02.09.06

Die Zeit

Ich habe sie in einem Impuls, inmitten meines mittlerweile glücklicherweise geschrumpften Backlogs alter Exemplare, abbestellt. Weil ich genug von sich endlos ergießenden Bleibächen habe, in denen sich nur mit Glück ein noch dazu allzuoft katzengolden schimmerndes Korn Weisheit findet. Genug vom gargantuesken Format. Genug vom hirneinlullenden Zentrismus. Genug von sich über drei nichtssagende Riesenseiten erstreckenden Celebrity-Autoren-Namedrops um des bloßen Namedrops willen. Was nicht heißt, dass ich ab sofort ZeitungIn oder DER ZEITUNG kaufen werde, zumal mein Knebelabonnement ohnehin erst im kommenden Frühjahr ausläuft. Und einige Rubriken sind einen Kauf ja trotz allem fast schon für sich wert. Zum Beispiel die "Zeitläufte" mit ihrer ergreifenden Beschreibung der vernichtenden Vergewaltigung Rapa Nuis durch Europa, der hochspannenden Geschichte von Heinrichs IV. Gang nach Canossa oder der enthüllenden Chronik der deutschen Bewunderung für Napoléon Bonaparte, der hierzulande heute gerne in kompletter und so unverständlicher wie ärgerlicher Totalverzerrung der Geschichte mit den Diktatoren des 20. Jahrhunderts verglichen wird. Welches Gesetzbuch hat der Postkartenmaler geschrieben? An der Spitze welcher seiner Armeen stand der georgische Jesuitenschüler? Was hat der Abgott der 68er gemacht, außer Blut zu saufen??

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