22.04.2026

Andis Kritiken #62: The Great Gatsby (2013)

Worum geht es im Buch "The Great Gatsby", einem Meisterwerk der amerikanischen und Weltliteratur, quasi einem "Amerika: Das Buch" auf kaum 200 Seiten? Um die Illusion und eigentliche Unerreichbarkeit des Glückes durch Verfolgung des amerikanischen Traums, um die unsichtbaren und verleugneten Klassenschranken in jener vermeintlich klassenlosen Gesellschaft, um die moralische Verkommenheit, Achtlosigkeit und innere Leere der Reichen, auch um Fragen des Geschlechts und der Lebenslügen und um vieles andere.

Und worum geht es in diesem Film "The Great Gatsby" von meinem Busenfeind Baz Luhrmann, diesem hyperaktiven Sentimentalismusterroristen in permanentem Zuckerschock, der seit Jahrzehnten sein Unwesen in Hollywood treibt? Wie fantastisch doch 20er-Jahre-Parties waren! Dass altes Geld doch ganz gut und stabil ist und seine fragilen, lieblichen, ein wenig passiven Frauen vor eindeutig überkandidelten, labilen und geschmacklosen Neureichen schützt. Dass solche lieblichen, konturlosen Frauen sehr liebenswert und lange Schmonzetteneinstellungen wert sind. Warum Gatsby (Leonardo DiCaprio trotz allem sehr gut) so auf diese Daisy (Carey Mulligan zu sympathisch für die Rolle) abfährt? Besser nicht zu sehr hinterfragen, sonst könnte die zarte Romanze zu Asche zerfallen! Und schließlich auch, dass es selbst in jenen Zeiten nur strikte Hetero- bzw. Asexualität gab (Tobey Maguire sehr blass).

Fern ist mir, zu verlangen, dass Verfilmungen sich sklavisch an ihre Vorlagen halten sollen, oft kann aus Anders- oder Uminterpretierungen Spannendes und Großes entstehen. Aber um das gut machen zu können, muss man überhaupt erstmal die Vorlage verstanden haben. Dieses Verständnis fehlt hier, und stattdessen wird dieses so reiche und melodische Werk in ein enges, schrilles Kleid gesteckt und soll aus vollem Hals Jazzlieder schreien, während es mit der einen Hand Wunderkerzen jongliert und mit der anderen zwei Flapper zu sich zieht, um sie in Zeitlupe abzuknutschen. Eine verpasste Gelegenheit.

** von 5 Sternen

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