03.03.2008

Now playing 4

Roy Orbison.

Aus unerfindlichem Grunde bin ich musikalisch gerade in den goldenen Jahren der frühen Sechziger, und da ist kein Vorbeikommen an dem Mann mit der Sonnenbrille.

An dem Mann mit der Stimme.

Oh mein Gott, diese Stimme. Die Elvis die großartigste der Welt nannte und von der Bob Dylan sagte, dass sie Tote rühren konnte. Die einen in seinen unglaublichen Liedern über verlorene Liebe mit fast furchterregender Mühelosigkeit zu Tränen rührt und im nächsten Moment glücklich lachen lässt, dass solche Schönheit menschenmöglich ist. Mehr davon, mehr, mehr!

01.03.2008

I <3 debating

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich debattieren liebe? Nur warum?

Ich war in Hamburg, und wir sind abends mit zwei Kisten Bier in einer Barkasse durch die wunderschöne Speicherstadt gefahren und an Post-Panamax-Containerschiffen vorbei, und Baby, ich weiß, dass ein Container zwanzig mal acht mal neuneinhalb Fuß misst und große Schiffe über 300 Meter lang und 40 Meter breit sind, um mehr als 9000 Container tragen zu können, aber so ein Ding von unten zu sehen, so ein Monster, und dabei zu erkennen, dass es doch nur ein winziges Körperchen des globalen Blutkreislaufs ist, macht gleichermaßen staunend wie demütig und ist so inspirierend wie herausfordernd. Die Welt ist groß!

Ich war in Mainz, und auf diesem hervorragend organisierten Turnier gab es nicht nur ein tolles Finale im rheinland-pfälzischen Landtag und eine ausgedehnte, sehr fröhliche Weinprobe mit der amtierenden rheinhessischen Weinkönigin, wobei ich durch die schnellste Beantwortung der Quizfrage, welches Weinanbaugebiet in Deutschland denn das größte sei (Tip: nicht die Toskana), ein informatives Buch über das "Weinland Rheinhessen" gewinnen konnte, sondern auch eine schöne Kostümparty, für die ich endlich wieder meine Galauniform aus dem Großen Vaterländischen Krieg entmotten durfte. Der Osten, meine Liebe ...

Towarisch Lazar im Dienst

Schließlich war ich wie schon letztes Jahr auf dem englischsprachigen Turnier in Bremen, nach dem Jurieren in Hamburg und Mainz diesmal wieder als Redner, und von der herzlichen internationalen Atmosphäre und der herausfordernden Konkurrenz so befeuert, dass ich mit Teampartner T. und etwas Glück tatsächlich bis ins Finale in der beeindruckend schönen Oberen Halle des Bremer Rathauses gekommen bin, wo wir gegen einen ehemaligen Weltmeister und seine nicht minder kompetente Mitrednerin zwar keine große Chance hatten, aber dafür extrem viel Spaß. Yay for debating!!

Ich in Bremen

Wundert es da noch, dass Köln mein 25. Turnier sein wird?

GULag für Spitzenpolitiker

Zu manchen Themen kann ich lange nichts schreiben. Weil ich sie einfach nicht verstehe. Weil ich die Dinge, die Fakten, den Pulverdampf im Schützengraben ganz anders zu sehen, völlig verschieden wahrzunehmen scheine als die herrschende, die veröffentlichte Meinung, fast so, als würden meine Augen aufgrund eines seltenen und unheilbaren Geburtsfehlers einen an keiner Stelle überlappenden, ganz anderen Bereich des Spektrums erfassen als sagen wir, die Kai Diekmanns oder Roland Kochs. Und ich verstehe nicht.

Da schlagen zwei Jugendliche einen Rentner in München aus nichtigem Anlass fast tot. Eine sicher nicht alltägliche, aber längst nicht einzigartige Tat. Zufällig wird diese Tat aber auf Video aufgenommen, und eine bundesweite Diskussion über Jugendgewalt entbrennt, und ich verstehe nicht, warum es einen Unterschied macht, ob man über die Tat liest oder sie sieht.

Da schreibt "Bild", dass jugendliche Ausländer "doppelt so gewalttätig wie Deutsche" seien, nennt als Quelle eine Studie des anscheinend zumindest auf diesem Gebiet kompetenten Christian Pfeiffers, und ich verstehe nicht, wie man je zu selbst einem "Bild"-Journalisten werden konnte, wenn man offensichtlich noch nicht einmal die Lesekenntnisse eines PISA-Letzten besitzt, denn wenn Pfeiffers Studie, wie er auch selbst betont, etwas zeigt, dann, dass die "Ausländerkinder" nicht, wie "Bild" suggeriert, aufgrund ihrer ominösen Ausländerhaftigkeit mehr prügeln, sondern weil sie unter überproportional ungünstigen Umweltbedingungen leiden, die auch Deutsche in gleicher Lage eher zur Faust greifen lassen. Daher wundert es mich auch nicht, dass die größte Tageszeitung Deutschlands titelt, dass "auch Vater und Bruder" eines der Münchner Täter "brutale Schläger" wären, als wäre das in irgendeiner Weise überraschend, aber dieser traurigen Tatsache abgesehen von der puren Faktizität keine Aufmerksamkeit schenkt, ganz im Gegensatz zu in die gesamte Zeitung eingestreuten trojanischen Wörtern wie "südländisch" oder "Migrationshintergrund", es wundert mich nicht. Aber ich verstehe es nicht.

Da fordern Teile der Politik "Erziehungscamps", und ich verstehe nicht, warum "Autobahn" jetzt ein böses Wort ist, KZ aber nicht mehr. Doch vielleicht muss das so sein, wenn die Schläger schlimmer als Hitler sind.

Da schreibt der noch amtierende hessische Ministerpräsident, wie er, er "Deutschland anständiger machen" will, und ich spule "The Silence of the Lambs" zurück, um nachzusehen, ob Hannibal Lecter irgendwann Tips zur Tischetikette gibt, und ich verstehe wirklich nichts mehr.

Obwohl, eigentlich stimmt das nicht.

Eigentlich könnte ich nur zu gut verstehen.

Ich will nur nicht.

22.02.2008

Obama vs. Hillary

Es ist ein weiterer der zahllosen Indikatoren der überragenden Qualität des "Economist", dass er all das, worüber ich mir hierbei Gedanken gemacht habe, und das ist nicht wenig, und ich kenne mich nicht schlecht aus, und ich bin nicht dumm und auch nicht bescheiden, in einem Artikel zusammenfasst und noch weitergeht. Hier trotzdem ein bisschen Senf von mir.

Fraglos würden die Bluthunde von rechts sich sowohl auf einen Kandidaten Obama als auch auf eine Kandidatin Clinton erbarmungslos stürzen, sie tun es ja schon heute, und würde morgen Jesus selbst für die Demokraten antreten, könnte er sich übermorgen darauf gefasst machen, als dreckiger hebräischer Hippie niedergemacht zu werden, und das wäre erst das Frühstücksradio. Die Höhlenmenschen mitentscheiden zu lassen, welcher Demokrat weniger angreifbar ist, führt also nirgendwohin, zumal mit Schmutzkampagnen niemand mehr Erfahrung hat als die Clintons und es sehr, sehr befriedigend wäre, Präsidentin Hillary Clinton all die unfassbaren Unmenschlichkeiten und abgründigen Verfassungswidrigkeiten, die Cheney und W. in ihren acht endlosen Jahren begangen haben, gegen sie selbst anwenden zu sehen. Habeas corpus? Nicht für Dich, Dick! Simuliertes Ertränken ist keine Folter? Dann befragen wir Dich damit, George! Der Präsident hat alle, alle Macht? Das trifft sich ja blendend!!

Als lebenslange Politiknerdette traue ich Clinton auch zu, eine effektive Präsidentin zu sein und national wie global zumindest einige von den Trümmern fortzuräumen, die der Schwachsinnige Sohn und seine Bande hinterlassen haben, für den Rest braucht es eine ganze Generation. Und eine Frau als Oberkommandierende der größten Militärmacht des Planeten wäre ein riesengroßer Schritt vorwärts für den Feminismus und damit die Menschheit und eine große Freude für mich.

Leider werde ich aber wohl weiter auf das schöne Bild von Bush in Abu Ghraib verzichten müssen, weil Hillary Clinton, besonders nach diesem Dienstag in Wisconsin und Hawaii, wenn kein Wunder mehr geschieht, kaum noch eine Chance hat, die demokratische Nominierung zu ergattern. Trotz ihrer Ungebundenheit werden die Superdelegierten den Teufel tun, sich gegen den Willen ihrer Parteibasis zu stellen, und mit jedem weiteren überlegenen Sieg Obamas werden sie es weniger wagen, Bills wütenden Nachrichten auf ihren Anrufbeantwortern zum Trotz. Wenn Obama dank seiner einzigartig kompetenten und motivierten Organisation am 4. März auch Ohio und Texas gewonnen haben wird, ist es vorbei.

Und dann ist es auch gut so. Ja, Barack Obama ist noch nicht lange Politiker. Ja, seine gewandten Worte sind eine freie Fläche, auf die die Menschen ihre Wünsche und Träume projizieren. Ja, Hoffnung allein reicht nicht aus, um das Land und die Welt zu verändern.

Aber Hoffnung ist der Anfang. Aber der Mann ist extrem clever und intelligent. Aber der Mann kann mit sich und seinen Worten die Menschen begeistern, und wie, Baby, und das ist eine Macht, die vielleicht selbst oder gerade heute größer ist als die intimste technokratische Kenntnis: Charisma. Charisma, um das ganze Volk hinter sich zu bringen, ohne an Angst appellieren zu müssen; Charisma, um mit seinen Bürgern im Rücken Kompromisse dort zu schaffen, wo andere gescheitert sind; und endlich Charisma, um Amerika in der Welt wieder dorthin zu führen, wo es hingehört - als leuchtendes, geliebtes Vorbild. Count me in!

Nuke the whales

"Schlitzis schlachten Free Willy": Knut der Eisbär all over again, diesmal mit 42,3% mehr Heuchelei und einem großen Suppenlöffel Rassismus. Extra für die Massenvernichtungsmethode der Massenherstellung von Fleisch gezüchtete Hühnchen? Ihr so kurzes wie elendes Leben lang ununterbrochen schwanger gehaltene Kühe, um unsere grotesken Milchseen zu füllen? Seit Jahrzehnten zusammenbrechender Innereienkonsum, weil immer weniger Menschen daran erinnert werden möchten, dass Fleisch nicht auf Sträuchern und aus Gefriertruhen wächst? Was schwafelt der Herr Soapbox da, sieht er denn nicht, dass es hier um süße Wale geht?!?

Verwandter Artikel: Ein Literaturkritiker war für ein Jahr Koch und Metzger und erläutert auf großartige Weise, wie Supermärkte das Essen und uns kaputt machen. Ich bin sehr mitschuldig ...

17.02.2008

Nahtoderfahrung

Okay, vielleicht ein bisschen übertrieben ...

Aber ich gehe nach der Uni gerne in den örtlichen Elektromarkt, um vielleicht eine schöne CD oder eine gute DVD zu kaufen oder auch nur, um ein wenig zwischen den vielen schönen Gadgets zu flanieren, wie ein trophy wife im Schuhladen.

Manchmal spiele ich auch für ein paar Minuten an einer der vielen dudelnden Konsolen, old habits die hard, und ich möchte mir zumindest die Illusion bewahren, zu verstehen, was die Jugend von heute bewegt, wir hatten damals ja nicht mal Gamepads, sondern mussten mit kleinen, hamsterbetriebenen Dynamos direkte Stromstöße an unser NES geben, um Mario zum Springen zu bewegen, vor allem in den späteren Levels hat die Frau in der Zoohandlung immer so argwöhnisch geschaut, wenn ich wieder einen Eimer Hamster-

In derlei Gedanken versunken, spielte ich also etwas "FIFA 08" auf der PS3, und Baby, eine solche Grafik hatten wir wirklich nicht, als ein etwa neun- bis zehnjähriger Knabe das zweite Gamepad auf- und mir, f'ing Ronaldinho, den Ball abnahm.

Es ist kein angenehmes Gefühl, in Unkenntnis der genauen Steuerung eines Spiels von einem Neunjährigen umdribbelt zu werden.

Es ist kein angenehmes Gefühl, selbst mit f'ing Ronaldinho keinen Pass und keinen Schuss gegen einen Neunjährigen durchzukriegen.

Es ist kein angenehmes Gefühl, einen Neunjährigen nur durch ein brutales Foul im innersten Strafraum von einem sicheren Tor abhalten zu können.

Man fühlt sich sehr alt. Sehr alt und sehr verschlagen, wie ein böses Krokodil.

Man hört die Zeit laut ticken. Man sieht einen langen Tunnel, an dessen Ende ...

Mein Torwart hält den Elfmeter.

Ich werfe alles nach vorne. Dings passt zu dem Typ. Henry tanzt um einen, zwei, drei Gegner und gibt endlich zu Ronaldinho. Schuss!

Außenpfosten! Abpfiff!! Ich werfe das schweißnasse Pad weg, reiße mir den Pulli vom Leib und renne jubelnd aus dem Laden. Nie hat sich ein Null zu Null besser angefühlt, nie lebendiger, nie jünger!

14.02.2008

Drei Jahre Soapbox

Nach gut 500 Einträgen bin ich jetzt fast fertig damit, alle Themen angerissen zu haben, die mich bewegen. Ab ungefähr dem Sommer also endlich etwas Tiefgang hier!

17.01.2008

Siebzehn nützliche Links

PRINCE HUMPERDINCK
Tyrone, you know how much I love watching you work, but I've got my country's 500th anniversary to plan, my wedding to arrange, my wife to murder and Guilder to frame for it; I'm swamped.

COUNT RUGEN
Get some rest. If you haven't got your health, you haven't got anything.

Wie wahr, wie wahr, William Goldman, wie ich nach gut drei Wochen nun endlich endender Angina und Bronchitis entdecken durfte. Bis das Schiff wieder voll läuft, darum und daher erstmal nur ein paar Links.

In Darfur sterben immer noch tausende Menschen. Was macht eigentlich Britney?

Die Kreditkrise ist auch noch nicht vorbei. Lange auch nichts von Tara Reid gehört ...

Ich bin sehr für die Europäische Verfassung, unter welchem Namen auch immer. Aber ich fühle mich etwas unwohl dabei, dass sie im Schatten der Demokratie ratifiziert wird und dass das weder jemand bemerkt, noch dass es irgendjemanden kümmert. Außer dem "Economist" natürlich.

Was, Widerständler des "Dritten Reichs" wurden bis in die Neunziger angefeindet? Doch nicht in unserem Deutschland der tapferen Judenverstecker und Schwestern Sophie Scholls?

Ich möchte mit achtzig auch geistig so beweglich sein wie Juliette Gréco. Hell, ich möchte mit vierzig geistig so beweglich sein!

Auch Waylon Smithers von der FDP sagt meist recht kluge Sachen, so zum Beispiel hier über die ziemlich eklige "DDR"-Verharmlosung. Vielleicht kann ich ihn ja schon in fünf Jahren wieder ernstnehmen.

Wie kaputte Gesetze Menschen kaputt machen.

Wie eine kaputte Welt Menschen kaputt macht.

Wie das, was nicht Folter ist, Menschen kaputt macht. Unbedingt lesen!

Über die Bewohner des Prenzlauer Bergs. Juli Zeh würde gut dahin passen.

Unter 18 Sex gehabt? Ab in den Knast!

Stefan Niggemeier kämpft aufopferungsvoll gegen die Hütchenspieler der Call-In-Sender. Die deutsche Medienaufsicht schläft.

Wolfgang Schäubles Bettlektüre tut nicht einmal mehr anstandshalber nichtfaschistisch. Wenn mich doch nur irgendwas überraschen könnte ...

Zum Abschluss aber noch zwei schöne Sachen: Eine Ode an die Menschlichkeit im Rollstuhl und zehn tolle Suchtips für Google. Klasse!