30.03.2007

Amerika, Dich hasst sich's besser

Mehr Deutsche fürchten sich vor den USA als vor dem Iran.

Claus Christian Malzahn schreibt dazu ausgerechnet im "Spiegel" die Erwiderung, die ich auch gerne verfasst hätte, nur weniger höflich. Ich beschränke mich daher auf ein kurzes Gleichnis:

Wer als Deutscher allen Ernstes glaubt, dass von den USA eine größere Gefahr für den Weltfrieden ausgeht als vom Iran, würde auch seinem Raubvergewaltiger auf Knien, auf Knien danken, dass er dabei zusehen durfte, wie dieser zuerst die einjährige Tochter ausgeweidet und aufgegessen hat, sein Grinsen von Blut und Knochen seines eigenen Kindes gesprenkelt. Und er verdient genau diese Behandlung, genau diese.

Hey, diese neuen Anti-Aggressionspillen funktionieren super, mein Puls ist nie höher als 85 gestiegen!

Ich beim Abendessen

Zurück zur Wirtschaft

Der "Zeit" enthoben, kann ich mich bald wieder dem unübertrefflichen "Economist" zuwenden und damit interessanten Wirtschaftsthemen. Vorher aber noch eine kleine Nachlese einschlägiger Artikel aus ersterer Publikation.

Die amerikanische Immobilienblase verliert Luft. Warum das schlecht ist, steht hier. Weil die außeramerikanische Wirtschaft in den letzten zwei Jahren zum Glück aber wieder besser Fuß gefaßt hat, könnte es auch weniger schlimm kommen als befürchtet.

Oder nicht. Denn wenn China in die Knie geht, fällt die Welt auf die Fresse.

Und schließlich sollten wir, wenn der Markt unser Sein, unser politisches Sein schon so sehr bestimmt, Konsumentscheidungen auch als politische Entscheidungen begreifen. Oder, wenn uns das zu anstrengend ist, eben warten, bis die durch den Markt groß gewordenen heute Kleinen für uns entscheiden. Soll sich dann aber keiner wundern, wenn sie uns mit Genuss und im Zeitraffer dasselbe antun, was wir ihnen in den letzten fünfhundert bis tausend Jahren zugefügt haben. Qui tacet consentire videtur.

Coole Sachen

Erste zarte Blüten des Widerstandes gegen den epidemisch grassierenden Glauben, man müsse mit 21 gefälligst seinen Master cum laude abgeschlossen haben und dabei zwei Jahre im Ausland und vier im Beruf gewesen sein, wobei man weder mit einem Partyfoto noch einer nicht absoluten Opfer- und Versklavungswillen beweisenden studiVZ-Gruppe jemals im Internet zu erwischen sein dürfe, regen sich endlich auch medial. Wir werden es uns natürlich nicht nehmen lassen, uns demnächst zum veritablen Amorphophallus dieser Résistance zu wandeln.

Helmut Schmidt liest offenbar mein Blog und warnt vor einem neuen atomaren Rüstungswettlauf. Wenigstens wird das Thema dann endlich wieder hip sein.

Gero von Randow schreibt ziemlich treffend über die Lebensbejahung des Atheismus, und Josef Joffe erinnert zum Fünfzigsten mehr als zurecht daran, warum Europa so toll ist. Zu den letzten Ausgaben meines ausgelaufenen Abonnements immerhin noch einmal ein paar erfreuliche "Zeit"-Zwischenwürfe.

Habt Ihr's gewusst? Die Welt ändert sich.

Noah Kalina fotografiert sich selbst seit sieben Jahren jeden Tag.

Und Matt Harding tanzt sich um die Welt.

Coole Sachen!

29.03.2007

Knut der Eisbär

Inmitten der überwältigenden globalen Zuneigung zum bald über eine halbe Tonne wiegenden und nach dem Fleisch kulleräugiger Robben hungernden Eisbärenjungen des Berliner Zoos möchte ich natürlich auch nicht zurückstehen und Euch daher mit den frischesten Knut-News unter- und auf dem Laufenden halten. Los geht's!

Kleiner Kunuto (3) aus dem Kongo krepiert, wog nur 7 Kilo

Ach nein, Moment, ein bedauerliches Missgeschick, ich muss auf den falschen Feed geklickt haben. Jetzt aber:

Süßer Kun To (5) aus Can Tho von Polio entstellt, zu arm für Impfung

Sowas, die Gesundheitsnachrichten scheinen schlecht sortiert zu sein. Ich entschuldige mich wirklich für diese Unannehmlichkeiten, aber jetzt kommt Knut:

Die Bäuerin Fatima Tosca (20) ist bei der Totgeburt ihrer Zwillinge in einer Lehmhütte im Westen Sudans jämmerlich verblutet. Die Schwangerschaft war das Resultat der mehrfachen Vergewaltigung Toscas durch Janjaweed-Milizen. Als Tosca starb, rief sie, dass sie ihren Mann Lassa (25), der sie verstoßen hatte, immer noch liebe, doch niemand war da, um ihre letzten Worte zu hören.

So ein Schwachsinn, jetzt sind sogar Zeitungsenten dabei, woher will man denn wissen, was sie gesagt hat, wenn kein RBB-Reporter und keine einzige RTL-Kamera dabei waren? Also wirklich, heute ist echt irgendwo der Wurm drin! Naja, ein letztes Mal versuche ich es jetzt noch - hier ist endlich Knut!!

Berlin (al), 23. März 2007
Während die Menschen und die Medien auf das Eisbärenjunge Knut starren, das heute seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte, öffnen sich angesichts der tapsigen Bewegungen, des weichen Fells und der Knopfaugen des polaren Raubtiers ihre Herzen und ihre Brieftaschen. Auf der Rückfahrt aus dem Berliner Zoo, dessen Vorstand sich seit Knuts Geburt am 5. Dezember 2006 täglich trifft, um zu den neuesten Bildern des Bären gemeinsam zu masturbieren, mit brennenden Geldscheinen sündteure Zigarren anzuzünden und erlesenen ukrainischen Zwangsprostituierten Dildos aus massivem Gold in den Anus einzuführen, kommen die Knut-Fans am alltäglichen Elend und Leid einer typischen Großstadt vorbei, oft weniger als eine Armlänge von multimorbiden Obdachlosen, alkoholkranken Straßenkindern und Frauen mit von Prügeln zugeschwollenen Augen entfernt.

Und sehen weg.

Ich geb's auf! Hier nur noch ein süßes Foto von Knuddel-Knut:

Knut der Eisbär

21.03.2007

Man at work

Ich bei der Arbeit

(Symbolfoto)

Ich würde ja gerne viel mehr bloggen. Aber ich muss schuften wie ein zehnjähriger pakistanischer Teppichknüpfer, mir nebenher einen neuen Mitbewohner suchen, brillante Themen für Hausarbeiten erdenken und weiter reisen, als es die meisten Menschen auf der Welt in ihrem Leben auch heute je tun werden, und alles noch vor dem Wochenende. Ab April wird's besser!

11.03.2007

Der Scharfmacher

So wird hierzulande Deutsch gelehrt, und wer nicht spurt, wird zu einem Stummel zerspitzt! Lest weiter bei Anna Kühne (Link nicht mehr aktuell).

Deutsch Eins für Ausländer

10.03.2007

Murat Kurnaz

Eine weitere Folge des Schäubleschen Denkens, abgesehen davon, dass es jeder Vorstellung von Menschlichkeit und Mitleid himmelschreiendst spottet, und wir wollen nur für die Dauer dieses Eintrags so tun, als wäre das nicht schon längst, längst Grund genug, zum Artikel 20 Absatz 4 zu greifen und allem, was er mit sich bringt: Wenn man in einem ausländischen Gulag landet, wird man von der deutschen Regierung darin schmoren gelassen. Mehr noch, sie spuckt auf einen, von ganz tief hochgerotzt.

Abstoßend.

09.03.2007

Ariadne von Schirach

Entsinnen wir uns noch dieses Eintrages über einen grausamen, grausamen "Spiegel"-Artikel selbiger Autorin?

Jetzt hat sie, oh Gott, ein fast 400 Seiten langes Buch daraus gemacht.

In einer "Zeit"-Anzeige zur Veröffentlichung fällt mir zuerst ihr Gesicht auf. Ein schönes, blondes Gesicht mit runden Wangen und einer niedlichen Nase, wachen Augen und forschendem Blick. Rechts davon der Titel, auf dem vor allem groß "Lust" steht. Darüber ihr Name, bei dem man sich sofort fragt, ob ...und ja, sie ist sogar seine Enkelin. Da sind ihr selbstverständlich völlig uneigennütziger Förderer Matthias Matussek, ausgerechnet, und dessen ejaculatio praecox "Ein wundervoller Text ..." am Ende der Anzeige nur mehr unnötige heiße und stinkende Luft, der erwartet gewaltige Medienorkan ist schon unterwegs.

Jung. Blond. Frau. Ficken. Führer.

Es ist, als hätte eine gute Fee die heimlichsten und dunkelsten Obsessionen des Deutschen, des Deutschen an sich erraten, all seine Wünsche gewährt und sie in Ariadne von Schirach und ihrem Buch verkörpert, fehlt nur noch, dass sie zugibt, dass sie einmal Sex mit einem Daimler hatte oder wenigstens mit Dieter Zetsche:

Seine Glatze schillerte wie die Motorhaube eines SL500 im Lichte eines New Yorker Herbstmorgens, und ich strich lachend darüber, auch weil sein Schnauzer mich kitzelte. Er sah, zwischen meinen Beinen, fragend auf, und ich drückte ihn erneut nieder und rief: "Ich bin Amerika, Dr. Z! Erobere mich mit deutscher Wertarbeit!! Importiere Deinen Maybach 62!!!"

Nur impotente und frigide Spielverderber würden bei einer solch feuchtfröhlichen nationalen Orgie nachfragen wollen, was es eigentlich mit dem Inhalt eines Buches zu tun hat, wie seine Autorin aussieht, ob es nicht seltsam ist, dass ein "von", und dann gar ein "von Nazi" auch über sechzig Jahre später noch immer erstaunlich viele Türen zu öffnen scheint, und ob die "Thesen" der Frau von S. es überhaupt im Ansatz wert sind, mit derartiger Resonanz verbreitet zu werden. Und darum tue ich es auch nicht.

Sondern google weiter nach "Ariadne von Schirach nackt".