26.10.06

Those were the days 8

Hier die früheren Teile dieser Serie: 1, 2, 3, 4, 5-1, 5-2, 6, 6 1/2, 6 3/4 und 7.

Es ist soweit. Der Wanderer gewahrt den Bergkamm. Der Bocksgesang hebt zur Peripetie an. Klotho nimmt einen neuen Faden-

"Oh. Mein. Gott. Kannst Du einmal eine Geschichte normal erzählen? EINMAL?!?"

Ich war schon über ein Jahr Informatikstudent gewesen und, natürlich, immer noch gezwungen Single. Hatte nach dem zweiten Semester, damals schon mit dem Fach unfroh, alle nötigen Untersuchungen machen lassen, um meine Tauglichkeit für meinen alten Traumberuf des Piloten zu bestätigen, 20/20 war ich, natürlich, aber im letzten Moment habe ich vor dem Lufthansatest gekniffen.

"Warum?"

Das Geld hätte nicht für die Ausbi-

"Und warum wirklich?"

Angst?

"Wen fragst Du das? Aber können wir darüber nicht in einem anderen Eintrag schreiben? Ist ja nicht so, dass Du nicht noch genug Stoff für die nächsten Jahre hättest, Psycho Boy."

Na gut. Jedenfalls studierte ich also weiter, und nach einer etwas sinnlosen und kurzen, natürlich unglücklichen Winterverknalltheit in eine etwas kurz Bekannte ging ich, das Frühjahr kam, zur, ich glaube, Geburtstagsfeier eines Freundes, nennen wir ihn Julius, Julius No.

"Oh Gott. In Ordnung, James. Erzähl einfach weiter ..."

Alle zehn, fünfzehn Gäste saßen im Kreis, aßen Chips, tranken Fanta, die Wagemutigen Cola, sprachen über Speicherbausteine, es war eine Informatikerparty, sprachen in Grüppchen von zwei, drei, ich schwieg, dann kam, aus der Küche, sie.

Sie, eins siebzig, schlank, fast dünn, Haut wie Creme, Haare wie Honig, Augen wie Karamell, Worte wie Sahne, im Gespräch mit ihm, Oddjob, nennen wir sie Honey, Honey Ryder. Sie sagte, ich weiß es wie gestern, antisemitischen Schwachsinn, jeder Befehl für Israel werde in New York unterschrieben, was half's, ich war aus fünf Metern, in fünf Minuten, am anderen Ende des Kreises, schon hoffnungslos verliebt, starrte und schwieg. Die Zeit ging, die Informatiker gingen, ich war später gekommen, wollte also noch "ein bißchen" bleiben, sie hatte ein Auto, das Natürlichste der Welt, dass sie mich noch heimfährt, es war doch schon spät, nur, Oddjob, der auch noch "zufällig" da war, mußte ebenfalls heim.

Wir fuhren zu dritt, kamen endlich an der Universität heraus, zur Abzweigung, an der wir rechts mußten, um zu seinem Wohnheim zu kommen, aber er sagte nichts, nichts, ich konnte ja nicht erwähnen, dass wir HIER RECHTS REIN müssen, wie ein Kettenhund von einer Anstandsdame, dabei war ich längst beides, aber egal, nur eine kleine, signifikante Episode. Vor meinem Zuhause tauschten wir Mailadressen, ein seltener Gipfelpunkt meiner Traute, und so begann es, alles.

Studium-Generale-Vorlesung, Geschichte der Rauschmittel, interessant, No, Oddjob und ich warten auf sie, sie kommt auf der Rolltreppe aus dem Tunnel, Honey, Eurydike, Oddjob umarmt sie linkisch, ich traue mich nicht mal das, im Hörsaal läßt er erst No in die Stuhlreihe, dann sie, bevor er sich, sein Plan, neben sie setzen kann, schlüpfe ich dazwischen, wir Comicfiguren.

Ich treffe sie zufällig, auf dem Weg zur, sie von der Uni, ihre "Telefonphobie" läßt sie ihre Nummer nicht so einfach herausgeben, ich schlucke es, wie alles, schreibe ihr Mails, Mails, Mails, in die ich mich hineingebe, hineinlebe, hineinblute, Orpheus, aux enfers.

Wir sitzen auf dem Rasen an der Universität, ich greife Grashalme von ihren Schuhen, wir sprechen über Kershaws Hitlerbuch, Reich-Ranickis Lebensbuch, Himmel.

Wir sitzen auf der Bank im Park, es ist flirrender Frühling, die Bäume schneien, meine Augen, Heuschnupfen, brennen, ich nestele Blüten aus ihrem Haar, sie lacht, mein Herz schlägt, aber ich habe gefragt, ob ich ihre Haare berühren darf, ich will nicht scheinen, als wollte ich sie nur, weil sie gerade wenige Monate getrennt ist, ich will sie nicht belästigen, nicht bedrängen, nicht berühren, stehe mir selbst im Weg, wie ein Riese, wie ein Wurm.

Ich treffe meine Freunde vom Bund, morgens ist mein erster Gedanke sie, nach der Sauftour laufe ich zu ihrer Wohnung, pflücke eine Blume aus dem Park, hefte einen Gruß daran, suche nach ihrem Briefkasten, als ich merke, dass er im Hausflur ist, abgeschlossen, ein Moment Verzweiflung, doch der Stapel Samstagszeitungen ist schon da, nur sie liest DER ZEITUNG, Gott bewahre, aber als sie sie am Morgen öffnet, fällt meine, ihre Blüte in ihren Schoß, sie freut sich, sehr.

Ihr Geburtstag, sie sagt, meins sei das beste Geschenk, Lyrik, Heine, mit Widmung.

Sie ist oft nicht erreichbar, nicht am Telefon, nicht per Mail.

Ich stammele, wie sehr es mich freut, Zeit mit ihr zu verbringen, sie sagt, dito, immer das, nur das, dito.

Ich frage, ob ich ihre Hand nehmen darf, ich frage es tatsächlich. Ich darf.

Mir ist nach einer Party, mit Krabbensalat, schrecklich übel, wir bringen sie heim, unsere Hände berühren sich am Geländer vor dem Haus, unsere Blicke, ich hätte sie geküsst, wäre mir nicht so übel gewesen.

Mein letzter Gedanke abends ist sie, ich zittere, meine vergangenen Nichtliebschaften türmen sich schwarz neben, über meinem Bett, über mir.

Lichterfest Stuttgart, zu dritt, No, ihr bester Freund, Honey, ich, danach müssen wir eigentlich in zwei verschiedene Richtungen heim, aber ich gehe mit ihnen, nehme Anlauf, zwei Stunden lang. Vor ihrem Haus, Warten auf mein Taxi, vier Uhr morgens, ich frage sie, ob ich ihr was sagen kann, ja, ich stammele, sage, dass ich mich mit Haut, Haar, hätte ich Federn, auch mit ihnen, in sie verliebt habe, verliebt, verliebt.

Sie hat auch Gefühle für mich, fühlt sich überrascht, sagt, laß es uns am Telefon besprechen, am Telefon.

Sie hat es nie mehr abgenommen.

Fortsetzung folgt ...

Kommentare:

  1. Also, wie kann man nur...

    ...wenn sie sogar sagt, sie habe auch Gefühle für Dich - warum hast Du dann nicht alles in Bewegung gesetzt, um sie zu erreichen? Für euch gekämpft? Ein bisschen Einsatz gezeigt?

    Warum bist Du nicht zu ihr gefahren?

    Du hast immer nur brav versucht, sie anzurufen?!

    Ist man *wirklich* verliebt, wenn man nicht für den anderen die Welt auf den Kopf stellen würde?

    Erwartest Du wirklich, dass Dir die gebratenen Tauben ins Maul fliegen?

    Ansonsten ist es sicher auch nie blöde, mit so einem Liebesgeständnis noch etwas zu warten, auch wenn man das Gefühl hat, man kann keine Sekunde länger warten.

    Naja, vielleicht lernst Du ja mal zur Abwechslung draus. :-)

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  2. Ich sagte doch - Fortsetzung folgt :P

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  3. ...aber keine schlechten Punkte.

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  4. Hach... spontan fallen einem High Fidelity ("What came first, the music or the misery? People worry about kids playing with guns, or watching violent videos, that some sort of culture of violence will take them over. Nobody worries about kids listening to thousands, literally thousands of songs about heartbreak, rejection, pain, misery and loss. Did I listen to pop music because I was miserable? Or was I miserable because I listened to pop music?") und ein Sack voll selbstbemitleidender Rocksongs ein:


    Shesmovedon
    Feel so low

    Ich fühle mit Dir! ;-)

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  5. Da bestätigt sich die soeben erfundende, alte Bauernweisheit:

    "Man sollte nie den Anfang wagen,
    Mit Schalentieren in dem Magen"

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  6. Armer Andi, ich fühle mit Dir...
    :'(
    BE STRONG!

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