13.10.06

Those were the days 7

Where were we ...?

Ah: Hier die Teile 1, 2, 3, 4, 5-1, 5-2, 6, 6 1/2 und 6 3/4.

Nach der Schule also. Zwei Monate Nichtstun. Immer noch ungeküsst. Dann zum Bund, Rommelkaserne Dornstadt bei Ulm.

"Warum?"

Das Kreiswehrersatzamt hatte die neuen Rekruten ...

"Du bist so witzig. Warum?"

Warum nicht?

"Das ist Dein ganzer Grund? Bist Du ein bißchen bescheuert? Oder einfach nur naiv?"

Nein wirklich, warum nicht? Ich war schon damals kein Freund der besonders perversen Abart des Antiamerikanismus, die sich hierzulande Pazifismus nennt, fürchtete keine körperliche Betätigung und konnte und kann bis heute pathologisch schlecht lügen, vorgeschobene Gewissensgründe kamen also nicht in Frage. Ich würde schießen.

"Brav, Rambo. Erzähl weiter."

Die Grundausbildung war schön. Jeden Tag voll zu tun, euphorisierender Sport, durch unberührte Natur gleiten, das heißt, in tiefster Gangart mit der Nase mitten durch die warme Erde, totale abendliche Erschöpfung, schwacher Schein des verborgenen Feuers in klarer Nacht im Wald ... Die anderen haben alle gelacht, als ich am Ende, als wir unsere schönsten Momente erwähnen sollten, jenen nannte.

"Dich gibt's wirklich nur einmal, Rambo. Und wahrscheinlich nimmst Du das auch noch als Kompliment."

Danach, in der Fahrschulkompanie, war nicht so viel zu tun, eigentlich gar nichts. Von Pause zu Pause gehangelt, vor dem Spieß versteckt, Eier geschaukelt, Tage gezählt ...

"Ich will ja nicht ungeduldig wirken, aber was haben diese sicher pittoresken Schilderungen eigentlich mit dem Thema ..."

Die Kameraden hatten alle ihre Freundinnen. Nach Dienstschluß, im Halbdunklen unseres Korridors, leuchteten die Displays ihrer damals klobigen Telefone grün, Flüstern erfüllte die Luft. Mittendrin ich, so einsam, wie man in einer Menge von Menschen nur sein kann. Wundert es, dass ich verzweifelt mein Adreßbuch durchblätterte, nach Nummern suchte, die auch ich anrufen konnte, und auf der anderen Seite dann im besten Fall Amüsiertheit und ein nettes Gespräch, ansonsten Schweigen erntete? Wundert es, dass ich, als Kamerad H. mich fragte, wieviele ich schon "gehabt" hätte, schwieg, immer noch unfähig zu lügen, aber auch zu feige, die Wahrheit vor ihm, vor mir auszusprechen? Wundert es, dass ich still weinte?

"Manchmal machst Du es einem echt schwer, noch sarkastisch zu sein."

Endlich schrieb ich Belle einen Brief, ich vermißte sie. Sie, der Mensch, der sie war, traf sich mit mir auf einen Spaziergang, freudig, längst hatten wir uns wegen der Gastonne-Geschichte ausgesöhnt, doch hatten wir uns die letzten Monate nicht gesehen. Und während wir so gingen und sprachen, sagte sie mir, auf mein freundliches Stupsen hin, sie habe einen Freund.

"Und Du?"

Ich brachte unser Date hinter mich, wie es eben ging, mehr Automat als Mann, lief heim, laute Musik, lautere Verzweiflung, ich habe sie nie mehr gesehen. Das ist heute acht Jahre her.

"Dir war wirklich nicht zu helfen, oder? Ist Dir vielleicht irgendwann einmal aufgegangen, wie verletzend es ist, wie eine heiße Kartoffel fallengelassen zu werden, nur weil man einen Freund hat, wie verletzend es ist, als pures, pures Mittel zum Zweck benutzt zu werden? Ist das so schwer zu verstehen? Warst Du wirklich so vernagelt, so versperrt, so dumm, Du?"

...

"Ich hoffe nur für Dich, dass Du weißt, was Du ihr sagen wirst, wenn Du sie je wiedersiehst. Sieh Dich vor, man trifft sich immer zweimal."

Interessant wär's ja ... Nach dieser Episode war aber nicht mehr viel, und trotz mehreren Discobesuchen mit den Kameraden verließ ich schließlich das Militär im Sommer des nächsten Jahres genauso unberührt und liebesdurstig, wie ich im Herbst zuvor gekommen war. Mein nächstes Ziel: die Fakultät Informatik.

"Selbst wenn man wollte, könnte man Dein Leben nicht satirischer erfinden. Ich kann mir genausogut noch eins wie noch tausend Kapitel dieser Serie vorstellen und weiß nicht, ob ich darüber weinen, bitterlich weinen oder lachen soll, aus vollem Herzen lachen. Hör nur nicht auf, bevor es zu Ende ist."

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