte.

Nun kann man sich natürlich fragen, was an einem netten Brief so peinlich sein soll, und ob man von schüchternen oder posaunenden Vierzehnjährigen unbedingt erwarten kann, sich völlig oder auch nur im Ansatz reif oder vernünftig zu verhalten, aber mir wäre einiges an "sie liebt mich - sie liebt mich nicht" und pubertärer Peinlichkeit erspart geblieben, wenn sie mir nur irgendwann gesagt hätte, dass sie nichts für mich empfindet. Aber wie denn, wenn sie nie ein Zeichen bekam, dass ich sie mochte? Oh Teufelskreise ...

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